Silvester im Flughafenhotel

Happy New Year oder das Elend von Silvester

Tja, das wäre ein schöner Romantitel, nicht wahr? Nein, wohl eher nicht. Ich könnte Silvster auch Murmeltiertag nennen, doch auch das wäre ziemlich abgedroschen, denn Jahr für Jahr quält uns die Aussicht auf den Jahreswechsel. Nicht, weil ein ein neues Jahr nicht Verbesserung verspräche – 2018 MUSS besser werden!!! -, sondern weil der Kalenderwechsel mit dem Silvesterabend einhergeht und damit mit häuslichen Dramen der schlimmsten Kategorie: Nervenzusammenbrüche bei Hund und Halterin.

Hundepanik vs Knallspaß

Ja, es ist wirklich so dramatisch. Das Tier leidet bei der Scheiß-Knallerei Todesängste und ist durch NICHTS zu beruhigen. Am wenigsten durch die gutgemeinten Tipps und Sprüche einiger Menschen aus dem näheren und weiteren Umfeld, wie man den Hund am besten “schussfest” bekommt. Toni ist jetzt neun und wird die sinnlose Knallerei immer hassen! Egal was. Da helfen weder Pheromonhalsbänder noch Bachblüten noch Beruhigungstabletten noch Panikbandagen (don’t ask!) noch Desensibilisierung (dazu haben wir in Frankfurt übers ganze Jahr reichlich Gelegenheit, denn in den Sommermonaten ist praktisch wöchentlich Feuerwerk!) noch sonst was.  Am wenigsten hilft übrigens der Kommentar, der Hund (oder wahlweise die Halter) möge sich nicht so anstellen, schließlich sei das doch alles nur ein schöner harmloser Spaß … Diesen Menschen wünsche ich nur eine einzige Stunde mit meinem Hund im Vollpanik-Modus. Viel Vergnügen dabei!

Das einzige, das wirklich hilft, ist Flucht! Flucht in eine ruhige Umgebung. Was hierzulande nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, denn Knalltüten – man verzeihe mir den Wortwitz , die auch in Verbotszonen rumballern, gibt’s leider immer. Ich spare mir an dieser Stelle Ausführungen, warum ich diese gottverdammte Böllerei für sinn- und hirnlos erachte, denn damit stehe ich ziemlich allein da. Nur so viel: Ich habe heute mit nicht zu leugnender Wonne die ersten Berichte über Knalltraumata, abgetrennte Gliedmaßen und Augenverletzungen, die womöglich zur Blindheit führen, gelesen. Geschieht euch recht!

Silvester am Flughafen

Wohin also mit der armen Seele? Sylt wäre eine Option gewesen – doch arg weit weg. Stattdessen haben wir die Nacht am Flughafen verbracht! Präziser im Sheraton Airport Hotel, wo ein findiger Geist auf die geniale Geschäftsidee gekommen ist, für neurotische Rudel ein Silvester-Package anzubieten: Wuffi darf im schalldichten Zimmer schlafen und seine Zweibeiner sogar ins Restaurant zum Gala-Büffet begleiten. Yeah! Gesagt, getan. Was soll ich sagen? Es hat funktioniert. Am Flughafengelände darf nicht geknallt werden und außerdem sind die Zimmer tatsächlich ziemlich nachhaltig abgeschottet. Übrigens auch von echtem Sauerstoff. Und “Schöner Wohnen” darf man natürlich auch nicht erwarten, doch was tut der verzweifelte Hundebesitzer nicht alles? Wir haben also einen halbwegs ruhigen Jahreswechsel verbracht und müssen uns jetzt “nur” noch mit den Querschlägern auseinandersetzen, sprich den Witzbolden, die bereits drei Tage vorher und drei Wochen nach Silvester rumböllern. Weil’s halt so verdammt viel Spaß macht, Krieg zu spielen.

Der will doch nur knallen

Neben den eindeutigen Vorteilen (keine Nervenzusammenbrüche bei Mensch und Tier!), hatte das Arrangement aber natürlich auch Nachteile – und nicht nur finanzielle, denn natürlich läßt sich das Hotel dieses Angebot teuer bezahlen. Man hat reichlich Gelgenheit sich grundsätzliche Gedanken zum Thema Feuerwerk zu machen – und viel dazu zu lesen. So wurde das erste Knallspektakel im 14. Jahrhundert zu Pfingsten in Vicenza abgefackelt. Mutmaßlich um böse Geister zu vertreiben.

Nun sind wir dann doch ein paar Jahre weiter, doch beim Thema Feuerwerk setzt der Verstand von sonst vernunftbegabten Zeitgenossen komplett aus. Offenbar gibt es vor allem bei kleinen Jungs den unstillbaren Impuls zu zündeln und etwas mit lautem Getöse in die Luft zu jagen. Da sagen selbst die pazifistischsten Eltern mit mildem Lächeln “Ach, wir haben nur ein paar Raketen gekauft, weil der Kleine so gerne ein bisschen knallen möchte.” So als könne man da nichts dagegen tun. Schlimmes Schicksal das … Wie wäre es mit ein bisschen Training in Impulskontrolle? Dies ist vor allem an die Adresse der Erzeuger gerichtet, die die Knallkörper in der Regel ja kaufen und bei der Vorstellung an fetten Lärm offensichtlich auch wieder kleine Jungs werden. Es gibt keinen formalen Zwang, bei dem Scheiß mitzumachen, doch lemminghaft tun es dann doch alle. Da hat die Evolution bombig versagt – vor allem bei den Doppel-X-Chromosom-Trägern …

Wozu das führt kann man dann schön in den Polizeireports lesen (abgetrennte Finger etc.) – und bei anderen kleinen Jungs beobachten, die es erschreckenderweise bis an die Knöpfe der Atomwaffen gebracht haben. Vielleicht wollen Donald Trump und Kim Jong-un auch nur mal wieder ein bisschen knallen?

Intelligenz oder Instinkt

Es ist ganz sicher naiv anzunehmen, dass man auf einen flächendeckenden Sieg der Intelligenz hoffen soll, denn rein logisch betrachtet, ist die Knallerei nicht nur teuer und gefährlich, sondern vor allem komplett sinnlos. Doch der männliche Instinkt ist stärker. ER will es mal so richtig krachen lassen – buchstäblich und übertragen. Und es ist ebenso naiv zu glauben, dass irgendjemand sich aus Mitleid für ängstliche Kreaturen wie meinen Hund, die meisten Zootiere, Vögel, Füchse, Rehe …. vom Knallen abhalten lässt. “Brot statt Böller” interessiert ja auch niemanden. Doch vielleicht, ganz vielleicht denken ein paar wenige Menschen doch um und hören mit der Kriegstreiberei zum Jahreswechsel auf. Damit würde die Welt ein etwas friedlicherer Ort werden. Das ist meine Hoffnung – und Hoffnung und Zuversicht sind meine guten Vorsätze für 2018 – die könnten besser funktionieren als die vom letzten Jahr!

 

Tire Iron: Gut ist, wenn es wehtut

Nein, dies wird keine Brandrede für die durchaus fragwürdigen Wonnen von BDSM, sondern die Besprechung eines kulturellen Höhepunkts. Dieser fand am letzten Samstag in München statt und war sehr … nun ja … eindringlich!

Tire Iron – Rock on!

Global gesehen war der Samstag ein ganz schwarzer Tag für die Rockmusik. Malcolm Young, genialer Rhytmusgitarrist, Gründer und Sounddesigner von AC/DC, war seinem Demenzleiden in Australien erlegen. Doch die Show musste natürlich weitergehen. Nicht nur für seine verwaisten Kollegen, die ohnehin schon seit mehreren Jahren ohne ihn auskommen müssen, sondern auch für die ambitionierte Nachwuchs-Combo Tire Iron aus dem Münchener Umland. Ihr einziger Gig auf der mehrfach ausverkauften Welttournee 2017 würde nicht ausfallen, nur weil die Saiten Trauer tragen. Wobei es eine knappe Entscheidung war – was ehrlicherweise nicht so sehr am verschiedenen Malcolm lag, sondern an der strapazierten Kehle von Sänger Lars, doch dazu später mehr.

Habe ich eben “Nachwuchs-Combo” geschrieben? Das muss ich kurz relativieren. Ich meine damit weniger das Alter der Bandmitglieder, sondern eher  die Aktivitätsdauer … wobei … ein Blick auf die Website verrät, dass die Herren nun auch schon seit März 2012 miteinander musizieren.  Hm, dann also einfach: Band! Sorry, Männer!

Déja-vu – oder Wiedersehen macht Freude

Als Fangirl der ersten Stunde wäre ich natürlich untröstlich gewesen, wäre der Auftritt abgesagt worden, war ich doch extra durch die halbe Republik geeilt, nur um Tire Iron zu erleben. Und so war ich unfassbar gespannt, was nach der Vorband mit dem klangvollen Namen Tested on Animals kommen würde. Mein erstes Mal mit den Jungs war nämlich ein wenig ambivalent gewesen – siehe auch diesen Beitrag.

Was sofort auffällt: Bassmann und Gitarrist haben jeweils eine Armada an Instrumenten neben sich stehen, die höchst nuancenreiche Klangwelten versprechen. Der Drummer hat dafür die meisten und längsten Haare und entlockt seiner Batterie durchaus auch differenzierten Sound. Zumindest war dies der erste Eindruck, ehe die Ohrstöpsel zum Einsatz kamen. Denn vor allem sind sie laut. Laut im Sinne von richtig laut. Schmerzhaft laut.

Einen Sänger hatten sie damals nicht, was ich mit Bedauern und Ohrenklingeln zur Kenntnis und zu Papier gebracht habe: “Was außerordentlich schade ist, denn die ein oder andere Melodielinie hätte durchaus das Zeug zum Ohrwurm. Gesangsstunden oder noch besser: ein richtiger Sänger wären wohl der logische nächste Schritt.”

Immer schön, wenn Kritik auf fruchtbaren Boden fällt, denn seit kurz nach der Veröffentlichung meines damaligen Artikels, haben sich Tire Iron Verstärkung geholt in Form von “Töny Moneau” – wie der Wrestler-Name von Lars lautet. Übrigens weder verwandt noch verschwägert mit Airedale Toni. Soweit ich weiß jedenfalls … Lars-Töny ist jedenfalls eine Granate am Mikro und eine lupenreine Rampensau, kurz eine fantastische Bereicherung! Wenn auch mit einer besorgniserregenden Schwäche für das Kurschatten-Mineralwasser “Staatlich Fachingen”. Als er begann, an der markanten grünen Flasche zu zuzeln, war ich schwer beeindruckt: Ein Rocker mit Stil! Trinkt kein Bier, sondern Weißwein! Dachte ich. Bis ich näher herantrat und das markante Behältnis erkannte. Auweia. Angeblich war dieses seltsame Verhalten seiner kaum genesenen Halsentzündung zu verdanken. Kleiner Tipp: Wenn schon Wasser, dann aus einer standesgemäßen Flasche. Imagepflege ist auch wichtig! Das gilt übrigens auch für die Leichtbier- und Spezitrinker … *justsaying*

Doch nun zur Show

Sonst gibt’s wenig zu mäkeln, denn auch musikalisch haben sich die Herren weiterentwickelt. Silberlöwe Stefan aka “Sinnister” an den Drums sorgte für rasante Beats, “The Other One” Claus am Bass (noch ein “Anderer” – muss ein Familiengendefekt sein …) hielt den Laden zusammen und “Löuder” alias Jens blieb seinen Motto treu: mehr ist mehr! Er brauchte fünf Gitarren für die ungefähr zwanzig Nummern umfassende Setlist und wurde dabei auch immer lauter.

Inzwischen spielen Tire Iron fast nur noch eigene Songs, die man stilistisch wohl als “Metal-Punk mit Bluesrock-Elementen” bezeichnen könnte.  Mein persönlicher Favorit war eindeutig “Poltergeist”, wobei auch Löuders Hommage an seinen Pudel “My White Dog” irgendwie zauberhaft-schräg ist.  Die wenigen Cover stammen von Motörhead und es wird deutlich, dass hier lieber Lemmy gechannelt wird als Malcolm, und vielleicht ist das auch besser so …

Habe ich erwähnt, dass Tire Iron laut sind? Nein? Okay: sie sind laut. LAUT!! VERDAMMT SCHEISSLAUT!!! Und ohne Ohrstöpsel, die fürsorglich und kostenlos an der Kasse ausliegen, nicht ohne bleibende Pfeifgeräusche zu ertragen. Für die Ursache dieser Dezibel-Aufrüstung gibt es mehrere Theorien – vom reinen fröhlichen Spieltrieb bis zur altersbedingten Schwerhörigkeit eines Instrumentalisten -, die alle irgendwie logisch klingen, aber keine Entschuldigung sein dürfen. Nein, Schmerz ist kein Qualitätsmerkmal! Es ist besser, wenn es nicht wehtut!

Und beim nächsten Mal

Da es schon einmal so fein geklappt hat mit meinen Anregungen, gibt’s auch diesmal wieder eine Wunschliste:

  1. Ich steh nicht so auf Schmerzen – auch nicht in den Ohren, also bitte ein bisschen viel leiser!
  2. Weniger ist mehr – vielleicht nur 90 Minuten und dann noch ein paar Zugaben?
  3. Eine AC/DC-Nummer – nur für mich! Oder notfalls was Lustiges von KISS. Danke.

Ansonsten: Weitermachen! Es macht riesigen Spaß und bei der nächsten ausverkauften Welttournee bin ich wieder dabei – mit Staatlich Fachingen im Flachmann und meinen Ohrstöpseln.

 

Die Magie der Sehnsuchtsorte

Magische Orte

Man kennt sie aus Mythologien und Fantasyromanen – Orte, die magisch aufgeladen sind und die geheimnisvolle Mächte auf die Personen ausüben, die sich dort aufhalten. Das kann man glauben (macht Spaß), muss es aber nicht. Ich gestehe, ich gehöre eher zur Fraktion der Realisten, die es für ausgemachten Unsinn halten, in einem Steinkreis die Sonnenwende zu begehen. Auch wenn meine innere Romantikerin eine große Schwäche für Diana Gabaldons Outlander-Serie hegt. Doch das ist eine andere Geschichte.

Mir geht es heute um ganz real existierende magische Locations: Sehnsuchts- und Wohlfühlorte.

Sehnsuchtsorte

Viele Menschen haben Orte, nach denen sie sich völlig unerklärlicherweise sehnen – ohne jemals dagewesen zu sein. New York hört man da gerne exemplarisch oder auch die ein oder andere exotische Inselgruppe. Kommt es dann irgendwann zum Reality-Check, ist das meist eine sehr emotionale Reise. Denn wird die Wirklichkeit gegen die überhöhte Fantasie überhaupt eine Chance haben? Wie beglückend es dann ist, wenn sich herausstellt, dass das eigene Unterbewusstein Recht hatte, ist mit Worten kaum auszudrücken. Gleiches gilt leider auch für das Gegenteil – denn manchmal ist die Sehnsucht schlicht schöner als die Erfüllung.

Sehnsuchtsorte sind übrigens in aller Regel meist relativ ferne Ziele, die man nicht eben mal so aufsuchen kann, sondern schon einen erheblichen Aufwand betreiben muss. Im Gegensatz zu den Wohlfühlorten, die häufig deutlich bescheidener daherkommen.

Wohlfühlorte

Einer meiner absoluten Sehnsuchtsorte war übrigens lange Zeit Vancouver. Keine Ahnung warum, aber ich war regelrecht besessen von der kanadischen Westküsten-Metropole. Bislang war ich zweimal dort, zweimal unter schwierigen äußeren Umständen, doch die Stadt hat mich tatsächlich auch in der Realtität verzaubert. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal hinkomme, wenn auch der Rest passt. Dann könnte die Stadt glatt das Zeug zum Wohlfühlort bekommen – wenn auch mit mühsamer und kostspieliger Anreise verbunden.

Mein absoluter Wohlfühlort ist glücklicherweise deutlich verkehrsgünstiger gelegen: Die belgische Nordseeküste mit dem Städtchen De Haan. Wenn ich das Leuten erzählen, die gerade vom Sushi-Essen aus Tokio oder von der Big Five-Safari aus Tansania zurückgekommen sind, ernte ich in der Regel Kopfschütteln und/oder eine irritiert hochgezogene Braue, denn offenbar klingt Belgien in den Ohren vieler ähnlich sexy wie Bayerischer Wald (wobei es da auch sehr schön ist).

Ich hab nun gar nichts gegen Sushi in Tokio oder Safari in Tansania – ganz im Gegenteil, beides steht auf meiner Reisewunschliste ganz weit oben. Genau wie ich überhaupt gerne verreise und neue, mir unbekannte Länder, Städte und Regionen erforsche. Am liebsten übrigens am Meer oder noch lieber per Schiff auf dem Meer. Doch wenn ich ich meine Akkus aufladen und meinen Kopf durchlüften will, geht das besonders gut hier in De Haan.

Zufällig verliebt

Das war nicht immer so. Bis vor ein paar Jahren, wusste ich zwar von der Existenz Belgiens (und der Nordsee), aber beides hat mich ähnlich in Wallung gebracht wie der Bayerische Wald oder das Rothaargebirgte. Nämlich exakt gar nicht.

Doch 2011 musste ich einen lang geplanten und heiß ersehnten dreiwöchigen Westküstentrip (von Vancouver nach San Francisco) kurzfristig krankheitsbedingt absagen. Nachdem damals die Tränen der Enttäuschung getrocknet und Fieber und Hustenanfälle der schlimmen Grippe einigermaßen abgeklungen waren, musste ein kurzfristiger Plan B her. Die Hausärztin empfahl einen Aufenhalt an der See (Reizklima für die Lunge), der Mann brachte De Haan ins Spiel, wo er als Kölner früher schon einige nette Wochenenden verbracht hatte.

Für mich als gebürtige Münchnerin war “Meer” eigentlich immer nur ein Synonym für Mittelmeer – also warm, sonnig, leckere Pasta und süffiger Wein. Belgien und Nordsee klangen so gar nicht danach. Aber für nennenswerten Widerstand war ich immer noch nicht fit genug und so wurde es eben ein Ferienhäuschen in De Haan. Angeblich haben meine Augen beim ersten Strandbesuch ähnlich geleuchtet, wie die von Terrier Toni, in denen man nichts als fassungslose, trunkene Glückseligkeit lesen konnte.

Es funktioniert immer wieder

Das Schöne an einem Wohlfühlort ist, dass die Erwartungen nicht so romantisch überfrachtet sind wie beim Sehnsuchtsort – und sie sich nicht abnutzen. Bei jedem Besuch warte ich insgeheim darauf, dass ich enttäuscht werde, sich das Glücksgefühl verflüchtigt oder sonst ein Missbehagen einstellt. Aber nichts, wirklich gar nichts konnte den Zauber bisher brechen.

Auch diesmal nicht. Dabei waren die Vorraussetzungen wirklich nicht gut. Total geschlaucht, überarbeitet und auch noch am Abend vor der Abreise mit einem vollkommen unerwarteten Nackenschlag konfrontiert, der mir schier den Boden unter den Füßen weggezogen hat, bin ich hier angekommen. Doch dann hat es nur ein paar Stunden gedauert, bis mein Kopf wieder frei und meine Seele gekittet war – siehe auch das Foto von mir oben in der Collage.

Wenn Wohlfühlorte Sehnsuchtsorte werden

Auch wenn “belgische Nordseeküste” total unglamourös klingt, für mich ist hier inzwischen ein wahrlich magischer, ein echter Sehnsuchtsort. Was auch daran liegen kann, dass hier mehr als eine Leidenschaft befriedigt wird … Jedenfalls weiß ich: Egal, wie schlimm, schwierig, blöd meine Lebensumstände gerade sind – HIER wird alles gut!

Ach ja, zum ersten Mal seit Wochen habe ich auch wieder Lust, die nötige Muße und vor allem Zeit dazu, zu bloggen – und das tut richtig gut!

Was sind DEINE Sehnsuchts- und Wohlfühlorte?

Ich bin neugierig: Wohin zieht dich dein Unterbewusstsein und wohin deine Seele? Und wurdest du schon mal richtig enttäuscht? Ich bin sehr gespannt und freue ich auf Kommentare oder Mails.

Grüße von der fetten Alko-Nympho

Ich versuche es wirklich nicht persönlich zu nehmen, aber die Spam-Offensive der letzten Tage an meine diversen Mail-Adressen geht mir echt an die Substanz. Ich weiß von Freundinnen, die von (Fake)Handtaschen- und Schuhherstellern gespammt werden oder Angebote über Billig-Klamotten aus Kinderarbeit erhalten. Das ist auch nur mittelunterhaltsam, aber besser als mein Elend. Denn mir unterstellen die Spammer ganz offensichtlich, dass ich eine fette Schiefzeh-Nympho bin! Oder ein Alko-Sex-Maniac!

Neuer Spamtrend?

Wo sind nur die Zeiten hin, als mich reihenweise afrikanische Despoten/Missionare/Geschäftsleute angeschrieben haben – manchmal waren auch US-Soldaten dabei – die mir viel Geld geben wollten? Geld, das sie irgendwo gefunden haben und um das ich mich kümmern sollte, bis sie es bei mir abholen. Wäre ich auf einen dieser charmanten Deals bloß mal eingegangen. Denn die Kohle könnte ich jetzt dringend gebrauchen, um mir die vielen Produkte zu kaufen, die ich offensichtlich neuerdings nötig habe.

Immerhin sind diese neuen Spammails optisch viel attraktiver als früher. Da werden gleich mal hübsche Bildchen mitgeschickt, die häufig sogar total lehrreich sind.

Sieht nach bösem, bösem Aua aus!

Ja, über die Schiefzehproblematik kann man gar nicht oft genug sprechen, oder? Jetzt weiß ich auch Bescheid und bin gewappnet, falls mich dieses Elend demnächst auch noch trifft.

Du bist zu fett!

Ich habe zwar gut geformte Zehen, aber zugegebenerweise den ein oder anderen Rettungsring zuviel um andere Körperregionen. Doch ist das wirklich ein Grund, mich mit Abnehm-Ratschlägen zu traktieren? Wenn sie wenigstens funktionieren würden – doch allein, mir fehlt der Glaube. Einzig dieses Premium-Produkt klingt wirklich vielversprechend:

Man beachte bitte den unikalen Preis – und das für nur ein Plaffen!

Nur ein Plaffen wird Sie vom Gefühl des Hungers befreien und die Harmonie der Figur zurückgeben!

Nur ein Plaffen? Unfassbar. Ich weiß zwar nicht genau, wer oder was ein Plaffe ist, aber egal: Das MUSS ICH HABEN!!! Sofort. Wo doch auch die Weltsterne drauf stehen und es das Wunderprodukt zum unikalen Preis gibt. Ich bin dann mal shoppen!

Hör auf zu qualmen und zu saufen!

Das mit den Abnehmprodukten ist zwar schmerzhaft, aber wenigstens nachvollziehbar. Richtig gemein wird es, wenn die Käufer meiner diversen Mail-Adressen nur aufgrund meines Namens annehmen, dass ich ein Alkohol- und/oder Rauchproblem habe. Ich habe in meinem ganzen, durchaus fortgeschrittenen Leben, vielleicht fünf Zigaretten geraucht! Menno. Und was das Trinken betrifft – da liege ich sicher weit unter dem Schnitt der frustrierten Autoren. Was zugegebenermaßen nicht an einem Mangel von Frust liegt, sondern an einer massiven Tendenz zu Migräne. Neben Schuhen und Handtaschen wäre das übrigens ein sinnvolleres Angebot für mich. Just saying. Aber ich bekomme ja nur andere Pillen.

Will man wirklich wissen, wie DAS funktioniert? Nein.

Sie haben ein Erektionsproblem!

Nein, habe ich nicht. Also echt nicht. Dafür fehlt mir nämlich nicht nur ein entscheidendes Chromosom, sondern vor allem das entsprechende Equipment. Doch spaßeshalber habe ich einige der Mails mal an meinen Mann weitergeleitet. Er fand’s nicht witzig. Keine Ahnung warum. Dabei ließe sich allein mithilfe der Mails eine wunderbare Geschichte skizzieren.

OMG! Wie konnte das passieren? SIE will Sex!

Schockschwerenot – die Frau drängt auf Geschlechtsverkehr. Was tun? Erst einmal ordentlich recherchieren.

Tja, wer die Wahl hat, hat die Qual. Schneller einsatzbereit und länger können oder länger warten und früher schlappmachen?

Dumm nur, wenn dann zwar die Standfestigkeit gesichert ist, die Hardware aber unterentwickelt daherkommt. Doch auch dafür gibt es eine Lösung!

Breaking News! Schneller Kommen ist das neue Must-have der Männer!

So eine radikale Veränderung des Gehänges, kann jedoch unter Umständen zu einer ebenso radikalen Veränderung des Beziehungs-Status quos führen. Doch auch in diesem Fall gibt’s sofort Abhilfe.

Klappt garantiert! Also voll total sicher.

In den Armen des Kredithais

Wer – wider Erwarten – trotz all dieser Maßnahmen sein Liebesglück doch nicht gefunden hat, wird früher oder später in den Armen des Kredithais landen. Wobei? Haben Haie Arme? Und da wären wir wieder am Anfang der Geschichte. Die amerikanischen Soldaten und afrikanischen Missionare waren irgendwie charmanter …

Voll seriös, Alter! Echt jetzt.

PS: Warum hat sich der Mann jetzt mit seinem Laptop ein ein anderes Zimmer verzogen?

PPS: Danke fürs Lesen! Wenn Sie an dieser Stelle angekommen sind, haben sie sich einen Trojaner eingefangen, der ab sofort und bis in alle Ewigkeiten, Ihren Rechner dazu bringt, im ganz großen Stil meine Bücher zu bestellen. Und die von Charlotte auch! Herzlichen Dank!

 

Von Wegen und Zielen

Der Weg ist das Ziel?

Vermutlich ist diese Philosophie grundsätzlich die beste und gesündeste Herangehensweise für fast alle Lebensbereiche. Blöderweise komm ich damit nicht klar. Ohne ein Ziel zu haben, mache ich mich in der Regel nicht mal auf den Weg. Warum auch? Könnte ja die falsche Richtung sein.

Der Weg ist der Weg und das Ziel ist das Ziel.

So funktioniere ich. Und zwar immer. Ich setze mir ein Ziel (oder bekomme es vorgesetzt) – einen Abgabetermin, eine Prüfung, eine sportliche Herausforderung – und mache mich dann auf den Weg. Sprich ich schreibe, lerne oder trainiere. Schlaue Menschen können all dies aus einer grundsätzlichen höheren Einsicht tun: Trainieren, weil es eben gut für den Körper und die Gesundheit ist – auch ohne sich zwangsläufig mit anderen in dieser Aktivität messen zu wollen. Lernen, weil man ohnehin gar nicht genug wissen kann. Schreiben, weil sie eine Geschichte erzählen wollen – egal, ob eine Veröffentlichung ansteht oder nicht.

Ich kann das nicht. Die höhere Einsicht habe ich in der Theorie zwar schon, aber praktisch motiviert sie mich nur in den seltendsten Fällen zu tatsächlicher Aktion. Was außerordentlich schade ist, denn …

Ohne Ziel ist der Weg plötzlich sinnlos.

Es kann schließlich jederzeit sein, dass das Ziel nicht erreichbar ist. Das kann an höherer Gewalt liegen oder daran, dass es ohnehin unrealistisch gesetzt war. Beides kommt oft vor. In meinem Fall viel häufiger, als ein geschmeidiges Erreichen des gesetzten Ziels. Denn meist nehme ich mir eben als Ziel nicht “nur” den Abgabetermin vor. Nein, mein nächster Roman sollte es bitteschön auf die Beststellerliste schaffen. Idealerweise die vom Spiegel. Klar, think big und so. Hat nur den klitzekleinen Haken, dass ich – obwohl der rationale Teil von mir sehr genau weiß, wie unrealistisch dieses Vorhaben ist – frustriert bin, wenn ich es nicht schaffe.

Heute wollte ich eigentlich den Frankfurter Halbmarathon laufen und habe mich seit Monaten intensiv, mit hohem Aufwand und ohne Rücksicht auf Kollateralschäden (mein Schienbein tut immer noch weh …) darauf vorbereitet. Und was hat es gebracht? Nichts! Ich habe den Tag mit einer ruhigen Gassi-Runde, einem ausgedehnten Frühstück  und ansonsten auf dem Sofa verbracht. Warum? Weil ich noch immer mit den Resten einer hartnäckigen Erkältung kämpfe und ich zwar stur, aber nicht komplett bescheuert bin. Ein Atemwegsinfekt verträgt sich nunmal nicht besonders gut mit Ausdauersport.

Dann ist der Weg halt länger.

Trotzdem ist der Frust groß, riesig sogar – vergleichbar mit der letzten verpassten Bestseller-Platzierung. Doch langsam, ganz langsam sickert auch in meinen ignoranten Dickschädel die Erkenntnis, dass es womöglich kein Totalversagen ist, sondern schlicht der Weg ein bisschen länger ist. Will heißen, die vielen hundert gelaufenen Kilometer sind ja trotzdem gut – schließlich bin ich schneller und fitter als in den letzten Jahren. Und der nächste Halbmarathon wartet schon. Vielleicht schaffe ich dabei sogar eine bessere Zeit, als ich es heute fertig gebracht hätte.

Was die Bücher betrifft: Jede geschriebene Szene, jeder veröffentlichte Roman wird womöglich in der Rückschau einfach nur ein langes Training für den ganz großen Wurf sein. Wer kann das schon mit Sicherheit sagen?

Und nach dem Ziel? Der nächste Weg!

Im Hamsterrad meiner eigenen verqueren Logik motiviere ich mich also schon jetzt für die nächsten Ziele – die ich vielleicht erreichen werde, vielleicht auch nicht. Egal, ich bin dann mal unterwegs! Wenn auch heute noch ohne Joggingschuhe … Gilt das als höhere Einsicht?