Paten statt Plunder

Weihnachten ist gerade vorbei und schon rüstet sich die Buch-Community für die nächsten Conventions und Messen mit der Frage aller Fragen: Welche Goodies gibt’s diesmal? Wie wäre es stattdessen mal mit einer guten Tat statt noch mehr Plunder?

Gute Taten statt Goodies!?

Versteht mich nicht falsch, Goodies sind toll! Lippenpflegestifte mit dem Namen der Lieblingsautorin drauf.  Kosmetikspiegel mit dem zuckersüßen Buchcover. Superpraktische Einkaufswagen-Chips. Personalisierte Glückskekse. Schlüsselanhänger, Kühlschrankmagneten, Kugelschreiber, Taschentücher, Bleistifte, Tassen, Trinkflaschen, Duschgels, Aufkleber, Textmarker, Nagellacke, Schneekugeln, … und was weiß ich nicht alles sonst. Nach einem Messebesuch hat man manchmal so viel Beute in den Taschen (ich habe die Taschen vergessen! Tüten, Baumwollbeutel, Umhängetaschen …), dass man fast einen eigenen Laden eröffnen könnte. Was als Einzelstück niedlich war, wirkt in der Masse plötzlich nur noch belanglos, irgendwie beliebig und – machen wir uns nichts vor – häufig auch ziemlich billig und schrottig.

Nun will ich hier nicht die Moralkeule schwingen und auch noch Spielverderber-Stichworte wie “Mikroplastik”, “Nachhaltigkeit” und “Wegwerfgesellschaft” bringen (oops!), es muss schließlich jeder selbst für sich entscheiden. Meine Entscheidung lautet: Ich reduziere mein Goodie-Budget dramatisch und investiere das gesparte Geld lieber sinnvoll.

Patenschaft statt Plunder

Als ich kürzlich mal hochgerechnet habe, wie viel Geld ich in den letzten drei Jahren für Werbematerial und Portokosten ausgegeben habe, ist mir ganz schwummerig geworden. Noch einmal: Ich schenke gerne, aber ich glaube nicht, dass ich auch nur ein einziges Buch mehr verkauft habe, nur weil’s bei mir dolle Dinge abzustauben gibt. Daher habe ich mich dazu entschlossen, mit diesem Geld zukünftig ein Kind zu unterstützen.

Darf ich vorstellen? Das ist Asnakech – mein brandneues Patenkind aus Äthiopien. Sie ist neun Jahre alt und lebt mit ihren Eltern und vier Geschwistern in einem Haus, das aus einfachen Rohrstöcken errichtet ist und ein Wellblechdach hat. Frisches Wasser holt sich die Familie aus einer Quelle, die 30 Minuten entfernt ist. Zur Schule muss sie jeden Tag 45 Minuten laufen – einfache Strecke.

Ich hoffe von Herzen, dass ich ihr mit meiner monatlichen Spende eine echte Chance geben kann. Ich wünsche mir, dass sie einen Schulabschluss schafft und später einen Beruf erlernt, mit dem sie sich selbst versorgen und vielleicht auch mal ihren eigenen Kindern einen guten Lebensstart ermöglichen kann.

Nichts mehr zu holen bei Müller/Taylor?

Natürlich muss sich keiner mit einem feuchten Händedruck zufrieden geben, der mir auf einer Messe über den Weg läuft, aber ich werde in Zukunft deutlich mehr darauf achten, was ich an Werbemittel produzieren lasse. Es ist doch ganz bestimmt ausreichend, wenn es pro Buch nur eine Sache gibt, oder? Also beispielsweise eine Postkarte, ein Lesezeichen oder einen Magnet und nicht alles zusammen. Und von zeitlosen und langlebigen Goodies wie Kugelschreibern haben wir alle etwas, nicht wahr?

Klar, möchte ich treuen Fans und potenziellen neuen Leserinnen das Gefühl geben, dass ich sie wertschätze, aber geht das wirklich nur über (Werbe)Geschenke? Sachen, die niemand wirklich braucht, die vielleicht sogar bald auf dem Müll landen? Wäre es dagegen nicht viel sinnvoller, wenn ich meine Energie in  neue Geschichten stecke und Geld für Projekte ausgebe, die tatsächlich einen Unterschied machen? Wenn jemand eine Cover-Tasse von mir bekommt, wird sich sein/ihr Leben dadurch weder positiv noch negativ verändern. Wenn ich aber dafür sorgen kann, dass Asnakech zur Schule gehen darf, zu essen hat und Kleidung bekommt, dann könnte das für dieses Mädchen eine echte Chance sein.

Wie? Was? Wo? Warum?

Nach ausführlicher Recherche habe ich mich für eine Patenschaft bei Plan International entschieden, aber es gibt natürlich eine ganze Menge weiterer seriöser Organisationen. Auch in meinem Roman Robin – High in the Sky (den ich unter meinem Pseudonym Charlotte Taylor verfasst habe) geht es um Hilfsorganisationen. Ich habe mich bei der Arbeit daran schon ausführlich mit dem Thema befasst – durchaus auch mit den Schattenseiten. Deshalb war es mir wichtig, eine Organisation zu wählen, die es schon lange gibt, die groß ist, international und vor allem professionell. Natürlich wird ein gewisser Betrag meiner Spende für administrative Kosten verwendet, was ich aber in Ordnung finde. Meiner Meinung nach kann eine Organisation, die sich rein auf den Idealismus ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter stützt, nicht nachhaltig funktionieren.

Ich interessiere mich zudem schon sehr lange für Äthiopien,daher war es für mich klar, dass mein erstes Patenkind in diesem Land leben soll. Dass es ein Mädchen sein muss, stand ohnehin außer Frage, einfach weil Mädchen noch viel stärker benachteiligt sind als Jungs.  Wer weiß, vielleicht kann ich Asnakech sogar irgendwann einmal besuchen?

Neujahrswunsch

Falls ich mit diesen Worten die, den ein oder andere KollegIn dazu bewegen konnte, es mir gleich zu tun, dann würde es mich unbändig freuen! Ich bin mir ganz sicher, die meisten unserer LeserInnen fänden das ziemlich gut.

Ach ja, umgekeht gilt das natürlich auch: Ich habe so wundervolle Fans, die mich gerade zu Weihnachten wieder reich beschenkt haben. Das hat mich unglaublich berührt, aber vielleicht wollt ihr in Zukunft das Geld auch einfach spenden? Es muss ja nicht gleich eine Patenschaft sein. Zwei Euro für einen Obdachlosen, eine Futterspende fürs Tierheim – auch so etwas finde ich ganz großartig. Und glaubt mir, am meisten freue ich mich, wenn ihr meine Bücher lest und weiterempfehlt, mehr brauche ich nicht. Danke!

Zweifelhaft oder vorsätzlich?

Manchmal ist es wirklich Mist, wenn man schon einige Jährchen auf dem Buckel hat. Noch blöder ist es, wenn der eigene Blog ebenfalls in die Jahre kommt. Da wurden die Trendthemen wie Jahreswechsel schon mehrfach durchgehechelt.

Zweifelhafte Vorsätze

Ich wollte also gerade mal wieder einen Beitrag zum Thema “jungfräuliches Jahr” schreiben und meine diversen Pläne für selbiges kundtun. Es wäre durchaus selbstironischen geworden, denn soooo alt bin ich dann auch wieder nicht, dass ich vergessen würde, wie kurzlebig meine Vorsätze in der Regel sind. Doch eine schnelle Recherche im eigenen Blogarchiv hat ergeben: Ich habe schon alles gesagt, was man zu einem Jahreswechsel sagen kann.

Letztes Jahr habe ich mich über das Silvester-Trauma meines Hundes ausgelassen (wäre aktuell wieder fällig), kombiniert mit despektierlichen Bemerkungen über den testosterongetriebenen Knall-Trieb. Nachzulesen im Artikel Silvester im Flughafenhotel. Aktuell könnte ich zu diesem Themenkomplex höchstens noch ein paar Feinstaubstudien ins Rennen werfen, doch das interessiert ja auch niemanden …

Im Jahr zuvor habe ich mich darüber beklagt, dass ich Zu blöd zum Geradeauslaufen bin – ich aber trotzdem gerne den Halbmarathon in Frankfurt in Angriff nehmen möchte. Spoiler: Hat nicht geklappt!

Und noch weiter in der Vergangenheit, war ich mir – in Shall we dance –  vollkommen sicher, dass in mir und meinem Mann, wenn schon nicht Ginger Rodgers und Fred Astaire (die ja auch keine Sau mehr kennt) schlummern, dann wenigstens das letztplatzierte Pärchen bei Let’s Dance. In der Rückschau finde ich es beinahe rührend, dass ich mir immer wieder aufs Neue einbilde, die meine Welt verändern zu können …

Vorsätzliche Zweifel

Leider bin ich jedoch ein schlichtes Gemüt, das zudem nicht dazulernen will (oder kann?). Deshalb habe ich mir auch für 2019 wieder einiges vorgenommen – darunter auch Klassiker wie zehn Kilo abnehmen oder micht nicht so viel aufregen. Ich komme langsam in ein Alter, wo beides (also das Übergewicht und die Aufregung) blöd für die Gesundheit ist. Echt blöd das.

Aber mein wesentlicher Vorsatz lautet, dass ich das mit den Zweifeln lasse. Dieses ständige Infragestellen (schreibt man das so?) der eigenen Kompetenzen – und vor allem die, der anderen – ist so destruktiv. Wenn etwas nicht klappt? Na und! Und wenn doch, dann ist es prima. Aber ständig im praktisch vorauseilendem Misstrauen anzunehmen, dass jemand/man selbst ein Vollpfosten ist, ist einfach nur doof.

Das eigentlich Schlimme an diesem Vorsatz ist, dass mir bis vor gar nicht allzu langer gar nicht klar war, dass ich so ein Zweifler bin. Genau genommen hätte ich mich immer als das komplette Gegenteil beschrieben. Tja, manchmal ist Selbsterkenntnis  wirklich kein Vergnügen.

Gut-vorsätzlich

Bleibt mir also zu verkünden: Habt alle ein wunderbares, gesundes, glückliches und einfach grandioses 2019! Und falls es nicht so läuft? Dann läuft’s halt anders.

PS: Ein weiterer Vorsatz von mir lautet übrigens “mehr Spaß”! In Kombination mit “mehr Meer” klingt das fast wie ein Masterplan. Ansonsten will ich “mehr bloggen” (echt jetzt!) und … nein, das verrate ich jetzt nicht.  Und wie sind eure Pläne?

Buchtipp: Farbenblind von Trevor Noah

Mein Lese-Highlight in 2018 ist kein Roman, sondern Born a Crime bzw.  Farbenblind von Trevor Noah. Autobiografische Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend in Südafrika.

Amüsant-berührende Geschichtsstunde

Ich kannte Trevor Noah als charmanten und unglaublich witzigen Moderator von The Daily Show und wusste, dass er aus Südafrika stammt. Apartheid war mir natürlich ein Begriff und ich meinte, ungefähr erklären zu können, wie das Konzept der Rassentrennung in Südafrika funktioniert hat. Nach der Lektüre von Farbenblind weiß ich jedoch nun, dass ich KEINE Ahnung hatte!

Keine Ahnung davon, wie es sich angefühlt haben musste, als wandelndes Verbrechen in einem grausamen Regime aufzuwachsen. Der englische Original-Titel “Born a Crime”, also “als Verbrechen geboren”, sagt im Grunde schon alles: Während der Apartheid waren gemischtrassige Beziehungen gesetzlich verboten und der Sohn einer Schwarzen und eines weißen Schweizers ein offensichtliches Symbol des Widerstandes. Nie wirklich irgendwo dazuzugehören, permanent misstrauisch beäugt zu werden, ständig Armut und Gewalt ausgesetzt zu sein – was ist das für ein Start ins Leben?

Trevor Noah hat seine Kindheit und Jugend gleichermaßen schonungslos und witzig beschrieben. Wir erfahren, warum ihn seine Mutter einst bei voller Fahrt aus einem Minibus geworfen hat, wie er sich mit seinem gewalttätigen Stiefvater arrangieren musste, wie er mit Hitler  (ernsthaft!) tanzte und welche Schwierigkeiten er bei den ersten amourösen Anbahnungen hatte. An vielen Stellen musste ich laut auflachen, an anderen hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Aber während der gesamten Lektüre habe ich mich – wie leider so oft – gefragt, warum Menschen zu derart abscheulichen Grausamkeiten fähig sind.

Wundersame Erkenntnis

Ein Blick in die Geschichtsbücher oder auch nur die aktuelle Tageszeitung hinterlässt immer einen schalen Geschmack und bietet wenig Raum für Optimismus. Menschen sind die brutalsten, gierigsten und bösartigsten Kreaturen auf diesem Planeten. Nicht alle natürlich, vermutlich nur ein kleiner Teil, aber wenn diese wenigen zu mächtig werden, sind sie zu allergrößtem Unheil in der Lage. Auch weil ihnen die schweigende Masse lemmingsgleich folgt.

Umso schöner und positiver war dann die Erkenntnis, dass es Ausnahmen gibt. Dass es möglich ist, trotz widrigster Lebensumstände  (Armut, Gewalt, Hass), ein guter Mensch zu werden. So pathetisch das jetzt auch klingen mag, aber eine Karriere als (Klein)Krimineller war für Trevor Noah praktisch vorgezeichnet. Dass es anders kam, lag sicher auch an seiner Mutter Patricia, die für mich die eigentliche Heldin dieser Geschichten ist. Was diese Frau für enormen Mut und Nerven bewiesen hat, ist für mich mehr als bewundernswert. Farbenblind zu sein, kann auch Vorteile bieten …

Ich habe dieses Buch zwischen meinen beiden Südafrika-Reisen gelesen und ich glaube, dass es mein Verständnis für die Besonderheiten dieses wunderschönen Landes und seiner Einwohner noch ein wenig geschärft hat. Und auch wenn kein einziger Wal erwähnt wird, hat es mich in seiner Gesamtheit mehr berührt, als die meisten anderen Bücher, die ich jemals gelesen habe.

Leseempfehlung

Ich empfehle dieses Buch allen, die sich gut amüsieren wollen, sich nebenbei mit fremden Kulturen beschäftigen möchten und keine Scheu davor haben, eigene Vorurteile in Frage zu stellen. Es ist ein Buch, das Mut macht und jeden bestärken kann, unbeirrt seinen Weg zu gehen. Für mich ein absolutes Lese-Muss und das perfekte Weihnachtsgeschenk.

Trevor und Coco

In diesem Video unterhält er sich mit seiner Großmutter Coco über die Apartheid-Zeit. Die 91-jährige lebt immer noch in dem  kleinen Häuschen, in dem auch Trevor seine ersten Jahre verbracht hat. Woher er sein komödiantisches Talent hat, wird dabei auch klar … Viel Spaß!

Wunderwelt der Wale

Ich liebe Wale! Schon immer. Bin fasziniert von der schieren Größe der Meeres-Giganten und ihrem geheimnisvollen Leben – und überglücklich, dass ich kürzlich viele von ihnen ganz aus der Nähe beobachten durfte.

Walhafte Vorstellungen

Die Anziehungskraft der imposanten Meeressäuger auf uns Menschen ist ein weit verbereitetes Phänomen – wenn auch nicht immer zum Vorteil der Wale. Exzessiver Walfang hat einige Unterarten fast an den Rand des Aussterbens gebracht und warum Länder wie Japan behaupten, sie müssten aus “Forschungszwecken” töten, wird  sich mir nie erschließen. Doch in diesem Text soll es nicht um die dunkle Seite der Wal-Faszination gehen, sondern um die helle. Um noch genauer zu sein: um meine eigene!

Meine Kindheit war von vielen Büchern geprägt – etliche hatten etwas mit Tieren zu tun und einige sind mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Darunter zwei Titel einer wunderschön illustrierten Tier-Reihe, die ich regelmäßig während meiner Grundschulzeit aus der Dorf-Bücherei ausgeliehen habe. Das eine drehte sich um Biber, das andere um Wale. Aus diesem schmalen Büchlein stammte bis vor kurzem auch beinahe mein gesamtes Wissen über diese Tiere. Und natürlich aus “Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart”, wo – stark zusammengefasst – Buckelwale die Menschheit vor der Vernichtung bewahren. Garniert mit etwas Moby Dick für die düstere Note. Zugegeben, das ist jetzt nicht die üppigste Sachkunde-Basis, für eine milde Obsession aber allemal ausreichend.

Ich hatte das große Glück, schon häufiger Delfine in freier Wildbahn zu erleben (wie man HIER nachlesen kann). Auch die kleinen, flinken Wale (ja, Flipper & Co. gehören zur Familie der Wale), haben mich schon restlos bezaubert, doch irgendwann mussten es einfach die dicken Brocken sein.

Walverwandtschaft

Meine Südafrika-Reise im November hatte vor allem einen Grund: Wale! Letztes Jahr waren wir im Dezember in der Kap-Region, doch da waren die südlichen Glattwale (auch “Südkaper” genannt) schon wieder unterwegs in Richtung Antarktis. Und ich bitter enttäuscht! Nun ist Südafrika auch ohne Wale immer eine Reise wert, aber das Gefühl, meinen allerersten Wal-Kontakt um Haaresbreite verpasst zu haben, nagte an mir.

Dieses Jahr waren wir einen Monat früher dran und waren deutlich besser vorbereitet: Wir haben uns für drei Tage in ein Hotel in De Kelders eingemietet und für diese Zeit nichts anderes geplant, als auf der Lauer zu liegen. Es musste also klappen. Auch weil die südlichen Glattwale in der Regel bis Ende November in der Bucht weilen, ehe sie  mit ihren Kälbern zurück in die Antarktis wandern.

Meine Vorfreude wuchs über Monate derart, dass mich mein Mann vor einer möglichen Enttäuschung warnte. Schließlich könne die Wirklichkeit doch häufig nicht mit der Fantasie mithalten. Ich hielt das für unwahrscheinlich, war ich doch geradezu magisch angezogen: Ich MUSSTE sie einfach sehen!

Wal-Bekanntschaft

Es war dann noch viel besser, als in meiner Vorstellung! Selten war ich derart überwältigt, wie in dem Moment, als das neugierige Wal-Kalb (vom Foto) ganz nah an unserem Boot entlangschwamm, den Kopf aus dem Wasser streckte und MICH ansah. Gut, vermutlich hat der “Kleine” (ca. acht Meter lang!) nicht nur mich ins Visier genommen, sondern all die seltsamen Zweibeiner, die jauchzend an der Reling des Whale-Watching-Schiffchens hingen. Doch für mich fühlte es sich sehr persönlich an.

Besonders beeindruckend fand ich auch die Wal-Mütter, Gigantinnen von bis zu 17 Metern Lännge und 45 Tonnen Gewicht. Sie passten genau auf, dass ihren neugierigen Babys nichts passierte. Der riesige dunkle Schatten, den man auf dem Bild nur ganz schemenhaft erkennen kann, tauchte unter unserem Boot entlang und hätte zweifellos eingegriffen, wäre Junior von uns belästigt worden …

Wale, Wale, Wale

Die Schiffstour war ein absolutes Lebens-Highlight für mich, aber fast noch schöner, waren die Beobachtungen, die wir direkt vom Land aus machen konnten. Die Tiere kommen nämlich fast bis in Spuckweite an die Küste, so dass man sogar mit bloßem Auge stundenlang beobachten kann. Man sieht sie springen, mit den Brustflossen oder der Fluke lautstark auf die Wasseroberfläche klatschen oder sich mit ihren eigenartigen Grunzlauten verständigen. Den typischen Walgesang – das habe ich bei der Tour gelernt – betreiben nämlich nur die männlichen Buckelwale.

An Bord unseres kleinen Schiffs kamen auf die etwa 20 Passagiere drei Guides, die uns alles genau erklärt haben. Die junge Biologin freute sich jedenfalls über meine Begeisterung und beantwortete meine tausendundeine Fragen geduldig und kompetent. Kurz, ich weiß jetzt deutlich mehr über Wale – und bin neugieriger denn je. Gut möglich, dass es demnächst eine Wal-Geschichte geben wird. Oder eine über Delfine, denn die wunderbare Reportage über “Solitärdelfine” im SZ-Magazin, hat mich gleich noch mehr inspiriert …

PS: Die erste Fassung dieses Artikels war deutlich länger und enthielt “too much information” über Wale. Ich muss dafür wohl eine andere Ausdrucksform finden …

Noch ein PS: Dies ist Beitrag 3 von 10 meiner persönlichen Dezember-Blog-Challenge! Bald gibt’s mehr!

Die Sentimentalitätsfalle

Weine nicht, ... Keine Sorge, das hier wird kein Exkurs in die Tiefen des deutschen Schlagers, es geht vielmehr um anderes Wasser. Jenes nämlich, das mir aus den Augen tropft, wenn ich mal wieder in die Sentimentalitätsfalle getreten bin.

Gerührt bis auf die Knochen

Ich weiß nicht mehr genau, wann es angefangen hat, dass ich ständig vor Rührung weinen muss. Früher war ich deutlich abgebrühter. Als Kind habe ich bei Winnetous Film-Tod nur betroffen mit den Schultern gezuckt, aber meine Augen blieben trocken, während meine Freundin Tanja praktisch das gesamte elterliche Wohnzimmer geflutet hat. Wenig später bei der Lektüre des Buchs, sah die Sache schon anders aus. Das geschriebene Wort hatte schon immer deutlich mehr Macht über mich und meine Gefühle als bewegte Bilder. Mit einigen Ausnahmen – doch dazu später.

Warum haben ein paar dürre Buchstaben so einen Einfluss auf meinen Gefühlshaushalt? Ich habe keine Ahnung, aber es funktioniert in fast allen Lebenslagen. Sehe ich einen Bettler auf der Straße, nimmt mich das in der Regel mit, hat er oder sie ein Schild dabei mit der Aufschrift “Ich habe Hunger” oder “Ich friere”, bricht mir das Herz. Ganz wenige Wörter reichen, um massives Kopfkino auszulösen – und um meine Spendenbereitschaft deutlich zu erhöhen.

Anderes Beispiel: Ich bin seit Jahren in einer großen internationalen Airedale-Terrier-Gruppe auf Facebook. Darin tummeln sich knapp 13.000 irre Hundebesitzer aus der ganzen Welt, die Wohl und Weh ihrer Vierbeiner teilen. Bei so vielen Mitgliedern kommt es zwangsläufig recht oft vor, dass ein treues Tier aus dem Leben scheidet. Es gibt Tage, die beginne ich nach einem ersten Blick auf Facebook hilflos schluchzend, weil ich mit mir vollkommen fremden Menschen um deren verstorbenen besten Freund weine. Mein Mann findet das einigermaßen befremdlich …

Ähnlich geht es mir übrigens auch beim Schreiben. Wird es besonders romantisch oder traurig, brechen bei mir alle Dämme und sich sitze schniefend vor meinem Computer und lasse zu, dass Tränen in meine Tastatur tropfen. In letzter Zeit tappe ich immer häufiger in die Sentimentlitätsfalle. Und die muss nicht einmal mehr was mit Buchstaben zu tun haben. Kopfkino reicht völlig.

Here we go again

Oder auch nur Kino. Kam es früher so gut wie nie vor, dass ich mich im abgedunkelten Kinosaal oder vor der Mattscheibe zu größeren Emotionen habe hinreißen lassen, gehört das Päckchen Taschentücher inzwischen zu meiner Grundausstattung bei jedem Film-Event. Zur größten Belustigung von Nichte und Neffe, bin ich im Sommer 2017 sogar bei der wirklich haarsträubend-trashigen Pferde-Schmonzette Ostwind 3 – Aufbruch nach Ora am Ende in Tränen ausgebrochen. Die beiden lachen sich heute noch darüber schlapp …

Den größten Heul-Erfolg feierte in letzter Zeit aber eindeutig Mamma Mia – Here We Go Again! Seit ich denken und bewusst Musik wahrnehmen kann, bin ich Abba-Fan (also SEHR lange), daher war dieser Film ein Muss. Die teils harsche Kritik (ja, der Auftritt von Cher ist etwas … nun ja … eigenwillig …) konnte mich nicht abhalten, ich freute mich schlicht auf einen mitreißenden Musikfilm. Womit ich nicht gerechnet habe, war der Dammbruch, den ich erlebt habe. Es ging mit ein paar Tränen der Rührung los, als die ersten Takte erklangen und endete mit einer Flutwelle, die den Mann an meiner Seite nachhaltig verstört hat. Schuld hatten einige Trigger-Momente, die ich ohne zu spoilern nicht beschreiben kann – und Kirsten H. hat mich ausdrücklich darum gebeten, NICHTS zu verraten.

Zwei Wochen später habe ich mir den Film ein weiteres Mal angesehen. Diesmal mit einer Freundin, die beim ersten Durchgang ebenfalls ganze Passagen nur verschwommen wahrgenommen hatte. Wir waren also vorgewarnt und innerlich gestählt, doch … *schluchz* Auf dem Heimflug von Südafrika vor drei Wochen, dann der dritte Versuch: Mamma Mia im Double Feature. Teil eins habe ich mit einem seligen Lächeln auf den Lippen und einem warmen Gefühl im Herzen angesehen. Teil zwei ließ sich auch gut (und trocken!) an, doch im letzten Viertel, ging’s wieder los – just in dem Moment, als die Crew am Ende des Nachtflugs wieder für Beleuchtung in der Kabine gesorgt hatte …

Katharsis oder Katarrh?

Vermutlich könnte man es wunderbar psychologisch beleuchten, warum mich simple Worte und schlichte Filme (ganz zu schweigen von der Hochzeit von Harry und Meghan …) derart berühren können. Womöglich ist es eine Art Seelenreinigung (Katharsis), auch wenn ich mich danach häufig fühle, als hätte ich einen massiven Schnupfen (Katarrh) und entsprechend an Atemnot als Spätfolge meiner Sentimentalität leide.

Tatsächlich glaube ich, dass es eine Art Schutzreaktion ist. Die Realität (Terror, Kriege, Populisten, Klimawandel, Diesel-Skandal, FIFA-Korruption …) ist derart bestürzend, dass man ich eigentlich den ganzen Tag über heulen könnte. Doch weil das schwerlich möglich ist – zumindest, wenn man einigermaßen funktionstüchtig bleiben will/muss/soll -, sucht sich der zartbesaitete Teil in mir einen anderen Weg zur Psychohygiene. Vielleicht weine ich also gar nicht ursächlich um tote Hunde (und Indianer), sondern weil ich eigentlich an der Welt (ver)zweifle.

PS: Dies ist übrigens Beitrag 2 von 10 meiner persönlichen Dezember-Challenge. Inspiriert hat mich – unter anderem – Kirsten Höhn, weil sie in einem Kommentar Abba ins Spiel gebracht hat. Vielen Dank dafür!