Bitte nicht drücken!

Willkommen bei den Drückebergers! In meiner Facebook-Blase gibt’s seit Monaten eine wahrlich erdrückende Seuche. Anteilnahme aller Art wird stereotyp mit einer der folgenden Floskeln gezeigt (oder auch: ausgedrückt): “Drück dich” – “Drück dich ganz fest” – “Fühl dich ganz lieb gedrückt” – oder mein persönlicher Hass-Favorit: “Drückerle

Diese Drückerei ist – zumindest in meiner Timeline – die Standardantwort auf öffentlich artikuliertes Missbehagen aller Art. Beklagt sich jemand über zu viel/zu wenig/keine Arbeit: “Oh – fühl dich ganz lieb gedrückt!” Hat das Haustier/das Kind/der Partner Schnupfen: “Drückerle für X und dich!” Steht ein Zahnarztbesuch, eine Prüfung, ein Abgabetermin an: “Drück dich!”

Kurz: Von unreflektiertem Rumgenöle bis hin zum Todesfall wird alles kommentatorisch erdrückt! Ohne jede Gnade.

Warum die ganze Drückerei?

Ich frage mich schon eine ganze Weile, warum das so ist. Und auch, warum es mich so massiv stört. Früher jedenfalls wurde nicht gedrückt. Da wurde vielleicht gesagt: “Das tut  mir sehr leid!” – “Kann man dir helfen?” – “Ich denke an dich.” – “Mein aufrichtiges Beileid.” – “Alles wird gut!” – oder vielleicht sogar mal: “Stell dich nicht so an!”

Das sind auch alles Floskeln, keine Frage, aber wenigstens situativ angepasste. Doch heute wird gedrückt, was das Zeug hält. Ich nehme mal an, die Drücker wollen damit ihre Empathiefähigkeit unter Beweis stellen, ihre Anteilnahme am Elend zeigen – und/oder einfach nur nett und freundlich sein. Was ja schön ist. Die Welt ist in jedem Fall ein besserer Platz, wenn wir uns für unsere Mitmenschen interssieren und tendenziell ermunternd auf Leid (mag es auch noch so marginal sein) reagieren.

Drücken kommt von Druck

Doch ist die ganze Drückerei wirklich positiv? Ich finde nicht. Aus mehreren Gründen:

Stellen wir uns doch mal vor, wie wir im wahren Leben auf die Aussage eines Bekannten reagieren würden, dass er sich vorm Zahnarztbesuch fürchtet. Würden wir ihn oder sie spontan in die Arme reißen und kräftig zudrücken? Eher nicht. Vermutlich würden wir etwas in der Art sagen: “Hab keine Angst, es wird bestimmt nicht so schlimm.”

Wann und vor allem wen nehmen wir im richtigen Leben denn in den Arm, um zu trösten? Das sind gar nicht so viele Menschen und gar nicht so viele Situationen, oder? Denn physischer Trost in Form einer Umarmung ist ein sehr intimer Akt, den man in der Regel nicht leichtfertig und wahllos ausübt.

Diese inflationäre, verbale Drückerei finde ich auch deshalb so bedrückend [sic!], weil “drücken” ja von “Druck” kommt – und so schwingt bei aller positiven Intention doch immer auch unterschwellig ein wenig Gewalt mit. Es wird Druck ausgeübt auf eine Person, die sich – aus welchen Gründen auch immer – sowieso schon unbehaglich fühlt. Ist das noch nett?

Druck rausnehmen

Sollten wir nicht stattdessen mal alle wieder den verbalen Druck rausnehmen und uns bemühen, der Situation angemessene Reaktionen zu zeigen? Gäbe unsere Sprache doch jederzeit her, oder?

Vielleicht kann ja als Anhaltspunkt für unsere Erwiderungen tatsächlich unser Verhalten im “real life” dienen. Wen ich also im echten Leben für sein wie auch immer geartetes Unwohlsein nicht drücken würde, dem muss ich es doch auch in der digitalen Welt nicht zumuten.

PS: Ich nehme sehr gerne Anteil am Leben meiner Mitmenschen und freue mich auch, wenn es umgekehrt ähnlich läuft. Aber es gibt nur sehr wenige Menschen, von denen ich mich tröstend umarmen lassen würde (ich spreche jetzt nicht von einer freundschaftlichen Begrüßungs-Umarmung!). Außerdem sind die Dinge, die ich auf Facebook (oder diesem Blog!) äußere, NIEMALS einer Trost-Umarmung würdig, also bitte lasst in Zukunft die verbale Drückerei. Danke.

Be my Valentine?!

Man kann ja zum Schutzheiligen der Floristen – Pardon: der Liebenden!, stehen wie man will – Valentin ist gut fürs Geschäft. Also nicht unbedingt für meines, denn ich bin nicht im Blumengewerbe tätig (auch wenn ich es so manches Mal in Erwägung gezogen habe), aber insgesamt schon.

Stöbere ich heute auf Facebook durch meine Timeline, dann fallen mir zwei Fraktionen auf:

  1. Valentin-Liebhaber
  2. Valentin-Verächter

Beide haben gute Argumente, doch was soll die Aufregung eigentlich? Soll doch jeder den Spaß haben, den er will. Oder? Und mal ehrlich: Blumen/Pralinen/Schokolade gehen doch immer – AUCH heute!

Meine geschätzten Kollegen haben übrigens auch alle ein Herz für ihre Leser und hauen eine Valentins-Aktion nach der anderen raus. Und was soll ich sagen? Ich bin kein Stück besser! Bei mir gibt’s im Februar auch Rabatte, Liebe und sogar eine Neuerscheinung!

Carins Valentins-Aktion

Weil seit Anfang Februar nun auch mein Roman HUNDSTAGE ein wunderschönes neues Cover hat und weil das ein Grund für eine kleine Party ist, schmeiße ich zwar keine Konfetti, dafür fette Rabatte auf zwei meiner Bücher.

Gefühlte Wahrheit und Hundstage sind ein paar Tage lang (noch bis 27.2.) dramatisch reduziert – in allen eBook-Shops. Zuschlagen lohnt sich also.

Carins Neuerscheinung …

… ist im Grunde gar nicht von mir, sondern von “der Neuen”, also von Nirac Rellum, was aber nichts anderes ist, als Carin auf links gedreht. Weil die minderjährigen Ableger in meinem Umfeld so lange genervt haben bis mir nichts mehr anderes übrig geblieben ist, habe ich ein neues Weltraum-Abenteuer für Kinder geschrieben. Es heißt FERIEN AUF TARKANUS X und verspricht ein spannendes Abenteuer auf einem abgelegenen Planeten (und mit vielen aufregenden Tieren). Das eBook erscheint morgen (also am 15.2.) und kostet bis Ende des Monats nur 1,49 € statt regulär 2,99 €. Außerdem gibt es auch eine exklusive Taschenbuchversion, die zusätzlich noch die Kurzgeschichte AUSSENMISSION AUF KAIPAS V enthält – nur hier bei mir für 6 €!

Das ist doch eine echte Valentins-Alternative, oder? Habt euch lieb und lest ein Buch!

 

Zum Hunde drängt, am Hunde hängt …

… doch alles in der Welt. Zumindest in meiner kleinen überschaubaren Welt. Das nimmt zugegebenermaßen manchmal bedenkliche Formen an. Siehe diese Überschrift, für die ich ein berühmtes Goethe-Zitat aus Faust 1 vergewaltigt habe.

Der Hund in Wahrheit …

Ich habe hier auf diesem Blog schon länger nichts mehr von Toni geschrieben, nicht weil es nichts zu berichten gäbe, sondern vielmehr, weil mir andere Dinge wichtiger erschienen. Jetzt weiß ich: das ist Unsinn! Es dreht sich trotzdem alles um den Köter.

Was ich übrigens total liebevoll meine. Also so liebevoll, wie man sein kann, wenn man nach wenigen Stunden unruhigen Schlafs gegen halb fünf Uhr morgens von seinem Tier geweckt wird, weil es Bauchweh hat. Und es sich nur auf der knapp 600 Meter entfernten Hundewiese erleichtern kann (glücklicherweise nicht in der Wohnung, blöderweise nicht im Vorgarten). Und man sich der Hundewiese nun in Schlafanzug und Daunenjacke bei minus 5 Grad im gestreckten Galopp nähern muss. Also kurz gesagt: extrem liebevoll!

Toni hat Bauchschmerzen, weil die paranoiden Frankfurter seit Tagen tonnenweise Streusalz auf den Gehwegen verteilen, in der vagen (wenn auch komplett unbegründeten) Hoffnung, dass es mal glatt werden könnte. Und weil das Tier leider ständig was vom Boden fressen oder lecken muss. Warum auch immer. Vermutlich weil er ein Hund ist.

Man kann also sagen, dass der Hund in meinem Leben recht raumfüllend ist. Was sich nicht zuletzt in einem eigenen Instagram-Account und einer Facebook-Seite manifestiert, die blöderweise DailyDale heißt und somit täglich befüllt werden will. Was habe ich mir dabei bloß gedacht?

… und Dichtung

Bis vor kurzem war ich allerdings der Meinung, dass er in meinem schöpferischen Wirken eine eher untergeordnete Rolle spielt. Schließlich habe ich nur einen einzigen Hunderoman veröffentlicht. Und in Hundstage habe ich alles, was ich jemals über Hunde schreiben wollte, ausgebreitet.

Allerdings hat mich vor ein paar Tagen eine an sich wohlmeinende Freundin zart daran erinnert, dass in restlos ALLEN Büchern von mir ein Hund vorkommt. In meinem Erstling Mopsküsse, ist es – Überraschung – ein schwarzer Mops namens Hugo. In High Heels und Hundekuchen wird Hugo von der Airedale-Dame (!) Olga unterstützt. In Gefühlte Wahrheit gibt’s zwar keinen lebenden Hund, aber es ist die Rede vom just verstorbenen Beagle Briegel. Problemzonen hat ein eigenes Hundekapitel und im ausgelagerten Hot Chocolate-Universum (von “der Anderen” aka Charlotte Taylor) tummelt sich in jeder einzelnen Episode Königspudel Henry. Selbst im hochseriösen Roman Tage zwichen Ebbe und Flut gibt’s Hunde – einen toten im Prolog (Leo) und einen lebendigen im Epilog (Poldi – genannt Leo … long story, beides übrigens keine Airedales, sondern Jack Russel-Terrier). Und nun hat sich auch noch bei der jüngsten abgespaltenen Autorenpersönlichkeit Nirac Rellum ein Hund eingeschlichen: Ein Airedale (!!) namens Rufus, der sein junges Herrchen Tim auf allerlei Abenteuer begleitet. Im Weltall! In der Zukunft!! Puh …

Ich gebe zu, da kann man unter Umständen ein gewisses Muster erkennen, aber ich schwöre: DAS IST KEINE ABSICHT!!

Crazy Dog Mom – Crazy Author?

Doch nun kommt es richtig dicke. Ich möchte nämlich meinem vermeintlich einzigen Hunderoman Hundstage ein neues Cover verpassen (hat einige Gründe, die hier an dieser Stelle zu weit führen würden) und habe meine hochgeschätzte Grafikerin Sabine Kwauka gebeten, einen Entwurf zu erarbeiten. Was soll ich sagen? Sie hat drei geschickt (was ein normales Procedere ist) – und ich fand sie alle so gut, dass ich micht nicht entscheiden konnte. Umfragen in diversen Facebook-Gruppen haben leider auch keine eindeutige Tendenz ergeben – bis auf die Schnapsidee eines Lesers, der anregte, ich solle doch einfach weitere Hundebücher schreiben, dann könnte ich alle Cover behalten.

Meine erste Reaktion lautete: “Nur über meine Leiche! Ich habe EINEN Hunderoman in meinem Leben geschreiben, das muss reichen.” Doch dann hat mir mein empörtes Unterbewusstsein ein Schnippchen geschlagen und mir eine Idee für einen Krimi (!) in die mürben Gehirnwindungen gesetzt. Ein Krimi. Mit Hund. Von mir. Warum??? Tja, ich kann’s nicht erklären. Ich weiß nur, dass – wenn alles so läuft, wie geplant – noch in diesem Jahr mein ERSTER Hundekrimi erscheinen wird. Den (absolut genialen) Titel kann ich euch noch nicht verraten, aber der Held wird Joshi heißen und ein Airedale sein …

PS: Ich muss jetzt Gassigehen.

Zu blöd zum Geradeauslaufen

Geradeauslaufen – Fluch oder Tugend? Der folgende Blogbeitrag beschäftigt sich vordergründig mit zwei scheinbar konträren Themenfeldern:

  1. Schusseligkeit
  2. (guten) Vorsätzen

Selbstredend gibt’s dabei gar nicht so viele Unterschiede. Außerdem wird es um Sport, Philosophie, das Schreiberdasein und diverse alltagsphilosophische Thesen gehen. Also nur etwas für Hartgesottene!

Der Charme der Schusseligkeit

Tollpatschige, aber ansonsten wahnsinnig patente Heldinnen sind in Unterhaltungsromanen schon viel länger stilprägend, als beispielsweise Millionäre oder Gestaltwandler – wobei es erschreckenderweise vielfach die bizarrsten Überschneidungen der Genres gibt. Jedenfalls gelten ungeschickte Damen in den Geschichten meist als besonders liebenswert. Warum das so ist? Ich nehme mal an, weil sich so viele von uns (Leserinnen) damit identifizieren können. Ich persönlich finde diese oft slapstickhafte Trotteligkeit jedoch eher abtörnend (auch wenn ich dieses Stilmittel zugegebenermaßen schon selbst verwendet habe), was mutmaßlich daran liegt, dass ich selbst oft genug buchstäblich zu blöd zum Geradeauslaufen bin.

Das gebe ich natürlich nicht gerne zu, denn es wäre mir lieber, man (und auch ich selbst!) würde mich stets als souveräne Frau wahrnehmen, die immer alles unter Kontrolle hat. Die Wahrheit ist jedoch niederschmetternd: ich habe nichts unter Kontrolle! Nicht meinen Hund, nicht meine störrischen Protagonisten – und am wenigsten meinen Körper. Der will einfach nicht so biegsam, elegant und geschmeidig sein, wie ich mir das vorstelle. Will heißen: ich fliege gerne mal auf die Schnauze! Und das nicht nur im übertragenen Sinn.

Zuletzt war es vor zwei Wochen soweit. Beim Joggen mit meiner lieben Kollegin und meinem geschätzten Hund, stolperte ich bei Kilometer 6,5 (von 8) über einen Kieselstein oder eine Wurzel oder etwas anderes Nichtiges – und zerfetzte neben meiner Lieblingslaufhose auch meine Würde. Außerdem hatte ich mir das Knie aufgeschlagen und das Schienbein so schlimm geprellt, dass ich noch Tage später bei der leisesten Berührung Sternchen sah.

Derartiges passiert mir relativ regelmäßig. Unzählbare Male bin ich aus dem Stand mit dem Fahrrad gestürzt, weil ich meinen Fuß nicht rechtzeitig aus dem Click-Pedal befreien konnte – oder mich für den falschen entschieden habe. Einmal habe ich  mich beim Staubsaugen k.o. geschlagen und bin erst Minuten (oder Stunden?) später wieder aus meiner Ohnmacht erwacht. Das sind in der Nacherzählung durchaus amüsante Anekdoten, tatsächlich aber vor allem schmerzhafte und ziemlich peinliche Ereignisse.

Denn jetzt mal unter uns, findet sowas wirklich jemand begehrenswert? Ich glaube nicht, denn es ist weder liebenswert, noch charmant, noch sexy – sondern einfach nur doof!

Mehr Achtsamkeit im neuen Jahr

Daher komme ich gleich schonungslos zum nächsten Thema – den (guten) Vorsätzen. Achtsamkeit ist ja so ein richtiges Mode/Hass-Wort geworden, dabei beinhaltet es jenseits aller Esoterik doch vor allem wirklich erstrebenswerte Eigenschaften. Es kann doch nur gut sein, wenn man aufmerksamer durch sein Leben schreitet. Wenn man eben achtsam ist, sich selbst gegegnüber (und daher vielleicht seltener stürzt), seinen Mitmenschen, der Umwelt … Die Welt wäre unter Garantie ein besserer Ort, wenn jeder einen Gang rausnehmen würde und ein bisschen – nun ja – achtsamer wäre. Oder? Doch eigentlich will ich das hier nicht vertiefen.

Mir geht es vielmehr um die guten Vorsätze, die scheinbar komplett aus der Mode gekommen sind. In vielen Zeitungen und praktisch allen sozialen Medien liest man seit Tagen nur noch Sätze wie “Ich nehme mir nichts mehr vor, denn ich kann es doch sowieso nicht einhalten!”. Ist das nicht eine total Bankrott-Erklärung? Schon klar, dass ein guter Vorsatz alleine gar nichts nützt, wenn es dann an der Umsetzung scheitert. Aber sich nicht einmal mehr vornehmen zu wollen, ein besserer Mensch zu werden, nicht mehr zu rauchen/saufen/bescheißen, abzunehmen und mehr Sport zu treiben, erscheint mir wie eine komplette Kapitulation. Außerdem ist es langweilig. Und traurig.

Ich habe Vorsätze!

Daher möchte ich jetzt  mit gutem Beispiel vorangehen: Ich werde 2017 minestens einen Halbmarathon laufen!

Es gibt natürlich noch mehr Vorsätze, aber die sind entweder nicht jugendfrei oder sonst wie für die Allgemeinheit gedacht, daher beschränke ich mich hier in diesem Beitrag auf die sportliche Herausforderung.

Der Halbmarathon ist sogar schon ziemlich konktret ins Auge gefasst: am 12.3. in Frankfurt – falls mir jemand zujubeln will. Und ich gebe zu, dieses Vorhaben ist insofern kühn, als es in ziemlichem Widerspruch zu meiner oben dargelegten Schusseligkeit steht. Seit zwei Wochen trainiere ich mit Klumpfuß (die Schwellung aus dem Schienbein ist ziemlich rasant in den Knöchel-/Fußbereich gesackt – dito das beeindruckende Farbenspiel) und Schmerzen. Aber ich trainiere. Denn ich will diesen vermaledeiten Halbmarathon nicht nur überleben, sondern auch in einer unpeinlichen Zeit (also idealerweise unter zwei Stunden) absolvieren. Und wenn ich im Zuge dessen, ein paar Pfund verliere und weniger trinke, dann nehme ich das eben auch mit.

“Das Leben ist auch für Hartgesottene …

… völlig unabdingbar!” Behauptet mein aktuelles Lieblingsspielzeug, der Moralomat! Wunderbare Thesen lassen sich damit generieren, die für endlosen Gesprächsstoff sorgen – und auch für den ein oder anderen Streit. Aber diese teils kühnen, teils abstrusen Behauptungen laden zum Nachdenken ein. Möglichkeiten kommen einem in dem Sinn, Ideen, ja sogar philosophische Ansätze. Das ist übrigens auch ein Vorsatz für 2017 – mal öfter innehalten und gründlicher über die Dinge nachdenken. Womit wir wieder beim Thema Achtsamkeit wären – zur Vermeidung aller möglichen Unfälle.

Und nun zu euch: Habt ihr Vorsätze? Mag mich vielleicht jemand beim Halbmarathon begleiten? Mir Trainingstipps verraten? Wetten, dass ich die 21 Kilometer in unter zwei Stunden schaffe? Das Schöne beim Rennen (wenn man da überhaupt einen Reiz ausmachen kann) ist übrigens auch die doppeldeutige Möglichkeit, vor seinen Problemen davonzulaufen. Denn wenn die Lunge brennt und die Beine schwer werden, produziert der Kopf manchmal die interessantesten Lösungsansätze …

In diesem Sinne: Happy New Year! Wir lesen uns 2017 wieder. Ach ja, vielleicht ist Geradeauslaufen nicht immer die beste Wahl – manchmal kann auch ein Umweg zum Ziel führen.

Bekämpft die Ohrgasmus-Lüge!

ohrgasmusluegeWie wäre es heute mal mit einem kleinen Referendum? Einer Volksbefragung? Liebe Leser, worüber möchtet ihr euch lieber informieren? Über die US-Wahl – oder über einen unausrottbaren Sex-Mythos? Ihr stimmt ab – ich bin auf alles vorbereitet!

Das Ergebnis: Sex schlägt Trump!

Das ist einerseits irgendwie beruhigend, doch auch ziemlich vorhersehbar. Aber schön, ihr habt es so gewollt. Lasse ich also meinen gesammelten Groll auf “Make America great again” fürs Erste ruhen und widme mich einem Thema, das mich fast genauso verstört, wie Donald Trump: die Ohrgasmus-Lüge! Nein, ich habe mich nicht vertippt, ich meine es exakt so.

Seit ich vor etwa zwei Jahren begonnen habe, mir eine horziontale Zweit-Existenz aufzubauen – rein belletristisch selbstredend!!! – habe ich viel Verstörendes gelernt. Um zu erfahren, was dem geneigten Leser im Genre Erotik so zusagt, habe ich mich durch die einschlägige Literatur gelesen und vielfach auch gequält – bis ich schließlich entschieden habe, auf die Trends (oh ja, die gibt es!) zu pfeifen und die Geschichten zu schreiben, die ich interessant finde. Doch so unterschiedlich die Stories auch sein mögen, Sprache, Anspruch und Thematik betreffend, ein immer wiederkehrendes Element taucht auf: das Ohr!

Ist das Ohr eine erogene Zone?

Ich finde nicht. Das Außenohr, speziell das Ohrläppchen, ist sogar eher unempfindlich – nicht umsonst dient es vielfach als Nadelkissen für Schmuckkreationen aller Art. Was also bewegt unzählige Autoren und Autorinnen dazu, sich in der kühnen Schilderung zu versteifen, dass die Heldin beinahe schon durch inniges Saugen am Ohrläppchen oder neckisches Züngeln im Gehörgang zum O(h)rgasmus gebracht werden kann? Wer genau soll damit veräppelt werden?

Die These, dass all jene Schreiber Star Trek-Fans sind und sich von der erotischen Ohrmassage “Oo-Mox” inspiriert haben lassen, kann  man wohl getrost in den Wind schießen. (Wer es genau wissen will: auf Oo-Mox stehen die Ferengi, eine auch sonst ziemlich schräge Alien-Rasse.) Zumal auch in der einschlägigen Star Trek-Sekundärliteratur nichts von einem tatsächlichen Höhepunkt durch das Ohrmuschel-Gekraule zu finden ist.

Aber Hunde stehen doch auch drauf!

Stimmt. Hunde lieben es, an oder hinter den Ohren gekratzt und gekrault zu werden. Wenn zwei Hunde untereinander Zärtlichkeiten austauschen wollen, dann lecken sie sich gerne die Öhrchen. Manchmal machen sie das auch mit ihren Menschen, was für den humanoiden Empfänger … nun ja … Geschmacksache ist. Hunde lieben also zweifellos Ohrinteraktionen – doch ich glaube nicht, dass diese erotisch aufgeladen sind. Und selbst wenn: Hunde wälzen sich auch gerne in toten Tieren, sollten also nicht als Maßstab gelten!

Schlampige Übersetzung?

Nächste These: Hinterm Ohr verlaufen tatsächlich etliche Nervenstränge, die bei Liebkosungen interessante Empfindungen auslösen KÖNNEN. Ich weiß nicht wie oft die Formulierung “he nibbles on her sensitive spot behind the ear” schon gelesen habe. Diese Nibbelei führt in der Regel mindestens zu einem feuchten Höschen, meist zu mehr. Allerdings lese ich das nur in englischsprachiger Literatur. Im hiesigen Sprachraum wird meist am Ohrläppchen gezuzelt oder die männliche Zunge penetriert gleich die weibliche Ohrmuschel (was insofern Sinn macht, als Männer ja grundsätzlich gerne eigene Körperteile in fremde Körperöffnungen schieben).

Ist das ganze Dilemma also ein schlichter Übersetzungsfehler? Hat vor vielen, vielen Jahren der schlampige Übersetzer eines amerikanischen Sexratgebers geschrieben, dass Frauen darauf stehen, wenn ER ihr die Zunge ins Ohr schiebt? Und hat sich dann ein dadurch ein Trend entwickelt? So nach dem Motto: “Okay, da steht, dass es erotisch ist, wenn er an meinem Ohr rumschlabbert. Ich find’s zwar eklig, aber das ist dann wohl allein mein Problem. Hm, also schön, ich überwinde mich und tu so, als sei es geil!” Dito die Männer: “Was? Frauen stehen drauf, wenn ich ihnen die Ohren auslecke? Hoffentlich hat sich die Lauscher gewaschen. Bäh – aber gut, was macht Mann nicht alles, um ans Ziel zu kommen?”

Zugegeben, das klingt schräg, aber wir Menschen sind doch auch ziemlich dämlich. Bekommen wir nur oft genug etwas gesagt, glauben wir es auch. Oder wie sonst ließe sich erklären, dass viele Millionen Amerikaner der ernsthaften Meinung sind, dass Donald Trump ein echt dufter Präsident wäre??

Bekämpft die Ohrgasmuslüge

Genauso wie ich hoffe, dass (die zwar ebenfalls ziemlich grässliche) Hillary Clinton die Wahl gewinnt, weil die Mehrheit der Amerikaner vielleicht doch nicht völlig verblödet ist, hoffe ich auch ein bisschen Restintelligenz der schreibenden Kollegen: Bekämpft endlich die Ohrgasmuslüge!