Quetsch the Speck weg

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Das Schöne an diesem Sommer ist, dass man sich das Thema Bikinifigur sparen und praktisch direkt wieder den Winterspeck in Angriff nehmen kann. Sicher ist sicher. Dieser mittellustige Gag kursiert aktuell in den sozialen Medien und bemäntelt höchst dürftig zwei dramatische Problemzonen: 1. Das Wetter! 2.  Die unerwünschten Fettanlagerungen.

Gegen das Wetter lässt sich nicht viel machen – außer es mit Humor zu nehmen. “Ich freue mich wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.” Das hat einst der großartige Karl Valentin gesagt – aber der konnte leicht reden, zu seiner Zeit hat’s lang nicht so viel geregnet wie heutzutage. Trotzdem, Wetter-Lamentos sind müßig.

Ganz anders sieht es da mit der zweiten Problemzone aus: Schwabbelbäuche, Fettärsche, Agatha-Christie-Gedächtnis-Oberarme (aka Bingo-Wings – danke dafür, Micha!), Doppelkinne, Rettungsringe, Kniewülste … you name it. Gefühlt leiden 175 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung unter mindestens einem dieser Gebrechen (unter den Frauen sind es sogar 243 Prozent!), und daher ist es nicht verwunderlich, dass die Strategien dagegen höchst ausgefuchst sind und so zahlreich wie die Regenschauer im Juni 2015. Die Methoden lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Sport, Diät, Shapewear.

Eine repräsentative Umfrage ist dabei zu folgender bahnbrechender Erkenntnis gekommen: Eine Methode ist umso erfolgversprechender, je kostspieliger sie ist!

Siehe Sport: Theoretisch könnte man einfach regelmäßig Rennen, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und alle paar Tage einige Sätze Kniebeugen, Planks und Situps einlegen, doch aus eigener niederschmetternder Erfahrung muss ich leider sagen: das interessiert die Fettpölsterche einen Scheißdreck! Also orientieren wir uns an Modellathleten in unserer Umgebung: dort ist derzeit das sogenannte “High-Intensity-Workout” en vogue. Kurze Einheiten unter so hoher Belastung, dass man bereits nach 20 Minuten kurz vorm Kollaps steht. So ein Training lässt sich natürlich nur unter Aufsicht eines Personal Trainers und/oder in einem Edelclub und/oder mit absurd teurem High-Tech-Equipment ausführen. Sonst bring’s nix! Klar.

Siehe Diät: Theoretisch könnte man einfach ein bisschen weniger essen und/oder [Alkohol] trinken, als der Körper für sein durschnittliches Tagespensum benötigt, doch das ist langweilig, mühsam – und interessiert die Fettpölsterchen nur am Rande. Also gucken wir auch hier mal bei den Obercheckern! Die stellen ihre Ernährung radikal um, fressen jeden Tag ein Pfund mageres Bio-Rindfleisch und spülen es mit einem liebevoll gemixten Green-Smoothie (klappt nur gut mit dem Kichen-Aid-Standmixer!) runter. Oder sie lassen sich von Calory Coaches einen Chemiebaukasten aufschwatzen und werfen sich mehrmals am Tag diverse Nahrungsergänzungsmittelchen und Eiweißshakes rein. Oder sie gehen zur Hypnose oder gleich zum Chirurgen.

Bleibt Shapewear: Fallen Sport und Diät aus welchen Gründen auch immer aus, greift frau (und neuerdings auch mann) gerne zu sogenannter Shapewear! Das sind mörderisch enge Elastikpellen, die in Sekundenschnelle zur Traumfigur verhelfen sollen – oder zumindest dafür sorgen, dass der Reißverschluss vom sündteuren Kleid wieder zugeht. Im Prinzip wird der Speck einfach weggequetscht. Kritischere Zeitgenossen werden vielleicht die Frage stellen: wohin?, aber grundsätzlich klingt das Prinzip erst einmal toll. Bis man es ausprobiert. Grundsätzlich muss man (leider) auch hier sagen: die Billig-Varianten vom Discounter taugen nicht viel, aber selbst die teureren Produkte von Firmen wie Spanx (kommt wohl von “to spank” = verhauen?!) oder Triumph (worüber? über die Schwerkraft??) haben ihre Tücken.

Die beginnen meist schon beim Anziehen, denn eigentlich ist es fast unmöglich, diese Teile ohne fremde Hilfe anzulegen. Anderseits muss dringend davon abgeraten werden, den/die Lebensgefährten/in um Assistenz zu bitten. Jedenfalls dann, wenn diese Person a.) weiterhin Respekt vor uns haben soll oder b.) wenn wir weiterhin Sex mit dieser Person haben wollen. Also lieber alleine einpacken! Danach ist man in der Regel vollkommen ausgelaugt, verschwitzt und hat den Verlust von zwei bis drei Fingernägeln zu beklagen. Doch juhu: Die Silhouette ist straff, das Kleid sitzt wie angegossen!

Bis man den Fehler macht und sich damit hinsetzt.  Bei der knielangen Trägervariante wird man nach etwa zwanzig Minuten mit leichten Atembeschwerden zu kämpfen haben, nach einer weiteren Viertelstunde kommen unklare Bauchschmerzen hinzu. Klar, das ganze Fett wird ja nach innen gepresst und verdirbt den Bauchorganen die Freude am Leben. Aber, keine Sorge, die Optik bleibt 1a!

Gefährlicher ist dagegen die trägerlose Variante eines Maxislips, der von ca. Mitte des Oberschenkels bis kurz unterm Busen reicht. Im Stehen ist auch hier zunächst alles wunderbar. Bewegt man sich jedoch (normales Gehen! – von ausgelassenem Tanz wollen wir gar nicht anfangen) kann es sein, dass die gummierten Säume ihren zugewiesenen Platz verlassen. An den Beinen rutschen sie langsam nach oben (gibt eine sehr sexy Einschnürung an den Schenkeln), am Bauch dagegen nach unten Richtung Taille. Wer dann auch noch den Fehler begeht sich hinzusetzen, wird Augenblicke später den Tag seiner Geburt verfluchen. Mit ein wenig Glück zwar geräuschlos (leider nicht immer), aber völlig unausweichlich, rollt sich die Pelle in der Taillenregion zusammen. Und das meist so schlagartig, dass erst die Luft wegbleibt und im günstigsten Fall eine tiefe Ohnmacht eintritt. Denn die plötzlich aufgetretene, asymmetrische Fettverteilung ist nur sehr schwer den Menschen in der unmittelbaren Umgebung zu erklären …

Eigentlich sollte hier noch ein Absatz zu Bandeau-BHs bei Körbchengröße D in der Yoga-Stunde folgen, doch zuviel Kopfkino darf den Lesern auch nicht zugemutet werden.

Was bleibt? Die Hoffnung auf einen möglichst kühlen, nassen Sommer, in dem wir lässige knielange Kuschelpullis über langen Hosen tragen? Oder eine lässige innere Einstellung! Denn sind wir doch mal ehrlich: So schlecht sehen wir alle gar nicht aus! Und darauf eine schöne Pasta zum Abendessen und ein leckeres Weinchen!

Wie ein Glitzer-Einhorn hinter Glas

Mixed emotionsManchmal birgt die simple Frage nach der eigenen Befindlichkeit größtes Problempotenzial. “Wie geht’s?” – wird meist nur so dahin gesagt. Eine Höflichkeitsfloskel ohne wirkliches Interesse dahinter. Es ist fast ein bisschen schade, dass mich heute noch keiner gefragt hat, denn ich hätte ausnahmsweise mal eine echt originelle Antwort parat: “Ich fühle mich wie ein Glitzer-Einhorn hinter Glas!”

Ich gehe mal davon aus, dass meine geschätzten Bürogenossen schon so etwas geahnt haben, als ich mit leicht wirrem Blick heute Morgen angeschlichen kam – weshalb sie sich die Frage sicherheitshalber erspart haben. Andererseits habe ich auch keinen gefragt … Ehe ich jetzt einen Exkurs beginne, ob womöglich eine gewisse Verrohung in unserer Arbeits-WG eingezogen ist, lieber zurück zum Einhorn.

Diesen Gesellen gibt’s nämlich wirklich. Ein Geschenk meiner nach Seattle desertierten Kollegin Micha, die meine Schwäche für  fantasievollen Christbaumschmuck kennt. Das Lederhosen tragende Einhorn ist seit gestern mit reichlich pinkem Dekosand in ein Weckglas gezogen. Als Kunstinstallation hat es für viele Ahs und Ohs gesorgt, völlig ahnungslos, dass es wenige Stunden später zum Symbol latenter Wirrheit absteigen wird.

Warum so wirr?

Seit Tagen laboriere ich an einer Kolumne zum Thema “Erratisch oder erotisch?”, doch da will der Funke nicht so recht überspringen. Und auch die längst versprochene Tirade über die Großstadt-Panzer-Brigaden (aka SUV-FahrerInnen) will mir, obwohl erst auf dem Arbeitsweg durch ein weiteres kühnes Manöver einer Landrover-Fahrerin neu angefacht, nicht so recht aus den Fingern fließen. Stattdessen ertappe ich mich dabei, wie ich immer massiver über ein (für mich) völlig neues Roman-Genre nachdenke, von Delfinen träume, für einen mir vollkommen unbekannten kanadischen Terrier spende (der letzte Woche von der Dachterrasse im vierten Stock auf die Straße gesprungen war, weil er eine Katze im gegenüber stehenden Baum …) und über die Liebe philosophiere.

Alles ganz wunderbare Themen, aber – mit Ausnahme des kanadischen Terriers vielleicht – nicht geeignet für ein fluffiges Lebenszeichen auf meinem Blog hier. Von dem Einfluss auf meine eigentliche Arbeit mal ganz zu schweigen. So starre ich abwechselnd mein Einhorn, dem ich mich heute so nahe wie noch nie fühle, und diesen Film hier an – der mir übrigens auch noch beim fünften Angucken die Tränen in die Augen treibt. Ein ganz wunderbares Beispiel für die Liebe. Falls es hier jemanden interessiert.

Delfine!

Flipper

Warum sind wir Menschen so versessen auf Delfine? Klar, sie sehen irgendwie niedlich aus, schnattern lustig und sind tendenziell freundlich zu uns ungehobelten Humanoiden, die – ob absichtlich oder nur aus Gedankenlosigkeit – vieles dafür tun, dass der Lebensraum der Meeressäuger immer weiter vernichtet wird. Es gibt natürlich zig Studien zu dieser Thematik, doch die zu zitieren wäre ja langweilig. Daher versuche ich’s mit einer eigenen, streng subjektiven, empirischen Untersuchung zum Thema:

Vor ein paar Monaten stand meine gute Freundin S. vor ihrer Reise nach Bali. Am Telefon erzählte sie mir, dass sie dort die Möglichkeit habe, mit einem Fischerboot zum Delfine-Gucken zu schippern. S. war – ähnlich wie ich selbst – wohl eher an dem Trip mit dem Bötchen interessiert und hätte die Tiere nur als nette Beigabe genommen. Wir diskutierten angelegentlich, was nun alle Welt so an diesen Viechern fasziniert. Nach eingehenden Analysen kamen wir zu dem Schluss: Für uns Menschen sind Delfine Hunde im Fischkostüm!

Hunde im Fischkostüm

Doch dann kam S.s Nachricht aus dem Urlaub: “Ich nehme alles zurück, was ich über Hunde im Fischkostüm gesagt habe. Delfine sind ganz bezaubernd! Wir sind heute Morgen um 5 aufgestanden und meiner Nussschale mitgefahren. Der Fischer musste zwischendurch immer Wasser aus dem Boot schöpfen – aber es war traumhaft!” Hm. Meine kühle, analytische S. war verknallt in glitschige Meeressäuger?!

Solche Schwärmereien kenne ich sonst nur von Freundin T., einer passionierten Globehopperin, die ihr magisches Delfin-Erlebnis bereits vor ein paar Jahren auf Hawaii hatte. Aber T. ist grundsätzlich enorm begeisterungsfähig und findet sowieso jedes Tier gut (zwei der Gründe, warum ich sie so mag!) und würde womöglich sogar einer Feuerqualle einen gewissen Possierlichkeitsfaktor zuschreiben. Ihre Delfinerlebnisse zählen also nicht. Ich benötige mehr Zweifler für meine Studie.

Mich selbst! Als Kind der 70er Jahre bin ich natürlich mit Flipper aufgewachsen. Ihr wisst schon: “Sie nannten ihn Flipper – Flipper, Freund aller Kinder …” [Oh, ich stelle gerade auf Wikipedia fest, dass der Song doch ganz anders geht … egal, ihr wisst, was ich meine!] Und meine Fresse, was hätte ich damals alles für so einen treuen tierischen Freund gegeben! Flipper hatte es einfach sowas von drauf – er hat Sandy und Bud laufend aus allen möglichen verzwickten Situationen gerettet, gefühlt sogar in etwa jeder dritten Folge große Verbrechen verhindert oder wenigstens aufgeklärt. Kurz: Flipper erschien mir wie das ideale Haustier! Leider sahen das meine Eltern ganz anders – und kauften ein Aquarium mit Guppys. Guppys?? Ernsthaft!

Flipper, Guppys, Thunfischnetze

Ich glaube nicht, dass die Guppys wirklich Schuld daran hatten, dass meine frühe Leidenschaft für Delfine sukzessive abnahm. Nicht, dass ich jemals wirklich Antipathien gegen sie gehegt hätte, mich hat nur immer mehr der Kult um sie aufgeregt. Was wird den Biestern alles zugeschrieben: Intelligenz, Empathie, Therapiefähigkeit – kurz, sie sollen die überlegene Spezies sein. Das mag stimmen, oder halt auch nicht, denn so überlegen können sie wohl nicht sein, wenn sie sich von uns dummen Menschen so unfassbar missbrauchen lassen. Nein, ich habe und hatte nie Antipathien, es ist eher so, dass sie mir einfach leid tun. Delfine, die als Beifang in Thunfischnetzen elendiglich ersticken, Delfine die mit zahlenden Touristen zusammen schwimmen müssen (ich spreche hier nicht von den Therapie-Delfinen, wobei die mir ehrlich gesagt auch leid tun), Delfine, die in Zoos alberne Kunststückchen lernen müssen, Delfine, die vom Militär zur Wasserminenverteilung oder -entschärfung trainiert werden. Alles reichlich fragwürdig.

Ich verwehrte mich also gegen die unangemessene Romantisierung einer Spezies, die sich nicht dagegen wehren kann und versuchte mich, in Delfin-Fragen neutral zu verhalten. Gut, ich verzichte weitgehend auf Thunfisch und komplett auf Schwimm-Abenteuern mit den Säugern (was aber vor allem daran liegt, dass ich es hasse, von Wasserbewohnern in ihrem Element berührt zu werden … long story!), aber ansonsten sind – oder vielmehr: waren! – sie kein Thema für mich.

Delfine SIND besonders!

Als leidenschaftliche Kreuzfahrerin kenne ich natürlich den hysterischen Schrei eines Mitreisenden bei einer Sichtung: “Delfine!” wird dann über Deck gebrüllt! Doch sobald man seinen trägen Leib in Richtung Reling gewalzt hat, sind die Biester immer schon wieder weg. Aber ja, auch ich habe schon das ein oder andere Mal in den letzten zehn Jahren Delfine gesehen. Meist ein ziemliches Stück entfert und fast immer nur ein paar Sekunden lang. Nichts was eine erhöhte Endorphin-Ausschüttung rechtfertigen würde.

Royal-Clipper-Collage-kleinBis letzte Woche! Ich war unterwegs mit der Royal Clipper zwischen den Inseln Lipari und Stromboli und lag mit dem Mann zusammen vorne im sogenannten Bug-Spriet-Netz. Was zwar ein bisschen unbequem ist, aber trotzdem der allertollste Platz auf diesem Schiff. Man schwebt buchstäblich über dem Wasser – den Blick wahlweise auf die imposanten Segel gerichtet, den Himmel – oder eben aufs Wasser. Unsere Augen waren selbstverständlich verliebt ineinander versunken, als von der Backbord-Netzseite (also links – wir lagen rechts neben dem Masten) der heisere Schrei “Dolphins!!” ertönte und unsere Aufmerksamkeit umgehend auf andere Dinge lenkte. Der Blick führte vorbei an den üppigen Brüsten der Galeonsfigur zum Wasser, das vom mächtigen Kiel in eine brodelnde Bugwelle verwandelt wurde (wir waren echt flott unterwegs!). Und tatsächlich! Dort hopste ein Delfin aus den Fluten und tauchte wieder ab. Dann der nächste. Und noch einer (oder vielleicht auch wieder der erste). Es war unglaublich. Es war wunderschön. Es war magisch! Es war ein Erweckungserlebnis. Eine gute halbe Stunde lang surften bis zu fünf Tiere auf der Welle und hatten richtig viel Spaß! Und ich? Was soll ich sagen? Ich liebe Delfine!

 Wer jetzt Lust auf ein Segelabenteuer hat – in meinem Roman “Gefühlte Wahrheit” gibt’s zwar keine Delfine (den habe ich in meiner Verleugnungsphase geschrieben), dafür Geister, Fußball und reichlich Liebe … Viel Spaß!

Stupid is the New Smart

Chaos vs. Ordnung“Sei schlau, stell dich blöd” – so oder so ähnlich heißt doch das Elaborat der “Katze”. Und man kann von der platinblondierten, silikonierten Frau Katzenberger nun halten, was man will, dieser Satz ist clever. Auch wenn ich darauf wetten würde, dass er nicht aus ihrer Feder stammt.

Ich habe es jahrzehntelang mit der gegenteiligen Strategie versucht. Ich wollte gerne als intelligente Frau wahrgenommen werden – auch wenn das nach landläufiger Meinung ziemlich unsexy ist. Übrigens genauso unsexy, wie meine Unfähigkeit, die Klappe zu halten, wenn ich mich über etwas aufrege. Beide Schwächen nähren sich wohl aus der gleichen Quelle.

Will heißen, wäre ich so richtig strunzdumm, müsste ich mich nicht mehr so viel aufregen, wäre ich entspannter, charmanter – und könnte mich womöglich leidenschaftlich mit Elefanten oder Muskelaufbau an entscheidenen Stellen befassen. Und das wäre doch eine feine Sache, nicht wahr?

Doch ich muss mir mein Scheitern auf ganzer Linie eingestehen: Ich bin vermutlich weder so schlau, wie ich gerne wäre, noch so dumm, wie es angenehm erschiene. Leider bin ich auch lange nicht so tolerant, wie ich mich selbst gerne erleben würde und Vorurteile pflege ich erheblich lieber, als dass ich sie abbaue. Schreiben ist für mich immer noch Arbeit und kein Elefant, wie eine Kollegin empfiehlt. Ich bin weder dürr, noch stark – und ganz offensichtlich noch nicht einmal kreativ, denn die reißerische Überschrift dieses Artikels habe ich mir nicht selbst ausgedacht, sondern mit leichter Abwandlung von einer anderen Kollegin entliehen.

Bleibt mir nur noch eine Option: Ich umarme das Chaos und pfeife auf jeden Ordnungsanspruch. Sei es in meinem Kopf, bei meiner Arbeit, in der Familie, bei Freunden, in der der Gesellschaft und im Universum. Damit dürfte ich die nächste Zeit ausgelastet sein.

Übrigens: Sarkasmus ist der neue Schönheitsfleck und Bissigkeit die neue Bulimie! Das macht jetzt keinen Sinn? Muss es nicht, denn Chaos ist die neue Chocolate …

Nachtrag: Auch wenn ich es für deutlich schlauer halte, einen Kleinwagen zu fahren, als beispielsweise einen SUV, mit smart ist kein Verkehrsmittel gemeint. Obwohl ich den neuen Ford Stupid … ach, lassen wir das.

Frau Müller, Carin und die Andere

Wer bin ichWir wollen Antworten. Immer. Auf alles. Idealerweise schnelle, einleuchtende Antworten, die es uns ermöglichen, ungestört mit unserem normalen Alltagskram weiterzumachen.  Aktuell ächzt ein nicht unerheblicher Teil Zentraleuropas unter der Last des WARUM?

Die Sehnsucht nach Gewissheit und Antworten ist umso erstaunlicher, als die meisten von uns (mich eingeschlossen!) häufig noch nicht einmal vergleichsweise simple Fragestellungen à la “Was soll ich nur anziehen?” oder “Was essen wir heute Abend?” problemlos beantworten können.

Warum wollen wir alle die ganz großen, komplexen Dinge begreifen, wenn uns das Nächste schon so fremd ist? Das Haustier beispielsweise, der Partner, das Kind oder erschütternd häufig: (s)ich selbst.

Flexibel oder meschugge?

Optimistisch davon ausgehend, dass ich mich noch im Normalzustand (wobei, was ist schon normal?) befinde und keine pathologische Störung vorliegt, wundere ich mich in letzter Zeit recht häufig über mich. Schuld ist die Sache mit der Anderen. Also mit dem Pseudonym, das ich mir kürzlich zugelegt habe. Mein Autoren-Ich erlebt seit einem Jahr eine faszinierende Diversifizierung. Da ist einmal Carin Müller, die Verlagsautorin mit Genreschubladen-Repertoire, seit Mai 2014 gibt’s auch Carin Müller, die unabhängige Autorin mit den schubladeninkompatiblen Herzensprojekten und seit Anfang 2015 auch noch die Andere, die mal ausprobieren wollte, wie kommod eine recht spezielle Nische im Buchmarkt ist. Zwischenfazit: erschütternd komfortabel!

Doch das ist nicht der entscheidende Aspekt. Viel faszinierender ist der Fakt, dass die Andere  inzwischen ein ziemlich unabhängiges Dasein führt. Zumindest in den sozialen Medien. Dort hat sie ein privates Facebookprofil, eine Fanpage für ihre Bücher, einen Twitter-Account und eine Website. Das alles erst seit etwa vier Monaten. In der Zeit hat sie auf Facebook über 200 “Freunde” gewonnen – wofür Frau Müller und Carin, die sich ein Profil teilen, über fünf Jahre gebraucht haben!

Man kann also behaupten, dass die Andere eher offenherzig agiert, während die anderen deutlich wählerischer und überlegter vorgehen – und altmodisch darauf Wert legen, die (meisten) der Freunde auch persönlich zu kennen. Richtig spannend wird es aber, wenn man beide Timelines miteinander vergleicht, wer bekommt was zu lesen? Welches Weltbild wird vermittelt? Die Verschwörungstheoretiker sind übrigens im Lager der Anderen deutlich in der Mehrzahl …

Spannend wird nun sein, ob die Erkenntnisse, die die Andere beispielsweise beim Thema Selbstmarketing sammelt, irgendwann auch auch bei Carin oder gar Frau Müller ankommen, oder ob sie weiterhin ihre vergleichsweise vornehme Zurückhaltung pflegen.  Über diese Frage werde ich jetzt mal ein wenig kontemplieren. Ist vermutlich zielführender, als das große WARUM.

PS: Ich weiß übrigens genau, was ich heute zu Abend esse! Wie Frau Müller und die Andere das handhaben, ist mir egal.

Noch ein PS: Weil hier auf diesem Blog die Andere nichts zu melden hat, gibt’s nur Werbung von Carin: Die schubladeninkompatiblen Romane Gefühlte Wahrheit und Hundstage haben durchaus Tiefgang. Den kann man aber auch 1a ausblenden und nur die lustigen Storys genießen.