Wahre Gefühle – gefühlte Wahrheit

MetamorphoseWehmut und Vorfreude

Ab heute werden an die hundert Menschen Post von mir bekommen. Eine Postkarte mit dem neuen Cover von Gefühlte Wahrheit. Weitgehend kommentarlos – einfach nur so. Fast wie ein Urlaubsgruß. Womöglich bist du/sind Sie einer davon und nun auf der Suche nach einer Antwort. Gerne! Ich muss dafür nur ein bisschen weiter ausholen:

Gefühlte Wahrheit ist eine Geschichte, die mir so wichtig war, dass ich sie – obwohl Verlage abgewunken haben – unbedingt schreiben und veröffentlichen wollte. Der Roman, der im Mai 2014 erschienen ist, hat aus einer Verlagsautorin eine Selfpublisherin gemacht. Dabei sind mir, trotz ziemlich guter Vorbereitung, reichlich Fehler unterlaufen – doch gelernt habe ich auch eine Menge: Über das Abenteuer Indie-Autor, über die Vorlieben von Lesern – und darüber, warum Verlage manchmal (für Autoren) unangenehme Entscheidungen treffen.

Die Geschichte von Selma, Henri und Kito wurde nämlich nicht gerade zum Bestseller, wie ich es mir (heimlich) erhofft hatte, sondern tat sich aus vielen Gründen schwer: uneindeutiges Genre, schräges Personal, verwirrender Klappentext und ein Cover, das ganz offensichtlich zunächst eine völlig falsche Botschaft aussendet. Die letzten beiden Punkte habe ich lange nicht wahrhaben wollen, denn ich fand meine Kurzbescheibung rasend originell und die visuelle Gestaltung traumschön.

Man lernt nie aus

Die allermeisten Leser, die sich die Mühe einer Rezension gemacht haben, waren dann auch begeistert von der Geschichte, doch eine nicht zu ignorierende Anzahl hat zudem Dinge geschrieben wie: “Das Cover hat mich erst gar nicht angesprochen” oder “Ohne Empfehlung hätte ich es mir nie gekauft”. Hmpff. Die Autorin war zunächst ein wenig bockig und verschnupft, dann schulterzuckend resigniert und schließlich vor allem mit anderen, neuen Projekten beschäftigt. Beispielsweise mit meinem neuen Roman Tage zwischen Ebbe und Flut, der am 1. September als Taschenbuch und eBook bei Droemer Knaur erscheint.

Bei diesem Roman passt alles zusammen: Inhalt, Klappentext und Cover! Was war ich verliebt, als ich die Grafik zum ersten Mal gesehen habe. So und nicht anders muss mein Buch aussehen!

Ich kam ins Grübeln. Wie wäre es, wenn … Sollte ich dem alten Gaul noch mal neue Eisen gönnen?

Die Geschichte hat es verdient

Ich habe mich dann für ein neues Outfit entschieden! Warum? Weil es die Geschichte verdient hat. UND weil es Tage zwischen Ebbe und Flut ohne Gefühlte Wahrheit schlicht nicht geben würde.

Nein, es ist nicht die Fortsetzung, aber die Reise des 70-jährigen Alzheimer-Patienten Felix und seiner Familie findet auf der Flying Cloud statt, jenes Schiff, das in Gefühlte Wahrheit in Dienst gestellt wurde. Und es gibt ein Wiedersehen mit ehemaligen Protagonisten – jetzt als Nebenfiguren.

Außerdem haben wir im Lektorat von Tage zwischen Ebbe und Flut drei Kapitel gestrichen, die für die eigentliche Geschichte nicht relevant sind, aber eine wunderbare Brücke schlagen zu Gefühlte Wahrheit.

Daher erstrahlt Gefühlte Wahrheit ab sofort im neuen Glanz. Das Cover hat die wunderbare Sabine Kwauka gestaltet, die auch für Tage zwischen Ebbe und Flut den Stift in der Hand hielt. Am Originaltext hat sich nichts geändert, aber es gibt rund 40 Seiten neues Material, das vielleicht Lust macht, die Reise mit der Flying Cloud im September fortzusetzen.

Wenn die diversen Online-Shops richtig arbeiten, sollten Taschenbuch und eBooks ab sofort in neuem Look erhältlich sein – und hoffentlich eine Menge neuer Leser und Fans finden.

Wer Gefühlte Wahrheit schon kennt, aber neugierig ist auf das Bonusmaterial, kann es sich hier kostenlos in den Formaten PDF, ePub und Mobi runterladen. Viel Spaß damit!

Ich will auch eine Postkarte!

Wie oben erwähnt, habe ich eine Menge Postkarten verschickt, aber natürlich längst nicht alle. Wer gerne eine haben möchte, schreibt mir am besten eine Mail mit seiner Adresse an postkarte[at]carinmueller.de.

Taschenbuch-Sale

Da ich noch ein paar nagelneue Taschenbuchexemplare mit dem alten Cover habe, gibt’s die im Sale für 7,99 € statt 9,99 €! Wer ein singniertes Exemplar haben möchte – inklusiver aller Goodies (alte und neue!) schreibt mir bitte ebenfalls eine Mail (postkarte[at]carinmueller.de). Innerhalb Deutschlands verschicke ich ohne Versandkosten. EU-Ausland plus 2 €! So lange der Vorrat reicht.

PS: Die neuen Exemplare sind leider noch nicht angekommen, Bestellungen nehme ich aber gerne entgegen!

Die Mauer muss fallen

Mauer

Morgen feiert Deutschland 25 Jahre Wiedervereinigung – und hier in Frankfurt geht bei den “zentralen Feierlichekeiten”, wie es im Behörden-Sprech so schön heißt, die Post ab!

Ich kann mich noch gut erinnern, wie das war als 1989 die Mauer fiel. Ich war gerade 18, hatte den Führerschein und meinen ersten Freund (war also eigentlich mit ganz anderen Themen ausgelastet!) – und vollkommen gebannt von der Wucht dieser historischen Wochen. Seitdem bin ich fasziniert von dem Konzept, dass man Mauern nicht nur errichten, sondern auch wieder einreißen kann.

Inzwischen kämpfen die meisten von uns nur noch mit geistigen Mauern – wobei “nur” womöglich die falsche Formulierung ist. Was sich in den menschlichen Gehirnwindungen einmal manifestiert hat, steht in der Regel bombenfest: Vorurteile, Ängste, Ablehnung, Abgrenzung! Wir Menschen halten lieber an den Dingen fest, die uns trennen, statt uns über Gemeinsamkeiten zu freuen.

Leser dieses Blogs wissen, dass ich mich darüber regelmäßig aufrege – und lustig mache.  Wenn mir das Lachen nicht gerade selbst wieder im Hals stecken bleibt, was auch immer wieder vorkommt.  Doch heute lasse ich mal sämtliches Heulen, Lästern und Nölen stecken, sondern feiere die Einheit!

Und reiße bei der Gelegenheit eine weitere Mauer ein: die fiese Genre-Mauer! Wer sagt denn, dass Romanautoren keine Kolumnen schreiben dürfen? Eben! Und daher feiere ich heute die Einheit von meinem Herzensprojekt Gefühlte Wahrheit und meinem neuesten Buch Problemzonen (erscheint am 10.10.). Jedes funktioniert für sich genommen ganz wunderbar, aber in der Kombi wird’s ein Traum. Vor allem für Gorilla-Freunde … Wer das jetzt nicht kapiert, sollte dringend “Gefühlte Wahrheit” kaufen. Das eBook kostet in allen Shops (bei Amazon und bei sämtlichen Tolino-Dealern wie Thalia) den ganzen Oktober lang nur 99 Cent (statt 3,49 €)! Und auch “Problemzonen” gibt’s zur Veröffentlichung für 99 Cent (statt 3,99 €). Wer da noch widerstehen kann , …

Geistige Entgiftung

Bliss

Es ist mal wieder Zeit, von einem gut und liebevoll gepflegten Vorurteil Abschied zu nehmen. Jahrelang habe ich gegen den Entschlackungs-Wahnsinn gewettert, der uns hedonistischen Zeitgenossen vermitteln will, dass unsere Leiber hochbrisante Giftmüll-Deponien sind und wir kurz vorm Kollaps stehen, wenn – ja wenn wir nicht schleunigst “detoxen”! Ich war und bin der Meinung, dass mein Körper über gut funktionierende Entgiftungsorgane (namentlich Niere und Leber) verfügt, die ihren Job prima erledigen. In mir gibt’s keine Schlacken! Basta.

Das glaube ich im Prinizip immer noch, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Denn es ist ja zweifellos so, dass die Ernährung eine große Rolle fürs menschliche Wohlbefinden spielt – und offensichtlich auch fürs Missbehagen. Dass man mit gezieltem Essverhalten also durchaus einiges Postives erreichen kann. Woher dieser Sinneswandel (ich nenne es jedoch lieber: Wahrnehmungsverschiebung) stammt, spielt an dieser Stelle keine Rolle und ich will und werde hier niemanden mit etwaigen physischen Defiziten langweilen. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann:  Ob die körperliche Entgiftung funktioniert, weiß ich (noch) nicht, die geistige klappt dagegen 1a!

Vermutlich sollte ich diese, an sich wenig überraschende, Erkenntnis schick neudeutsch “mental detox” (ich weiß, darauf sind vor mir schon andere gekommen) nennen und ein kostspieliges Sachbuch daraus basteln, doch weil ich noch im Nach-Urlaubs-Modus bin, gibt’s das Rezept gratis:

  • eine Woche belgische Nordseeküste
  • in charmanter zwei- und vierbeiniger Begleitung
  • kein Fernsehen (außer einem Länderspiel!)
  • keine Nachrichten, keine Zeitung
  • Beschränkung auf maximal 20 Minuten Mails und soziale Medien pro Tag
  • sonst KEINE Arbeit
  • ausgedehnte (10-15 km!) Strandwanderungen – jeden Tag
  • ausführliche Verkostung der lokalen Küche

= Tiefenentspannung zwischen den Ohren!

Problematisch bei dieser Therapieform ist höchstens der letzte Punkt. Die kulinarische Dreifaltigkeit Belgiens (Pommes, Schoki, Bier) – und die Tatsache, dass es wirklich SEHR viele, SEHR gute Restaurants gibt – sorgt für neue Problemzonen, die sich diesmal doch eindeutig körperlich manifestiert haben. Insofern  werde ich mich in den nächsten Tagen und Wochen nun noch etwas eingehender mit meinem Ex-Vorurteil beschäftigen. In Kombination mit viel Arbeit, viel Social-Media-Konsum, Zeitungslektüre, Nachrichten und dem ganz normalen Wahnsinn, werde ich also spätestens Übermorgen wieder meine übliche gute Laune versprühen …

Delfine!

Flipper

Warum sind wir Menschen so versessen auf Delfine? Klar, sie sehen irgendwie niedlich aus, schnattern lustig und sind tendenziell freundlich zu uns ungehobelten Humanoiden, die – ob absichtlich oder nur aus Gedankenlosigkeit – vieles dafür tun, dass der Lebensraum der Meeressäuger immer weiter vernichtet wird. Es gibt natürlich zig Studien zu dieser Thematik, doch die zu zitieren wäre ja langweilig. Daher versuche ich’s mit einer eigenen, streng subjektiven, empirischen Untersuchung zum Thema:

Vor ein paar Monaten stand meine gute Freundin S. vor ihrer Reise nach Bali. Am Telefon erzählte sie mir, dass sie dort die Möglichkeit habe, mit einem Fischerboot zum Delfine-Gucken zu schippern. S. war – ähnlich wie ich selbst – wohl eher an dem Trip mit dem Bötchen interessiert und hätte die Tiere nur als nette Beigabe genommen. Wir diskutierten angelegentlich, was nun alle Welt so an diesen Viechern fasziniert. Nach eingehenden Analysen kamen wir zu dem Schluss: Für uns Menschen sind Delfine Hunde im Fischkostüm!

Hunde im Fischkostüm

Doch dann kam S.s Nachricht aus dem Urlaub: “Ich nehme alles zurück, was ich über Hunde im Fischkostüm gesagt habe. Delfine sind ganz bezaubernd! Wir sind heute Morgen um 5 aufgestanden und meiner Nussschale mitgefahren. Der Fischer musste zwischendurch immer Wasser aus dem Boot schöpfen – aber es war traumhaft!” Hm. Meine kühle, analytische S. war verknallt in glitschige Meeressäuger?!

Solche Schwärmereien kenne ich sonst nur von Freundin T., einer passionierten Globehopperin, die ihr magisches Delfin-Erlebnis bereits vor ein paar Jahren auf Hawaii hatte. Aber T. ist grundsätzlich enorm begeisterungsfähig und findet sowieso jedes Tier gut (zwei der Gründe, warum ich sie so mag!) und würde womöglich sogar einer Feuerqualle einen gewissen Possierlichkeitsfaktor zuschreiben. Ihre Delfinerlebnisse zählen also nicht. Ich benötige mehr Zweifler für meine Studie.

Mich selbst! Als Kind der 70er Jahre bin ich natürlich mit Flipper aufgewachsen. Ihr wisst schon: “Sie nannten ihn Flipper – Flipper, Freund aller Kinder …” [Oh, ich stelle gerade auf Wikipedia fest, dass der Song doch ganz anders geht … egal, ihr wisst, was ich meine!] Und meine Fresse, was hätte ich damals alles für so einen treuen tierischen Freund gegeben! Flipper hatte es einfach sowas von drauf – er hat Sandy und Bud laufend aus allen möglichen verzwickten Situationen gerettet, gefühlt sogar in etwa jeder dritten Folge große Verbrechen verhindert oder wenigstens aufgeklärt. Kurz: Flipper erschien mir wie das ideale Haustier! Leider sahen das meine Eltern ganz anders – und kauften ein Aquarium mit Guppys. Guppys?? Ernsthaft!

Flipper, Guppys, Thunfischnetze

Ich glaube nicht, dass die Guppys wirklich Schuld daran hatten, dass meine frühe Leidenschaft für Delfine sukzessive abnahm. Nicht, dass ich jemals wirklich Antipathien gegen sie gehegt hätte, mich hat nur immer mehr der Kult um sie aufgeregt. Was wird den Biestern alles zugeschrieben: Intelligenz, Empathie, Therapiefähigkeit – kurz, sie sollen die überlegene Spezies sein. Das mag stimmen, oder halt auch nicht, denn so überlegen können sie wohl nicht sein, wenn sie sich von uns dummen Menschen so unfassbar missbrauchen lassen. Nein, ich habe und hatte nie Antipathien, es ist eher so, dass sie mir einfach leid tun. Delfine, die als Beifang in Thunfischnetzen elendiglich ersticken, Delfine die mit zahlenden Touristen zusammen schwimmen müssen (ich spreche hier nicht von den Therapie-Delfinen, wobei die mir ehrlich gesagt auch leid tun), Delfine, die in Zoos alberne Kunststückchen lernen müssen, Delfine, die vom Militär zur Wasserminenverteilung oder -entschärfung trainiert werden. Alles reichlich fragwürdig.

Ich verwehrte mich also gegen die unangemessene Romantisierung einer Spezies, die sich nicht dagegen wehren kann und versuchte mich, in Delfin-Fragen neutral zu verhalten. Gut, ich verzichte weitgehend auf Thunfisch und komplett auf Schwimm-Abenteuern mit den Säugern (was aber vor allem daran liegt, dass ich es hasse, von Wasserbewohnern in ihrem Element berührt zu werden … long story!), aber ansonsten sind – oder vielmehr: waren! – sie kein Thema für mich.

Delfine SIND besonders!

Als leidenschaftliche Kreuzfahrerin kenne ich natürlich den hysterischen Schrei eines Mitreisenden bei einer Sichtung: “Delfine!” wird dann über Deck gebrüllt! Doch sobald man seinen trägen Leib in Richtung Reling gewalzt hat, sind die Biester immer schon wieder weg. Aber ja, auch ich habe schon das ein oder andere Mal in den letzten zehn Jahren Delfine gesehen. Meist ein ziemliches Stück entfert und fast immer nur ein paar Sekunden lang. Nichts was eine erhöhte Endorphin-Ausschüttung rechtfertigen würde.

Royal-Clipper-Collage-kleinBis letzte Woche! Ich war unterwegs mit der Royal Clipper zwischen den Inseln Lipari und Stromboli und lag mit dem Mann zusammen vorne im sogenannten Bug-Spriet-Netz. Was zwar ein bisschen unbequem ist, aber trotzdem der allertollste Platz auf diesem Schiff. Man schwebt buchstäblich über dem Wasser – den Blick wahlweise auf die imposanten Segel gerichtet, den Himmel – oder eben aufs Wasser. Unsere Augen waren selbstverständlich verliebt ineinander versunken, als von der Backbord-Netzseite (also links – wir lagen rechts neben dem Masten) der heisere Schrei “Dolphins!!” ertönte und unsere Aufmerksamkeit umgehend auf andere Dinge lenkte. Der Blick führte vorbei an den üppigen Brüsten der Galeonsfigur zum Wasser, das vom mächtigen Kiel in eine brodelnde Bugwelle verwandelt wurde (wir waren echt flott unterwegs!). Und tatsächlich! Dort hopste ein Delfin aus den Fluten und tauchte wieder ab. Dann der nächste. Und noch einer (oder vielleicht auch wieder der erste). Es war unglaublich. Es war wunderschön. Es war magisch! Es war ein Erweckungserlebnis. Eine gute halbe Stunde lang surften bis zu fünf Tiere auf der Welle und hatten richtig viel Spaß! Und ich? Was soll ich sagen? Ich liebe Delfine!

 Wer jetzt Lust auf ein Segelabenteuer hat – in meinem Roman “Gefühlte Wahrheit” gibt’s zwar keine Delfine (den habe ich in meiner Verleugnungsphase geschrieben), dafür Geister, Fußball und reichlich Liebe … Viel Spaß!

Frau Müller, Carin und die Andere

Wer bin ichWir wollen Antworten. Immer. Auf alles. Idealerweise schnelle, einleuchtende Antworten, die es uns ermöglichen, ungestört mit unserem normalen Alltagskram weiterzumachen.  Aktuell ächzt ein nicht unerheblicher Teil Zentraleuropas unter der Last des WARUM?

Die Sehnsucht nach Gewissheit und Antworten ist umso erstaunlicher, als die meisten von uns (mich eingeschlossen!) häufig noch nicht einmal vergleichsweise simple Fragestellungen à la “Was soll ich nur anziehen?” oder “Was essen wir heute Abend?” problemlos beantworten können.

Warum wollen wir alle die ganz großen, komplexen Dinge begreifen, wenn uns das Nächste schon so fremd ist? Das Haustier beispielsweise, der Partner, das Kind oder erschütternd häufig: (s)ich selbst.

Flexibel oder meschugge?

Optimistisch davon ausgehend, dass ich mich noch im Normalzustand (wobei, was ist schon normal?) befinde und keine pathologische Störung vorliegt, wundere ich mich in letzter Zeit recht häufig über mich. Schuld ist die Sache mit der Anderen. Also mit dem Pseudonym, das ich mir kürzlich zugelegt habe. Mein Autoren-Ich erlebt seit einem Jahr eine faszinierende Diversifizierung. Da ist einmal Carin Müller, die Verlagsautorin mit Genreschubladen-Repertoire, seit Mai 2014 gibt’s auch Carin Müller, die unabhängige Autorin mit den schubladeninkompatiblen Herzensprojekten und seit Anfang 2015 auch noch die Andere, die mal ausprobieren wollte, wie kommod eine recht spezielle Nische im Buchmarkt ist. Zwischenfazit: erschütternd komfortabel!

Doch das ist nicht der entscheidende Aspekt. Viel faszinierender ist der Fakt, dass die Andere  inzwischen ein ziemlich unabhängiges Dasein führt. Zumindest in den sozialen Medien. Dort hat sie ein privates Facebookprofil, eine Fanpage für ihre Bücher, einen Twitter-Account und eine Website. Das alles erst seit etwa vier Monaten. In der Zeit hat sie auf Facebook über 200 “Freunde” gewonnen – wofür Frau Müller und Carin, die sich ein Profil teilen, über fünf Jahre gebraucht haben!

Man kann also behaupten, dass die Andere eher offenherzig agiert, während die anderen deutlich wählerischer und überlegter vorgehen – und altmodisch darauf Wert legen, die (meisten) der Freunde auch persönlich zu kennen. Richtig spannend wird es aber, wenn man beide Timelines miteinander vergleicht, wer bekommt was zu lesen? Welches Weltbild wird vermittelt? Die Verschwörungstheoretiker sind übrigens im Lager der Anderen deutlich in der Mehrzahl …

Spannend wird nun sein, ob die Erkenntnisse, die die Andere beispielsweise beim Thema Selbstmarketing sammelt, irgendwann auch auch bei Carin oder gar Frau Müller ankommen, oder ob sie weiterhin ihre vergleichsweise vornehme Zurückhaltung pflegen.  Über diese Frage werde ich jetzt mal ein wenig kontemplieren. Ist vermutlich zielführender, als das große WARUM.

PS: Ich weiß übrigens genau, was ich heute zu Abend esse! Wie Frau Müller und die Andere das handhaben, ist mir egal.

Noch ein PS: Weil hier auf diesem Blog die Andere nichts zu melden hat, gibt’s nur Werbung von Carin: Die schubladeninkompatiblen Romane Gefühlte Wahrheit und Hundstage haben durchaus Tiefgang. Den kann man aber auch 1a ausblenden und nur die lustigen Storys genießen.