Auf ein Wort (oder mehrere) mit Selma Anderson

Selma Anderson ist nach einer Reihe von Schicksalsschlägen (Mann weg, Hund überfahren, Job futsch) und dank einer glücklichen Fügung auf dem Luxussegelkreuzer Flying Cloud gelandet. Dort  produziert sie einen Imagefilm für die Reederei und sorgt nebenbei mit ihren Yoga-Stunden für geschmeidige Passagiere.
Selma
Hallo Selma, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen!
Klar, ich habe im Augenblick sowieso nichts anderes vor. Aber wollen wir uns nicht duzen? Wir sind doch praktisch gleich alt.

Gerne. Ich bin nur ein bisschen auf der Hut, denn Henri Hansen war kürzlich nicht so zugänglich.
Das kenne ich! (lacht) Der gute Henri hat eine leichte Persönlichkeitsstörung. Man weiß nie, ob Dr. Jekyll oder Mr. Hyde gerade Dienst haben. Aber im Grunde ist er ein Netter.

Ach?
Ja, hätte ich am Anfang auch nicht gedacht, aber inzwischen verstehen wir uns wirklich gut. Aber das müsstest DU doch viel besser wissen als ich. Du hast ihn dir doch schließlich ausgedacht. Und seine bescheuerte Ehefrau Poppy obendrein.

Das stimmt nur bedingt. Ihr habt nämlich eine starke Tendenz, ein Eigenleben zu entwickeln. Das hat man als Autor nicht immer unter Kontrolle. Aber ich hoffe, du bist mit deiner Rolle zufrieden?
Hey, ich bin gerade in der Karibik auf einem wirklich sehr schönen Schiff unterwegs und muss mich nicht überarbeiten. Ich will mich also nicht beklagen. Aber auf meine Vorgeschichte hätte ich schon verzichten können.

Ja, das mit dem Hund tut mir leid. Aber der Kerl war doch nichts für dich. Und der Job?
Es war immerhin ein fester Job. Ist ja als Journalistin auch nicht so einfach, irgendwo eine Festanstellung zu bekommen. Das solltest du eigentlich wissen. Was Carlos betrifft: Um den weine ich wirklich keine Träne mehr, aber das mit meinem Beagle war echt grausam von dir.

Ich hab ihn nicht überfahren!
Ja, klar. Du wäschst deine Hände in Unschuld …

Themenwechsel: Wie läuft es denn so mit den Kollegen?
Die Kollegen sind super! Captain Olsen ist ein echter Schnuckel und wusstest du, dass in Vanessa eine grandiose Angelina Jolie schlummert?

Nein, das hat mich auch überrascht. Was steht denn heute noch so bei dir an?
Nachher muss ich noch mit ein Passagieren Schnorcheln gehen und am Abend ist mal wieder ein Captain’s Dinner. Heute haben mich drei Ladys aus meiner aktuellen Yoga-Gruppe gebeten, ihnen Gesellschaft zu leisten. Wird sicher lustig und entspannt.

Klingt wirklich beneidenswert …
Sag ich doch. Weißt du was das Allerbeste ist?

Keine Ahnung.
Dass ich seit Wochen nicht mehr selbst Wäsche waschen oder kochen musste. Ein Traum! Wenn dir nichts anderes für meine Zukunft einfällt, dann bleibe ich gerne einfach auf dem Schiff.

Mhmm… ich fürchte, das kann ich nicht versprechen. Genieße einfach die Zeit!
Das mache ich. War nett, mit dir geplaudert zu haben. Ich muss jetzt Schnorcheln.

Anmerkung der Autorin: Alles über Selma Andersons weitere Karriere und Abenteuer (sie weiß es noch nicht, aber sie wird EINIGE erleben) gibt’s ab Juni zum Nachlesen in meinem neuen Roman Gefühlte Wahrheit. Details dazu regelmäßig an dieser Stelle.

Schlechter Trip – miese Endorphine

HighWas war ich heute morgen motiviert! Ich bin in meinen Kiosk geradelt, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, Sonnenbrille auf der Nase, Sonne auf den Haaren. Und den Kopf voller guter Ideen. Heute sollte Kapitel 13 geschrieben werden und vorher zur Abwechslung mal wieder inspiriert gebloggt. Die Überschrift stand auch schon fest: “Runner’s High vs. Writer’s High”

Ich gebe zu, der Titel war schon recht provokativ, denn beide Glückszustände, die es angeblich tatsächlich geben soll, habe ich noch nie erlebt. Obwohl ich seit vielen Jahren regelmäßig renne und seit noch mehr Jahren noch regelmäßiger schreibe. Immerhin, bei meiner heutigen frühmorgentlichen Joggingrunde war ich schon ganz glücklich, dass ich die zahlreichen unfreiwilligen Zwischensprints im Park (mein pelziger Personalcoach wollte Karnickel jagen und  ich hing am anderen Ende der Leine) ohne Kollaps überstanden habe. Ich habe beschlossen, die Einheit “Fahrtspiel” zu nennen und mich danach ganz toll zu fühlen. Also fast so toll, wie gestern Abend. Da habe ich das 12. Kapitel von Gefühlte Wahrheit erfolgreich beendet und hatte zum ersten Mal das sichere Gefühl: “Jetzt läuft’s! Die Story ist super! Wird ein Knüller!” Was vielleicht schon als Writer’s High qualifiziert, oder?

Jedenfalls wollte ich die Welt umgehend über diese grandiosen Erfolgserlebnisse informieren – doch dann kam alles anders: Technische Probleme mit Facebook (gelöst), organisatorische Probleme wegen eines spontanen Wochenendtrips nach Oslo (abgesagt), Zeitmanagementprobleme (spontan einen Artikel für ein Reisebuch zugesagt – Abgabe Ende März -ähem) und Rückenprobleme (beginnender Muskelkater). Das alles schlug mir aufs Gemüt und hat verhindert dass ich: 1. Kapitel 13 schreiben und 2. einen anständigen Blogbeitrag verfassen konnte. Aber wenigstens war das Wetter schön … Gute Nacht!

Wir sollten reden, Herr Hansen!

Henri Hansen, Erster Offizier des Luxussegelkreuzers Flying Cloud und Protagonist des Romans Gefühlte Wahrheit, hat sich nach nach längerer Bedenkzeit zu diesem Interview bereit erklärt. Fragen zu seinem Privatleben und dem dem Unglück der MS Estella hat er sich jedoch eindringlich verbeten. Wir werden sehen …
Kompass
Hallo Henri, schön, dass wir uns endlich persönlich treffen.
Für Sie immer noch Herr Hansen, bitte!

Oh, warum denn so förmlich?
Weil ich Vertraulichkeiten ausschließlich mit Menschen teile, die mir am Herzen liegen. Und dazu gehören Sie sicher nicht, Frau Müller!

Was habe ich denn getan, um mir Ihren Unmut zu verdienen? Ohne mich wären Sie schließlich nicht auf diesem schicken Schiff unterwegs.
Ohne Sie würde ich vor allen Dingen nicht seit Wochen zwischen Seite 50 und 60 feststecken – ohne Aussicht auf eine signifikante Verbesserung meiner Situation. Tag für Tag muss ich mich mit diesen unseligen Weibern herumschlagen, die Ihrer sadistischen Fantasie entsprungen sind. Langsam wünsche ich mir wirklich, dass ich mit meinem letzten Schiff untergegangen wäre.

Nun aber mal halblang, Herr Hansen! Für Ihre Eheprobleme kann ich wirklich nichts und dass Sie bei Juliane Meinhard einen so schlechten ersten Eindruck hinterlassen haben, haben Sie auch nur Ihrer überbordenden Arroganz zuzuschreiben.
Dass ich nicht lache!

Aber mit Selma verstehen Sie sich doch bestimmt gut?
Selma Anderson ist eine blonde Pest auf zwei Beinen!

Auf zwei sehr attraktiven und langen Beinen!
Ist mir noch nicht aufgefallen …

Und das soll ich Ihnen glauben?
Glauben Sie, was Sie wollen. Verraten Sie mir lieber, wann ich dieses Elend endlich hinter mir habe.

Bald. Sehr bald schon. Ich hatte auch vor, Ihnen ein Happyend zu gönnen, aber wenn Sie so derart unzugänglich, spröde und unkooperativ sind …
Das macht Ihnen richtig Spaß, oder? Mich Ihre Macht spüren zu lassen, mich zu quälen und jetzt auch noch zu erpressen.

Hilft’s denn?
Auf keinen Fall! Ich bin doch kein Spielball für eine dahergelaufenen Möchtegern-Schriftstellerin!

Äh, ich fürchte, da haben Sie kein Mitspracherecht.
Mitspracherecht hin oder her. Völlig machtlos bin ich auch nicht. Schließlich habe ich Ihnen schon einige schlaflose Nächte bereitet. Und es werden weitere folgen, wenn Sie nicht bald und vor allem zufriedenstellend in die Pötte kommen!

Herr Hansen, wir sollten unser erbauliches Gespräch an dieser Stelle beenden. Vielen Dank, dass sie sich die Zeit genommen haben. Alles Gute, Ahoi, viel Wind in den Segeln und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel – so sagt man doch?
Neptun sei mir gnädig …

Wie auch immer, wir sprechen uns bald wieder!
Halt, eine Frage noch: Wie geht es Bastian Schweinsteiger?

Offenbar wieder ganz gut. Er wird heute Abend wohl beim WM-Testspiel gegen Chile antreten.
Dann gibt’s ja noch ein wenig Hoffnung. Zumindest für einen …

Anmerkung der Autorin: Henri Hansens geballtes Elend (er übertreibt natürlich maßlos!) gibt’s ab Juni zum Nachlesen in meinem neuen Roman Gefühlte Wahrheit. Details dazu regelmäßig an dieser Stelle. Ach ja, leider stand er nicht mehr für ein Foto zur Verfügung. Doch der Kompass der Flying Cloud symbolisiert den (fast) direkten Kurs zum grandiosen Schlusspunkt des Buchs.

Juhu! Schweini spielt wieder …

Schweini… dann kann es auch in meinem Roman endlich weitergehen. Das sind gute Nachrichten für mich (und natürlich für den FC Bayern und die Nationalmannschaft und überhaupt die ganze Nation), nicht so gute für den HSV, der gerade eine weitere bittere Niederlage kassiert hat. Doch das soll an dieser Stelle nicht interessieren: Jetzt haue ich die nächsten Kapitel flott runter!

Ohne Titel ist aller Inhalt nichts

CoverTraurige Erkenntnis: Die meisten Menschen treffen ihre Kaufentscheidung bei Büchern anhand des Covers. Und da die meisten bücherkaufenden Menschen Frauen sind, werden die Buchdeckel gerne Doppel-X-Chromosomen-affin gestaltet. Oder was die Verlage dafür halten. Jedenfalls tummeln sich gerne glubschäugige Tiere auf knallfarbenen Hintergründen. Das ist jedenfalls bei den Komödien derzeit state of the art. Krimis werden gerne mit malerischen Blutspritzern aufgepimpt und … aber ich will hier niemanden langweilen. Wer (wie ich!) dachte, dass es vielleicht wenigstens bei eBooks eher auf die inneren Werte ankommt, ist auch nur ein naiver Tropf (wie ich!). Beim Surfen auf iTunes, Amazon oder im Google Bookstore kommt es angeblich NOCH mehr auf die Optik an. Schließlich soll das Werk doch hervorstechen. Okay, kapiert.

Da ich mich zu einem kleinen Ausflug in die Indie-Szene entschieden habe (weil die Verlage erstaunlicherweise keine Lust auf einen Schweinsteiger-Trikot-tragenden Geist haben), bin ich jetzt in der unglücklichen Situation, dass ich nicht nur die verdammte Geschichte fertig schreiben, sondern mir auch noch über das Titelbild Gedanken machen muss. Betraut mit dieser schwierigen Aufgabe, ging mein Haus- und Hofgestalter Patrick ans Werk. Er lieferte ein knappes Dutzend todschicker erster Entwürfe – die ich leider allesamt über Bord werfen musste. Zu cool, zu quirky waren sie. Und damit im Grunde exakt so, wie ich sie im Herzen gerne hätte, denn schließlich ist auch meine Geschichte total lässig und vor allem vollkommen frei von rosaroten Plüschhäschen. Doch meine innere Verlegerin, die alte Schlampe, sagt: “Wenn du auch nur ein Exemplar von Gefühlte Wahrheit verkaufen willst, dann musst du deine Zielgruppe im Auge behalten!” Unlösbares Dilemma. Jedenfalls sitzt Patrick jetzt an neuen Vorschlägen und ich bin gespannt, wie er einen pastelligen Hundeblick auf den Titel mit Schiff, Helden und Geist einbauen wird…