Das Schminktisch-Mysterium

Es ist – mal wieder – an der Zeit, dass ich mich den wirklich großen Dingen des Lebens widme! Dinge, die uns auf geheimnisvolle Art und Weise beschäftigen, die uns immer wieder ins Bewusstsein springen und uns zwingen, innezuhalten und unsere Sicht darauf neu zu überdenken. Es geht um Liebe, um Tod, um Freude, um Krankheit, um Gott, um die Welt, um Krieg und um Frieden. Wie gesagt: es sind die wirklich ganz großen Themen. Und hier und heute geht es um den Schminktisch.

Der Schminktisch – banal oder Fanal?

Ja, das ist mein voller Ernst! Und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen erstaunt es mich immer wieder, welche Macht ein scheinbar banaler Gedanke und/oder Gegenstand haben kann. Dann sind es oft die vermeintlich sinnlosen Dinge, die zu den anregendsten und sinnhaftesten Diskussionen führen. Und schließlich kann ein Thema gar nicht trivial genug sein, um für gute Unterhaltung zu sorgen. Daher: der Schminktisch!

Von den wirklich großen Dingen des Lebens weiß man natürlich, dass es sie gibt. Aber das Wissen darum ist meist latent, bis ein Ereignis diese Sache irgendwann prominent ins Bewusstsein spült. Das kann beglückend sein, erschreckend, sehr traurig, unglaublich lustig – oder irritierend. Aber egal was es ist, man wird es so schnell nicht wieder los. Daher: der Schminktisch!

Der Schminktisch in meinem Leben …

… existiert gar nicht. Zumindest nicht in physischer Manifestation, doch das gilt beispielsweise für Gott genauso und ist doch auch kein Grund an ihm zu zweifeln (wobei … für manche schon, aber egal. Es geht hier ja nicht um Gott, sondern um Schminktische!).

Mir ist nicht bewusst, seit wann ich weiß, dass es Schmink- oder Frisiertische gibt. Meine Großmutter hatte einen in ihrem altmodischen Schlafzimmer. Möglicherweise auch meine Mutter ganz früher, doch da wird die Erinnerung auch schon wieder schwammig. Was für sich genommen auch schon wieder merkwürdig ist, dass ich mich besser an die Schlafzimmereinrichtung meiner Großmutter als an die meiner Eltern erinnern kann, doch das ist jetzt NICHT das Thema. Mir sind Schminktische in alten Filmen aufgefallen und als Teenie hatte ich fixe Idee, dass es ziemlich schick wäre, eine Art Varietékünstlermaske in meinem Zimmer zu integrieren – mit grellen Glühlampenleisten rechts und links des Spiegels. Daraus ist nichts geworden und für viele, viele Jahre verschwand der Schminktisch als solches in meinem Unterbewusstsein, wo er unter einer dicken Staubschicht vor sich hinvegetierte (wieder eine Parallele zu Gott…).

Doch dann tauchte er plötzlich und mit verstörender Vehemenz wieder auf – in Form zweier Szenen in unterschiedlichen Romanen, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Zeitgenössische Romane, muss ich vielleicht dazu sagen. Aus dem deutschsprachigen Raum. Das irritierte mich gehörig – was nicht nur an dem vielen aufgewirbelten Staub und dem entsprechenden Hustenreiz lag, sondern vor allem, weil die Schminktische in den Geschichten irgendwie deplaziert wirkten. Was natürlich an meiner Wahrnehmung liegen kann und von daher irrelevant sein könnte, doch auf mich wirkte es einfach so.

Die Irritiation hielt an – und die Begegnungen mit Schminktischen wurden immer häufiger. Ich traf sie bei Ikea, in anderen Möbelläden, beim Stöbern auf Interior-Design-Websiten (wir renovieren gerade die Wohnung) und auch sonst gefühlt an jeder Ecke und in jedem Winkel.

Will mir der Schminktisch etwas sagen?

Diese Frage stelle ich mir seither ständig. Was hat es zu bedeuten? Will das Schicksal, dass ich mir einen Schminktisch besorge? Soll ich vielleicht selbst eine Schminktischszene in einen meiner zukünftigen Romane packen? Kann man vielleicht nur mit einem Schminktisch die große, absolute Glückseligkeit erfahren? Die Irritation wuchs – und das (ungesunde) Nachdenken begann. Läuft in meinem Leben womöglich etwas grundlegend falsch, weil ich nicht den geringsten Impuls verspüre, einen Schminktisch zu besitzen und ihn sogar zu nutzen? Im Gegenteil: Ich finde die Idee, mich an einem Schminktisch zu schminken eher mühsam und kontraproduktiv. Ich erledige das Thema Make-up (wenn überhaupt, ich bin da lange nicht mehr so varietémäßig-versiert wie zu meinen Teenager-Zeiten …) in zeitlicher und örtlicher Nähe zu Duschen, Zähneputzen, Haareföhnen und solchen Dingen, die man für gewöhnlich im Badezimmer erledigt.

Mache ich am Ende etwas falsch beim Schminken? Ich stelle mir folgenden Ablauf sehr mühsam vor: Das Gesicht waschen (vielleicht auch den Rest des Körpers, ich will da nicht kleinlich sein), mit Tagescreme bearbeiten, Zähneputzen – findet alles im Bad statt. Dann gehe ich zu  meinem Schminktisch und trage dort die Foundation auf. Ich mach das mit den Fingern und will die dann gleich wieder waschen, sonst saue ich mir die Klamotten ein. Also stehe ich auf, gehe zurück ins Bad, wasche mir die Hände und wandere dann wieder zum Schminktisch, um Lidschatten und Wimperntusche zu applizieren. Weil ich ungeschickt bin, schaffe ich es regelmäßig, mir Wimperntusche an die Hände zu schmieren … etc. Warum sollte ich also einen Prozess, der bei mir im Schnitt fünf Minuten dauert (zehn bis fünfzehn, wenn ich mir so richtig viel Mühe gebe) künstlich aufblähen? Um Kilometer zu machen? Ich verstehe es nicht.

Der Schminktisch und die (anderen) Menschen

Ich habe inzwischen (schmerzlich) akzeptiert, dass ich viele Dinge einfach nicht verstehe. Wahrscheinlich fehlt es mir an allen Ecken und Enden an Intelligenz oder gesundem Menschenverstand oder beidem. Immerhin nehme ich meine beschränkte Rezeptionsfähigkeit nicht (mehr) als Maß aller Dinge, sondern befrage die Menschen in meiner Umgebung dazu. Das hat gestern auf Facebook für einige Erheiterung gesorgt – bei meinen Freunden (wegen der bescheuerten Frage) und bei mir (wegen der teils großartigen Antworten).

Folgendes kann ich nun also konstatieren: Der Schminktisch ist ein echtes Thema, das viele Menschen beschäftigt (auch wenn sie es bis gestern gar nicht wussten). Der Schminktisch ist in seiner physischen Form nicht sehr weit verbreitet, hat aber durchaus ein nicht zu unterschätzendes Sehnsuchtspotenzial. Der Schminktisch scheint tendenziell auf jüngere Menschen etwas anziehender zu wirken als auf die älteren (wobei da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist). Leserin Melanie R. meinte, das läge daran, dass „in jeder von uns eine kleine Einhornprinzessin steckt“. Was ich für mich DEFINITIV ausschließen möchte. Aber ich bin ja, nach Lage der Dinge, auch die einzige Frau, die zum Schminken fließend Wasser benötigt … Selbst Männer haben nach Beobachtungen von Heidi B. eine Affinität zum Schminktisch – vor allem wenn sie aus dem arabischen Kulturkreis stammen.

Sind Schminktische die neuen Vampir-Millionäre?

„Kann ein Schminktisch auch sexy sein?“ – wollte ich von meinen Facebook-Freunden ebenfalls wissen. In der von mir oben beschriebenen doppelten literarischen Schminktisch-Initialzündung, waren die Schminktische nämlich jeweils Teil des Verführungsaktes. Das erschien mir, ehrlich gesagt, noch abstruser als die Nutzung eines Schminktisches an sich, doch sofort regte sich in mir die Autorenpanik! Was, wenn der Schminktisch ein neues Trendmotiv im modernen Liebesroman ist? Sozusagen der nächste Vampir-Millionär? Themen, die ich bislang auch immer entweder gar nicht oder viel zu spät für mich entdeckt habe. Soll ich womöglich eine große Schminktisch-Komödie schreiben? Oder meine innere Charlotte dazu nötigen, ihre Protagonisten auf, unter oder wenigstens im Dunstkreis eines Schminktisches kopulieren zu lassen?

Doch leider blieb mir die Schwarmintelligenz in diesem Punkt eine einleuchtende Antwort schuldig. Nur Kollegin Regina M. schrieb: „In einem Schleiflack-Schlafzimmer fände ich sowas recht hübsch. Aber ist das sexy? Oder eher altbacken? Ich kann mir einen Schminktisch mit Sexappeal nur in einem etwas plüschig, pudrigem Ambiente à la Moulin Rouge vorstellen. Sonst hat das eher was altmodisch, niedliches und selbst wenn sich Frau auf dem Stühlchen davor räkelt, wirkt das irgendwie schwer nach Hausfrauen-Blümchensex-Einladung.“

Tja, was lernen wir daraus? Zumindest, dass die Schminktisch-Frage hochbrisant und nicht in einem einzigen Blogpost abzuhandeln ist. Für den nächsten nehme ich mir wohl wieder ein simpleres Thema wie Liebe, Gott oder den Weltfrieden vor.

Hundehasser sind Menschenhasser

CollageNagelbomben zum Frühstück

Bei der morgendlichen Gassirunde mit Toni, haben wir heute auf einem etwa 50 Meter langen Straßenabschnitt in unmittelbarer Nähe unserer Wohnung zahlreiche „Mini-Nagelbomben“ gefunden – mit Nägel gespickte Hundeleckerlis, die auf dem Gehweg verteilt waren. Der Terrier hat (mutmaßlich jedenfalls) keine davon gefressen, aber das ist auch schon die beste Nachricht daran. In unserem Viertel leben Dutzende Hunde – und noch viel mehr neugierige Kleinkinder. Hatten wohl alle so viel Glück? Wir haben jedenfalls alle Köder eingesammelt. Und die Behörden informiert – beziehungsweise es versucht, sie zu informieren, doch dazu gleich mehr. Es ist auch nicht der erste Vorfall dieser Art in unserer Gegend. Vor zwei Wochen gab’s an ähnlicher Stelle bereits einen gleichartigen Fund. Das nährt die Theorie, dass es sich bei diesem Hundehasser um einen Anwohner handelt, der im großen Stil den Fehdehandschuh in Richtung Hundebesitzer hingeworfen hat.

Gefährlicher Irrsinn

Was geht wohl in einem Menschen vor, der erstens eine Packung Hundeleckerli kauft, zweitens ein Sortiment Nägel ersteht und drittens offensichtlich viel Zeit und Muse investiert, um aus beiden Zutaten potenziell tödliche Köder herzustellen?

Gefährlich vor allem für Hunde, aber ganz sicher auch für kleine Kinder,  die sich von der niedlichen Herzchenform der Leckereien zweifellos angesprochen fühlen.

Darüber ließe sich vortrefflich und lange spekulieren und in einer ersten Fassung dieses Blogartikels habe ich mich auch zu einigen saftigen Thesen hinreißen lassen. Doch sind Hasstiraden wirklich hilfreich und zielführend? Vermutlich nicht. Von einem Aspekt bin ich aber überzeugt: Wer so viel Energie in seinen offensichtlich grenzenlosen Hass auf Hunde steckt ist eine Gefahr! Auch für Menschen!

Selbstverständlich gibt’s genügend Gründe Hunde und vor allem Hundebesitzer zu verachten. Die Tretminendichte in Frankfurt ist erschreckend. Was ich als Hundebesitzer übrigens absolut ekelhaft finde – und es beim besten Willen nicht nachvollziehen kann, warum man die Haufen seiner Lieblinge nicht wegräumt. Ich kapiere das nicht. Auch nicht, warum man seine Vierbeiner partout durch einen Park ohne Leine rennen lassen muss, in dem Hunde explizit verboten sind (auch mit Leine!), weil es sich um einen Spielpark für Kinder handelt. Liebe Mithundebesitzer, so macht man sich auch keine Freunde – und fällt den anderen deftig in den Rücken. Sippenhaft und so.

Doch egal was – und wenn der Nagelbomber JEDEN Tag einen Haufen auf seiner Türschwelle vorfinden würde! -, NICHTS rechtfertigt solche Aktionen, deren Konsequenz unschuldige Tiere und unschuldige Kinder im höchsten Maß gefährdet!

Ich will mir nicht ausmalen, wozu dieser Mensch sonst noch in der Lage ist. Ein Nachbar in unserem gediegenen, friedlichen Wohnviertel! Welche Bastelei nimmt der begeisterte Tüftler als nächstes ins Visier? Vielleicht Molotowcocktails oder handliche Rohrbomben, die man direkter gegen die lästigen Hundebesitzer einsetzen könnte. Oder vielleicht sogar gegen Füchtlinge oder vergleichbares „Pack“? DAS macht mir wirklich Angst.

Schulterzuckende Behörden?

Während ich – nachdem Toni sicher zuhause war – noch einmal losgezogen bin, um die restlichen Köder einzusammeln, interessierte sich ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes nur für die falsch parkenden Autos. Auch nachdem ich ihn konkret auf die Gefahr hingewiesen habe. Er sagte schlicht, ich möge beim Straßenbauamt anrufen. Die wüssten, was zu tun sei. Das Straßenbauamt? Ernsthaft?

Ich rufe stattdessen lieber bei der zuständigen Polizeiwache an. Der freundliche Beamte erklärte mir, dass er da gar nichts tun könnte, gab mir aber den Rat, mich beim Ordnungsamt der Stadt Frankfurt zu melden. Die Mitarbeiterin dort – ebenfalls eine Hundebesitzerin! – knurrte zunächst angemessen wütend, dass sie „dem Täter am liebsten selbst die Köder in den Rachen stopfen“ würde. Eine schöne Idee, der ich mich direkt anschließen könnte, aber nicht wirklich hilfreich. Sie versprach dann aber, eine Streife vorbeizuschicken, um etwaige Restbestände, die meinem Adlerauge entgangen sind, einzusammeln, und das Veterinärsamt einzuschalten. Eine Viertelstunde später rief sie mich noch einmal an, und fragte mich, ob ich eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei in Erwägung ziehen würde. Klar. Hätte ich ja schon vorhin gemacht, aber die „Freunde und Helfer“ wollten nicht. Sie gab mir den Tipp, dass es ich am besten persönlich vorbeigehen sollte. Dann müssten sie nämlich.

Also bin ich mit meinen sichergestellten „Beweismitteln“ zur Polizeiwache Nordend geradelt und habe dort vorgesprochen. Was soll ich sagen? Meine junge, blonde Ansprechpartnerin war zwar ausgesprochen nett und auch rechtschaffend schockiert, doch auch ziemlich ratlos, als welches Delikt sie meine Anzeige jetzt behandeln sollte. Sie mutmaßte, dass es sich wohl höchstens um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Ordnungswidrigkeit? Ernsthaft?? „Wie wäre es mit versuchter Körperverletzung?“ Sie winkt ab. Hunde seinen ja juristisch gesehen Sachen. Ich: „Schon klar, aber was ist mit den vielen Kleinkindern?“ Das brauchte sie zum Grübeln und sie versprach, gründlich darüber nachzudenken und mich bei Bedarf noch einmal zu kontaktieren. Dann war ich wieder draußen. Und dann? Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass von dieser Seite noch etwas passiert, doch dann bekam ich diese Meldung: Frankfurt-Nordend: Hundeköder mit Nägeln ausgelegt

Und die Warnmeldung wurde bereits auf der Facebook-Seite veröffentlicht und schon reichlich geteilt! Hoffentlich hilft es!

Wegschauen gilt nicht

Also bestätigt es einmal wieder: Wegschauen gilt nicht! Egal, worum es sich handelt. Ob um „Nagelbomben“, bewusstlose Obdachlose, Flüchtlinge, Frauen, Pöbeleien in der U-Bahn … Macht die Augen auf und tut etwas!!! Und wenn ihr selbst nicht eingreifen wollt oder könnt, dann informiert die Polizei. Das nennt man Zivilcourage und ja, das ist mühsam – aber es hilft!! DANKE!

Mann von Welt oder Weltmännertag?

Wann ist ein Mann ein MannGestern war also Weltmännertag. Wow. Ist irgendwie ziemlich an mir vorübergegangen. Was womöglich an seiner wenig glamourösen Basis liegt, wie Wikipedia erklärt: „Der Weltmännertag ist ein Aktionstag zur Männergesundheit, der seit dem Jahr 2000 jährlich am 3. November stattfindet.[1] Dieser sollte laut Aussage des Schirmherrn Michail Gorbatschow das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern. So liege die Lebenserwartung der Männer im Durchschnitt sieben Jahre unter der der Frauen.“

Klar, wollen wir alle, dass die Kerls fit bleiben, aber irgendwie stellt man sich unter Weltmännertag etwas anderes vor, oder? Eine kurze Recherche auf Facebook hat immerhin folgende erhellende Aussage gebracht: „Ich werde heute im Stehen pissen und nicht im Sitzen urinieren!“ Das war wohl ironisch gemeint. Hoffe ich wenigstens. Wobei dieser Satz auch sehr schön das generelle Dilemma der Y-Chromosomenträger darstellt. Sie wähnen nämlich allesamt ihre Männlichkeit oder zumindest ihr Selbstverständnis als Mann in Gefahr.

Zurecht, wie ich meine, denn an der Role-Model-Front sieht’s nicht so rosig aus. An wem soll MANN sich denn noch orientieren? An gestrigen Schmalspur-Diktatoren wie Putin, Erdogan, Assad? An markigen Terroristen, die für 70 jenseitige Jungfrauen sinnlos durch die Gegend ballern? An stumpfen Pegida-Idioten, die das Volk sein wollen? An korrupten Fußball-Funktionären, die eine billige Schmierenkomödie nach der anderen aufziehen – und dann will’s keiner gewesen sein? Nein, es sieht wirklich nicht gut aus für die „Herren der Schöpfung“.

Dabei sind Männer grundsätzlich prima. Also echt jetzt! Ich lebe gleich mit zweien zusammen (einer mit zwei, einer mit vier Beinen – beide habe ich mir freiwillig ausgesucht) und beide sind super – und haben keine (oder nur wenige) Probleme mit ihrem Y-Chromosom. So posiert der eine sogar klaglos mit einer Pudelmütze, die ihn ja gleich doppelt verärgern müsste: Zum einen weil so etwas Weiberkram ist, zum anderen wegen des Pudels. Aber nein, Toni bleibt cool.

Diese Souveränität gilt jedoch leider nicht für alle seine Geschlechtsgenossen (Spezies-übergreifend). Und man muss dafür gar nicht die besonders hervorstechenden Idioten aufgreifen (siehe mangelnde Rollen-Vorbilder), es reicht schon, wenn man seinen Blick schweifen lässt. Intrigante kleine Korinthenkacker, die an der Ungerechtigkeit der (Frauen)Welt zugrunde gehen und dann das innere Arschloch von der Leine lassen … Das macht keinen Spaß, Jungs. Und nein, das ist auch nicht sexy, das ist peinlich.

PS: Ab morgen läuft der neue James Bond-Film. Vielleicht gibt’s ja doch noch Hoffnung?

Klette an Rosette

Total-am-ArschDie mannigfaltigen Vorteile, die eine Wohngemeinschaft zwischen Mensch und Tier mit sich bringt (oder besser: bringen kann) wurden hier schon häufig und wortreich erläutert. Daher beschränken wir uns diesmal auf den „totalen Verlust von Langeweile“!

Vermutlich geht es Eltern ähnlich: Ab dem Moment, an dem ein neuer Erdenbürger in ihr Leben tritt, ist es vorbei mit Müßiggang. Damit rechnen die meisten Menschen. Dass dies mit der Anschaffung eines Haustiers ähnlich sein wird, kommt für einige überraschend. Gut, der tägliche Thrill mag bei Guppy-Herrchen und Schildkröten-Frauchen nicht ganz so ausgeprägt sein, aber wir wollen hier nicht kleinkarierter als unbedingt nötig sein. Tiere bringen Leben in die Bude – vor allem wenn es Hunde sind. Und ganz besonders dann, wenn diese Hunde Terrier sind. Und absolut zweifellos dann, wenn es sich um Airedale Terrier Toni handelt.

Diese liebreizende Kreatur teilt nun schon seit fast sieben Jahren sein Leben mit uns (er hat übrigens am 11.10. Geburtstag – kulinarische Geschenke und Bällchen bitte an rechtzeitig an die im Impressum angegebene Adresse schicken. Danke.) und seitdem schafft er es JEDEN Tag, mich a) zu überraschen/zum Lachen zu bringen oder b) mir meine Grenzen aufzuzeigen. Meistens nutzt er beide Möglichkeiten.

Scheinschwangerschaft beim Rüden

Letzten Samstag beispielsweise: Hund und Frau fahren zur Leibesertüchtigung in den Frankfurter Niddapark. Der Plan: fünf Kilometer Joggen in moderater Geschwindigkeit (der Zweibeinerin geht’s nicht so besonders – der Abend zuvor war lang und … lang). Bis Kilometer 2 läuft alles wie vorgesehen. Der Terrier tänzelt fröhlich und stets in Sichtweite und erledigt alle relevanten Stoffwechselendvorgänge (Frauchen entfernt sie selbstredend vom Wegesrand). Dann nähert man sich einem Spielplatz und dem Sportpark, wo sich exessiv den diversen Ballsportarten hingegeben wird. Der Terrier ist an der Leine. Nach Verlassen der Gefahrenzone, darf er wieder dem Freilauf frönen. Bei Kilometer 3 klingelt das Telefon. Herrchen will wissen, was mit den Rauchmeldern passieren soll (long Story). Hund verschwindet im Gebüsch. Frau ruft und läuft weiter. Hund bleibt verschwunden. Frau wähnt ihn an einem seiner bevorzugten Stopps auf dem Gelände und läuft – regelmäßig seinen Namen skandierend – weiter. Kilometer 4: Keine Spur von Toni. Frau wähnt ihm am nächsten bevorzugten Stopp und rennt – weiterhin „Toni“ brüllend – dorthin: Fehlanzeige. Also wieder zurück. Das Brüllen weicht einem asthmatischen Japsen. Terriersichtung bei Kilometer 5,5 – weit in der Ferne. Terrier eingefangen bei Kilometer 6. Wortlos an die Leine genommen. Toni keucht genauso asthmatisch wie Frauchen. Sein Problem. Strafe muss sein – weiterrennen! Bei Kilometer 7 fällt Frauchen auf, dass der Hund vor Antritt der Joggingrunde signifikant schlanker war. Ein praller Wanst wackelt rhythmisch hin und her. Auf die Frage, was um alles in der Welt er gefressen hat, gibt er keine Antwort. Natürlich nicht. Nach neun Kilometern erschöpft wieder am Auto. Hund sieht nicht nur schwanger aus, er ist auch dreckig und jammert, als Frauchen, nicht ganz so liebevoll wie sonst, Pfoten und Bauch abrubbelt. Irritation weicht Sorge. Was, wenn er einen Giftköder gefressen hat? Hund bekommt zuhause nichts zu fressen und auch keine Käsehäppchen vom Frühstückstisch, steht dafür unter verschärfter Beobachung, die ihm sichtlich unangenehm ist. Die Visitenkarte der Tierklinik liegt bereit. Keine weitere Verhaltensauffälligkeit am restlichen Tag. Am frühen Abend üppige Stoffwechselendvorgänge. Die Taille ist wieder schmal.

Heckenphantom

Zwei Tage später zur Stippvisite bei den „Großeltern“ in München. Toni liebt die Thujen-Hecke im dortigen Garten (mit dieser Leidenschaft steht er ziemlich alleine da) und unterzieht sie einer manischen Analyse. Vermutung: Nachbarskatze Rosi hat dort ihre Spuren hinterlassen. Das dabei entstandene Foto (siehe oben) mausert sich zum aboluten Social-Media-Hit. In der geschlossenen Facebook-Gruppe der „Airedale Owners“ (7.123 Mitglieder) erzielt es innerhalb weniger Stunden 976 Likes und 150 Kommentare. Die Frau fragt sich, wie sie diesen erstaunlichen Erfolg auf ihre Bücher ummünzen könnte. Ihr fällt nichts ein. Der Terrier hat an diesem Nachmittag übrigens mindestens acht Äpfel gefressen, davon drei selbst geerntete. Er wirkt wieder ein wenig rundlich, dafür furzt er mit Apfelaroma.

Die Klette an der Rosette

Wieder zurück in Frankfurt, steht natürlich umgehend Frühsport auf dem Programm. Frau und Hund rennen in den Grüneburgpark. Im dortigen Hundeauslauf stählt Frau ihren Astralleib mit Kniebeugen, Liegestützen (okay, den leichten an der Banklehne), Sit-ups und ähnlichen Trimmübungen, in der vagen Hoffnung, mal wieder in Form zu kommen. Toni verschwindet im Gebüsch, wo er möglicherweise sein Geschäft ungestört verrichten möchte. Als Frau bei ihrer letzten Übung ist, taucht Toni wieder auf. Mit merkwürdigem Gesichtsausdruck und hängenden Ohren. In etwa 30 Metern Entfernung begibt er sich mehrfach in Kackposition, allein die Köttel wollen nicht fallen. Schwitzend und seufzend begibt sich Frauchen zum Hundchen, der jetzt sehr unglücklich aussieht, und begutachtet sein Hinterteil: Rund um die Rosette klebt ein halbes Dutzend Kletten! Weitere übrigens am Schwanz und an den Hinterbeinen. Offensichtlich hat sich der Herr in ein Klettengestrüpp gesetzt … Meine Frage nun an alle Eltern: Erlebt man so etwas auch mit Kindern??

Karma, Gott und kleine Sünden

mieses KarmaKennt außer mir noch jemand den Spruch „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort“? Er ist ein wenig aus der Mode gekommen und wurde schon vor einiger Zeit durch die Warnung „Ganz schlecht fürs Karma!“ ersetzt. Grundsätzlich ist damit aber dasselbe gemeint: Der mehr oder weniger freundliche Hinweis, dass fragwürdiges Handeln mit unangenehmen Konsequenzen belegt wird, die entweder zeitnah (durch Gott) oder im nächsten Leben (durchs Karma) zum Tragen kommen.

Meine Mutter – einen schönen Muttertag übrigens, Mami! – hat mir die Sache mit den kleinen Sünden gerne unter die Nase gerieben, wenn ich mit adoleszenter Überheblichkeit zu lässig, zu aufsässig oder sonst wie zu unerträglich war und mich kurz darauf ein, in ihren Augen angemessener, Dämpfer niedergemäht hat. Geändert hat das an meinem Verhalten wenig. Zumal ich ja meist der Überzeugung war (und bin?), trotz allem Recht zu haben. Und der liebe Gott? Mit dem reinen Glauben hatte ich schon damals so meine Probleme und der wahre Gottesbeweis steht ja immer noch aus.

Bedarfs-Katholiken und Sympathie-Buddhisten

An dieser Einstellung hat sich bis heute nichts geändert. Wenn man von der Tatsache absieht, dass ich den Karma-Sprüchen gerne mit einem lockeren „Also mit Karma habe ich nichts am Hut, ich bin katholisch!“ begegne.  So taumle ich also als Kirchensteuer zahlende Bedarfs-Katholikin und Sympathie-Buddhistin durchs Leben und versuche einfach, ein halbwegs angenehmer Zeitgenosse zu sein. An manchen Tagen glaube ich sogar, dass ich ein guter Mensch bin (oder zumindest sein könnte.).

Diese Tage werden jedoch zunehmend rarer. Vor zwei Wochen etwa. Ich stand an einem Marktstand, um mir ein Mittagssandwich zu kaufen, als mich ein Obdachloser um einen Euro bat. Wirklich höflich bat. Ich hatte aber keinen Euro in meinem Geldbeutel, überhaupt kein Kleingeld um genau zu sein, sondern nur noch Scheine. Ich war überrumpelt und leicht genervt – auch weil im gleichen Moment eine asiatische Touristin begeistert Fotos von meinem Hund machte, der neben mir tänzelte. Jedenfalls habe ich den Mann weggeschickt. Und seitdem schäme ich mich. Denn ganz ehrlich, auch wenn ich ihm einen 10 Euro-Schein gegeben hätte, hätte es mich nicht umgebracht. Ich hätte mich aber vielleicht besser gefühlt, womöglich sogar wie ein guter Mensch.

Das Schamgefühl lässt sich auch durch nichts lindern. Ich hab’s mit Verdrängung und sogar mit „Freikaufen“ versucht – durch eine Gabe für einen anderen Obdachlosen und eine Spende für die Erdbebenopfer in Nepal. Es hilft nichts. Ich werde wohl damit leben und mit einem Schicksal als Kakerlake in der nächsten Runde rechnen müssen. Oder ich gehe sicherheitshalber mal zur Beichte …

Banal, aber fatal

Der Grund für diese verbalen Ausschweifungen ist übrigens ein fürchterlich banaler – und fällt eindeutig in die Kategorie „kleine Sünden, prompte Bestrafung“: Heute morgen telefonierte ich mit einer lieben Freundin, die mir von ihrem jünsten Städtetrip und ihren nächsten Plänen erzählen wollte. Während beides eigentlich total positiv war, legte sie mir zunächst sehr wortreich und in meinen Ohren leicht motzig einige verknüpfte Problemfelder dar. Was ich schade und irgendwie unangemessen fand – was ich exakt so zum Ausdruck gebracht habe und was wiederum ihre Gefühle verletzt hat.

Die Strafe für meine gereizte Intoleranz ließ dann nicht lange auf sich warten: Heute Nachmittag wollte ich für meine schmarotzende Mitautorin (die Andere!) dringend rund 2500 Wörter (zum Vergleich – dieser Text hat bis hier 510 Wörter!) für ein Romanprojekt zu Papier bringen. Zu diesem Zweck bin ich ins Büro gefahren,  wo ich mich entspannter wähnte, als Zuhause (wo die Konfirmationsfeier des Nachbarssohns lief). Ein Irrtum: Bereits im Hof traf ich Kollege M., auf dem Facebook-Account der Anderen war die Hölle los und erforderte ausgehnten Aktionismus, dann kam der Putzmann und kurz darauf Kollegin I., die meine inzwischen total miese Laune mehr oder weniger direkt abbekommen haben. Tut mich echt leid! Jedenfalls steht mein Story-Output immer noch bei 0 und ja Mami, du hattest Recht: ich hab’s wohl nicht besser verdient!

PS: Jetzt hat im Nebenbüro die Band mit Proben begonnen …

Live long and prosper!

Leonard NimoyLeonard Nimoy ist heute im Alter von 83 Jahren in Los Angeles an einer schweren Lungenkrankheit gestorben. Als Mr. Spock aus Star Trek wurde er legendär und hat viele Menschen inspiriert. Mich auch. Ohne Raumschiff Enterprise, die TV-Serie, die mich schon als kleines Mädchen in den Bann gezogen hat, wäre ich womöglich niemals Schriftstellerin geworden. Ich bin sehr traurig.

R.I.P. Mr. Spock. Live long and prosper!

Beim nächsten Hund wird alles anders

Terror-Terrier-ToniDas könnte der Titel des nächsten Romans werden. Oder auch „Frauchen am Rande des Nervenzusammenbruchs“. Ich geben zu, ich bin aktuell etwas monothematisch unterwegs – ein Hundeartikel jagt den nächsten. Und es wäre wirklich schön, wenn ich einfach dumpfe Werbung für meine Hundstage machen könnte (es wäre sogar deutlich sinnvoller), aber ich muss leider wieder die Realität bemühen.

Wobei mein vierbeiniger Gefährte, aka Terror Terrier Toni, gestern innerhalb einer knappen Stunde so viele Schoten geliefert hat, dass ich damit locker drei bis vier Kapitel füllen könnte… Ich will es kurz machen (falls ich die Langfassung doch irgendwann verwenden will):

19:30 Uhr: Aufbruch aus dem Büro – Hund läuft brav neben dem Fahrrad her. +++ 19:34 Uhr: Ankunft Grünanlage am Willy-Brandt-Platz – Leine los. Frauchen will, dass Hund einen Haufen produziert, Hund hat andere Pläne. +++ 19:46 Uhr: Hund hat zwei Kaninchen gejagt – eines davon beinahe in den Künstlereingang der Oper. Hund hat Erbrochenes gefressen. Hund hat versucht, einem Obdachlosen das Abendessen abzunehmen (erfolglos). Hund ignoriert tobende Besitzerin. Hund hat nicht gekackt. Hund schnappt sich undefinierbares Etwas und trabt davon. +++ 19:48 Uhr: Hund erfolgreich eingefangen. Frauchen will Heimfahrt antreten. Hund röchelt und würgt. +++ 19:50 Uhr: Besitzerin will wissen, warum Hund röchelt und würgt und ihm zu diesem Zweck ins Maul schauen. Hund öffnet Maul nicht, sondern presst die Zähne aufeinander. +++ 19:51 Uhr: Frauchen ist verzweifelt und wütend. Dann kommt ihr eine Idee. Im Fahrradkorb liegt ein Tennisball ungeklärter Herkunft. Sie nimmt den Ball und zeigt ihm den Hund. Hund öffnet Maul und will nach Ball schnappen. Frauchen steckt todesmutig Hand ins Maul und leuchtet mit Fahrradlampe hinein: am Gaumen klebt ein riesiges, zermatschtes Baguette-Brötchen. Sie pult es ihm aus den Höllenschlund. Hund ist erleichtert. Hund will Ball. Frauchen nicht, sie will heim und legt den Ball wieder in den Korb. +++ 19:54 Uhr: Rote Ampel. Hund versucht in den Fahrradkorb zu hüpfen, um den Ball zu holen. Frauchen brüllt ihn wieder an. +++ 19:55 Uhr: Ampel immer noch rot. Hund rempelt Frauchen an. Tobsuchtsanfall. +++20.03 Uhr: Ankunft nächste Grünfläche, denn Hund hat ja immer noch nicht gekackt. Dort tummeln sich zwei gut bekannte vierbeinige Kollegen. Interessiert Hund nicht. Klebt wie Pattex an Frauchen, will Ball. Frauchen will, dass Hund kackt und dann heim. Hund will Ball. Besitzerin gibt auf und wirft den Ball. Hund triumphiert und schnappt ihn sich. Läuft dann zu seinen Freunden. Ist nicht freundlich zu ihnen, weil er unterstellt, dass sie seinen Ball haben wollen. Freunde sind irritiert. Deren Besitzer auch. Frauchen scheucht peinlich berührt Hund weiter.  +++ 20:11 Uhr: Heureka – Hund scheißt!! Frauchen will heim. Hund nicht. +++ 20:15 Uhr: Hund findet das Spiel saulustig: sofort in die andere Richtung abhauen, sobald Frauchen ruft oder sich gar nähert. +++ 20:19 Uhr: Frauchen ist soweit, den Hund seinem Schicksal zu überlassen (ein Teil von ihr jedenfalls) und tut so, als würde sie davonradeln. Hund lässt sich von dieser Finte übertölpeln und rennt ihr hinterher. Frauchen bremst. Hund auch. Sie will ihn anleinen, er lacht hämisch mit Tennisball im Maul, dreht um und rennt wieder weg. +++ 20:31 Uhr: Ankunft zuhause. Frauchen und Hund sprechen nicht mehr miteinander.

Puhuuu… Heute ist er übrigens ganz friedlich und stolz wie Bolle, dass er seine eigenen Autogrammkarten hat. Mal sehen, ob er sich auch zu Autogrammen überreden lässt. Ein großes Stempelkissen wartet bereits. Wer ein Toni-Autogramm haben will, schreibt mir einfach eine eMail mit seiner Adresse, dann kommt es in den nächsten Tagen per Post angeflattert.

Ich gönne mir jetzt zwei Tage Hunde-Pause und stürze mich auf die Buchmesse – wo ich hoffentlich nicht so blamiert werde. Schönen Abend noch!

Bitte warten! Zur Passivität verurteilt.

Bitte wartenEs gibt kaum frustrierendere Zuständen, als in einer Warteschleife geparkt zu sein. Wobei diese Formulierung schon fast den Kern der Problematik wiedergibt: Warten ist fast immer passiv, in den seltensten Fällen wird aktiv gewartet. Das ist dann eher ein Sehnen (nach dem Feierabend, dem Liebsten oder dem Ende der Diät) und eigentlich auch nicht besonders berauschend. Wer wartet dem ist die Deutungshoheit über sein Leben oder zumindest dem aktuellen Tag genommen.

Heute Morgen, oder ich muss besser sagen: heute Vormittag!, wartete ich auf einen Handwerker – nach der Telekomhotline und Zugverspätungen die für mich drittschlimmste Strafe. Während ich mich am Wochenende im Osten unseres schönen Landes rumtrieb, machte der Mann nämlich das Waschbecken kaputt. Angeblich nicht absichtlich, aber das Ergebnis war buchstäblich niederschmetternd. Immerhin bemühte er sich um schnellen Ersatz, denn schließlich ist das Zähneputzen über der Küchenspüle auch für einen Kerl nur bedingt reizvoll. Heute im Morgengrauen (7:30 Uhr) sollte die neue Badezimmerkeramik installiert werden. So der Plan.

Für die Aussicht auf komfortablere Körperpflege, nahmen wir selbst diese unglückliche Uhrzeit in Kauf. Statt zu Joggen, huschte ich also bereits deutlich vor sieben mit dem Vierbeiner auf die Gassirunde – ungeduscht, aber in Zivilklamotten. Der Aus- und Einbau würde schließlich höchstens eine Stunde dauern – hieß es. Reichlich Zeit, um danach zu duschen.  Dachte ich. Zunächst. Um viertel nach acht dann nicht mehr. Kein Handwerker weit und breit, ich immer noch müffelnd und zunehmend übellaunig. Anruf bei der Sanitärfirma: „Oh ja, da war doch was … hmmm, das ist ja blöd. Unser Mitarbeiter hat sich krank gemeldet!“  Ja, wirklich blöd!! „Ich schicke sofort einen anderen Kollegen!“ Das immerhin ist geschehen. Der andere Kollege war um 8:30 Uhr da und ich will den Rest jetzt abkürzen: Das alte Waschbecken war störrisch und wollte uns nicht verlassen. Zudem passte die alte Armatur nicht aufs neue Becken. Er hatte aber keine Armaturen dabei …

Fertig war das Werk um kurz vor elf. Ankunft im Büro nach halb zwölf (mit schlimmen Haaren!). Wieder ein halber Tag verdaddelt. Wer weiß, was ich in der Zeit alles hätte tun können? Ein paar Seiten von meinem neuen Roman schreiben? Eine brillante Idee formulieren? Nichts von alldem ist passiert. Und ach ja, das Waschbecken darf frühestens morgen benutzt werden. Die Silikonfuge muss erst trocknen. Also warte ich weiter…