Der Besuch der jungen Dame

Besuch der jungen DameFriedrich Dürrenmatt erlangte mit seinem Dreiakter “Der Besuch der alten Dame” das, wovon jeder Autor träumt: finanzielle Unabhängigkeit. Ich fürchte, das wird mir in absehbarer Zeit weder mit meinen Romanen, noch mit meinen Blogposts gelingen. Doch immerhin habe ich (den Statistiken von Google und Facebook sei dank) einen Trend feststellen können: Die mit Abstand beliebtesten Themen (auch auf diesem Blog) sind Sex und niedliche Tiere – wobei mir kürzlich sogar eine Rekorde sprengende Kombination aus beidem gelungen ist! Weder finden meine auch nur ansatzweise (gesellschafts)kritischen Beiträge, die von mir gewünschte Resonanz, noch dürfte sich eine breite Leserschaft mit dem mir bevorstehenden Familienbesuch (der auch eine ältere Dame inkludiert, meine Mutter nämlich) hinter dem Ofen hervorholen lassen. Also gibt’s Opium für das Volk!

Heute zwar keine Erotik, dafür eine gesteigerte Portion Putzigkeit. Wir sind nämlich seit gestern doppelbehundet. Die junge blonde Dame hört auf den hübschen Namen Leni (was doch ganz allerliebst zu Toni passt, nicht wahr?) und ist eine knapp fünf Monate alte Labradeuse. Weil ihre Zweibeiner das Wochenende einen Familienbesuch im Ausland (sicherlich ebenfalls inklusive einer alten Dame) absolvieren müssen, haben wir die Obhut der kleinen Fressmaschine übernommen.

Ich schwanke zwischen Schock und Ehrfurcht, wenn ich dem Tierchen bei der Nahrungsaufnahme zusehe. Terrier Toni ist mit seinen sechseinhalb Jahren sicherlich auch kein zimperlicher Fresser und weit davon entfernt, als Genießer bezeichnet zu werden. Doch die Art und Weise wie das zarte, junge Wesen ihr Futter inhaliert erinnert stark an einen Industriestaubsauger. Dem kann Toni nichts entgegensetzen. Auch ansonsten ist er erschütternd schnell dem Charme der blutjungen Blondine verfallen und lässt sich alles von ihr gefallen – inklusive Missbrauch als Nadelkissen.

Im Moment schnarcht sie übrigens wie ein betrunkener Seemann, was zwar etwas irritierend ist, aber den Vorteil hat, dass ich diese Zeilen schreiben kann und nicht Ringrichter zwischen AiredaleToni und LabLeni spielen muss. Doch ich fürchte, der Frieden wird nicht lange wehren. Bald wird sie wach und hungrig sein – auf Futter, auf Tobeeinheiten mit Toni und auf Liebe. Denn das ist sie auch: eine zuckersüße Kuschelmaus!

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