Geistige Entgiftung

Bliss

Es ist mal wieder Zeit, von einem gut und liebevoll gepflegten Vorurteil Abschied zu nehmen. Jahrelang habe ich gegen den Entschlackungs-Wahnsinn gewettert, der uns hedonistischen Zeitgenossen vermitteln will, dass unsere Leiber hochbrisante Giftmüll-Deponien sind und wir kurz vorm Kollaps stehen, wenn – ja wenn wir nicht schleunigst „detoxen“! Ich war und bin der Meinung, dass mein Körper über gut funktionierende Entgiftungsorgane (namentlich Niere und Leber) verfügt, die ihren Job prima erledigen. In mir gibt’s keine Schlacken! Basta.

Das glaube ich im Prinizip immer noch, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Denn es ist ja zweifellos so, dass die Ernährung eine große Rolle fürs menschliche Wohlbefinden spielt – und offensichtlich auch fürs Missbehagen. Dass man mit gezieltem Essverhalten also durchaus einiges Postives erreichen kann. Woher dieser Sinneswandel (ich nenne es jedoch lieber: Wahrnehmungsverschiebung) stammt, spielt an dieser Stelle keine Rolle und ich will und werde hier niemanden mit etwaigen physischen Defiziten langweilen. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann:  Ob die körperliche Entgiftung funktioniert, weiß ich (noch) nicht, die geistige klappt dagegen 1a!

Vermutlich sollte ich diese, an sich wenig überraschende, Erkenntnis schick neudeutsch „mental detox“ (ich weiß, darauf sind vor mir schon andere gekommen) nennen und ein kostspieliges Sachbuch daraus basteln, doch weil ich noch im Nach-Urlaubs-Modus bin, gibt’s das Rezept gratis:

  • eine Woche belgische Nordseeküste
  • in charmanter zwei- und vierbeiniger Begleitung
  • kein Fernsehen (außer einem Länderspiel!)
  • keine Nachrichten, keine Zeitung
  • Beschränkung auf maximal 20 Minuten Mails und soziale Medien pro Tag
  • sonst KEINE Arbeit
  • ausgedehnte (10-15 km!) Strandwanderungen – jeden Tag
  • ausführliche Verkostung der lokalen Küche

= Tiefenentspannung zwischen den Ohren!

Problematisch bei dieser Therapieform ist höchstens der letzte Punkt. Die kulinarische Dreifaltigkeit Belgiens (Pommes, Schoki, Bier) – und die Tatsache, dass es wirklich SEHR viele, SEHR gute Restaurants gibt – sorgt für neue Problemzonen, die sich diesmal doch eindeutig körperlich manifestiert haben. Insofern  werde ich mich in den nächsten Tagen und Wochen nun noch etwas eingehender mit meinem Ex-Vorurteil beschäftigen. In Kombination mit viel Arbeit, viel Social-Media-Konsum, Zeitungslektüre, Nachrichten und dem ganz normalen Wahnsinn, werde ich also spätestens Übermorgen wieder meine übliche gute Laune versprühen …

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