Irrweg Preisaktion?!

Irrweg PreisaktionKeine Preisaktionen mehr!

Vorhin habe ich eine Mail von einer Leserin bekommen: „Ich habe gesehen, dass man die neueste Hot Chocolate-Episode schon vorbestellen kann. Ich freue mich total drauf. Allerdings steht sie zum Normalpreis drin, was mir echt zu teuer ist. Sag mir doch Bescheid, wann du die nächste Preisaktion machst. Liebe Grüße, xxx“

Ich habe ihr geantwortet, was ich jetzt allen sagen möchte: Es wird keine Preisaktionen mehr geben! Zumindest keine, dieser inflationären 99 Cent-Aktionen.

Warum?

  • Weil ich es mir nicht leisten kann!
  • Weil ich es mir nicht leisten will!
  • Weil meine Bücher mehr wert sind!

Ich kenne all die Argumente, warum Preisaktionen angeblich total toll sind: Kollegen begründen es gerne mit dem fantastischen Ranking, das man damit erreichen kann, Leser damit, dass sie für 99 Cent auch mal bei einem ihn unbekannten Autor zugreifen.

Gefährlicher Irrweg

Diese Sichtweisen sind natürlich absolut legitim – ich halte sie trotzdem für falsch und gefährlich. Die Preisspirale dreht sich damit immer rasanter und viele Leser gehen inzwischen automatisch davon aus, dass Bücher nicht mehr als 99 Cent kosten dürfen. Ist es das, was wir wollen? Zumal die meisten dieser „Schnäppchen“ dann auf den virtuellen SUBs (für die Uneingeweihten = Stapel ungelesener Bücher) verrotten. Derzeit sehe ich überall Challenges à la „Wir bauen unseren SUB ab“ – da sind Teilnehmer dabei, die brüsten sich mit Hunderten Titeln, die bei ihnen auf dem SUB liegen. Wann sollen die jemals gelesen werden? Genau, vermutlich: NIE!

Ich selbst bin ja auch Leser und selbstverständlich schlage ich ebenfalls gelegentlich bei 99 Cent-Aktionen zu. Allerdings mit einem schalen Gefühl, denn irgendwie suggeriert dieser Minibetrag doch auch: „Mehr ist es nicht wert!“

Das mag inhaltlich im Einzelfall zutreffend sein, doch selbst das mieseste Buch hat bis zur Veröffentlichung Arbeit, Zeit und Geld gekostet. Und in der Regel von allem nicht zu knapp!

Das ist euch zu abstrakt? Gut, dann will ich konkreter werden:

Was kostet ein eBook?

  • Eine durchschnittliche Hot Chocolate-Episode ist 60 Seiten lang.
    Dafür habe ich zwei Wochen Arbeitszeit investiert. Legen wir dafür spaßeshalber mal den gesetzlichen Mindestlohn an: 2 Wochen = 80 Stunden x 8,50 € = 680 €
  • Lektorat und Cover schlagen mit 300 € zu Buche.
  • 1000 Postkarten-Flyer kosten 22 €.
  • 200 Kühlschrank-Magneten kosten 33 €.
  • Im Schnitt verschicke ich pro Episode etwa 50 kleine Goodie-Pakete an meine Fans für jeweils 0,85 €  Portokosten = 42,50 €

Das sind Gesamtkosten von 1077,50 €. Da es aber noch reichlich andere Marketing-Materialien gibt (Flyer, Kulis, Aufkleber), die ich auch gerne verschicke, rechnen wir mit sehr knapp kalkulierten 1.100 € pro Episode.
Die Kosten für einen 250-Seiten-Roman könnt ihr gerne selbst hochrechnen.

Was bringt ein eBook?

Verkaufe ich die Hot Chocolate-Episode bei Amazon für 99 Cent, bekomme ich 26 Cent. Um also auf Null zu kommen, muss ich 4.230 Stück verkaufen! Das ist eine Stückzahl, da flippt jeder Indie aus vor Begeisterung – die wenigsten schaffen das mal so auf Anhieb bei einem Titel. Ich übrigens auch nicht. Und wie gesagt, da habe ich noch NICHTS verdient. Da habe ich gerade mal meine Unkosten drin. Das kann ich mir nicht leisten!

Investition in die Zukunft?

Kommen wir zurück zu die Pro-Argumenten. Über 4.000 verkaufte Exemplare sorgen für ein Wahnsinns-Ranking bei Amazon – bessere Sichtbarkeit, mehr Aufmerksamkeit, blablabla. Richtig. Nur um welchen Preis? Um den Preis, dass der Wettbewerb extrem verzerrt wird und dass ich als Autor hoffen muss, die SUB-Auffüller und Schnäppchen-Jäger werden meine Geschichte auch tatsächlich lesen und dann so begeistert sein, dass sie meine anderen Titel zum Normalpreis kaufen?

Wir Autoren sind ja berufsbedingt sehr fantasiebegabt, aber ab und zu sollten wir auch mal unseren kühlen Verstand einschalten. Das ist eine Milchmädchenrechnung, das funktioniert nicht. Das kann nicht funktionieren!

Also subventionieren wir unsere Schreibvorhaben durch diverse Brotjobs, gut verdienende Partner, Erbschaften, etc. und beuten uns selbst gnadenlos aus – stets in der Hoffnung, dass der richtig große Bestseller bald kommen wird! Das will ich mir nicht (mehr) leisten!

Qualität setzt sich durch!?

Das ist doch das Lieblingsargument von uns Autoren – mal mehr, mal weniger trotzig herausgeschmettert. Bevorzugt dann, wenn es mal wieder eine Verlagsabsage gegeben hat, die Verkäufe stagnieren oder uns eine Hass-Rezension den Tag versaut. Klar, inhaltliche Qualität ist nie ein Fehler, aber in der Gemengelage für einen großartigen Verkaufserfolg doch eher von untergeordneter Relevanz.

Außerdem ist Qualität natürlich eine höchst subjektive Größe, denn was ist schon ein „gutes Buch“? Eben. Das definiert jeder anders.

Egal, ob ich unter meinem Klarnamen Carin Müller publiziere, mein horizontales Pseudonym Charlotte Taylor aufs Publikum loslasse oder demnächst als Nirac Rellum meine Leser in unendliche Weiten locke – es wird nicht jedem gefallen! Muss es auch nicht, denn auch wenn ich mich noch so diversifiziere, ich bleibe immer ich. Die Geschichten kann man also mögen oder nicht, doch eines haben alle gemeinsam: hohen handwerklichen Standard.

  • Meine Bücher sind allesamt professionell lektoriert – von hauptberuflichen Lektoren!
  • Meine Bücher haben allesamt professionell designte Cover – von hauptberuflichen Grafikern!
  • Meine Bücher sind allesamt professionell geschrieben – von mir, einer hauptberuflichen Autorin mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Daher: Meine Bücher sind mehr wert als 99 Cent.

Was bin ich dir wertUnd nun?

Auch wenn ich keine Preisaktionen mehr mache, gibt es genügend Gelegenheiten, mich und meine „Schreibe“ kennenzulernen. Niemand muss schließlich die Katze im Sack kaufen. Für jeden Titel gibt’s kostenlose Leseproben – auf allen ebook-Verkaufsportalen und auf meinen Websites (www.carinmueller.de und www.charlottetaylor.de). Da erhält jeder einen guten Eindruck davon, „wie“ ich schreibe.

Wer sich schon mal auf meinen Seiten tummelt, kann auch bei meinen Blogs vorbeisurfen – wo ich mich über die unterschiedlichsten Dinge des Lebens auslasse. Übrigens auch über Fußball – auf dem Blog www.11spielerfrauen.de. Alles gratis!

Wer partout kein Geld ausgeben kann oder will, hat immer die Chance auf ein Rezensionsexemplar – auch „Nur-Leser“ (ohne Bücherblog), wenn sie zusagen, dass sie ihre Besprechungen zumindest auf Amazon und einer Tolino-Plattform einstellen. Allerdings werde ich die Herausgabe von Rezensionsexemplaren ebenfalls reduzieren. Zur Veröffentlichung zehn Stück und dann pro Jahr weitere zehn Exemplare.

Darüber hinaus veranstalte ich regelmäßig Gewinnspiele – bei denen es ab und zu auch Bücher gibt – und gelegentlich verschenke ich sogar Geschichten einfach so! Zuletzt meine Weihnachtsgeschichte (Gratis-Download hier).

Ach ja, reguläre 99 Cent-Preise gibt’s natürlich auch bei mir: Die Hot-Chocolate-Quickies nämlich, die nie mehr als diesen lächerlichen Betrag kosten werden – und vielleicht Lust auf mehr machen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Liest das überhaupt noch jemand? Ich bin nicht so vermessen, dass ich jetzt damit rechne, meine Kollegen im großen Stil zum Umdenken zu bewegen, letztlich muss jeder die Entscheidung für sich selbst treffen.

Und die Leser? Ich weiß, dass viele sich über diese Überlegungen totlachen und die Bücher sowieso gratis auf einer der vielen Piratenseiten runterladen oder in der gesetzlichen Umtauschfrist auf den offiziellen Portalen wieder zurückgeben. Dagegen kann ich nicht viel ausrichten. Aber ich hoffe, dass ich vielleicht ein paar ehrliche Menschen erreiche – womöglich sogar die Leserin, die mich mit ihrer Mail zu dieser endlosen Einlassung inspiriert hat: Müsst ihr euren SUB tatsächlich mit dem 397. 99-Titel aufstocken, den ihr vermutlich ohnehin nie lesen werdet? Kauft doch mal ein paar Wochen lang NUR die Bücher, die ihr WIRKLICH lest. Ich würde stark annehmen, dass ihr damit unterm Strich sogar günstiger fahrt – selbst wenn da mal ein Titel skandalöse 3, 5 oder sogar 9 Euro kostet.

Ich verspreche euch: Meine Bücher sind ihr Geld wert!

Danke.

 

17 Gedanken zu „Irrweg Preisaktion?!“

  1. Ich verspreche, ich hab’s bis zum Ende gelesen und muss dazu sagen: ich hab mich immer schon gefragt, wie ihr AutorInnen bei solchen Preisen überleben könnt. Wenn mir ein Buch oder ein/e AutorIn gefällt, dann kaufe ich seine/ihre Bücher, egal was sie kosten!!!!!
    Ich habe noch keines Ihrer Bücher gelesen, aber ich wünsche trotzdem viel Erfolg!!! LG

  2. Ich stimme dir vollständig zu, Carin. Auch bei mir wird es keine 99-Cent-Aktionen mehr geben. Irgendwie haben diese Aktionen nie gehalten, was ich mir als Autor davon versprochen habe, aber dafür einen schalen Billigheimer-„Charme“ verbreitet. Dafür mag ich aber meine Bücher zu sehr. 🙂

  3. Da ich eBooks einfach nicht mag, bin ich auch nicht firm in der dazugehörenden Preispolitik. 99 Cent für Literatur -also so viel wie ’ne Flasche Cola- kann nicht richtig sein. Da steckt doch außer den objektiv anfallenden Kosten noch so viel mehr drin. Phantasie, Leidenschaft, Kreativität sind doch keine Wegwerfprodukte. Besonders die Bücher einer Autorin, die ich mal treffen durfte und deren Autorenleben sicher ähnlich funktioniert, kaufe ich zum vollen Preis und hoffe, dass so auch etwas davon bei ihr ankommt. Natürlich freue ich mich über kostenlose Appetithäppchen, aber das ist wie You Tube zum Musikentdecken und dann natürlich das entsprechende Album kaufen. Ich wünsche mir, dass viele Leser ihre Wertschätzung gegenüber Autoren auch mit einer fairen Preispolitik zeigen.

  4. Ein ganz ganz toller Text!!! Jeder Autor, der auch nur ein bisschen etwas auf sich selbst hält, sollte diese Überlegungen berücksichtigen, und jeder Leser sollte sich den Wahrheitsgehalt der Aussagen ebenfalle zumindest einmal durch den Kopf gehen lassen. Für die meisten Leute ist es vollkommen selbstverständlich, für eine Tasse Kaffee 2,50€ (oder mehr) zu bezahlen. Da wird weder gefeilscht noch gemeckert. Aber 2,50€ (oder mehr) für ein E-Book von über 100 Seiten berappen zu sollen, stößt schon sauer auf. Das ist obertraurig und zeigt, wie sehr unsere Konsumgesellschaft inzwischen jegliches Maß verloren hat.

  5. Danke für den tollen Artikel! Ich bin gerade absolute Anfängerin was das Veröffentlichen angeht und habe mein erstes E-Book mit 4,99 € (bei 150 Seiten) zum Kauf angeboten. Bisher weiß ich nicht, wie viel davon gekauft wurde, aber ich vermute mal, dass es den meisten zu teuer ist. Mein Mann meinte, ich soll doch so eine 0,99 € Aktion starten. Das habe ich sofort abgelehnt. Ich verscherbel doch nicht die Geschichten, in denen stundenlange Arbeit drin steckt. Da habe ich lieber ein paar weniger Käufer, aber bau mir eine Fanbasis auf, die mich dann auch wirklich liest (was bei dem Preis wohl eher der Fall sein wird als bei 0,99 € – da scheint es wirklich nur um „Ja, das hab ich auch das Buch..“ zu gehen) und mich auch weiterempfiehlt!
    Also, du hast mir mit deinem Artikel aus der Seele gesprochen!

  6. Hallo Carin,

    als fleißige Leserin freue ich mich schon ab und zu über so eine Preisaktion. Vor allem wenn ein Buch ohnehin auf meiner Wunschliste steht, und ich EBooks meist erst dann kaufe, wenn ich sie auch direkt lesen will. Da schlage ich bei so einem Preis natürlich sofort zu. Allerdings kann ich auch verstehen, wenn Autoren von solchen Aktionen absehen, wenn ich etwas lesen will, zahle ich auch gern den vollen Preis dafür. Denn selbst EBooks, die z.B. 2,99 oder 3,99 kosten sind ja immer noch günstig. Man kann es ja auch immer so schön mit einer Tasse Kaffe vergleichen. Wenn ich lange auf der Autobahn fahre, halte ich halt mal bei McDonalds und freue mich auf Kaffee. Der ist aber schnell ausgetrunken und kostet genau so viel wie ein Buch, dass mir im besten Fall ja mehrere Stunden, und vielleicht sogar wiederholt Lesegenuss beschert. Das sollte mindestens den Preis eines Kaffees wert sein 🙂
    Liebe Grüße
    Jana

    1. Hallo Jana,
      das freut mich zu lesen! Als Leser schlage ich bei Schnäppchenpreisen auch gerne zu – es wäre eine Lüge, wenn ich anderes behaupten würde, aber ich finde es wirklich schlimm, dass sich inzwischen die Erwartungshaltung durchgesetzt hat, dass ein neues Buch unbedingt für 99 Cent verschleudert werden MUSS. Nicht nur unter den Lesern, sondern auch unter den Autoren-Kollegen. Das finde ich eine bedenkliche Entwicklung …
      Danke für deine Worte!
      Liebe Grüße,
      Carin

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