Karma, Gott und kleine Sünden

mieses KarmaKennt außer mir noch jemand den Spruch “Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort”? Er ist ein wenig aus der Mode gekommen und wurde schon vor einiger Zeit durch die Warnung “Ganz schlecht fürs Karma!” ersetzt. Grundsätzlich ist damit aber dasselbe gemeint: Der mehr oder weniger freundliche Hinweis, dass fragwürdiges Handeln mit unangenehmen Konsequenzen belegt wird, die entweder zeitnah (durch Gott) oder im nächsten Leben (durchs Karma) zum Tragen kommen.

Meine Mutter – einen schönen Muttertag übrigens, Mami! – hat mir die Sache mit den kleinen Sünden gerne unter die Nase gerieben, wenn ich mit adoleszenter Überheblichkeit zu lässig, zu aufsässig oder sonst wie zu unerträglich war und mich kurz darauf ein, in ihren Augen angemessener, Dämpfer niedergemäht hat. Geändert hat das an meinem Verhalten wenig. Zumal ich ja meist der Überzeugung war (und bin?), trotz allem Recht zu haben. Und der liebe Gott? Mit dem reinen Glauben hatte ich schon damals so meine Probleme und der wahre Gottesbeweis steht ja immer noch aus.

Bedarfs-Katholiken und Sympathie-Buddhisten

An dieser Einstellung hat sich bis heute nichts geändert. Wenn man von der Tatsache absieht, dass ich den Karma-Sprüchen gerne mit einem lockeren “Also mit Karma habe ich nichts am Hut, ich bin katholisch!” begegne.  So taumle ich also als Kirchensteuer zahlende Bedarfs-Katholikin und Sympathie-Buddhistin durchs Leben und versuche einfach, ein halbwegs angenehmer Zeitgenosse zu sein. An manchen Tagen glaube ich sogar, dass ich ein guter Mensch bin (oder zumindest sein könnte.).

Diese Tage werden jedoch zunehmend rarer. Vor zwei Wochen etwa. Ich stand an einem Marktstand, um mir ein Mittagssandwich zu kaufen, als mich ein Obdachloser um einen Euro bat. Wirklich höflich bat. Ich hatte aber keinen Euro in meinem Geldbeutel, überhaupt kein Kleingeld um genau zu sein, sondern nur noch Scheine. Ich war überrumpelt und leicht genervt – auch weil im gleichen Moment eine asiatische Touristin begeistert Fotos von meinem Hund machte, der neben mir tänzelte. Jedenfalls habe ich den Mann weggeschickt. Und seitdem schäme ich mich. Denn ganz ehrlich, auch wenn ich ihm einen 10 Euro-Schein gegeben hätte, hätte es mich nicht umgebracht. Ich hätte mich aber vielleicht besser gefühlt, womöglich sogar wie ein guter Mensch.

Das Schamgefühl lässt sich auch durch nichts lindern. Ich hab’s mit Verdrängung und sogar mit “Freikaufen” versucht – durch eine Gabe für einen anderen Obdachlosen und eine Spende für die Erdbebenopfer in Nepal. Es hilft nichts. Ich werde wohl damit leben und mit einem Schicksal als Kakerlake in der nächsten Runde rechnen müssen. Oder ich gehe sicherheitshalber mal zur Beichte …

Banal, aber fatal

Der Grund für diese verbalen Ausschweifungen ist übrigens ein fürchterlich banaler – und fällt eindeutig in die Kategorie “kleine Sünden, prompte Bestrafung”: Heute morgen telefonierte ich mit einer lieben Freundin, die mir von ihrem jünsten Städtetrip und ihren nächsten Plänen erzählen wollte. Während beides eigentlich total positiv war, legte sie mir zunächst sehr wortreich und in meinen Ohren leicht motzig einige verknüpfte Problemfelder dar. Was ich schade und irgendwie unangemessen fand – was ich exakt so zum Ausdruck gebracht habe und was wiederum ihre Gefühle verletzt hat.

Die Strafe für meine gereizte Intoleranz ließ dann nicht lange auf sich warten: Heute Nachmittag wollte ich für meine schmarotzende Mitautorin (die Andere!) dringend rund 2500 Wörter (zum Vergleich – dieser Text hat bis hier 510 Wörter!) für ein Romanprojekt zu Papier bringen. Zu diesem Zweck bin ich ins Büro gefahren,  wo ich mich entspannter wähnte, als Zuhause (wo die Konfirmationsfeier des Nachbarssohns lief). Ein Irrtum: Bereits im Hof traf ich Kollege M., auf dem Facebook-Account der Anderen war die Hölle los und erforderte ausgehnten Aktionismus, dann kam der Putzmann und kurz darauf Kollegin I., die meine inzwischen total miese Laune mehr oder weniger direkt abbekommen haben. Tut mich echt leid! Jedenfalls steht mein Story-Output immer noch bei 0 und ja Mami, du hattest Recht: ich hab’s wohl nicht besser verdient!

PS: Jetzt hat im Nebenbüro die Band mit Proben begonnen …

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