Nahtod und Alzheimer

Toni-BuchDas ist ja mal eine Überschrift, oder? Und ich könnte es noch weiter zuspitzen: Der Hund ist schuld, wenn ich demnächst Alzheimer bekomme! Ehe ich das alles gleich ausführlicher darlege schon mal so viel: Nein, ich mache keine blöden Gags über schwere Krankheiten und ja, ich habe leider viel mehr Ahnung von Alzheimer, als ich jemals haben wollte!

So, aber nun zu meiner Geschichte: Die Leser dieses Blogs wissen, dass Toni nicht nur mein vierbeiniger Augenstern, meine Inspirationsquelle für meinen neuen Roman Hundstage, mein Themenpool für endlose Blogbeiträge und treuer Jogging-Begleiter ist, sondern auch begeisterter Lieferant von Problemen, die ich ohne ihn nicht hätte.

Jeden Morgen, an dem wir nicht Joggen, gehen wir durch unser Viertel. Meist um kurz  nach sieben bis kurz vor acht. Also voll in der Schul-Rush-Hour. Auf unserer Runde kommen wir an vier Schulen vorbei, was grundsätzlich kein Problem wäre, denn das Verhältnis zwischen Hund, Frauchen und Schülern ist weitgehend unbelastet (wenn man von den Kamikaze-Kids absieht, die in irrisinniger Geschwindigkeit auf ihren Fahrrädern über die Gehwege brettern und mich zu bizarren Ausweichmanövern zwingen). Das Problem sind die Eltern, die ihren liebreizenden Nachwuchs mit dem Auto (bevorzugt im SUV) zum Unterricht kutschieren und dabei offensichtich die Straßenverkehrsordnung verdrängen. Das führt zu etwa zwei bis drei Nahtod-Erlebnissen pro Woche an einem der beiden Zebrastreifen, die auf dem Weg liegen. Und zu verbalen (!!) Gewalt-Exzessen meinerseits, die ich selbst kaum fassen kann – normalerweise kann ich vor neun nicht einmal “Guten Morgen” murmeln. Nicht schön.

Nicht schön, aber der Hund ist in diesem Fall fast unschuldig. Wenn man von der Tatsache absieht, dass ich ohne ihn um diese Zeit nicht draußen unterwegs wäre. Toni benimmt sich meistens sehr gut, es sei denn, ihm kommt ein Kaninchen vor die Flinte. So wie heute früh, als er im Gebüsch der einen Grünanlage einen Löffelträger aufgestöbert hat und ihn über die Straße (er hat wohl nicht den Zebrastreifen benutzt) in den nächsten Park gehetzt hat. Um es kurz zu machen: es ist nichts passiert! Kein Auto, kein Fahrradfahrer, kein Mensch, kein Tier kamen zu Schaden. Nur meine Nerven  haben sich verabschiedet… Liebe Hunde-Domina Susanne, wenn du diese Zeilen liest, sei bitte bei unserer nächsten Begegnun gnädig mit mir! Das ist neben der Ballnummer vielleicht eine weitere Problemzone, an der wir arbeiten können. Ach ja, für alle, die es interessiert: seine Büro-Neurose ist übrigens verschwunden.

Ich fasse mal kurz zusammen: Hund = Bewegung = Nahtoderlebnisse = zerrüttete Nerven.

Zurück zur Alzheimer-Problematik: Über diese Demenzform habe ich in den letzten Jahren alles gelesen, was ich in die Finger bekommen habe. Unter anderem auch so aufmunternde Studienergebnisse, demnach regelmäßige Bewegung (Check!), Yoga und/oder Meditation (Check) und Schreiben (Check) sich positiv auf eine etwaige Demenz-Neigung auswirken können. Will heißen: Hund = Bewegung = gut fürs Hirn.

Nun habe ich aber heute in der Süddeutschen Zeitung folgende erschütternde Meldung gelesen:Launen fördern Demenzrisiko – Unausgeglichene Frauen haben ein erhöhtes Risiko für Alzheimer. Dies berichten Forscher der Universität Göteborg … Das Team beobachtete 38 Jahre lang 800 Frauen und ermittelte mit Hilfe von Fragen ihr Ausmaß an Neurotizismus. Dieser schließt Charakterzüge wie Neid [Check – all die Autoren, die viel erfolgreicher sind], Launenhaftigkeit [ähem …], Reizbarkeit [siehe meine Reaktion am Zebrastreifen], Neigung zur Nervosität [Check] und Anfälligkeit für Stress [omg!] ein. … Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Frauen, die sich in den Tests als sehr neurotisch zeigten, doppelt so oft eine Demez bekamen. …”

OH MEIN GOTT!!! Was soll ich jetzt glauben? Was tun? Den Hund abgeben? Niemals! Daher werde ich mich meinem Schicksal ergeben und die Zeit, die mir noch bei voller geistiger Leistungsfähigkeit bleibt, sinnvoll nutzen und möglichst viele weitere Romane schreiben. Und wer weiß, vielleicht schießt schon die nächste SUV-Mutti noch ein Stückchen weiter übers Ziel hinaus …

4 Gedanken zu „Nahtod und Alzheimer“

  1. Liebe Carin, jetzt muss ich mich doch mal selbst zu Wort melden 🙂 Ich sehe schon, unsere Wege trennen sich kurzfristig noch nicht, und ich bin (fast immer) gnädig mit Dir!! Und die Büro-Neurose ist nicht einfach verschwunden…. die haben wir aktiv ins Nirwana verabschiedet. Zum Thema Demenz kannst du Dich mal entspannen, für sowas haben wir keine Kapazitäten frei!! Liebe Grüße, Susanne

    1. Liebe Susanne, was soll ich sagen? Heute wollte ich OHNE Ball aufs Buga-Gelände gehen und was macht mein vierbeiniger Depp? Er schnappt sich noch auf dem Parkplatz einen zurückgelassenen Tennisball und trabt mit triumphierenden Grinsen von dannen … Ein weiter Weg! Hoffe, du kommst auch am Freitag! LG, Carin

  2. OMG…..hast das wirklich DU geschrieben oder habe ich heute Nacht heimlich deinen account geknackt und meine Gedanken als Deine niedergeschrieben. Ich musst gerade fürchterlich grinsen und gleichzeitig sind mir die Tränen gekommen. Mein 4 beiniger Laufpartner hat sich ja Montag über die Regenbogenbrücke verabschiedet und ich versuche gerade krampfhaft, einen neuen Laufrhythmus ohne Partner zu finden. Allerdings sind die SUV-Mütter tatsächlich immer noch mein Feindbild No1…..und auch ich bin ein Mensch der offenen Wort, vor allem verbal und morgens um kurz vor 8, vor meiner 2. Tasse Kaffee.
    Ich freue mich sehr auf die Lesung und noch mehr, das Buch endlich in meinen Händen zu halten und Tonis Abenteuer erlesen zu dürfen. Frohe Tage auf der Buchmesse wünsche ich dir!! Gruß Meli

    1. Liebe Melanie, kein Hund ist irgendwie auch keine Lösung – und es tut mir so leid, dass sich euer Liebling verabschiedet hat. 🙁 Aber ich bin sehr froh, dass ich mit meinen SUV-Mutti-Abenteuern nicht alleine bin! Freue mich auch schon auf die Lesung und dass wir uns dann endlich persönlich kennenlernen. Liebe Grüße, Carin

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