Zum Hunde drängt, am Hunde hängt …

… doch alles in der Welt. Zumindest in meiner kleinen überschaubaren Welt. Das nimmt zugegebenermaßen manchmal bedenkliche Formen an. Siehe diese Überschrift, für die ich ein berühmtes Goethe-Zitat aus Faust 1 vergewaltigt habe.

Der Hund in Wahrheit …

Ich habe hier auf diesem Blog schon länger nichts mehr von Toni geschrieben, nicht weil es nichts zu berichten gäbe, sondern vielmehr, weil mir andere Dinge wichtiger erschienen. Jetzt weiß ich: das ist Unsinn! Es dreht sich trotzdem alles um den Köter.

Was ich übrigens total liebevoll meine. Also so liebevoll, wie man sein kann, wenn man nach wenigen Stunden unruhigen Schlafs gegen halb fünf Uhr morgens von seinem Tier geweckt wird, weil es Bauchweh hat. Und es sich nur auf der knapp 600 Meter entfernten Hundewiese erleichtern kann (glücklicherweise nicht in der Wohnung, blöderweise nicht im Vorgarten). Und man sich der Hundewiese nun in Schlafanzug und Daunenjacke bei minus 5 Grad im gestreckten Galopp nähern muss. Also kurz gesagt: extrem liebevoll!

Toni hat Bauchschmerzen, weil die paranoiden Frankfurter seit Tagen tonnenweise Streusalz auf den Gehwegen verteilen, in der vagen (wenn auch komplett unbegründeten) Hoffnung, dass es mal glatt werden könnte. Und weil das Tier leider ständig was vom Boden fressen oder lecken muss. Warum auch immer. Vermutlich weil er ein Hund ist.

Man kann also sagen, dass der Hund in meinem Leben recht raumfüllend ist. Was sich nicht zuletzt in einem eigenen Instagram-Account und einer Facebook-Seite manifestiert, die blöderweise DailyDale heißt und somit täglich befüllt werden will. Was habe ich mir dabei bloß gedacht?

… und Dichtung

Bis vor kurzem war ich allerdings der Meinung, dass er in meinem schöpferischen Wirken eine eher untergeordnete Rolle spielt. Schließlich habe ich nur einen einzigen Hunderoman veröffentlicht. Und in Hundstage habe ich alles, was ich jemals über Hunde schreiben wollte, ausgebreitet.

Allerdings hat mich vor ein paar Tagen eine an sich wohlmeinende Freundin zart daran erinnert, dass in restlos ALLEN Büchern von mir ein Hund vorkommt. In meinem Erstling Mopsküsse, ist es – Überraschung – ein schwarzer Mops namens Hugo. In High Heels und Hundekuchen wird Hugo von der Airedale-Dame (!) Olga unterstützt. In Gefühlte Wahrheit gibt’s zwar keinen lebenden Hund, aber es ist die Rede vom just verstorbenen Beagle Briegel. Problemzonen hat ein eigenes Hundekapitel und im ausgelagerten Hot Chocolate-Universum (von “der Anderen” aka Charlotte Taylor) tummelt sich in jeder einzelnen Episode Königspudel Henry. Selbst im hochseriösen Roman Tage zwichen Ebbe und Flut gibt’s Hunde – einen toten im Prolog (Leo) und einen lebendigen im Epilog (Poldi – genannt Leo … long story, beides übrigens keine Airedales, sondern Jack Russel-Terrier). Und nun hat sich auch noch bei der jüngsten abgespaltenen Autorenpersönlichkeit Nirac Rellum ein Hund eingeschlichen: Ein Airedale (!!) namens Rufus, der sein junges Herrchen Tim auf allerlei Abenteuer begleitet. Im Weltall! In der Zukunft!! Puh …

Ich gebe zu, da kann man unter Umständen ein gewisses Muster erkennen, aber ich schwöre: DAS IST KEINE ABSICHT!!

Crazy Dog Mom – Crazy Author?

Doch nun kommt es richtig dicke. Ich möchte nämlich meinem vermeintlich einzigen Hunderoman Hundstage ein neues Cover verpassen (hat einige Gründe, die hier an dieser Stelle zu weit führen würden) und habe meine hochgeschätzte Grafikerin Sabine Kwauka gebeten, einen Entwurf zu erarbeiten. Was soll ich sagen? Sie hat drei geschickt (was ein normales Procedere ist) – und ich fand sie alle so gut, dass ich micht nicht entscheiden konnte. Umfragen in diversen Facebook-Gruppen haben leider auch keine eindeutige Tendenz ergeben – bis auf die Schnapsidee eines Lesers, der anregte, ich solle doch einfach weitere Hundebücher schreiben, dann könnte ich alle Cover behalten.

Meine erste Reaktion lautete: “Nur über meine Leiche! Ich habe EINEN Hunderoman in meinem Leben geschreiben, das muss reichen.” Doch dann hat mir mein empörtes Unterbewusstsein ein Schnippchen geschlagen und mir eine Idee für einen Krimi (!) in die mürben Gehirnwindungen gesetzt. Ein Krimi. Mit Hund. Von mir. Warum??? Tja, ich kann’s nicht erklären. Ich weiß nur, dass – wenn alles so läuft, wie geplant – noch in diesem Jahr mein ERSTER Hundekrimi erscheinen wird. Den (absolut genialen) Titel kann ich euch noch nicht verraten, aber der Held wird Joshi heißen und ein Airedale sein …

PS: Ich muss jetzt Gassigehen.

Die Aal-Affäre

KilleraalDas Tier hat schlechte Laune! Brummend liegt es in seiner Indoor-Bürohütte und tut sich leid. Der Grund? Ganz einfach: Die Strandferien sind vorbei und statt ausgedehnter Spaziergänge mit den tollsten Abenteuern, ist nun wieder schnöder Alltag angesagt. Und der ist vor allem sand- und aalfrei. Was – ich muss es zugeben – die Zweibeiner weniger stört, als den Terrier. Denn so schön es an der Nordsee auch ist, permanent überall Sand zu haben, muss dann doch nicht sein. Und an den Aal möchte ich am liebsten gar nicht mehr denken …

Manchmal muss es eben Aal sein

Doch ich weiß genau, dass ich damit nicht durchkomme. Seit ich letzte Woche auf Facebook einen winzigen Hinweis dazu gepostet habe, werde ich von allen möglichen Seiten um Aufklärung der “Aal-Affäre” gebeten. Ach was: bedrängt!

Na schön: Wir spazieren im Sonnenuntergang am ziemlich einsamen Strand von De Haan entlang. Die Zweibeiner in romantischer Stimmung, der Terrier in, nun ja: üblicher Terrier-Laune. Er läuft knapp hundert Meter vor uns, als er plötzlich auf höchst verdächtige Art und Weise verharrt. Alles an seiner Körperhaltung signalisiert den Menschen, dass da was im Busch ist! Die Romantik ist futsch, dafür legen sie einen Zahn zu, um möglichst schnell herauszufinden, was genau da los ist.

Terrier steht in leicht geduckter Haltung. Mann erreicht als Erster den Tatort und stellt fest: “Das ist ein toter Aal!” Das überrascht den Hund nicht, er weiß es schließlich schon seit etwa zwei Minuten. Mann verwickelt Terrier in folgende Diskussion:
“Du hast ihn so gefunden, oder?”
Terrier guckt verständnislos, wie hätte es sich bitteschön sonst zutragen sollen?
“Was hast du vor?” Mann wird misstrauisch, weil Hund sich nicht von der Stelle rührt, den Aal aber nicht aus den Augen lässt.
“Ich habe gar nichts vor!” Die pure Unschuld …
Mann zu mir: “Der sieht eklig aus, da hat schon jemand reingebissen.”
Ich mit Kennerblick: “Eindeutig Rückgrat gebrochen!” Dann fragend: “Was hat der Köter nur?”
Mann: “Vielleicht hat er Angst?”
Terrier fassungslos: “Angst? Ich?? Vor dem toten Aal? Ich glaube, du spinnst!”
Ich: “Das könnte es sein. Unsere vierbeinige Memme hat tatsächlich Angst vor einem toten Aal.”
Terrier: “Seid ihr noch ganz sauber oder was?”
Mann: “Kommt, lasst uns weitergehen. Es ist so schön.” Er legt mir den Arm um die Schulter und dreht sich romantisierend in Richtung Sonnenuntergang. Aus den Augenwinkel nehmen wir eine hektische Bewegung wahr: Der Airedale wirft sich auf die seine Beute!
Mann und ich brüllen wie aus einem Mund “Toni, lass das!!” und stürzen uns auf das Tier.
Findet er natürlich saulustig und weicht geschickt aus! “Vergesst es einfach, ihr kriegt mich NIEMALS! Gebt auf und lasst ihn mich fressen oder wenigstens drin wälzen!”
Ich – hysterisch lachend und kreischend: “Er will das Ekelvieh bestimmt fressen oder sich drin wälzen!”
Terrier: “Messerscharf erkannt und jetzt aus dem Weg!”
Mann: “Kommt gar nicht in Frage! Toni, hau ab!!”
Terrier: “Ich denk ja gar nicht dran!”
Ich: “Wir müssen ihn einfangen und anleinen.”
Terrier: “Viel Glück!”
Mann: “Das hat keinen Sinn!”

Und dann passierte etwas, das mich und Toni gleichermaßen beeindruckt hat: Der Rudelführer hat den Ekel-Aal so schnell im feuchten Sand verbuddelt, dass der Terrier einen Moment lang unaufmerksam war und sich übertölpeln und dann vom Tatort abführen ließ. Ende der Geschichte – die lange nicht so spannend war, wie “Aal-Affäre” implizierte. Zufrieden?

Mon Cherie und Mea Culpa

Dagegen hat der “schnöde” Alltag viel mehr zu bieten! Gestern morgen in der U-Bahn kommt plötzlich eine Frau zielstrebig auf mich und Toni zugesteuert. Ich remple den Hund zur Seite, weil ich glaube, dass die Dame vorbei möchte, doch sie sagt: “Schon gut, ich will zu ihnen!” Toni quittiert die unerwartete Aussage mit einem freundlichen Schwanzwedeln, ich mit einer leicht irritiert hochgezogenen Braue. “Mir gehört Otto”, fährt sie fort und bei mir dämmert es. “Und ich würde gerne mit Ihnen darüber reden!” Oops!

Otto ist ein hübscher Ridgeback-Rüde und er HASST Toni mit jeder Faser seines drahtigen Leibs. Warum, weiß kein Mensch, aber es gab in den letzten Jahren schon etliche unangenehme Zwischenfälle, bei denen sich der unangeleinte Otto wild geifernd in Richtung des angeleinten (in diesem Park gibt’s viel zu viele Kaninchen …) Toni stürzte. Bis auf einmal gingen all diese Begegnungen ohne direkten Kontakt der Hunde ab, aber es ist unglaublich nervtötend, wenn man beim Joggen ständig damit rechnen muss, dass sich eine wilde Bestie in den Weg wirft. Ich muss auch nicht extra erwähnen, dass bei diesen Gelegenheiten mehr als einmal tendenziell eher uncharmante Wortgefechte zwischen den Besitzerinnen ausgetragen wurden (um es mal vorsichtig zu formulieren). Auf Anraten von Tonis Hunde-Domina Susanne bin ich vor einigen Monaten dazu übergegangen, Otto meinerseits wild anzubrüllen, wenn er kläffend auf uns zugerast kommt. Den genauen Wortlaut möchte ich nicht wiedergeben – ihr könnt es euch bestimmt vorstellen. Mit vollem Erfolg übrigens! Otto zieht sich augenblicklich zurück (auch weil sein Frauchen schreit wie am Spieß) und Toni ist schwer beeindruckt und der felsenfesten Überzeugung, dass er sich um wichtigere Dinge kümmern kann, weil ich ja den Idioten im Griff habe. So weit so gut. Nun rechnet man (oder zumindest ICH) nicht unbedingt damit, dass man den mutmaßlichen Aggressor auch im zivilen Leben trifft.

“Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich mit Otto jetzt seit einiger Zeit verschärftes Rückruf-Training mache”, beginnt sie freundlich. “Ich hoffe, dass wir das Problem in den Griff bekommen.” Oh. Hm. Ja. Damit hatte ich nun nicht gerechnet. Ich erläutere ihr meine “Abwehr-Strategie”, sie nickt verständnisvoll und steigt bei der nächsten Station aus. Lektion gelernt: Nur weil ein fremder Hund den eigenen nicht leiden kann, muss man nicht zwangsläufig auch die dazugehörigen Zweibeiner in Sippenhaft nehmen! Und ich werde wohl mein Abwehr-Gebrüll ein wenig umformulieren …

Zur Krönung dieses – für mich! – aufregenden Tages hat sich Toni übrigens noch ein Mon Cherie einverleibt, das meiner Kollegin D. unvorsichtigerweise entglitten war. Kurze Aufregung, doch Entwarnung: eine läppische, beschwippste Piemont-Kirsche haut einen Airedale nicht um!

 

Starallüren des Krümelmonsters

wantedNa, die Weihnachtstage gut überstanden? Während ich selbst über diese Frage nachdenke und nebenbei diese Zeilen schreibe, schlummert Toni entspannt auf dem Rücken liegend auf seinem Bett und träumt mit rudernden Beinen und interessanten Geräuschen. Wovon wohl? Mit Sicherheit kann ich es nicht sagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er von Weihnachten träumt. Denn ER fand die Festtage definitiv und ohne die geringste Einschränkung super! Was vor allem an zwei Dingen liegen dürfte: Aufmerksamkeit und Futter

Terrier mit Starallüren

Dass Toni gerne im Mittelpunkt steht und die Aufmerksamkeit eines möglichst breiten Publikums schätzt, ist nichts Neues. Jedoch hat dieses Streben nach Zuwendung seit einiger Zeit leicht pathologische Formen angenommen. Genauer gesagt seit er seine eigene Fan-Page auf Facebook hat. Dort kann er die unsinnigsten Dinge posten, die langweiligsten Fotos – seine Fans schenken ihm garantiert ein “gefällt mir” und häufig sogar eine verbale Huldigung. Das findet er fraglos grandios und wird zunehmend zickig, wenn ihm diese Art der uneingeschränkten Wertschätzung zuhause nicht entgegengebracht wird. Man könnte auch sagen: der Terrier entwickelt Starallüren!

Im Büro hält er Hof und lauert unschuldigen Besuchern auf, um sich die Öhrchen kratzen zu lassen und die endlosen Versicherungen zu empfangen, dass er der schönste und liebste Hund des Universums ist. Er betört die zartbesaiteten Kolleginnen, die seinem Blick nicht widerstehen können und “versehentlich” eine Brioche auf dem Schreibtisch “vergessen”. Was mich gleich zu einem weiteren Thema bringt: der Terrier wird kriminell! Doch dazu später.

Zurück zu Weihnachten. Wir haben das Fest dieses Jahr bei meinem Bruder verbracht – mit Kindern (Tonis zweibeiniger Cousine und Cousin) und Kegeln (Großeltern, Tante), mit Weihnachtsgans und Christbaum. Und vor allem mit viel, VIEL, sehr viel Aufmerksamkeit für den Hund. Und Geschenken. Auch für ihn lagen zwei Päckchen unterm Baum und seine Körpersprache vor der Bescherung war identisch mit der der Kinder: glänzende Augen, bebender Leib – und blinde Zerstörungswut beim Auspacken. Sollte jemand mal Hilfe beim Durchtrennen eines Kabelbinders benötigen, schicke ich gerne den Terrier vorbei … Der LED-beleuchtete, dildoartige Kauknochen und das textile Wurfgeschoss (vom Cousin “Bumeränger” getauft) waren jedenfalls ganz nach dem Geschmack des Tiers.

Kriminelle Energie

Dass er im weiteren Verlauf des Abends ein paar Wachsspritzer ins Fell bekam, hat ihn weit weniger gestört, als die Tatsache, dass ihm keiner etwas von der Weihnachtsgans abgegeben hat. Toni bekommt nichts vom Tisch! Eine eiserne Regel, die seit sieben Jahren gilt (seit er am 22.12.2008 im zarten Alter von zehn Wochen bei uns eingezogen ist) – und die er seitdem blöd findet.

Weihnachten Toni 2008Trotzdem hat er sich daran gehalten. Zähneknirschend zwar, aber immerhin. In den letzten Wochen ist allerdings eine erschreckende Tendenz zur Beschaffungskriminialität bei ihm feststellbar. Wenn es um Bälle ging, hatte er immer schon schwere kleptomanische Anwandlungen, bei menschlichen Nahrungsmittel jedoch war seine Impulskontrolle (oder die Angst vor Konsequenzen?) außerordentlich stabil. Ein Umstand, der mich vor Stolz hat platzen lassen. “Ich kann rohe Steaks unbeaufsichtig in der Küche liegen lassen, MEIN Hund geht da nicht ran!” Diesen und ähnliche Sätze habe ich gerne anderen Hundebesitzern unter die Nase gerieben, die mir von ihren verfressenen und diebischen Vierbeinern vorgejammert haben.

Doch nun? Nun muss ich – mal wieder! – Abbitte leisten, denn auch meine Töle ist ein durchtriebener Futterdieb! Allein am ersten Feiertag vertilgte er (vor dem Frühstück) einen Käsekuchen, der zum Abkühlen auf der Terrasse stand (und dort vergessen wurde) und (vor dem Kaffee trinken)  einen kompletten, üppig gefüllten Plätzchenteller! Wenn ich den Lebkuchen, den er sich letzte Woche aus einer geöffneten Packung im Büro stibitzt hatte und besagte Brioche in Betracht ziehe … Ich fürchte, da bahnt sich ein Problem an!

Happy New Year!

Ehe ich nun aber in hektischen Aktionismus verfalle, warte ich lieber den Jahreswechsel ab, denn meine kleinkriminelle, vierbeinige Diva ist ein fürchterlicher Angsthase bei Feuerwerk. Vielleicht verknüpft er mit der Ballerei ja seine ganzen Schandtaten der letzten Tage und ist ab 1. Januar wieder ein “braver Hund”? Hm. Wahrscheinlich eher nicht. Aber dafür gibt’s ja immer noch die Hunde-Domina.

In diesem Sinne: Habt einen geschmeidigen Jahreswechsel!! Alles Liebe und Gute für 2016 – Glück, Gesundheit und Abenteuer!

Klette an Rosette

Total-am-ArschDie mannigfaltigen Vorteile, die eine Wohngemeinschaft zwischen Mensch und Tier mit sich bringt (oder besser: bringen kann) wurden hier schon häufig und wortreich erläutert. Daher beschränken wir uns diesmal auf den “totalen Verlust von Langeweile”!

Vermutlich geht es Eltern ähnlich: Ab dem Moment, an dem ein neuer Erdenbürger in ihr Leben tritt, ist es vorbei mit Müßiggang. Damit rechnen die meisten Menschen. Dass dies mit der Anschaffung eines Haustiers ähnlich sein wird, kommt für einige überraschend. Gut, der tägliche Thrill mag bei Guppy-Herrchen und Schildkröten-Frauchen nicht ganz so ausgeprägt sein, aber wir wollen hier nicht kleinkarierter als unbedingt nötig sein. Tiere bringen Leben in die Bude – vor allem wenn es Hunde sind. Und ganz besonders dann, wenn diese Hunde Terrier sind. Und absolut zweifellos dann, wenn es sich um Airedale Terrier Toni handelt.

Diese liebreizende Kreatur teilt nun schon seit fast sieben Jahren sein Leben mit uns (er hat übrigens am 11.10. Geburtstag – kulinarische Geschenke und Bällchen bitte an rechtzeitig an die im Impressum angegebene Adresse schicken. Danke.) und seitdem schafft er es JEDEN Tag, mich a) zu überraschen/zum Lachen zu bringen oder b) mir meine Grenzen aufzuzeigen. Meistens nutzt er beide Möglichkeiten.

Scheinschwangerschaft beim Rüden

Letzten Samstag beispielsweise: Hund und Frau fahren zur Leibesertüchtigung in den Frankfurter Niddapark. Der Plan: fünf Kilometer Joggen in moderater Geschwindigkeit (der Zweibeinerin geht’s nicht so besonders – der Abend zuvor war lang und … lang). Bis Kilometer 2 läuft alles wie vorgesehen. Der Terrier tänzelt fröhlich und stets in Sichtweite und erledigt alle relevanten Stoffwechselendvorgänge (Frauchen entfernt sie selbstredend vom Wegesrand). Dann nähert man sich einem Spielplatz und dem Sportpark, wo sich exessiv den diversen Ballsportarten hingegeben wird. Der Terrier ist an der Leine. Nach Verlassen der Gefahrenzone, darf er wieder dem Freilauf frönen. Bei Kilometer 3 klingelt das Telefon. Herrchen will wissen, was mit den Rauchmeldern passieren soll (long Story). Hund verschwindet im Gebüsch. Frau ruft und läuft weiter. Hund bleibt verschwunden. Frau wähnt ihn an einem seiner bevorzugten Stopps auf dem Gelände und läuft – regelmäßig seinen Namen skandierend – weiter. Kilometer 4: Keine Spur von Toni. Frau wähnt ihm am nächsten bevorzugten Stopp und rennt – weiterhin “Toni” brüllend – dorthin: Fehlanzeige. Also wieder zurück. Das Brüllen weicht einem asthmatischen Japsen. Terriersichtung bei Kilometer 5,5 – weit in der Ferne. Terrier eingefangen bei Kilometer 6. Wortlos an die Leine genommen. Toni keucht genauso asthmatisch wie Frauchen. Sein Problem. Strafe muss sein – weiterrennen! Bei Kilometer 7 fällt Frauchen auf, dass der Hund vor Antritt der Joggingrunde signifikant schlanker war. Ein praller Wanst wackelt rhythmisch hin und her. Auf die Frage, was um alles in der Welt er gefressen hat, gibt er keine Antwort. Natürlich nicht. Nach neun Kilometern erschöpft wieder am Auto. Hund sieht nicht nur schwanger aus, er ist auch dreckig und jammert, als Frauchen, nicht ganz so liebevoll wie sonst, Pfoten und Bauch abrubbelt. Irritation weicht Sorge. Was, wenn er einen Giftköder gefressen hat? Hund bekommt zuhause nichts zu fressen und auch keine Käsehäppchen vom Frühstückstisch, steht dafür unter verschärfter Beobachung, die ihm sichtlich unangenehm ist. Die Visitenkarte der Tierklinik liegt bereit. Keine weitere Verhaltensauffälligkeit am restlichen Tag. Am frühen Abend üppige Stoffwechselendvorgänge. Die Taille ist wieder schmal.

Heckenphantom

Zwei Tage später zur Stippvisite bei den “Großeltern” in München. Toni liebt die Thujen-Hecke im dortigen Garten (mit dieser Leidenschaft steht er ziemlich alleine da) und unterzieht sie einer manischen Analyse. Vermutung: Nachbarskatze Rosi hat dort ihre Spuren hinterlassen. Das dabei entstandene Foto (siehe oben) mausert sich zum aboluten Social-Media-Hit. In der geschlossenen Facebook-Gruppe der “Airedale Owners” (7.123 Mitglieder) erzielt es innerhalb weniger Stunden 976 Likes und 150 Kommentare. Die Frau fragt sich, wie sie diesen erstaunlichen Erfolg auf ihre Bücher ummünzen könnte. Ihr fällt nichts ein. Der Terrier hat an diesem Nachmittag übrigens mindestens acht Äpfel gefressen, davon drei selbst geerntete. Er wirkt wieder ein wenig rundlich, dafür furzt er mit Apfelaroma.

Die Klette an der Rosette

Wieder zurück in Frankfurt, steht natürlich umgehend Frühsport auf dem Programm. Frau und Hund rennen in den Grüneburgpark. Im dortigen Hundeauslauf stählt Frau ihren Astralleib mit Kniebeugen, Liegestützen (okay, den leichten an der Banklehne), Sit-ups und ähnlichen Trimmübungen, in der vagen Hoffnung, mal wieder in Form zu kommen. Toni verschwindet im Gebüsch, wo er möglicherweise sein Geschäft ungestört verrichten möchte. Als Frau bei ihrer letzten Übung ist, taucht Toni wieder auf. Mit merkwürdigem Gesichtsausdruck und hängenden Ohren. In etwa 30 Metern Entfernung begibt er sich mehrfach in Kackposition, allein die Köttel wollen nicht fallen. Schwitzend und seufzend begibt sich Frauchen zum Hundchen, der jetzt sehr unglücklich aussieht, und begutachtet sein Hinterteil: Rund um die Rosette klebt ein halbes Dutzend Kletten! Weitere übrigens am Schwanz und an den Hinterbeinen. Offensichtlich hat sich der Herr in ein Klettengestrüpp gesetzt … Meine Frage nun an alle Eltern: Erlebt man so etwas auch mit Kindern??

Serengeti lebt!

Circle_of_lifeAll jene, die wie ich mit Bernhard Grzimek, Heinz Sielmann, possierlichen Tierchen, Zeit für Tiere und der sterbenden Serengeti sozialisiert wurden, werden meine Freude verstehen! Die Serengeti lebt – zumindest im Frankfurter Westend. Für alle anderen: heute kommt mal wieder eine Terrier-Toni-Geschichte.

Selbst Herr Darwin hätte heute Morgen seine helle Freude gehabt: Leben und Sterben im Großstadtdschungel – inklusive “survival of the fittest” (okay, eher des Glücklichen, aber dazu später) und der Demonstration ausgefuchstester Kampftechniken – und das, obwohl kein Fuchs anwesend war.

Dabei begann es eher harmlos: Terrier Toni war unterwegs, um seine träge Zweibeinerin durch den Park zu scheuchen – und sie selbstverständlich vor allen Unwägbarkeiten und Gefahren zu bewahren. Die erste lauert in Form einer orangefarbenen Klobürste in einer Hecke. Bei näherer Betrachtung stellt sich die Klobürste als Schwanz und Hinterteil des wirklich gigantischen roten Katers heraus, der sich in der letzten Zeit häufig an fraglicher Stelle einfindet – und der im internen Sprachgebrauch bereits Garfield getauft wurde. Wegen seiner ausgeprägten Verachtung gegenüber jeglicher canider Lebensform – und seines offensichtlich gesegneten Appetits.

Toni wirft sich also todesmutig schützend vor seine Menschenfrau und stößt merkwürdige Geräusche aus, die wohl eine Mischung aus drohendem Knurren und atemlosen Würgen sind. Das Halsband an der straff gespannten Leine, nimmt ihm ein wenig die Luft. Garfield springt entsetzt aus der Hecke heraus, starrt seinen Widersacher wütend an, macht einen Buckel und sträubt seinen Pelz. Eine höchst imposante Performance, die selbst der Zweibeinerin ein wenig Unbehagen bereitet. Dieser Bestie ist alles zuzutrauen. Doch was hat Garfield im Maul?

Eine Frage, die sich auch der Terrier stellt, laut grunzt (die Leine, das Halsband …) und nähertreten will (was die böse Frau verhindert). Der Kater antwortet mit einem empörten Fauchen – was ein Fehler ist, denn dafür muss er seinen Höllenschlund öffnen. Die Beute fällt zu Boden – rappelt sich jedoch sogleich auf und rast auf vier kleinen Mauspfötchen zurück in die sichere Hecke. Toni ist verdutzt, der Kater rast vor Wut. Blanke Mordlust flackert in seinen gelben Augen und die Frau macht sich ernsthafte Sorgen um Leib und Leben. Der Terrier spürt das und stößt ein wahrhaft würdiges Knurren aus, das Garfield umgehend aus seiner Tobsucht holt und ihn auf den nächsten Baum flüchten lässt.

Wir fassen zusammen: Die Maus hat eine zweite Chance bekommen (und glaubt womöglich ab sofort an einen haarigen, wolligen Gott).  Der Terrier ist stolz auf seine edle (wenn auch versehentliche) gute Tat, hat aber einen neuen Todfeind.  Der Kater hadert mit der doppelten Demütigung und schwört Rache. Wie es weitergeht, erfahren Sie in der nächsten Woche, wenn es heißt: “Wer ist der wahre König der Löwen?”

Die Frage nach der überlegenen Spezies wird übrigens auch in Hundstage ausführlich thematisiert. Mit durchaus unterschiedlichen Interpretationsansätzen …

Beim nächsten Hund wird alles anders

Terror-Terrier-ToniDas könnte der Titel des nächsten Romans werden. Oder auch “Frauchen am Rande des Nervenzusammenbruchs”. Ich geben zu, ich bin aktuell etwas monothematisch unterwegs – ein Hundeartikel jagt den nächsten. Und es wäre wirklich schön, wenn ich einfach dumpfe Werbung für meine Hundstage machen könnte (es wäre sogar deutlich sinnvoller), aber ich muss leider wieder die Realität bemühen.

Wobei mein vierbeiniger Gefährte, aka Terror Terrier Toni, gestern innerhalb einer knappen Stunde so viele Schoten geliefert hat, dass ich damit locker drei bis vier Kapitel füllen könnte… Ich will es kurz machen (falls ich die Langfassung doch irgendwann verwenden will):

19:30 Uhr: Aufbruch aus dem Büro – Hund läuft brav neben dem Fahrrad her. +++ 19:34 Uhr: Ankunft Grünanlage am Willy-Brandt-Platz – Leine los. Frauchen will, dass Hund einen Haufen produziert, Hund hat andere Pläne. +++ 19:46 Uhr: Hund hat zwei Kaninchen gejagt – eines davon beinahe in den Künstlereingang der Oper. Hund hat Erbrochenes gefressen. Hund hat versucht, einem Obdachlosen das Abendessen abzunehmen (erfolglos). Hund ignoriert tobende Besitzerin. Hund hat nicht gekackt. Hund schnappt sich undefinierbares Etwas und trabt davon. +++ 19:48 Uhr: Hund erfolgreich eingefangen. Frauchen will Heimfahrt antreten. Hund röchelt und würgt. +++ 19:50 Uhr: Besitzerin will wissen, warum Hund röchelt und würgt und ihm zu diesem Zweck ins Maul schauen. Hund öffnet Maul nicht, sondern presst die Zähne aufeinander. +++ 19:51 Uhr: Frauchen ist verzweifelt und wütend. Dann kommt ihr eine Idee. Im Fahrradkorb liegt ein Tennisball ungeklärter Herkunft. Sie nimmt den Ball und zeigt ihm den Hund. Hund öffnet Maul und will nach Ball schnappen. Frauchen steckt todesmutig Hand ins Maul und leuchtet mit Fahrradlampe hinein: am Gaumen klebt ein riesiges, zermatschtes Baguette-Brötchen. Sie pult es ihm aus den Höllenschlund. Hund ist erleichtert. Hund will Ball. Frauchen nicht, sie will heim und legt den Ball wieder in den Korb. +++ 19:54 Uhr: Rote Ampel. Hund versucht in den Fahrradkorb zu hüpfen, um den Ball zu holen. Frauchen brüllt ihn wieder an. +++ 19:55 Uhr: Ampel immer noch rot. Hund rempelt Frauchen an. Tobsuchtsanfall. +++20.03 Uhr: Ankunft nächste Grünfläche, denn Hund hat ja immer noch nicht gekackt. Dort tummeln sich zwei gut bekannte vierbeinige Kollegen. Interessiert Hund nicht. Klebt wie Pattex an Frauchen, will Ball. Frauchen will, dass Hund kackt und dann heim. Hund will Ball. Besitzerin gibt auf und wirft den Ball. Hund triumphiert und schnappt ihn sich. Läuft dann zu seinen Freunden. Ist nicht freundlich zu ihnen, weil er unterstellt, dass sie seinen Ball haben wollen. Freunde sind irritiert. Deren Besitzer auch. Frauchen scheucht peinlich berührt Hund weiter.  +++ 20:11 Uhr: Heureka – Hund scheißt!! Frauchen will heim. Hund nicht. +++ 20:15 Uhr: Hund findet das Spiel saulustig: sofort in die andere Richtung abhauen, sobald Frauchen ruft oder sich gar nähert. +++ 20:19 Uhr: Frauchen ist soweit, den Hund seinem Schicksal zu überlassen (ein Teil von ihr jedenfalls) und tut so, als würde sie davonradeln. Hund lässt sich von dieser Finte übertölpeln und rennt ihr hinterher. Frauchen bremst. Hund auch. Sie will ihn anleinen, er lacht hämisch mit Tennisball im Maul, dreht um und rennt wieder weg. +++ 20:31 Uhr: Ankunft zuhause. Frauchen und Hund sprechen nicht mehr miteinander.

Puhuuu… Heute ist er übrigens ganz friedlich und stolz wie Bolle, dass er seine eigenen Autogrammkarten hat. Mal sehen, ob er sich auch zu Autogrammen überreden lässt. Ein großes Stempelkissen wartet bereits. Wer ein Toni-Autogramm haben will, schreibt mir einfach eine eMail mit seiner Adresse, dann kommt es in den nächsten Tagen per Post angeflattert.

Ich gönne mir jetzt zwei Tage Hunde-Pause und stürze mich auf die Buchmesse – wo ich hoffentlich nicht so blamiert werde. Schönen Abend noch!