Klette an Rosette

Total-am-ArschDie mannigfaltigen Vorteile, die eine Wohngemeinschaft zwischen Mensch und Tier mit sich bringt (oder besser: bringen kann) wurden hier schon häufig und wortreich erläutert. Daher beschränken wir uns diesmal auf den “totalen Verlust von Langeweile”!

Vermutlich geht es Eltern ähnlich: Ab dem Moment, an dem ein neuer Erdenbürger in ihr Leben tritt, ist es vorbei mit Müßiggang. Damit rechnen die meisten Menschen. Dass dies mit der Anschaffung eines Haustiers ähnlich sein wird, kommt für einige überraschend. Gut, der tägliche Thrill mag bei Guppy-Herrchen und Schildkröten-Frauchen nicht ganz so ausgeprägt sein, aber wir wollen hier nicht kleinkarierter als unbedingt nötig sein. Tiere bringen Leben in die Bude – vor allem wenn es Hunde sind. Und ganz besonders dann, wenn diese Hunde Terrier sind. Und absolut zweifellos dann, wenn es sich um Airedale Terrier Toni handelt.

Diese liebreizende Kreatur teilt nun schon seit fast sieben Jahren sein Leben mit uns (er hat übrigens am 11.10. Geburtstag – kulinarische Geschenke und Bällchen bitte an rechtzeitig an die im Impressum angegebene Adresse schicken. Danke.) und seitdem schafft er es JEDEN Tag, mich a) zu überraschen/zum Lachen zu bringen oder b) mir meine Grenzen aufzuzeigen. Meistens nutzt er beide Möglichkeiten.

Scheinschwangerschaft beim Rüden

Letzten Samstag beispielsweise: Hund und Frau fahren zur Leibesertüchtigung in den Frankfurter Niddapark. Der Plan: fünf Kilometer Joggen in moderater Geschwindigkeit (der Zweibeinerin geht’s nicht so besonders – der Abend zuvor war lang und … lang). Bis Kilometer 2 läuft alles wie vorgesehen. Der Terrier tänzelt fröhlich und stets in Sichtweite und erledigt alle relevanten Stoffwechselendvorgänge (Frauchen entfernt sie selbstredend vom Wegesrand). Dann nähert man sich einem Spielplatz und dem Sportpark, wo sich exessiv den diversen Ballsportarten hingegeben wird. Der Terrier ist an der Leine. Nach Verlassen der Gefahrenzone, darf er wieder dem Freilauf frönen. Bei Kilometer 3 klingelt das Telefon. Herrchen will wissen, was mit den Rauchmeldern passieren soll (long Story). Hund verschwindet im Gebüsch. Frau ruft und läuft weiter. Hund bleibt verschwunden. Frau wähnt ihn an einem seiner bevorzugten Stopps auf dem Gelände und läuft – regelmäßig seinen Namen skandierend – weiter. Kilometer 4: Keine Spur von Toni. Frau wähnt ihm am nächsten bevorzugten Stopp und rennt – weiterhin “Toni” brüllend – dorthin: Fehlanzeige. Also wieder zurück. Das Brüllen weicht einem asthmatischen Japsen. Terriersichtung bei Kilometer 5,5 – weit in der Ferne. Terrier eingefangen bei Kilometer 6. Wortlos an die Leine genommen. Toni keucht genauso asthmatisch wie Frauchen. Sein Problem. Strafe muss sein – weiterrennen! Bei Kilometer 7 fällt Frauchen auf, dass der Hund vor Antritt der Joggingrunde signifikant schlanker war. Ein praller Wanst wackelt rhythmisch hin und her. Auf die Frage, was um alles in der Welt er gefressen hat, gibt er keine Antwort. Natürlich nicht. Nach neun Kilometern erschöpft wieder am Auto. Hund sieht nicht nur schwanger aus, er ist auch dreckig und jammert, als Frauchen, nicht ganz so liebevoll wie sonst, Pfoten und Bauch abrubbelt. Irritation weicht Sorge. Was, wenn er einen Giftköder gefressen hat? Hund bekommt zuhause nichts zu fressen und auch keine Käsehäppchen vom Frühstückstisch, steht dafür unter verschärfter Beobachung, die ihm sichtlich unangenehm ist. Die Visitenkarte der Tierklinik liegt bereit. Keine weitere Verhaltensauffälligkeit am restlichen Tag. Am frühen Abend üppige Stoffwechselendvorgänge. Die Taille ist wieder schmal.

Heckenphantom

Zwei Tage später zur Stippvisite bei den “Großeltern” in München. Toni liebt die Thujen-Hecke im dortigen Garten (mit dieser Leidenschaft steht er ziemlich alleine da) und unterzieht sie einer manischen Analyse. Vermutung: Nachbarskatze Rosi hat dort ihre Spuren hinterlassen. Das dabei entstandene Foto (siehe oben) mausert sich zum aboluten Social-Media-Hit. In der geschlossenen Facebook-Gruppe der “Airedale Owners” (7.123 Mitglieder) erzielt es innerhalb weniger Stunden 976 Likes und 150 Kommentare. Die Frau fragt sich, wie sie diesen erstaunlichen Erfolg auf ihre Bücher ummünzen könnte. Ihr fällt nichts ein. Der Terrier hat an diesem Nachmittag übrigens mindestens acht Äpfel gefressen, davon drei selbst geerntete. Er wirkt wieder ein wenig rundlich, dafür furzt er mit Apfelaroma.

Die Klette an der Rosette

Wieder zurück in Frankfurt, steht natürlich umgehend Frühsport auf dem Programm. Frau und Hund rennen in den Grüneburgpark. Im dortigen Hundeauslauf stählt Frau ihren Astralleib mit Kniebeugen, Liegestützen (okay, den leichten an der Banklehne), Sit-ups und ähnlichen Trimmübungen, in der vagen Hoffnung, mal wieder in Form zu kommen. Toni verschwindet im Gebüsch, wo er möglicherweise sein Geschäft ungestört verrichten möchte. Als Frau bei ihrer letzten Übung ist, taucht Toni wieder auf. Mit merkwürdigem Gesichtsausdruck und hängenden Ohren. In etwa 30 Metern Entfernung begibt er sich mehrfach in Kackposition, allein die Köttel wollen nicht fallen. Schwitzend und seufzend begibt sich Frauchen zum Hundchen, der jetzt sehr unglücklich aussieht, und begutachtet sein Hinterteil: Rund um die Rosette klebt ein halbes Dutzend Kletten! Weitere übrigens am Schwanz und an den Hinterbeinen. Offensichtlich hat sich der Herr in ein Klettengestrüpp gesetzt … Meine Frage nun an alle Eltern: Erlebt man so etwas auch mit Kindern??

Der Besuch der jungen Dame

Besuch der jungen DameFriedrich Dürrenmatt erlangte mit seinem Dreiakter “Der Besuch der alten Dame” das, wovon jeder Autor träumt: finanzielle Unabhängigkeit. Ich fürchte, das wird mir in absehbarer Zeit weder mit meinen Romanen, noch mit meinen Blogposts gelingen. Doch immerhin habe ich (den Statistiken von Google und Facebook sei dank) einen Trend feststellen können: Die mit Abstand beliebtesten Themen (auch auf diesem Blog) sind Sex und niedliche Tiere – wobei mir kürzlich sogar eine Rekorde sprengende Kombination aus beidem gelungen ist! Weder finden meine auch nur ansatzweise (gesellschafts)kritischen Beiträge, die von mir gewünschte Resonanz, noch dürfte sich eine breite Leserschaft mit dem mir bevorstehenden Familienbesuch (der auch eine ältere Dame inkludiert, meine Mutter nämlich) hinter dem Ofen hervorholen lassen. Also gibt’s Opium für das Volk!

Heute zwar keine Erotik, dafür eine gesteigerte Portion Putzigkeit. Wir sind nämlich seit gestern doppelbehundet. Die junge blonde Dame hört auf den hübschen Namen Leni (was doch ganz allerliebst zu Toni passt, nicht wahr?) und ist eine knapp fünf Monate alte Labradeuse. Weil ihre Zweibeiner das Wochenende einen Familienbesuch im Ausland (sicherlich ebenfalls inklusive einer alten Dame) absolvieren müssen, haben wir die Obhut der kleinen Fressmaschine übernommen.

Ich schwanke zwischen Schock und Ehrfurcht, wenn ich dem Tierchen bei der Nahrungsaufnahme zusehe. Terrier Toni ist mit seinen sechseinhalb Jahren sicherlich auch kein zimperlicher Fresser und weit davon entfernt, als Genießer bezeichnet zu werden. Doch die Art und Weise wie das zarte, junge Wesen ihr Futter inhaliert erinnert stark an einen Industriestaubsauger. Dem kann Toni nichts entgegensetzen. Auch ansonsten ist er erschütternd schnell dem Charme der blutjungen Blondine verfallen und lässt sich alles von ihr gefallen – inklusive Missbrauch als Nadelkissen.

Im Moment schnarcht sie übrigens wie ein betrunkener Seemann, was zwar etwas irritierend ist, aber den Vorteil hat, dass ich diese Zeilen schreiben kann und nicht Ringrichter zwischen AiredaleToni und LabLeni spielen muss. Doch ich fürchte, der Frieden wird nicht lange wehren. Bald wird sie wach und hungrig sein – auf Futter, auf Tobeeinheiten mit Toni und auf Liebe. Denn das ist sie auch: eine zuckersüße Kuschelmaus!

“Lola, hol den Dildo!”

Shake itMit diesem Satz war ich heute Vormittag konfrontiert. Und nein, ich habe weder Pornos geguckt, noch war ich Gast in einem Swinger-Club. Ich war lediglich mit meinem Hund beim Joggen. Im Frankfurter Niddapark. Mit Dutzenden anderen Menschen – und Lola!

Lola ist ein zauberhaftes Geschöpf, das mir bereits unmittelbar beim Betreten des Geländes aufgefallen war. Denn der zarte Prager Rattler schleuderte ein ziemlich großes, längliches, neongrünes Teil fröhlich in die Luft, um es sogleich selbst wieder zu fangen. Das müsste Toni mal in den Sinn kommen. Er will immer nur, dass man ihm ein Spielzeug schmeißt, dann fängt er es und gibt es nicht mehr her. Idealerweise nie mehr. Aber das nur am Rande. Selbstredend hat dieses Spektakel nicht nur meine, sondern auch seine Aufmerksamkeit erregt, also nichts wie hin.  Er war – natürlich! – schneller und just dann mitten im Geschehen, als sich Lolas Herrchen das grüne Ding geschnappt hatte und in hohem Bogen auf die Wiese warf. Mit der Aufforderung: “Lola, hol den Dildo!”

Lola rennt los, doch Toni ist – natürlich! – schneller. Mit Triumph in den Augen trabt er, die Trophäe im Fang, an mir vorbei außer Reichweite. Ein Blick auf das grüne Ding genügt: Es könnte wohl wirklich ein … “Dildo, Dildo, Dildo!” – kräht nun die etwa zweijährige, blondgelockte Tochter des Lola-Besitzers. Offenbar empört, dass sich der fremde Terrier das Familien-Juwel geschnappt hat. Kann man irgendwie verstehen.

“Lola, nun hol dir doch deinen Dildo zurück!” Die Aufforderung des Familienvorstands prallt ungehört am Vierbeiner ab – vielleicht wollte sie sich aber auch nicht mit einem Rüpel-Rüden anlegen, der locker zehnmal so schwer ist wie sie. Es bleibt also mir überlassen, das frivole Spielzeug zurückzuerobern. Habe ich schon mal erwähnt, dass Toni Spielzeuge (vor allem illegal erworbene) nicht gerne wieder hergibt? Toni hopst also höchst vergnügt in weiten Bögen um mich herum. Ich schwanke zwischen Wut- und Lachanfällen, das blonde Mädchen ruft mit wachsender Verzweiflung “Dildo, Dildo, Dildo” und das interessierte Publikum stellt sich in immer größerer Zahl ein. Schließlich gelingt es mir, den Terrier davon zu überzeugen, den “Dildo, Dildo, Dildo!” herzugeben. Okay, ich habe ihn niedergerungen und … aber das gehört jetzt nicht hierher. Applaus des Publikums und Übergabe des schlüpfrigen Etwas an Lolas Frauchen: “Bei mir ist er in guten Händen!”

PS: Trotz des holprigen Starts haben Toni und ich dann doch noch ein paar Kilometer abgespult – offensichtlich beide mit wüstem Kopfkino, denn er gönnte sich am Schluss eine ausgedehnte Abkühlung.

Noch ein PS: Ich muss ja leider zugeben, dass die (teilweise) erfundenen haarsträubenden Szenen in Hundstage nicht auf das “Dildo, Dildo, Dildo!”-Niveau heranreichen. Sie sind aber trotzdem lustig und lesenswert!