Love Letter Convention 2017: Bingo!

Bingo!

Müsste ich die Love Letter Convention 2017 in einem Wort zusammenfassen, dann wäre es zweifellos Bingo. Bingo im Sinne von Volltreffer und Bingo im Sinne von … nun ja … Bingo halt. Doch dazu später. Da es aber niemanden gibt, der von mir ernsthaft verlangt, einen Einwort-Bericht zu verfassen (obwohl ich mich in meinen Romanen bekanntlich durchaus einen reduzierten Stil pflege), gibt’s jetzt eine etwas ausführlichere Variante.

Das erste Mal

Die paar Tage Reflektionszeit haben leider gar nichts genützt, ich bin nämlich immer noch komplett überwältigt von der Veranstaltung – und das ist dann auch schon der größte Unterschied zu anderen ersten Malen in meinem Leben. Den ersten Kuss? Hab ich vergessen! Das erste Mal Sex? War zum Vergessen! Der erste Fallschirmsprung? Werde ich nie vergessen können – leider. Meine erste LLC – wie wir Eingeweihten das Event liebevoll nennen – wird sicherlich unvergesslich bleiben. Auch wenn ich offiziell selbst gar nicht da war. Es war nämlich „die Andere“, die an diesem Mai-Wochenende Gewalt über den Wirtskörper erlangte und in den kompletten Genuss der Fanzuneigung kam. Bittere Erfahrung, kann ich da nur sagen, doch was will ich machen? Charlotte Taylor ist in unserer Autoren-WG in Liebesdingen eben ganz weit vorne und belästigt niemanden mit Hunden, Geistern, Außerirdischen und Alzheimer.

Doch ich will nicht klagen, schließlich ist sie ohne mich ein Nichts und so durfte/musste ich überall mitmachen. Der Einfachheit halber werde ich im weiteren Text einfach von „ich“ sprechen – auch wenn ich meist Charlotte meine. Sonst wird’s nämlich noch verwirrender.

Party-Verlag

Die bislang unbestätigten Gerüchte, wonach die Verlagsgruppe Bastei Lübbe eine ernstzunehmende Party-Truppe ist, kann ich nun guten Gewissens verifizieren. Der Freitagabend gehörte nämlich den Verlagsmitarbeitern und Autoren von Lübbe, Lyx und be.ebooks – in einem wunderbaren französischen Bistro. Köstliches Essen, prickelnde Getränke und überaus launige Tischgespräche inklusive. Vielen Dank, das war wirklich grandios! Erst gegen Mitternacht konnte ich meine Kollegin Andrea Bielfeldt aka Amy Baxter davon überzeugen, dass wir wohl besser ins Hotel zurückkehren, um am nächsten Morgen halbwegs frisch ans Werk zu gehen. Wie lange insgesamt noch gefeiert wurde? Darüber kursieren unterschiedliche Angaben …

Frisch waren wir dann nicht wirklich, zumindest innerlich nicht. Make-up und guter Spachteltechnik sei Dank, wirkten wir aber durchaus einigermaßen herzeigbar. Schlaf wird ohnehin überbewertet, also was soll’s. Es folgte ein Tag mit Meets & Greets, Lesungen, Panels, Diskussionen, Workshops und vielen, vielen intensiven persönlichen Begegnungen mit den zauberhaften Lesern und Bloggern. Erkenntnis des Tages: Jetzt weiß ich wieder, warum ich das alles mache. Für EUCH! DANKE!!!

Bingo – diesmal richtig

Die ganze Veranstaltung hat was von Klassenfahrt. Viele Leser kennen sich untereinander, viele Autoren ebenfalls und die anderen lernt man dann eben kennen. Im Laufe der Zeit – Quatsch, das war gelogen: es ist im Grunde von der ersten Minute an so – entwickelt sich eine ganz besondere Dynamik und Stimmung. Ausgelassen, fröhlich, freundschaftlich und ab und an ein wenig anzüglich. Das durfte vor allem der schicke Security-Bartträger Marjio buchstäblich am eigenen Leib erfahren. Und ich, denn ich war gleich bei mehreren Veranstaltungen zum Thema Sex geladen – und anderen, die plötzlich diese monothematische Richtung einschlugen. Warum auch immer man der Meinung war, dass ich dafür eine angemessene Besetzung bin, ist mir nach wie vor schleierhaft. Gut, dass Charlotte das Sagen hatte…

Meine persönliche Krönung war am Sonntagnachmittag nämlich ein Workshop mit dem Titel Let’s talk about sex!, den ich ganz alleine bestreiten musste/durfte. Theoretisch war ich richtig gut und seriös vorbereitet, praktisch habe ich mit meinen Zuhörerinnen (ein Mann war dabei: André, du warst sehr tapfer!) Sex-Bingo gespielt. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, nur dies: es war außerordentlich lehrreich und meine lieben Lektorinnen dürfen sich jetzt schon auf einen signifikant erweiterten Wortschatz im Genital- und Beischlafsektor freuen…

Fazit:

Es war einfach nur toll! Anstrengend, aber fantastisch. Ich habe wunderbare Kollegen wiedergetroffen oder neu kennengelernt und Kontakte zu lieben Leser vertieft und geknüpft, was mit Geld nicht aufzuwiegen ist. Danke auch an das grandiose Orga-Team der LLC – ihr seid fantastisch!! – und an meinen Verlag be.ebooks, dass ich dabei sein durfte. Ich würde gerne im nächsten Jahr wieder kommen. *justsaying*

Foto-Credit:

Da ich selbst überhaupt nicht zum Fotografieren gekommen bin, danke ich Desiree Schaadt, Melanie Reichert, Katja Ezold, Beate Zülke und be.ebooks!

Lasst uns über Geld sprechen

„Och, nicht schon wieder! Kann die Alte nicht mal über was anderes schreiben?“ Kann sie, tut sie regelmäßig und trotzdem muss es jetzt mal wieder sein: Wir müssen über Geld sprechen! Nicht über viel Geld. Nicht über die Fantastrillionen von Dagobert Duck (oder Donald Trump), sondern über ganz kleines Geld. Winzigstbeträge. Geld, für das man – mit Glück – zwei trockene Semmeln bekommt. Und Bücher. Bücher bekommt man für diesen Witzbetrag viele. SEHR viele. Das ist ein Problem.

„Das ist doch prima!“, jubeln da die passionierten Leseratten vielleicht.

„Das ist der Untergang!“ – sage ich. Ich sage das bewusst reißerisch, aber leider auch aus tiefster Überzeugung. Und in der Gewissheit, mit folgenden Worten wieder einige Leser und Kollegen vor den Kopf zu stoßen. Aber vielleicht lest ihr ja trotzdem weiter.

99 Cent-Preise töten den Buchmarkt

Ja, ich weiß, liebe Leser: Ihr bekommt für euer – sicher ebenfalls sauer verdientes – Geld sehr viel tollen Lesespaß! Und ich weiß auch, dass es nicht zu EUREM Problem gemacht werden darf/sollte, wenn viele Autoren ihre wunderbaren Bücher für 99 Cent anbieten.

Ja, ich weiß, liebe Kollegen: Ihr seid der Meinung, dass ihr aktuell nur mit 99 Cent-(Einführungs-)Preisen auf Amazon die Chance habt, so viele Verkäufe zu generieren, dass ihr ein tolles Ranking bekommt, das wiederum die Sichtbarkeit eures Buchs erhöht. Und ich weiß auch, dass ihr es bombig findet, wenn der All-Star-Bonus, den ihr dann (vielleicht) bekommt, doch ein bisschen mehr Geld aufs Konto spült.

Aber: Es ist nicht nachhaltig!

Warum? Es gibt viele Gründe, ich möchte hier exemplarisch mal die zwei offensichtlichsten nennen:

  1. Die Tiefpreisspirale ist langsam nicht mehr zu unterbieten. Bald wird man auch mit 99 Cent nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit bekommen – weil einfach JEDER Autor der Meinung ist, er MÜSSE sein Buch zu diesem Ramschpreis verschleudern. Tatsächlich gab es im Februar bei Amazon das #indielesefestival, bei dem viele Titel NOCH billiger waren – und viele Leser im großen Stil ihre Reader mit Lesestoff vollgepackt haben. Wie geht es weiter? Über andere Plattformen, ist es bereits jetzt schon möglich, Bücher für 49 Cent anzubieten … Doch Hauptsache, die Verkaufszahlen stimmen und der rettende Bonus kommt aufs Konto, nicht wahr? Der jedoch wird auch schrumpfen, denn woher soll das Geld dafür auch kommen?
  2. Die Leser, für die 99-Cent-Preise schon jetzt normal sind, werden immer weniger bereit sein, auch mal mehr zu bezahlen. Warum auch? Sie können sich ja sicher sein, dass das nächste Mega-Schnäppchen nur einen Mausklick entfernt wartet. Das Buch wird in der Wahrnehmung der Konsumenten immer mehr zum Wegwerfprodukt. Schnell und billig gekauft, auf den Reader gezogen – vielleicht irgendwann gelesen. Vielleicht aber auch nicht. Ist ja auch egal, hat ja (fast) nix gekostet.

Wollen wir die Entwertung unserer Arbeit (Bücher schreiben) einerseits und die Banalisierung unserer Leidenschaft (Bücher lesen) andererseits wirklich einfach so hinnehmen? Resigniert schulterzuckend, weil man ja angeblich ohnehin nichts dagegen machen kann? Und uns wie die Lemminge sehenden Auges in den tödlichen Abgrund stürzen? Das ist doch ein Irrsinn!

Kämpfen lohnt sich – auch für Geld!

Wenn man irgendwas aus der US-Wahl, dem Brexit und anderen erschreckenden (politischen) Entwicklungen lernen kann, dann vielleicht dies: Es reicht nicht, eine Meinung zu haben und das Beste zu hoffen, man muss für seine Überzeugung auch einstehen und kämpfen!

Ich tue das seit einem Weilchen (und diversen Blogposts hier meiner Seite – beispielsweise Irrweg Preisaktion oder Quantität hat ihren Preis) und habe seit rund anderthalb Jahren selbst keine 99-Cent-Aktion mehr gemacht. Damit habe ich womöglich auf Geld verzichtet, auf ein tolles Ranking, auf einen Bonus, vielleicht sogar auf den einen oder anderen Neuleser, den ich mit einem Schnapper hätte erreichen können.

Doch darin liegt schon der erste Denkfehler: Wie viele neue Fans generiert man mit den Dumpingpreisen denn wirklich? Ist die Gefahr nicht vielmehr ziemlich groß, dass viele Schnäppchen-Käufe auf diversen Readern auf ewig ungelesen ihr Dasein fristen? Siehe den Schlussverkauf-Monat bei Amazon. Ich weiß von Lesern, die sich beim Indie-Lesefestival mehrere hundert Titel gesichert haben. Selbst für passionierte Viel- und Schnellleser ist diese Masse an Text nicht superschnell zu verarbeiten. Da bleibt zwangsläufig eine Menge auf der Strecke – zumal der Buchmarkt sich ja weiterdreht und ständig neue Titel veröffentlicht werden.

Die echten Fans dagegen sind gerne bereit, einen realistischen Preis zu bezahlen – weil sie sich auf die neueste Geschichte ihres Lieblingsautors freuen und es kaum abwarten können, sie zu lesen.

Ich ziehe mal einen kühnen Vergleich heran: Viele Apple-Fans warten bebend auf das neueste Modell des iPhones, haben im Zweifel wahnsinnig dafür gespart, um dieses völlig überteuerte Stück Technik direkt zum Verkaufsstart an ihr wild pochendes Herz zu drücken. Glaubt jemand ernsthaft, das Apple-Management ließe sich von Aussagen wie „Ich hätte so gerne das neue iPhone, aber ich kann es mir nicht leisten, macht es doch bitte billiger!“ zu einer Preissenkung inspirieren? Nein, natürlich nicht.
Warum verschleudern dann viele tolle Indie-Autoren ihre Neuerscheinungen zu einem Spottpreis?

Um neue Leser/Fans zu generieren! So die These. Doch das ist Quatsch. Die aufgeregte Facebook-Fancrowd bibbert vielleicht euphorisch mit und kreischt begeistert: „Oh, das neue Buch von x ist da – ich schieße es mir fix für 99 Cent!“ Ein bislang unbedarfter Leser wird daraufhin womöglich sagen: „Aha, na gut, dann hol ich mir das auch mal. Kann ich ja irgendwann mal lesen oder so.“ Doch auf dem Reader schlummern Dutzende, vielleicht sogar Hunderte andere Schnäppchen-Titel. Und mal unter uns? Wer weiß schon noch, welche Juwelen auf Seite 17 in unserer Reader-Bibliothek schlummern?

Will heißen: Es wäre schon ein sehr großer Zufall, wenn sich durch 99 Cent-Einführungspreise eine richtig große, nachhaltige Fanbase aufbauen sollte. Ich gehe sogar noch weiter: Ich halte es für ausgeschlossen. Klar mögen die Verkaufszahlen (vielleicht) super sein, aber ob die Bücher auch gelesen werden?

Viel schlauer wäre es dagegen, mal zwischendurch den Preis eines älteren Titels zu reduzieren (NICHT auf 99 Cent!). Ein Buch, das vielleicht schon eine Menge guter Rezensionen aufweist, aber aktuell keine großen Verkäufe mehr erzielt. Mit solchen Aktionen kann man Neugier wecken – und neue, interessierte Leser finden.

Dumpingpreise schaden Autoren und Lesern!

Es ist vielleicht naiv von mir, zu glauben, ein Umdenken könnte tatsächlich funktionieren, aber sehen wir doch mal den Tatsachen ins Auge: Die meisten Autoren fühlen sich regelrecht genötigt, in immer höherer Frequenz zu veröffentlichen, um noch auf einen vernünftigen Schnitt zu kommen – doch irgendwann in diesem Prozess wird zwangsläufig die Qualität der Texte leiden. Die Geschichten werden simpler, banaler, liebloser. Irgendwann merken das auch die Leser, die frustriert feststellen, dass Autorin Y früher auch mal besser war. Und auch Autor Q. Selbst Z schreibt nur noch Mist. Wollen wir es so weit kommen lassen?

Ich denke, dass die meisten Leser bereit wären, für einen Indie-Roman (denn Verlagsbücher sind noch mal eine ganz andere Sache …), einen realistischen Preis zwischen 2,99 € und 5,99 € zu bezahlen – für Bücher von Autoren, die sie schätzen oder die sie aufgrund einer Leseprobe überzeugt haben. Um neue Autoren kennenzulernen, greifen sie bei Schnäppchenpreisen älterer Titel zu – und entdecken entweder ein neues Juwel oder haben wenigstens keine große Investition tätigen müssen.
Wäre das nicht eine Win-Win-Situation für ALLE?

Fazit

Mir ist klar, dass ich mit diesem Text nichts an der grundlegenden Situation ändern werde – und ich ahne, mit welchen Argumenten ich nach Lektüre dieses Textes bombardiert werde (die meisten dürfte ich schon mehrfach gehört haben), aber wenn ich nur eine Handvoll Kollegen und Leser zum Nachdenken anregen konnte, dann war es den Zeitaufwand allemal wert!

Meine persönliche Konsequenz habe ich – nach einem Hinweis einer Leserin – vor einem Weilchen ebenfalls gezogen: Ich promote keine 99-Cent-Aktionen meiner Kollegen mehr! Auch nicht die von Menschen, mit denen ich befreundet bin und deren Bücher ich liebe. Denn wie die Leserin scharfsinnig feststellte: Ich kann nicht faire Preise predigen und gleichzeitig Schnäppchen bewerben. Autoren, die ihre Neuerscheinungen für einen regulären Preis anbieten, dürfen mich aber gerne jederzeit um Unterstützung bitten!

PS: Dieser Nachtrag ist für euch, liebe Kollegen: So wichtig Amazon für uns ist, so sexy eine All-Star-Auszeichnung in unserem Profil auch ist – es gibt auch ein Leben außerhalb des großen „A“. Es gibt viele Leser, die sich in einer anderen Welt tummeln. Auch außerhalb von Facebook. Die von der ganzen Hysterie noch nichts oder nur wenig mitbekommen haben. Diese Menschen sollten wir ebenfalls ansprechen. Da geht noch was – gemeinsam könnten wir etwas erreichen!

Nachtrag

Weil ich gerade über folgenden Kommentar auf Facebook gestolpert bin: „Wenn ein eBook mehr kostet [die Rede war von Preisen zwischen 99 Cent und 2,99 €], dann kaufe ich es nicht mehr, sondern ziehe es mir aus anderen Kanälen. Die Autoren sollen doch froh sein, wenn ich zahle und nicht klaue!“

Danke für diesen Hinweis, liebe Leserin M.! Stimmt, wir Autoren sind schon ein verdammt gieriges Pack. Ich besonders, weil meine Bücher ja häufig noch mehr kosten. Ich werde es bezerzigen und – demnächst einen Beitrag zum Thema Piraterie verfassen! Sobald ich fertig mit Kotzen bin!