Kreativ-WG: das Auge schreibt mit

KreativlaborVor neun Monaten habe ich meinen coolen, aber einsamen Kiosk gegen ein Büro in einer Kreativ-WG eingetauscht. Oder sagen wir besser: einer Bürogemeinschaft. Denn die meiste Zeit wird hier zwar kreativ, aber selbstredend hochseriös gearbeitet. Weil damals alles so schnell gehen musste, habe ich einfach einen Teil meiner alten Möbel ins Zimmer gestellt und angefangen zu arbeiten. Immer mit der vagen Idee im Hinterkopf: “Demnächst mache ich es mir richtig hübsch!”

In der Zeit, die dieses “Demnächst” gekostet hat, hätte ich auch ein Kind zeugen und zur Welt bringen können. Das wäre dann auch eine weitgehend anerkannte Erklärung für meine ästhetische Ignoranz gewesen. Ich kann jedoch nur Arbeit als Entschuldigung bieten, was irgendwie auch in Ordnung ist, aber die Gefahr birgt, sich an den kruschigen Status Quo so zu gewöhnen, dass die optischen Defizite gar nicht mehr auffallen.

Oder zumindest nicht bewusst auffallen. Ich bin nämlich der Meinung, dass zumindest das Unterbewusstsein (und möglicherweise auch die Kollegen) von einer lieblosen Umgebung vollkommen abgetörnt wird und deshalb früher oder später auch die Arbeit leidet. Daher musste ich handeln!

Da diese Woche weder Kniebeugen, noch Unterarmstützen von mir verlangt wurden, erschienen mir die ersten Märztage geradezu prädestiniert für das Projekt “Schöner Arbeiten”. Zwei Tage lang habe ich jetzt Möbel zusammengebaut, umgestellt, ausgemistet und geputzt, bis hier endlich ein Ambiente entstanden ist, in dem meine Fantasie auf Reisen gehen kann. Wer weiß, was da nun in Zukunft aus meinen Fingern fließen wird … Jetzt habe ich zwar schon wieder Muskelkater und “Rücken” (und muss nachher zur Yoga-Domina), aber das war’s wert!

Dass ich auch in nicht ganz so ansprechendem Umfeld halbwegs passabel schreiben kann, habe ich (hoffentlich) mit meinen Romanen Gefühlte Wahrheit und Hundstage bewiesen.

Nicht Schiff, nicht Hund

nichtSchiffnichtHundEs ist einer dieser Montage, die sich nicht entscheiden können, ob sie Fisch oder Fleisch sein möchten. Vielversprechender Wochenstart oder Rohrkrepierer, hoffnungsfroher Beginn oder Ist-eh-schon-alles-zu-spät. Kurz, ein wirklich schwieriger Tag.

Vielleicht liegt’s aber auch am Novembergrau, das sich bräsig auf die Synapsen legt oder an der frühmorgendlichen Bettlektüre (auch das noch: wach um 05:41!) über Alzheimer. Jedenfalls will kein charmantes Bonmont über meine Lippen, geschweige denn durch meine Finge in die Tastatur fließen.

Dabei habe ich gerade in einem Interview behauptet, dass ich NIE unter Schreibblockaden leide. Ein Blick auf meinen verwaisten Blog hier, lässt jedoch andere Theorien zu. Daher auch dieser Post über meine Entscheidungsschwäche: Ist der Tag nun Schiff (wie Gefühlte Wahrheit) oder Hund (wie Hundstage)? Gehe ich nach Hause oder produziere ich doch noch etwas Sinnvolles?

Ich fürchte fast, dass im Ranking der dämlichsten Beiträge meiner Bloggerlaufbahn, dieser hier eine hohe Top-Five-Platzierung einnehmen wird, denn auch wenn es interessante Themen en masse gäbe (25 Jahre Mauerfall, Silbernes Lorbeerblatt fürs DFB-Team, die überraschende Rowohlt-Shortlist-Nominierung von Gefühlte Wahrheit, die großartige Hundstage-Leserunde auf Lovelybooks), mag ich mich um gar nichts kümmern.

Rohwohlt-ShortlistSo, ich schreibe jetzt in mein Notizbuch fünfhundertmal den Satz: “Ich darf meine Leser nicht langweilen! Ich darf meine Leser nicht langweilen! Ich darf meine Leser nicht langweilen! Ich darf meine Leser nicht langweilen! Ich darf …” Okay, ich halte jetzt die Fresse! Morgen ist ein besserer Tag. Hoffentlich …

Aus dem Kiosk – in den Kiez

Kiosk-KiezNach vier Jahren im Schatten der neuen EBZ wurde es Zeit für einen Tapetenwechsel! Bye-bye Ostend-Kiosk, welcome Bahnhofskiez. Im Kiosk kam mein Fußball-Blog 11spielerfrauen.de zur Welt, wurden drei Romane geschrieben (High Heels und Hundekuchen, Gefühlte Wahrheit und Hundstage – erscheint im Oktober) und entstand die Idee zu diesem Blog hier: Einsichten aus dem Kiosk. Den Namen werde ich nicht ändern, er ist einfach zu schön.  Aber ich bin gespannt, welche Ideen mir in meiner neuen Hinterhaus-Bürogemeinschaft in der Münchener Straße kommen. Worauf ich mich am meisten freue: Ich bin nicht mehr alleine, sondern mit tollen, kreativen Menschen in einem wirklich schönen Büro. Zwei Modedesignerinnen, zwei Grafiker, ein Fotograf, eine Innenarchitektin, Hund Toni und io. Einziger Wermutstropfen: Die Verlockungen von Lockstoff sind wirklich SEHR verführerisch … heute in meinem Feierabend Shopping-Rausch: Hose Princess und die Shirts Hanni und Grace. Auweia … Ein schönes Wochenende!