Die Mauer muss fallen

Mauer

Morgen feiert Deutschland 25 Jahre Wiedervereinigung – und hier in Frankfurt geht bei den „zentralen Feierlichekeiten“, wie es im Behörden-Sprech so schön heißt, die Post ab!

Ich kann mich noch gut erinnern, wie das war als 1989 die Mauer fiel. Ich war gerade 18, hatte den Führerschein und meinen ersten Freund (war also eigentlich mit ganz anderen Themen ausgelastet!) – und vollkommen gebannt von der Wucht dieser historischen Wochen. Seitdem bin ich fasziniert von dem Konzept, dass man Mauern nicht nur errichten, sondern auch wieder einreißen kann.

Inzwischen kämpfen die meisten von uns nur noch mit geistigen Mauern – wobei „nur“ womöglich die falsche Formulierung ist. Was sich in den menschlichen Gehirnwindungen einmal manifestiert hat, steht in der Regel bombenfest: Vorurteile, Ängste, Ablehnung, Abgrenzung! Wir Menschen halten lieber an den Dingen fest, die uns trennen, statt uns über Gemeinsamkeiten zu freuen.

Leser dieses Blogs wissen, dass ich mich darüber regelmäßig aufrege – und lustig mache.  Wenn mir das Lachen nicht gerade selbst wieder im Hals stecken bleibt, was auch immer wieder vorkommt.  Doch heute lasse ich mal sämtliches Heulen, Lästern und Nölen stecken, sondern feiere die Einheit!

Und reiße bei der Gelegenheit eine weitere Mauer ein: die fiese Genre-Mauer! Wer sagt denn, dass Romanautoren keine Kolumnen schreiben dürfen? Eben! Und daher feiere ich heute die Einheit von meinem Herzensprojekt Gefühlte Wahrheit und meinem neuesten Buch Problemzonen (erscheint am 10.10.). Jedes funktioniert für sich genommen ganz wunderbar, aber in der Kombi wird’s ein Traum. Vor allem für Gorilla-Freunde … Wer das jetzt nicht kapiert, sollte dringend „Gefühlte Wahrheit“ kaufen. Das eBook kostet in allen Shops (bei Amazon und bei sämtlichen Tolino-Dealern wie Thalia) den ganzen Oktober lang nur 99 Cent (statt 3,49 €)! Und auch „Problemzonen“ gibt’s zur Veröffentlichung für 99 Cent (statt 3,99 €). Wer da noch widerstehen kann , …

Wie ein Glitzer-Einhorn hinter Glas

Mixed emotionsManchmal birgt die simple Frage nach der eigenen Befindlichkeit größtes Problempotenzial. „Wie geht’s?“ – wird meist nur so dahin gesagt. Eine Höflichkeitsfloskel ohne wirkliches Interesse dahinter. Es ist fast ein bisschen schade, dass mich heute noch keiner gefragt hat, denn ich hätte ausnahmsweise mal eine echt originelle Antwort parat: „Ich fühle mich wie ein Glitzer-Einhorn hinter Glas!“

Ich gehe mal davon aus, dass meine geschätzten Bürogenossen schon so etwas geahnt haben, als ich mit leicht wirrem Blick heute Morgen angeschlichen kam – weshalb sie sich die Frage sicherheitshalber erspart haben. Andererseits habe ich auch keinen gefragt … Ehe ich jetzt einen Exkurs beginne, ob womöglich eine gewisse Verrohung in unserer Arbeits-WG eingezogen ist, lieber zurück zum Einhorn.

Diesen Gesellen gibt’s nämlich wirklich. Ein Geschenk meiner nach Seattle desertierten Kollegin Micha, die meine Schwäche für  fantasievollen Christbaumschmuck kennt. Das Lederhosen tragende Einhorn ist seit gestern mit reichlich pinkem Dekosand in ein Weckglas gezogen. Als Kunstinstallation hat es für viele Ahs und Ohs gesorgt, völlig ahnungslos, dass es wenige Stunden später zum Symbol latenter Wirrheit absteigen wird.

Warum so wirr?

Seit Tagen laboriere ich an einer Kolumne zum Thema „Erratisch oder erotisch?“, doch da will der Funke nicht so recht überspringen. Und auch die längst versprochene Tirade über die Großstadt-Panzer-Brigaden (aka SUV-FahrerInnen) will mir, obwohl erst auf dem Arbeitsweg durch ein weiteres kühnes Manöver einer Landrover-Fahrerin neu angefacht, nicht so recht aus den Fingern fließen. Stattdessen ertappe ich mich dabei, wie ich immer massiver über ein (für mich) völlig neues Roman-Genre nachdenke, von Delfinen träume, für einen mir vollkommen unbekannten kanadischen Terrier spende (der letzte Woche von der Dachterrasse im vierten Stock auf die Straße gesprungen war, weil er eine Katze im gegenüber stehenden Baum …) und über die Liebe philosophiere.

Alles ganz wunderbare Themen, aber – mit Ausnahme des kanadischen Terriers vielleicht – nicht geeignet für ein fluffiges Lebenszeichen auf meinem Blog hier. Von dem Einfluss auf meine eigentliche Arbeit mal ganz zu schweigen. So starre ich abwechselnd mein Einhorn, dem ich mich heute so nahe wie noch nie fühle, und diesen Film hier an – der mir übrigens auch noch beim fünften Angucken die Tränen in die Augen treibt. Ein ganz wunderbares Beispiel für die Liebe. Falls es hier jemanden interessiert.