Silvester im Flughafenhotel

Happy New Year oder das Elend von Silvester

Tja, das wäre ein schöner Romantitel, nicht wahr? Nein, wohl eher nicht. Ich könnte Silvster auch Murmeltiertag nennen, doch auch das wäre ziemlich abgedroschen, denn Jahr für Jahr quält uns die Aussicht auf den Jahreswechsel. Nicht, weil ein ein neues Jahr nicht Verbesserung verspräche – 2018 MUSS besser werden!!! -, sondern weil der Kalenderwechsel mit dem Silvesterabend einhergeht und damit mit häuslichen Dramen der schlimmsten Kategorie: Nervenzusammenbrüche bei Hund und Halterin.

Hundepanik vs Knallspaß

Ja, es ist wirklich so dramatisch. Das Tier leidet bei der Scheiß-Knallerei Todesängste und ist durch NICHTS zu beruhigen. Am wenigsten durch die gutgemeinten Tipps und Sprüche einiger Menschen aus dem näheren und weiteren Umfeld, wie man den Hund am besten “schussfest” bekommt. Toni ist jetzt neun und wird die sinnlose Knallerei immer hassen! Egal was. Da helfen weder Pheromonhalsbänder noch Bachblüten noch Beruhigungstabletten noch Panikbandagen (don’t ask!) noch Desensibilisierung (dazu haben wir in Frankfurt übers ganze Jahr reichlich Gelegenheit, denn in den Sommermonaten ist praktisch wöchentlich Feuerwerk!) noch sonst was.  Am wenigsten hilft übrigens der Kommentar, der Hund (oder wahlweise die Halter) möge sich nicht so anstellen, schließlich sei das doch alles nur ein schöner harmloser Spaß … Diesen Menschen wünsche ich nur eine einzige Stunde mit meinem Hund im Vollpanik-Modus. Viel Vergnügen dabei!

Das einzige, das wirklich hilft, ist Flucht! Flucht in eine ruhige Umgebung. Was hierzulande nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, denn Knalltüten – man verzeihe mir den Wortwitz , die auch in Verbotszonen rumballern, gibt’s leider immer. Ich spare mir an dieser Stelle Ausführungen, warum ich diese gottverdammte Böllerei für sinn- und hirnlos erachte, denn damit stehe ich ziemlich allein da. Nur so viel: Ich habe heute mit nicht zu leugnender Wonne die ersten Berichte über Knalltraumata, abgetrennte Gliedmaßen und Augenverletzungen, die womöglich zur Blindheit führen, gelesen. Geschieht euch recht!

Silvester am Flughafen

Wohin also mit der armen Seele? Sylt wäre eine Option gewesen – doch arg weit weg. Stattdessen haben wir die Nacht am Flughafen verbracht! Präziser im Sheraton Airport Hotel, wo ein findiger Geist auf die geniale Geschäftsidee gekommen ist, für neurotische Rudel ein Silvester-Package anzubieten: Wuffi darf im schalldichten Zimmer schlafen und seine Zweibeiner sogar ins Restaurant zum Gala-Büffet begleiten. Yeah! Gesagt, getan. Was soll ich sagen? Es hat funktioniert. Am Flughafengelände darf nicht geknallt werden und außerdem sind die Zimmer tatsächlich ziemlich nachhaltig abgeschottet. Übrigens auch von echtem Sauerstoff. Und “Schöner Wohnen” darf man natürlich auch nicht erwarten, doch was tut der verzweifelte Hundebesitzer nicht alles? Wir haben also einen halbwegs ruhigen Jahreswechsel verbracht und müssen uns jetzt “nur” noch mit den Querschlägern auseinandersetzen, sprich den Witzbolden, die bereits drei Tage vorher und drei Wochen nach Silvester rumböllern. Weil’s halt so verdammt viel Spaß macht, Krieg zu spielen.

Der will doch nur knallen

Neben den eindeutigen Vorteilen (keine Nervenzusammenbrüche bei Mensch und Tier!), hatte das Arrangement aber natürlich auch Nachteile – und nicht nur finanzielle, denn natürlich läßt sich das Hotel dieses Angebot teuer bezahlen. Man hat reichlich Gelgenheit sich grundsätzliche Gedanken zum Thema Feuerwerk zu machen – und viel dazu zu lesen. So wurde das erste Knallspektakel im 14. Jahrhundert zu Pfingsten in Vicenza abgefackelt. Mutmaßlich um böse Geister zu vertreiben.

Nun sind wir dann doch ein paar Jahre weiter, doch beim Thema Feuerwerk setzt der Verstand von sonst vernunftbegabten Zeitgenossen komplett aus. Offenbar gibt es vor allem bei kleinen Jungs den unstillbaren Impuls zu zündeln und etwas mit lautem Getöse in die Luft zu jagen. Da sagen selbst die pazifistischsten Eltern mit mildem Lächeln “Ach, wir haben nur ein paar Raketen gekauft, weil der Kleine so gerne ein bisschen knallen möchte.” So als könne man da nichts dagegen tun. Schlimmes Schicksal das … Wie wäre es mit ein bisschen Training in Impulskontrolle? Dies ist vor allem an die Adresse der Erzeuger gerichtet, die die Knallkörper in der Regel ja kaufen und bei der Vorstellung an fetten Lärm offensichtlich auch wieder kleine Jungs werden. Es gibt keinen formalen Zwang, bei dem Scheiß mitzumachen, doch lemminghaft tun es dann doch alle. Da hat die Evolution bombig versagt – vor allem bei den Doppel-X-Chromosom-Trägern …

Wozu das führt kann man dann schön in den Polizeireports lesen (abgetrennte Finger etc.) – und bei anderen kleinen Jungs beobachten, die es erschreckenderweise bis an die Knöpfe der Atomwaffen gebracht haben. Vielleicht wollen Donald Trump und Kim Jong-un auch nur mal wieder ein bisschen knallen?

Intelligenz oder Instinkt

Es ist ganz sicher naiv anzunehmen, dass man auf einen flächendeckenden Sieg der Intelligenz hoffen soll, denn rein logisch betrachtet, ist die Knallerei nicht nur teuer und gefährlich, sondern vor allem komplett sinnlos. Doch der männliche Instinkt ist stärker. ER will es mal so richtig krachen lassen – buchstäblich und übertragen. Und es ist ebenso naiv zu glauben, dass irgendjemand sich aus Mitleid für ängstliche Kreaturen wie meinen Hund, die meisten Zootiere, Vögel, Füchse, Rehe …. vom Knallen abhalten lässt. “Brot statt Böller” interessiert ja auch niemanden. Doch vielleicht, ganz vielleicht denken ein paar wenige Menschen doch um und hören mit der Kriegstreiberei zum Jahreswechsel auf. Damit würde die Welt ein etwas friedlicherer Ort werden. Das ist meine Hoffnung – und Hoffnung und Zuversicht sind meine guten Vorsätze für 2018 – die könnten besser funktionieren als die vom letzten Jahr!

 

Zu blöd zum Geradeauslaufen

Geradeauslaufen – Fluch oder Tugend? Der folgende Blogbeitrag beschäftigt sich vordergründig mit zwei scheinbar konträren Themenfeldern:

  1. Schusseligkeit
  2. (guten) Vorsätzen

Selbstredend gibt’s dabei gar nicht so viele Unterschiede. Außerdem wird es um Sport, Philosophie, das Schreiberdasein und diverse alltagsphilosophische Thesen gehen. Also nur etwas für Hartgesottene!

Der Charme der Schusseligkeit

Tollpatschige, aber ansonsten wahnsinnig patente Heldinnen sind in Unterhaltungsromanen schon viel länger stilprägend, als beispielsweise Millionäre oder Gestaltwandler – wobei es erschreckenderweise vielfach die bizarrsten Überschneidungen der Genres gibt. Jedenfalls gelten ungeschickte Damen in den Geschichten meist als besonders liebenswert. Warum das so ist? Ich nehme mal an, weil sich so viele von uns (Leserinnen) damit identifizieren können. Ich persönlich finde diese oft slapstickhafte Trotteligkeit jedoch eher abtörnend (auch wenn ich dieses Stilmittel zugegebenermaßen schon selbst verwendet habe), was mutmaßlich daran liegt, dass ich selbst oft genug buchstäblich zu blöd zum Geradeauslaufen bin.

Das gebe ich natürlich nicht gerne zu, denn es wäre mir lieber, man (und auch ich selbst!) würde mich stets als souveräne Frau wahrnehmen, die immer alles unter Kontrolle hat. Die Wahrheit ist jedoch niederschmetternd: ich habe nichts unter Kontrolle! Nicht meinen Hund, nicht meine störrischen Protagonisten – und am wenigsten meinen Körper. Der will einfach nicht so biegsam, elegant und geschmeidig sein, wie ich mir das vorstelle. Will heißen: ich fliege gerne mal auf die Schnauze! Und das nicht nur im übertragenen Sinn.

Zuletzt war es vor zwei Wochen soweit. Beim Joggen mit meiner lieben Kollegin und meinem geschätzten Hund, stolperte ich bei Kilometer 6,5 (von 8) über einen Kieselstein oder eine Wurzel oder etwas anderes Nichtiges – und zerfetzte neben meiner Lieblingslaufhose auch meine Würde. Außerdem hatte ich mir das Knie aufgeschlagen und das Schienbein so schlimm geprellt, dass ich noch Tage später bei der leisesten Berührung Sternchen sah.

Derartiges passiert mir relativ regelmäßig. Unzählbare Male bin ich aus dem Stand mit dem Fahrrad gestürzt, weil ich meinen Fuß nicht rechtzeitig aus dem Click-Pedal befreien konnte – oder mich für den falschen entschieden habe. Einmal habe ich  mich beim Staubsaugen k.o. geschlagen und bin erst Minuten (oder Stunden?) später wieder aus meiner Ohnmacht erwacht. Das sind in der Nacherzählung durchaus amüsante Anekdoten, tatsächlich aber vor allem schmerzhafte und ziemlich peinliche Ereignisse.

Denn jetzt mal unter uns, findet sowas wirklich jemand begehrenswert? Ich glaube nicht, denn es ist weder liebenswert, noch charmant, noch sexy – sondern einfach nur doof!

Mehr Achtsamkeit im neuen Jahr

Daher komme ich gleich schonungslos zum nächsten Thema – den (guten) Vorsätzen. Achtsamkeit ist ja so ein richtiges Mode/Hass-Wort geworden, dabei beinhaltet es jenseits aller Esoterik doch vor allem wirklich erstrebenswerte Eigenschaften. Es kann doch nur gut sein, wenn man aufmerksamer durch sein Leben schreitet. Wenn man eben achtsam ist, sich selbst gegegnüber (und daher vielleicht seltener stürzt), seinen Mitmenschen, der Umwelt … Die Welt wäre unter Garantie ein besserer Ort, wenn jeder einen Gang rausnehmen würde und ein bisschen – nun ja – achtsamer wäre. Oder? Doch eigentlich will ich das hier nicht vertiefen.

Mir geht es vielmehr um die guten Vorsätze, die scheinbar komplett aus der Mode gekommen sind. In vielen Zeitungen und praktisch allen sozialen Medien liest man seit Tagen nur noch Sätze wie “Ich nehme mir nichts mehr vor, denn ich kann es doch sowieso nicht einhalten!”. Ist das nicht eine total Bankrott-Erklärung? Schon klar, dass ein guter Vorsatz alleine gar nichts nützt, wenn es dann an der Umsetzung scheitert. Aber sich nicht einmal mehr vornehmen zu wollen, ein besserer Mensch zu werden, nicht mehr zu rauchen/saufen/bescheißen, abzunehmen und mehr Sport zu treiben, erscheint mir wie eine komplette Kapitulation. Außerdem ist es langweilig. Und traurig.

Ich habe Vorsätze!

Daher möchte ich jetzt  mit gutem Beispiel vorangehen: Ich werde 2017 minestens einen Halbmarathon laufen!

Es gibt natürlich noch mehr Vorsätze, aber die sind entweder nicht jugendfrei oder sonst wie für die Allgemeinheit gedacht, daher beschränke ich mich hier in diesem Beitrag auf die sportliche Herausforderung.

Der Halbmarathon ist sogar schon ziemlich konktret ins Auge gefasst: am 12.3. in Frankfurt – falls mir jemand zujubeln will. Und ich gebe zu, dieses Vorhaben ist insofern kühn, als es in ziemlichem Widerspruch zu meiner oben dargelegten Schusseligkeit steht. Seit zwei Wochen trainiere ich mit Klumpfuß (die Schwellung aus dem Schienbein ist ziemlich rasant in den Knöchel-/Fußbereich gesackt – dito das beeindruckende Farbenspiel) und Schmerzen. Aber ich trainiere. Denn ich will diesen vermaledeiten Halbmarathon nicht nur überleben, sondern auch in einer unpeinlichen Zeit (also idealerweise unter zwei Stunden) absolvieren. Und wenn ich im Zuge dessen, ein paar Pfund verliere und weniger trinke, dann nehme ich das eben auch mit.

“Das Leben ist auch für Hartgesottene …

… völlig unabdingbar!” Behauptet mein aktuelles Lieblingsspielzeug, der Moralomat! Wunderbare Thesen lassen sich damit generieren, die für endlosen Gesprächsstoff sorgen – und auch für den ein oder anderen Streit. Aber diese teils kühnen, teils abstrusen Behauptungen laden zum Nachdenken ein. Möglichkeiten kommen einem in dem Sinn, Ideen, ja sogar philosophische Ansätze. Das ist übrigens auch ein Vorsatz für 2017 – mal öfter innehalten und gründlicher über die Dinge nachdenken. Womit wir wieder beim Thema Achtsamkeit wären – zur Vermeidung aller möglichen Unfälle.

Und nun zu euch: Habt ihr Vorsätze? Mag mich vielleicht jemand beim Halbmarathon begleiten? Mir Trainingstipps verraten? Wetten, dass ich die 21 Kilometer in unter zwei Stunden schaffe? Das Schöne beim Rennen (wenn man da überhaupt einen Reiz ausmachen kann) ist übrigens auch die doppeldeutige Möglichkeit, vor seinen Problemen davonzulaufen. Denn wenn die Lunge brennt und die Beine schwer werden, produziert der Kopf manchmal die interessantesten Lösungsansätze …

In diesem Sinne: Happy New Year! Wir lesen uns 2017 wieder. Ach ja, vielleicht ist Geradeauslaufen nicht immer die beste Wahl – manchmal kann auch ein Umweg zum Ziel führen.