Zum Hunde drängt, am Hunde hängt …

… doch alles in der Welt. Zumindest in meiner kleinen überschaubaren Welt. Das nimmt zugegebenermaßen manchmal bedenkliche Formen an. Siehe diese Überschrift, für die ich ein berühmtes Goethe-Zitat aus Faust 1 vergewaltigt habe.

Der Hund in Wahrheit …

Ich habe hier auf diesem Blog schon länger nichts mehr von Toni geschrieben, nicht weil es nichts zu berichten gäbe, sondern vielmehr, weil mir andere Dinge wichtiger erschienen. Jetzt weiß ich: das ist Unsinn! Es dreht sich trotzdem alles um den Köter.

Was ich übrigens total liebevoll meine. Also so liebevoll, wie man sein kann, wenn man nach wenigen Stunden unruhigen Schlafs gegen halb fünf Uhr morgens von seinem Tier geweckt wird, weil es Bauchweh hat. Und es sich nur auf der knapp 600 Meter entfernten Hundewiese erleichtern kann (glücklicherweise nicht in der Wohnung, blöderweise nicht im Vorgarten). Und man sich der Hundewiese nun in Schlafanzug und Daunenjacke bei minus 5 Grad im gestreckten Galopp nähern muss. Also kurz gesagt: extrem liebevoll!

Toni hat Bauchschmerzen, weil die paranoiden Frankfurter seit Tagen tonnenweise Streusalz auf den Gehwegen verteilen, in der vagen (wenn auch komplett unbegründeten) Hoffnung, dass es mal glatt werden könnte. Und weil das Tier leider ständig was vom Boden fressen oder lecken muss. Warum auch immer. Vermutlich weil er ein Hund ist.

Man kann also sagen, dass der Hund in meinem Leben recht raumfüllend ist. Was sich nicht zuletzt in einem eigenen Instagram-Account und einer Facebook-Seite manifestiert, die blöderweise DailyDale heißt und somit täglich befüllt werden will. Was habe ich mir dabei bloß gedacht?

… und Dichtung

Bis vor kurzem war ich allerdings der Meinung, dass er in meinem schöpferischen Wirken eine eher untergeordnete Rolle spielt. Schließlich habe ich nur einen einzigen Hunderoman veröffentlicht. Und in Hundstage habe ich alles, was ich jemals über Hunde schreiben wollte, ausgebreitet.

Allerdings hat mich vor ein paar Tagen eine an sich wohlmeinende Freundin zart daran erinnert, dass in restlos ALLEN Büchern von mir ein Hund vorkommt. In meinem Erstling Mopsküsse, ist es – Überraschung – ein schwarzer Mops namens Hugo. In High Heels und Hundekuchen wird Hugo von der Airedale-Dame (!) Olga unterstützt. In Gefühlte Wahrheit gibt’s zwar keinen lebenden Hund, aber es ist die Rede vom just verstorbenen Beagle Briegel. Problemzonen hat ein eigenes Hundekapitel und im ausgelagerten Hot Chocolate-Universum (von “der Anderen” aka Charlotte Taylor) tummelt sich in jeder einzelnen Episode Königspudel Henry. Selbst im hochseriösen Roman Tage zwichen Ebbe und Flut gibt’s Hunde – einen toten im Prolog (Leo) und einen lebendigen im Epilog (Poldi – genannt Leo … long story, beides übrigens keine Airedales, sondern Jack Russel-Terrier). Und nun hat sich auch noch bei der jüngsten abgespaltenen Autorenpersönlichkeit Nirac Rellum ein Hund eingeschlichen: Ein Airedale (!!) namens Rufus, der sein junges Herrchen Tim auf allerlei Abenteuer begleitet. Im Weltall! In der Zukunft!! Puh …

Ich gebe zu, da kann man unter Umständen ein gewisses Muster erkennen, aber ich schwöre: DAS IST KEINE ABSICHT!!

Crazy Dog Mom – Crazy Author?

Doch nun kommt es richtig dicke. Ich möchte nämlich meinem vermeintlich einzigen Hunderoman Hundstage ein neues Cover verpassen (hat einige Gründe, die hier an dieser Stelle zu weit führen würden) und habe meine hochgeschätzte Grafikerin Sabine Kwauka gebeten, einen Entwurf zu erarbeiten. Was soll ich sagen? Sie hat drei geschickt (was ein normales Procedere ist) – und ich fand sie alle so gut, dass ich micht nicht entscheiden konnte. Umfragen in diversen Facebook-Gruppen haben leider auch keine eindeutige Tendenz ergeben – bis auf die Schnapsidee eines Lesers, der anregte, ich solle doch einfach weitere Hundebücher schreiben, dann könnte ich alle Cover behalten.

Meine erste Reaktion lautete: “Nur über meine Leiche! Ich habe EINEN Hunderoman in meinem Leben geschreiben, das muss reichen.” Doch dann hat mir mein empörtes Unterbewusstsein ein Schnippchen geschlagen und mir eine Idee für einen Krimi (!) in die mürben Gehirnwindungen gesetzt. Ein Krimi. Mit Hund. Von mir. Warum??? Tja, ich kann’s nicht erklären. Ich weiß nur, dass – wenn alles so läuft, wie geplant – noch in diesem Jahr mein ERSTER Hundekrimi erscheinen wird. Den (absolut genialen) Titel kann ich euch noch nicht verraten, aber der Held wird Joshi heißen und ein Airedale sein …

PS: Ich muss jetzt Gassigehen.

Fette Hunde – fette Autos

Fetter Hund - fettes AutoWarum SUV?

Meine Abneigung gegenüber SUVs dürfte hinlänglich bekannt sein. Viele Wörter (und auch Worte) habe ich darauf schon verschwendet und noch mehr Menschen gegen mich aufgebracht. Doch es will sich mir einfach der Sinn nicht erschließen, warum man in einer Großstadt mit relevanter Feinstaubbelastung und Parkplatzmangel um jeden Preis (und der ist in der Regel happig) mit einem panzerartigen Gefährt durch die Straßen brettern muss und dabei andere Verkehrsteilnehmer (bevorzugt mich) an fast tägliche Nahtoderlebnisse bringt. Falls mir das jemand mal wirklich schlüssig erklären kann, freue ich mich über entsprechende Kommentare. Denn es muss ja sinnvolle Gründe für derartiges Verhalten geben. Ich mag einfach nicht glauben, dass ein Geländewagen für den urbanen Dschungel nur angeschafft wird, weil

  1. der Fahrer seine defizitären Genitalien kompensieren muss.
  2. die schöne Aussicht so geschätzt wird.
  3. es einfach viel sicherer ist für die Kinder und so.
  4. der Treibstoffverbrauch im Vergleich zu Größe und Gewicht des Fahrzeugs eigentlich sogar total sparsam ist.
  5. das eigene Selbstwertgefühl so gering ist, dass siehe 1.
  6. es einfach geile Karren sind.

Diese Liste ist natürlich keineswegs vollständig, gibt aber schon mal einen kleinen Überblick über das merkwürdige Verhalten von uns Menschen. Natürlich weiß ich, dass nicht jeder SUV-Fahrer ein potenzieller Massenmörder mit Mikroschwanz ist (ich hasse Verallgemeinerungen!) und dass es viele großartige Zeitgenossen gibt (auch unter meinen Freunden – das muss ich an dieser Stelle dringend betonen!), die einfach an einer kleinen KFZ-Verwirrung leiden. Nur verstehen tu ich’s trotzdem nicht.

Warum reden wir darüber?

Der Grund für diesen Einstieg ist eine brandneue Theorie, die ich in den letzten Tagen entwickelt habe, als sich merkwürdige bis ausgesprochen unangenehme Ereignisse gehäuft haben. Erlebnisse, die zwar vordergründig rein gar nichts mit SUVs zu tun haben, aber bei längerem Nachdenken eine erschreckende Korrelation aufweisen. Neben einer unpassenden Fahrzeug-Auswahl geht der Trend nämlich offensichtlich auch zur unpassenden Hunde-Auswahl.

“Hat die Alte jetzt endgültig einen an der Waffel?” – wird sich nun vielleicht der ein oder andere fragen. Möglich,  aber nicht sehr wahrscheinlich, denn die Indizienlast ist erdrückend.

Gibt es den “falschen Hund” überhaupt?

Ehe ich meine These näher erläutere, ein paar Worte vorweg: Ich liebe Hunde! Ich bin auch der Meinung, dass die Welt ein besserer Ort wäre, gäbe es mehr Hunde und weniger Menschen. Ich finde weiter, dass ein Hund im Haushalt den allermeisten Menschen sehr zuträglich wäre. Es gibt keine per se schlechten oder bösen Hunde und die idiotische Einordnung von “Listenhunden” ist schlicht vollkommen absurd.

Ich verlange auch von keinem anderen Hundebesitzer, dass sein Vierbeiner eine gut geölte, kadavergehorsame Befehlsempfängermaschine ist. Wie könnte ich auch – dank Toni habe ich wohl schon so gut wie jede Form der Peinlichkeit und Erniedrigung erlitten, die das Zusammenleben mit einem Wuffi so mit sich bringen kann. Ehrlich!

Doch warum um alles in der Welt laufen immer mehr zarte 50-Kilo-Elfchen mit nicht ganz so zarten 50-Kilo-Brocken an der strassbesetzten Flexileine durch die Stadt??

Das kann nicht gutgehen. Vor allem dann nicht, wenn der 50-Kilo-Brocken nicht einmal die aller grundlegendsten Regeln des Anstands beherrscht!

Mein Hund ist ein kräftiger Airedale Terrier, der kernige 32 Kilo auf die Waage bringt. Ich bin (leider) keine Elfe und werfe mehr als doppelt so viel, zugegeben nicht ganz so kerniges Lebendgewicht ins Rennen. Ich trage, seit Toni an meiner Seite ist, fast nur noch flache Schuhe, denn damit habe ich eine deutlich bessere Standfestigkeit, wenn er den Vorteil seines Vierrad-Antriebs (siehe SUV) und seines niedrigen Schwerpunkts ausreizt. Will heißen: Selbst wenn er all seine Terrier-Kräfte entfesselt, habe ich eine realistische Chance, die Situation unter Kontrolle zu behalten.

Den hatte die brünette junge Dame am Montag nicht.

Toni und ich waren mit dem Fahrrad unterwegs ins Büro. Er an der Leine. Ich brüste mich (aus gutem Grund) nicht oft, über meine tierischen Erziehungserfolge, aber das haben wir inzwischen zur Perfektion gebracht: Wenn er neben dem Fahrrad läuft, sind alle anderen Reize ausgeblendet: Katzen, Eichhörnchen, Kaninchen, andere Hunde – alles wird stoisch ignoriert!

Der Terrier trabt also entspannt an lockerer Leine neben mir und zuckt auch nicht mit der Wimper, als uns in der Anlage (eine parkähnliche Grünfläche mitten in der Frankfurter Innenstadt und unsere bevorzugte Route) kurz nach der Alten Oper jenes zarte brünette Persönchen entgegenkommt. Sie trug einen schicken hellen Trenchcoat, hatte in der einen Hand einen Kaffee im Pappbecher und in der anderen ihr Telefon am Ohr. Ach ja, und in der Beuge des Handy-Arms hing die Leine (keine Flexileine, das muss ich zu ihrer Verteidigung zugeben) und daran: ein auf Schlachtreife gemästeter, riesengroßer, brauner Labrador-Rüde mit mörderischem Appetit auf Airedales!

Muss ich weitererzählen? Wohl kaum. Viel Fantasie ist für den weiteren Ausgang der Geschichte nicht nötig. Nur so viel: Toni und ich sind unversehrt an unserem Arbeitsplatz angekommen. Die brünette Elfe dagegen …

Kein Einzelfall

Nun wäre dies zwar eine durchaus launige Anekdote, aber noch lange kein Grund für diesen Blogpost, wenn sich da nicht ein Trend abzeichnen würde. Allein in den letzten Tagen habe ich einen gebrechlichen alten Mann mit einem gigantischen Irischen Wolfshund gesehen und eine zauberhafte Blondine mit Modelmaßen, scharfen High-Heels und einem Bordeaux-Doggen-Rüden (siehe “Scott & Huutsch”) an oben erwähnter strassbesetzter Flexileine beobachtet. Jedes Mal mit leichter Schnappatmung meinerseits. Aber vor allem: zahllose Monster-Labbis mit physisch vollkommen überfordertem Begleitpersonal!

Warum macht man sowas? Im Falle der Labradore geht die Argumentationsline ja meist in die Richtung, dass Labbis ja bekanntlich total liebe, gutmütige, pflegeleichte, unkomplizierte Superhunde sind. Stimmt. In der Regel. Doch ein wenig Erziehung schadet auch da nicht. Und der Trend zum Gigantismus hat der Rasse ebenfalls nicht unbedingt gutgetan … Also was veranlasst einen Menschen, sich einen vollkommen überdimensionierten Hund anzuschaffen und gleichzeitig so wenig Wert auf die Ausbildung des Vierbeiners zu legen?

Womöglich ist es das gleiche Phänomen, das unsichere Zeitgenossen mit wenig Selbstwertgefühl (und noch geringeren Fahrkünsten) dazu bewegt, sich einen SUV zu kaufen. Anders kann ich mir beides nicht erklären!

PS: Häufig wird der unpassende Hund übrigens auch im unpassenden Auto transportiert – aber das hätte ich wohl nicht extra erwähnen müssen, oder?

Nahtod und Alzheimer

Toni-BuchDas ist ja mal eine Überschrift, oder? Und ich könnte es noch weiter zuspitzen: Der Hund ist schuld, wenn ich demnächst Alzheimer bekomme! Ehe ich das alles gleich ausführlicher darlege schon mal so viel: Nein, ich mache keine blöden Gags über schwere Krankheiten und ja, ich habe leider viel mehr Ahnung von Alzheimer, als ich jemals haben wollte!

So, aber nun zu meiner Geschichte: Die Leser dieses Blogs wissen, dass Toni nicht nur mein vierbeiniger Augenstern, meine Inspirationsquelle für meinen neuen Roman Hundstage, mein Themenpool für endlose Blogbeiträge und treuer Jogging-Begleiter ist, sondern auch begeisterter Lieferant von Problemen, die ich ohne ihn nicht hätte.

Jeden Morgen, an dem wir nicht Joggen, gehen wir durch unser Viertel. Meist um kurz  nach sieben bis kurz vor acht. Also voll in der Schul-Rush-Hour. Auf unserer Runde kommen wir an vier Schulen vorbei, was grundsätzlich kein Problem wäre, denn das Verhältnis zwischen Hund, Frauchen und Schülern ist weitgehend unbelastet (wenn man von den Kamikaze-Kids absieht, die in irrisinniger Geschwindigkeit auf ihren Fahrrädern über die Gehwege brettern und mich zu bizarren Ausweichmanövern zwingen). Das Problem sind die Eltern, die ihren liebreizenden Nachwuchs mit dem Auto (bevorzugt im SUV) zum Unterricht kutschieren und dabei offensichtich die Straßenverkehrsordnung verdrängen. Das führt zu etwa zwei bis drei Nahtod-Erlebnissen pro Woche an einem der beiden Zebrastreifen, die auf dem Weg liegen. Und zu verbalen (!!) Gewalt-Exzessen meinerseits, die ich selbst kaum fassen kann – normalerweise kann ich vor neun nicht einmal “Guten Morgen” murmeln. Nicht schön.

Nicht schön, aber der Hund ist in diesem Fall fast unschuldig. Wenn man von der Tatsache absieht, dass ich ohne ihn um diese Zeit nicht draußen unterwegs wäre. Toni benimmt sich meistens sehr gut, es sei denn, ihm kommt ein Kaninchen vor die Flinte. So wie heute früh, als er im Gebüsch der einen Grünanlage einen Löffelträger aufgestöbert hat und ihn über die Straße (er hat wohl nicht den Zebrastreifen benutzt) in den nächsten Park gehetzt hat. Um es kurz zu machen: es ist nichts passiert! Kein Auto, kein Fahrradfahrer, kein Mensch, kein Tier kamen zu Schaden. Nur meine Nerven  haben sich verabschiedet… Liebe Hunde-Domina Susanne, wenn du diese Zeilen liest, sei bitte bei unserer nächsten Begegnun gnädig mit mir! Das ist neben der Ballnummer vielleicht eine weitere Problemzone, an der wir arbeiten können. Ach ja, für alle, die es interessiert: seine Büro-Neurose ist übrigens verschwunden.

Ich fasse mal kurz zusammen: Hund = Bewegung = Nahtoderlebnisse = zerrüttete Nerven.

Zurück zur Alzheimer-Problematik: Über diese Demenzform habe ich in den letzten Jahren alles gelesen, was ich in die Finger bekommen habe. Unter anderem auch so aufmunternde Studienergebnisse, demnach regelmäßige Bewegung (Check!), Yoga und/oder Meditation (Check) und Schreiben (Check) sich positiv auf eine etwaige Demenz-Neigung auswirken können. Will heißen: Hund = Bewegung = gut fürs Hirn.

Nun habe ich aber heute in der Süddeutschen Zeitung folgende erschütternde Meldung gelesen:Launen fördern Demenzrisiko – Unausgeglichene Frauen haben ein erhöhtes Risiko für Alzheimer. Dies berichten Forscher der Universität Göteborg … Das Team beobachtete 38 Jahre lang 800 Frauen und ermittelte mit Hilfe von Fragen ihr Ausmaß an Neurotizismus. Dieser schließt Charakterzüge wie Neid [Check – all die Autoren, die viel erfolgreicher sind], Launenhaftigkeit [ähem …], Reizbarkeit [siehe meine Reaktion am Zebrastreifen], Neigung zur Nervosität [Check] und Anfälligkeit für Stress [omg!] ein. … Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Frauen, die sich in den Tests als sehr neurotisch zeigten, doppelt so oft eine Demez bekamen. …”

OH MEIN GOTT!!! Was soll ich jetzt glauben? Was tun? Den Hund abgeben? Niemals! Daher werde ich mich meinem Schicksal ergeben und die Zeit, die mir noch bei voller geistiger Leistungsfähigkeit bleibt, sinnvoll nutzen und möglichst viele weitere Romane schreiben. Und wer weiß, vielleicht schießt schon die nächste SUV-Mutti noch ein Stückchen weiter übers Ziel hinaus …