Hundehasser sind Menschenhasser

CollageNagelbomben zum Frühstück

Bei der morgendlichen Gassirunde mit Toni, haben wir heute auf einem etwa 50 Meter langen Straßenabschnitt in unmittelbarer Nähe unserer Wohnung zahlreiche “Mini-Nagelbomben” gefunden – mit Nägel gespickte Hundeleckerlis, die auf dem Gehweg verteilt waren. Der Terrier hat (mutmaßlich jedenfalls) keine davon gefressen, aber das ist auch schon die beste Nachricht daran. In unserem Viertel leben Dutzende Hunde – und noch viel mehr neugierige Kleinkinder. Hatten wohl alle so viel Glück? Wir haben jedenfalls alle Köder eingesammelt. Und die Behörden informiert – beziehungsweise es versucht, sie zu informieren, doch dazu gleich mehr. Es ist auch nicht der erste Vorfall dieser Art in unserer Gegend. Vor zwei Wochen gab’s an ähnlicher Stelle bereits einen gleichartigen Fund. Das nährt die Theorie, dass es sich bei diesem Hundehasser um einen Anwohner handelt, der im großen Stil den Fehdehandschuh in Richtung Hundebesitzer hingeworfen hat.

Gefährlicher Irrsinn

Was geht wohl in einem Menschen vor, der erstens eine Packung Hundeleckerli kauft, zweitens ein Sortiment Nägel ersteht und drittens offensichtlich viel Zeit und Muse investiert, um aus beiden Zutaten potenziell tödliche Köder herzustellen?

Gefährlich vor allem für Hunde, aber ganz sicher auch für kleine Kinder,  die sich von der niedlichen Herzchenform der Leckereien zweifellos angesprochen fühlen.

Darüber ließe sich vortrefflich und lange spekulieren und in einer ersten Fassung dieses Blogartikels habe ich mich auch zu einigen saftigen Thesen hinreißen lassen. Doch sind Hasstiraden wirklich hilfreich und zielführend? Vermutlich nicht. Von einem Aspekt bin ich aber überzeugt: Wer so viel Energie in seinen offensichtlich grenzenlosen Hass auf Hunde steckt ist eine Gefahr! Auch für Menschen!

Selbstverständlich gibt’s genügend Gründe Hunde und vor allem Hundebesitzer zu verachten. Die Tretminendichte in Frankfurt ist erschreckend. Was ich als Hundebesitzer übrigens absolut ekelhaft finde – und es beim besten Willen nicht nachvollziehen kann, warum man die Haufen seiner Lieblinge nicht wegräumt. Ich kapiere das nicht. Auch nicht, warum man seine Vierbeiner partout durch einen Park ohne Leine rennen lassen muss, in dem Hunde explizit verboten sind (auch mit Leine!), weil es sich um einen Spielpark für Kinder handelt. Liebe Mithundebesitzer, so macht man sich auch keine Freunde – und fällt den anderen deftig in den Rücken. Sippenhaft und so.

Doch egal was – und wenn der Nagelbomber JEDEN Tag einen Haufen auf seiner Türschwelle vorfinden würde! -, NICHTS rechtfertigt solche Aktionen, deren Konsequenz unschuldige Tiere und unschuldige Kinder im höchsten Maß gefährdet!

Ich will mir nicht ausmalen, wozu dieser Mensch sonst noch in der Lage ist. Ein Nachbar in unserem gediegenen, friedlichen Wohnviertel! Welche Bastelei nimmt der begeisterte Tüftler als nächstes ins Visier? Vielleicht Molotowcocktails oder handliche Rohrbomben, die man direkter gegen die lästigen Hundebesitzer einsetzen könnte. Oder vielleicht sogar gegen Füchtlinge oder vergleichbares “Pack”? DAS macht mir wirklich Angst.

Schulterzuckende Behörden?

Während ich – nachdem Toni sicher zuhause war – noch einmal losgezogen bin, um die restlichen Köder einzusammeln, interessierte sich ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes nur für die falsch parkenden Autos. Auch nachdem ich ihn konkret auf die Gefahr hingewiesen habe. Er sagte schlicht, ich möge beim Straßenbauamt anrufen. Die wüssten, was zu tun sei. Das Straßenbauamt? Ernsthaft?

Ich rufe stattdessen lieber bei der zuständigen Polizeiwache an. Der freundliche Beamte erklärte mir, dass er da gar nichts tun könnte, gab mir aber den Rat, mich beim Ordnungsamt der Stadt Frankfurt zu melden. Die Mitarbeiterin dort – ebenfalls eine Hundebesitzerin! – knurrte zunächst angemessen wütend, dass sie “dem Täter am liebsten selbst die Köder in den Rachen stopfen” würde. Eine schöne Idee, der ich mich direkt anschließen könnte, aber nicht wirklich hilfreich. Sie versprach dann aber, eine Streife vorbeizuschicken, um etwaige Restbestände, die meinem Adlerauge entgangen sind, einzusammeln, und das Veterinärsamt einzuschalten. Eine Viertelstunde später rief sie mich noch einmal an, und fragte mich, ob ich eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei in Erwägung ziehen würde. Klar. Hätte ich ja schon vorhin gemacht, aber die “Freunde und Helfer” wollten nicht. Sie gab mir den Tipp, dass es ich am besten persönlich vorbeigehen sollte. Dann müssten sie nämlich.

Also bin ich mit meinen sichergestellten “Beweismitteln” zur Polizeiwache Nordend geradelt und habe dort vorgesprochen. Was soll ich sagen? Meine junge, blonde Ansprechpartnerin war zwar ausgesprochen nett und auch rechtschaffend schockiert, doch auch ziemlich ratlos, als welches Delikt sie meine Anzeige jetzt behandeln sollte. Sie mutmaßte, dass es sich wohl höchstens um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Ordnungswidrigkeit? Ernsthaft?? “Wie wäre es mit versuchter Körperverletzung?” Sie winkt ab. Hunde seinen ja juristisch gesehen Sachen. Ich: “Schon klar, aber was ist mit den vielen Kleinkindern?” Das brauchte sie zum Grübeln und sie versprach, gründlich darüber nachzudenken und mich bei Bedarf noch einmal zu kontaktieren. Dann war ich wieder draußen. Und dann? Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass von dieser Seite noch etwas passiert, doch dann bekam ich diese Meldung: Frankfurt-Nordend: Hundeköder mit Nägeln ausgelegt

Und die Warnmeldung wurde bereits auf der Facebook-Seite veröffentlicht und schon reichlich geteilt! Hoffentlich hilft es!

Wegschauen gilt nicht

Also bestätigt es einmal wieder: Wegschauen gilt nicht! Egal, worum es sich handelt. Ob um “Nagelbomben”, bewusstlose Obdachlose, Flüchtlinge, Frauen, Pöbeleien in der U-Bahn … Macht die Augen auf und tut etwas!!! Und wenn ihr selbst nicht eingreifen wollt oder könnt, dann informiert die Polizei. Das nennt man Zivilcourage und ja, das ist mühsam – aber es hilft!! DANKE!

Prokrastination und Assoziation

HundewaschanlageIhr kennt das auch, oder? Da müsste man dringend, also wirklich DRINGEND,  eine bestimmte Sache erledigen, doch die ist entweder langweilig oder kompliziert oder erfordert ein hohes Maß an Einsatz oder Kreativität. Oder im schlimmsten Fall alles zusammen. Erschwerenderweise kommt dann auch noch dazu, dass diese bestimmte Sache tatsächlich erst Ende nächster Woche fertig sein MUSS. Es wäre natürlich viel angenehmer, wäre sie schon jetzt erledigt, denn dann könnte man sich auch noch um die anderen mitteldringenden Dinge kümmern oder am Ende noch sein Privatleben genießen … Hmm.

Jedenfalls bin ich im Moment mit so einer Sache befasst und es sah Mitte letzter Woche noch echt gut aus, dass ich diese Sache eine Woche VOR der Deadline fertig bekomme. Doch dann wurde mein Unterbewusstsein übermütig und fing an, mein Tun zur torpedieren. Mit gemeinen, kleinen Ablenkungsmanövern, die mich mal wieder in die Prokrastination getrieben haben. Wobei ich in dieser Vermeidungsphase durchaus produktiv und auch kreativ war (und bin, denn auch dieser Beitrag ist eine Ersatzhandlung für die eigentliche Aufgabe):

So habe ich letzten Donnerstag an einem Online-Schreibkurs meiner Autoren-Kollegin Yvonne Pioch teilgenommen. Weniger, weil ich wirklich glaubte, dass ich dabei noch viel Neues über “Beschreibungen und Dialoge” lernen könnte, sondern hauptsächlich aus Neugier und der vagen Hoffnung auf inspirierenden Input. Der Plan war zu gucken, was die anderen so machen und vielleicht den ein oder anderen schlauen Beitrag ins Forum zu werfen. Doch natürlich kam es anders. Teil 1 der Aufgabe lautete, einen Ort zu beschreiben, in dem eine beliebige Handlung stattfinden sollte. Ich bekam dafür “Norwegen” zugelost. Und was macht Frau Müller? Statt sich weiterhin der DRINGENDEN Sache zu widmen, skizzierte sie in zehn Minuten einen geheimnisvollen Plot in karger, norwegischer Einsamkeit. Um kurz danach aufzujaulen, weil ihr ein Dialogpartner für ihre Figuren zugelost wurde: ein Warzenschwein! Ernsthaft?! Spätestens hier hätte ich die Notbremse ziehen müssen. Hab ich aber nicht. Wer mag, kann sich “Norwegen-Warzenschwein” gerne durchlesen. Und das Schlimmste: Ich denke jetzt ERNSTHAFT darüber nach, daraus eine Kurzgeschichte zu machen.

Wozu einen simple Begriffe nicht inspirieren können. Das funktioniert übrigens auch für Bilder. Ist mein Beitragsbild nicht ganz zauberhaft? Das hat eine Freundin auf ihrer Japan-Reise letztes Jahr fotografiert. Offensichtlich gibt es im reinlichen Japan in einigen Wohnhäusern eine allgemeine Hunde-Waschanlage. Wie beneidenswert! Das kann jeder Hundebesitzer bei der aktuellen Dreckwetterlage sofort nachvollziehen. Das Piktogramm ist ja eindeutig: Ein Hund, dessen Pfoten gesäubert werden. Stutzig macht mich die englische Erklärung “Pet’s Foot Washing Place”. “Pet” ist ja nunmal ein eher allgemein gehaltener Begriff für Haustier, womöglich gewählt, um keine anderen Tiere zu diskriminieren. Auch Katzen sollen ja schon mit Dreckspfoten gesichtet worden sein und von Kaninchen, die gerade einen Bau im Vorgarten angelegt haben, möchte ich gar nicht reden. Was aber, wenn mein Haustier gar keine Beine hat? Es gibt schließlich gar nicht mal so wenige Menschen, die sich possierliche Tigerpythons halten. Werden die dann von dieser wunderbaren Waschanlage ausgeschlossen? Und was soll überhaupt der strenge Fokus auf die Pfoten. Was, wenn auch der Bauch schmutzig ist? Je länger man darüber nachdenkt, desto rätselhafter wird es. Und auch immer reizvoller, denn es könnte ja noch so viel mehr dahinter stecken. Sachen, die VIEL aufregender sind als die DRINGENDE Sache …

Mein nächster Artikel wird übrigens die Überschrift “Fokussieren” tragen! Bestimmt. Also vielleicht. Dann jedenfalls, wenn ich dieses schwierige Unterfangen gemeistert habe. Vermutlich also eher nie … Schönen Sonntag noch und einen guten Start in die Woche!

Ach ja, den Beweis, dass ich notfalls doch konzentriert arbeiten und dringende Sachen auch zu Ende bringen kann, habe ich ja schon das ein oder andere Mal erbracht: Gefühlte Wahrheit und Hundstage!