Ich war dann doch mal in New York

newyork-blog„Oh wie toll, das ist meine absolute Lieblingsstadt!“ So lautete der mit weitem Abstand häufigste Ausruf auf die Ankündigung, dass ich nach New York reisen würde. Gefolgt von: „Du wirst es lieben!“ Und: „Der Big Apple ist einfach einzigartig!“

New York – ein Sehnsuchtsort?

Drei Wochen ist mein Kurztrip zum Sehnsuchtsort von gefühlt 90 Prozent meines Umfeldes nun her, und langsam fühle ich mich einer persönlichen Einschätzung gewachsen. Fangen wir mit dem Fazit an: Ja, New York ist wirklich einzigartig!

Aber (m)ein Sehnsuchtsort wird die Stadt wohl trotzdem nie werden. Macht aber nix, denn voll ist sie ja auch schon ohne mich. Sehr voll. Extrem voll. Und laut. Und ruppig. Und exaltiert. Und bunt. Und schräg. Und heiß (Mitte August, über 30 Grad, an die 90% Luftfeuchtigkeit = Tropen). Und groß. Sehr groß. Riesig könnte man fast sagen. Habe ich schon erwähnt, dass es auch voll und laut ist?

Wie also kommen so viele Menschen auf die Idee, einen zweifellos faszinierenden Moloch von Stadt, den sie häufig noch nicht einmal besucht haben, als Sehnsuchtsort zu bezeichnen? Ich schätze mal, dass es dafür keine logische Erklärung gibt, sondern nur einige emotionale Annäherungsversuche:

  1. Liebe kann man sich nicht aussuchen!
  2. New York steht für unendlich viele Möglichkeiten!
  3. Die Stadt ist (zumindest den TV-Junkies unter uns) lächerlich vertraut!

Mich hat das immer kalt gelassen. Den USA stehe ich ohnehin exterm ambivalent gegenüber (ein Land, in dem ein Donald Trump möglich ist…) und wenn überhaupt, zog und zieht es mich eher an die Westküste. San Francisco ist „meine“ Stadt. Wobei „Dorf“ wohl die eher angemessene Bezeichung wäre – im Vergleich zu New York. Ich habe jedenfalls jahrelang durchaus stolz getönt, dass mich das Thema Manhattan komplett kalt lässt und ich mein Leben auch gut und durchaus sinnvoll verbringen kann, ohne jemals in den großen Apfel (was für eine blöde Bezeichnung, übrigens!) zu reisen.

Warum dann doch New York?

Tja, gute Frage. Manchmal spielt einem das Leben dann doch einen grausamen Streich. In meinem Fall, war es der Kerl an meiner Seite, der unbedingt hin wollte. Sein Geburtstagswunsch war es. Sein Traum. Was sollte ich da schon sagen? Eben. Zumal es da vor Jahren das Versprechen „in guten wie in bösen Zeiten“ gab … Ich war also fällig. Wenn auch wenig enthusiastisch.

Doch das hat IHN nicht gestört und er hat den kompletten Kurztrip vollständig alleine organisiert – so gut, dass er wohl zukünftig all unsere Reisen planen muss (das hat er nun davon!). Ich ergab mich also meinem Schicksal, stürzte mich in die vier Tage New York – und war schlicht: überwältigt!!

Do and don’t

Wenn ich ganz ehrlich bin, wollte ich die Stadt nicht gut finden. Ich wollte meine ganz persönlichen kleingeistigen Vorurteile bestätigt haben, um dann triumphierend sagen zu können: „Diese Stadt ist sowas von überschätzt!“

Und tatsächlich gibt es sehr, sehr viele Aspekte, die meine Ignoranz und Ablehnung untermauern können: der Times Square ist das nackte Grauen, die Fifth Avenue einfach nur entsetzlich und der Central Park ein absoluter Witz (selten habe ich so viele Ratten und Pokemon-Spieler auf einen Haufen gesehen …)! Das unerträgliche, bigotte Getue um die „Helden“ des 11. Septembers (Helden waren meiner unwesentlichen Meinung nach die Helfer, die Menschen in den Flugzeugen und im World Trade Center waren einfach nur unschuldige Opfer, aber keine nationalen Helden!!! Das ist so widerwärtig!)  ist rund um das beeindruckende Memorial natürlich besonders präsent. Und der New Yorker per se ist ein eher ruppiger, unfreundlicher Zeitgenosse.

Wobei mir letzteres schon wieder sympathisch ist, denn es liegt mir persönlich einfach näher als die saccharingesüßte Freundlichkeit, die man sonst oft „in den Staaten“ erlebt.

Doch all diese Punkte – und ich habe mir echt Mühe gegeben – konnten nicht verhindern, dass ich eine Gänsehaut bekam, als wir mit dem Ausflugsdampfer an der Freiheitsstatue vorbeigeschippert sind. Dass ich komplett geflasht im Musical („Kinky Boots“ – GRANDIOS!) saß. Und dass ich einen der romantischsten Abenden meines Lebens ausgerechnet auf der Dachterrasse des Rockefeller Centers im 65. Stock verbracht habe. Erst mit Gin Tonic in der Hand und dem Mann neben mir den Sonnenuntergang über der Stadt genossen, später beim Essen die glitzernden Lichter unter uns – das war ein erhabendes Gefühl und erinnerte mich ein wenig an ein Kreuzfahrtschiff auf hoher See. Was ja mein persönlicher Sehnsuchtsort ist …

Und nun?

Keine Ahnung – keiner weiß ja so genau, was das Leben noch für Überraschungen bereit hält. Doch wenn es nach  mir geht, war mein erster New York-Besuch sicher nicht der letzte. Meine Neugier ist geweckt, ich möchte unbedingt noch ein paar Ecken richtig kennenlernen und andere überhaupt erst entdecken. Und bis dahin suche ich händeringend nach Tipps für neue TV-Serien. Aktuell gucken wir „Mozart in the Jungle“, aber bald ist der Stoff alle … Wer kann helfen?