Fette Hunde – fette Autos

Fetter Hund - fettes AutoWarum SUV?

Meine Abneigung gegenüber SUVs dürfte hinlänglich bekannt sein. Viele Wörter (und auch Worte) habe ich darauf schon verschwendet und noch mehr Menschen gegen mich aufgebracht. Doch es will sich mir einfach der Sinn nicht erschließen, warum man in einer Großstadt mit relevanter Feinstaubbelastung und Parkplatzmangel um jeden Preis (und der ist in der Regel happig) mit einem panzerartigen Gefährt durch die Straßen brettern muss und dabei andere Verkehrsteilnehmer (bevorzugt mich) an fast tägliche Nahtoderlebnisse bringt. Falls mir das jemand mal wirklich schlüssig erklären kann, freue ich mich über entsprechende Kommentare. Denn es muss ja sinnvolle Gründe für derartiges Verhalten geben. Ich mag einfach nicht glauben, dass ein Geländewagen für den urbanen Dschungel nur angeschafft wird, weil

  1. der Fahrer seine defizitären Genitalien kompensieren muss.
  2. die schöne Aussicht so geschätzt wird.
  3. es einfach viel sicherer ist für die Kinder und so.
  4. der Treibstoffverbrauch im Vergleich zu Größe und Gewicht des Fahrzeugs eigentlich sogar total sparsam ist.
  5. das eigene Selbstwertgefühl so gering ist, dass siehe 1.
  6. es einfach geile Karren sind.

Diese Liste ist natürlich keineswegs vollständig, gibt aber schon mal einen kleinen Überblick über das merkwürdige Verhalten von uns Menschen. Natürlich weiß ich, dass nicht jeder SUV-Fahrer ein potenzieller Massenmörder mit Mikroschwanz ist (ich hasse Verallgemeinerungen!) und dass es viele großartige Zeitgenossen gibt (auch unter meinen Freunden – das muss ich an dieser Stelle dringend betonen!), die einfach an einer kleinen KFZ-Verwirrung leiden. Nur verstehen tu ich’s trotzdem nicht.

Warum reden wir darüber?

Der Grund für diesen Einstieg ist eine brandneue Theorie, die ich in den letzten Tagen entwickelt habe, als sich merkwürdige bis ausgesprochen unangenehme Ereignisse gehäuft haben. Erlebnisse, die zwar vordergründig rein gar nichts mit SUVs zu tun haben, aber bei längerem Nachdenken eine erschreckende Korrelation aufweisen. Neben einer unpassenden Fahrzeug-Auswahl geht der Trend nämlich offensichtlich auch zur unpassenden Hunde-Auswahl.

“Hat die Alte jetzt endgültig einen an der Waffel?” – wird sich nun vielleicht der ein oder andere fragen. Möglich,  aber nicht sehr wahrscheinlich, denn die Indizienlast ist erdrückend.

Gibt es den “falschen Hund” überhaupt?

Ehe ich meine These näher erläutere, ein paar Worte vorweg: Ich liebe Hunde! Ich bin auch der Meinung, dass die Welt ein besserer Ort wäre, gäbe es mehr Hunde und weniger Menschen. Ich finde weiter, dass ein Hund im Haushalt den allermeisten Menschen sehr zuträglich wäre. Es gibt keine per se schlechten oder bösen Hunde und die idiotische Einordnung von “Listenhunden” ist schlicht vollkommen absurd.

Ich verlange auch von keinem anderen Hundebesitzer, dass sein Vierbeiner eine gut geölte, kadavergehorsame Befehlsempfängermaschine ist. Wie könnte ich auch – dank Toni habe ich wohl schon so gut wie jede Form der Peinlichkeit und Erniedrigung erlitten, die das Zusammenleben mit einem Wuffi so mit sich bringen kann. Ehrlich!

Doch warum um alles in der Welt laufen immer mehr zarte 50-Kilo-Elfchen mit nicht ganz so zarten 50-Kilo-Brocken an der strassbesetzten Flexileine durch die Stadt??

Das kann nicht gutgehen. Vor allem dann nicht, wenn der 50-Kilo-Brocken nicht einmal die aller grundlegendsten Regeln des Anstands beherrscht!

Mein Hund ist ein kräftiger Airedale Terrier, der kernige 32 Kilo auf die Waage bringt. Ich bin (leider) keine Elfe und werfe mehr als doppelt so viel, zugegeben nicht ganz so kerniges Lebendgewicht ins Rennen. Ich trage, seit Toni an meiner Seite ist, fast nur noch flache Schuhe, denn damit habe ich eine deutlich bessere Standfestigkeit, wenn er den Vorteil seines Vierrad-Antriebs (siehe SUV) und seines niedrigen Schwerpunkts ausreizt. Will heißen: Selbst wenn er all seine Terrier-Kräfte entfesselt, habe ich eine realistische Chance, die Situation unter Kontrolle zu behalten.

Den hatte die brünette junge Dame am Montag nicht.

Toni und ich waren mit dem Fahrrad unterwegs ins Büro. Er an der Leine. Ich brüste mich (aus gutem Grund) nicht oft, über meine tierischen Erziehungserfolge, aber das haben wir inzwischen zur Perfektion gebracht: Wenn er neben dem Fahrrad läuft, sind alle anderen Reize ausgeblendet: Katzen, Eichhörnchen, Kaninchen, andere Hunde – alles wird stoisch ignoriert!

Der Terrier trabt also entspannt an lockerer Leine neben mir und zuckt auch nicht mit der Wimper, als uns in der Anlage (eine parkähnliche Grünfläche mitten in der Frankfurter Innenstadt und unsere bevorzugte Route) kurz nach der Alten Oper jenes zarte brünette Persönchen entgegenkommt. Sie trug einen schicken hellen Trenchcoat, hatte in der einen Hand einen Kaffee im Pappbecher und in der anderen ihr Telefon am Ohr. Ach ja, und in der Beuge des Handy-Arms hing die Leine (keine Flexileine, das muss ich zu ihrer Verteidigung zugeben) und daran: ein auf Schlachtreife gemästeter, riesengroßer, brauner Labrador-Rüde mit mörderischem Appetit auf Airedales!

Muss ich weitererzählen? Wohl kaum. Viel Fantasie ist für den weiteren Ausgang der Geschichte nicht nötig. Nur so viel: Toni und ich sind unversehrt an unserem Arbeitsplatz angekommen. Die brünette Elfe dagegen …

Kein Einzelfall

Nun wäre dies zwar eine durchaus launige Anekdote, aber noch lange kein Grund für diesen Blogpost, wenn sich da nicht ein Trend abzeichnen würde. Allein in den letzten Tagen habe ich einen gebrechlichen alten Mann mit einem gigantischen Irischen Wolfshund gesehen und eine zauberhafte Blondine mit Modelmaßen, scharfen High-Heels und einem Bordeaux-Doggen-Rüden (siehe “Scott & Huutsch”) an oben erwähnter strassbesetzter Flexileine beobachtet. Jedes Mal mit leichter Schnappatmung meinerseits. Aber vor allem: zahllose Monster-Labbis mit physisch vollkommen überfordertem Begleitpersonal!

Warum macht man sowas? Im Falle der Labradore geht die Argumentationsline ja meist in die Richtung, dass Labbis ja bekanntlich total liebe, gutmütige, pflegeleichte, unkomplizierte Superhunde sind. Stimmt. In der Regel. Doch ein wenig Erziehung schadet auch da nicht. Und der Trend zum Gigantismus hat der Rasse ebenfalls nicht unbedingt gutgetan … Also was veranlasst einen Menschen, sich einen vollkommen überdimensionierten Hund anzuschaffen und gleichzeitig so wenig Wert auf die Ausbildung des Vierbeiners zu legen?

Womöglich ist es das gleiche Phänomen, das unsichere Zeitgenossen mit wenig Selbstwertgefühl (und noch geringeren Fahrkünsten) dazu bewegt, sich einen SUV zu kaufen. Anders kann ich mir beides nicht erklären!

PS: Häufig wird der unpassende Hund übrigens auch im unpassenden Auto transportiert – aber das hätte ich wohl nicht extra erwähnen müssen, oder?

Wie ein Glitzer-Einhorn hinter Glas

Mixed emotionsManchmal birgt die simple Frage nach der eigenen Befindlichkeit größtes Problempotenzial. “Wie geht’s?” – wird meist nur so dahin gesagt. Eine Höflichkeitsfloskel ohne wirkliches Interesse dahinter. Es ist fast ein bisschen schade, dass mich heute noch keiner gefragt hat, denn ich hätte ausnahmsweise mal eine echt originelle Antwort parat: “Ich fühle mich wie ein Glitzer-Einhorn hinter Glas!”

Ich gehe mal davon aus, dass meine geschätzten Bürogenossen schon so etwas geahnt haben, als ich mit leicht wirrem Blick heute Morgen angeschlichen kam – weshalb sie sich die Frage sicherheitshalber erspart haben. Andererseits habe ich auch keinen gefragt … Ehe ich jetzt einen Exkurs beginne, ob womöglich eine gewisse Verrohung in unserer Arbeits-WG eingezogen ist, lieber zurück zum Einhorn.

Diesen Gesellen gibt’s nämlich wirklich. Ein Geschenk meiner nach Seattle desertierten Kollegin Micha, die meine Schwäche für  fantasievollen Christbaumschmuck kennt. Das Lederhosen tragende Einhorn ist seit gestern mit reichlich pinkem Dekosand in ein Weckglas gezogen. Als Kunstinstallation hat es für viele Ahs und Ohs gesorgt, völlig ahnungslos, dass es wenige Stunden später zum Symbol latenter Wirrheit absteigen wird.

Warum so wirr?

Seit Tagen laboriere ich an einer Kolumne zum Thema “Erratisch oder erotisch?”, doch da will der Funke nicht so recht überspringen. Und auch die längst versprochene Tirade über die Großstadt-Panzer-Brigaden (aka SUV-FahrerInnen) will mir, obwohl erst auf dem Arbeitsweg durch ein weiteres kühnes Manöver einer Landrover-Fahrerin neu angefacht, nicht so recht aus den Fingern fließen. Stattdessen ertappe ich mich dabei, wie ich immer massiver über ein (für mich) völlig neues Roman-Genre nachdenke, von Delfinen träume, für einen mir vollkommen unbekannten kanadischen Terrier spende (der letzte Woche von der Dachterrasse im vierten Stock auf die Straße gesprungen war, weil er eine Katze im gegenüber stehenden Baum …) und über die Liebe philosophiere.

Alles ganz wunderbare Themen, aber – mit Ausnahme des kanadischen Terriers vielleicht – nicht geeignet für ein fluffiges Lebenszeichen auf meinem Blog hier. Von dem Einfluss auf meine eigentliche Arbeit mal ganz zu schweigen. So starre ich abwechselnd mein Einhorn, dem ich mich heute so nahe wie noch nie fühle, und diesen Film hier an – der mir übrigens auch noch beim fünften Angucken die Tränen in die Augen treibt. Ein ganz wunderbares Beispiel für die Liebe. Falls es hier jemanden interessiert.

Gammelfleisch mit Immatrikulationshintergrund

Läuft bei dir_Zu Beginn dieser außerordentlich fragwürdigen Woche, wurde das Jugendwort des Jahres enthüllt. Wobei, genau genommen sind es 2014 sogar drei: “Läuft bei dir!” Dieser Ausdruck hat nichts (oder nur am Rande des Bedeutungshorizontes) mit Inkontinenz zu tun, sondern gilt als wohlwollend, anerkennender Kommentar zu einer gelungenen Aktion innerhalb der Peergroup. Oder so ähnlich.

In meiner kuscheligen Bürogemeinschaft haben wir ausführlich darüber diskutiert, doch leider hatte keiner von uns bislang diese Redewendung im aktiven Gebrauch belauschen dürfen. Was womöglich daran liegt, dass wir allesamt schon der Gammelfleisch-Sektion zuzuordnen sind. “Gammelfleischparty” war nämlich das Jugendwort 2010 und bezeichnete Ü30-Partys. Wir Gammelfleischler kommen da eben nicht mehr mit, was die Jugend so von sich gibt.

Vielleicht liegt es aber auch an der Tatsache, dass wir allesamt eine Art Immatrikulationshintergrund aufweisen können, will heißen: wir haben Hochschulen auch von Innen gesehen. Angeblich wird dieser Ausdruck von bildungsfernen, aber wahnsinnig kreativen Jugendlichen als despektierliche Bezeichnung für Studenten gewählt.  Aha. Wäre hübsch, allein mir fehlt der Glaube. Kenne ich doch einige bildungsbürgerliche Erwachsene, die nicht (oder nur schwer) in der Lage wären, diesen wunderbaren Begriff fehlerfrei zu schreiben.  Und dann soll er in den neunten Klassen von Hauptschulen kursieren?

An dieser Stelle böte sich nun einer neuerlicher Exkurs zu einem meiner Lieblingsthemen an: Rechtschreib- und Grammatikkompetenz. Doch da ich mich erst kürzlich dazu aufgerieben habe und man seinen Lesern ja ständig Neues bieten soll, ein anderes Herzens-Anliegen von mir: Der Kampf gegen den SUV-Wahn! Heute morgen am Zebrastreifen nämlich …