Bitte warten! Zur Passivität verurteilt.

Bitte wartenEs gibt kaum frustrierendere Zuständen, als in einer Warteschleife geparkt zu sein. Wobei diese Formulierung schon fast den Kern der Problematik wiedergibt: Warten ist fast immer passiv, in den seltensten Fällen wird aktiv gewartet. Das ist dann eher ein Sehnen (nach dem Feierabend, dem Liebsten oder dem Ende der Diät) und eigentlich auch nicht besonders berauschend. Wer wartet dem ist die Deutungshoheit über sein Leben oder zumindest dem aktuellen Tag genommen.

Heute Morgen, oder ich muss besser sagen: heute Vormittag!, wartete ich auf einen Handwerker – nach der Telekomhotline und Zugverspätungen die für mich drittschlimmste Strafe. Während ich mich am Wochenende im Osten unseres schönen Landes rumtrieb, machte der Mann nämlich das Waschbecken kaputt. Angeblich nicht absichtlich, aber das Ergebnis war buchstäblich niederschmetternd. Immerhin bemühte er sich um schnellen Ersatz, denn schließlich ist das Zähneputzen über der Küchenspüle auch für einen Kerl nur bedingt reizvoll. Heute im Morgengrauen (7:30 Uhr) sollte die neue Badezimmerkeramik installiert werden. So der Plan.

Für die Aussicht auf komfortablere Körperpflege, nahmen wir selbst diese unglückliche Uhrzeit in Kauf. Statt zu Joggen, huschte ich also bereits deutlich vor sieben mit dem Vierbeiner auf die Gassirunde – ungeduscht, aber in Zivilklamotten. Der Aus- und Einbau würde schließlich höchstens eine Stunde dauern – hieß es. Reichlich Zeit, um danach zu duschen.  Dachte ich. Zunächst. Um viertel nach acht dann nicht mehr. Kein Handwerker weit und breit, ich immer noch müffelnd und zunehmend übellaunig. Anruf bei der Sanitärfirma: “Oh ja, da war doch was … hmmm, das ist ja blöd. Unser Mitarbeiter hat sich krank gemeldet!”  Ja, wirklich blöd!! “Ich schicke sofort einen anderen Kollegen!” Das immerhin ist geschehen. Der andere Kollege war um 8:30 Uhr da und ich will den Rest jetzt abkürzen: Das alte Waschbecken war störrisch und wollte uns nicht verlassen. Zudem passte die alte Armatur nicht aufs neue Becken. Er hatte aber keine Armaturen dabei …

Fertig war das Werk um kurz vor elf. Ankunft im Büro nach halb zwölf (mit schlimmen Haaren!). Wieder ein halber Tag verdaddelt. Wer weiß, was ich in der Zeit alles hätte tun können? Ein paar Seiten von meinem neuen Roman schreiben? Eine brillante Idee formulieren? Nichts von alldem ist passiert. Und ach ja, das Waschbecken darf frühestens morgen benutzt werden. Die Silikonfuge muss erst trocknen. Also warte ich weiter…