Transdimensionale Wesen greifen an

TransdimensionalZugegeben: Die Wucht dieser Überschrift wäre beeindruckender, wenn jetzt eine aufregende Erklärung folgen würde, was genau trandsimensionale Wesen sind und inwiefern sie uns angreifen. Nach Lage der Dinge wird die allerdings ausbleiben müssen, denn selbst eine ausgedehnte Internetrecherche hat nichts Greifbares hervorgebracht. Womöglich ist aber genau die mangelnde materielle Manifestation dieser Wesen ihr Lebenszweck?

Warum ich mich dann überhaupt damit beschäftige? Ganz einfach, gestern morgen riss mich ein Alptraum aus dem Schlaf. Was genau ich geträumt habe, kann ich – Fluch oder Segen? – nicht mehr sagen, geblieben ist allein der Begriff “transdimensionales Wesen” und ein latentes Unbehagen deswegen. Der Mann beteuerte seine Unschuld und beschwor mich, weiterzuschlafen. T. war sich sicher, dass mein Unterbewusstsein demnächst einen Science Fiction-Roman verfassen möchte und S. mutmaßte eine spirituelle Komponente, derer ich bislang völlig unverdächtig war. Ach ja, der Hund will nur etwas damit zu tun haben, wenn es aus Gouda besteht – oder aus Leberwurst. Nicht hilfreich.

Nach lägerer Überlegung bin ich auf zwei mögliche Erklärungsansätze gekommen: 1. Da mein normales dreidimensionales Dasein derzeit sehr stark von der ziemlich eindimensionalen Tätigkeit des Romanschreibens unter höchster Zeitnot überlagert wird, ist das transdimensionale Wesen einfach nur eine kleine Stressreaktion. 2. Und das erscheint mir wahrscheinlicher: Uli Hoeneß ist ein transdimensionales Wesen! Es gibt den FC-Bayern-Uli, den Geschäftsmann-Hoeneß und den Zocker-Steuersünder-Ulrich H.! Sonnenklar. Bis auf die Frage, warum ich ausgerechnet von Hoeneß träume …

Für sachdienliche Hinweise bin ich sehr dankbar!

Geld oder Gerechtigkeit

MoneyWahrscheinlich geht es im aktuell laufenden Prozess um Uli Hoeneß inzwischen weder um das eine, noch um das andere. Die Geldsumme über die verhandelt wird ist derart exorbitant hoch, dass sie zwar in Worte und Summen gefasst werden kann, aber die Vorstellungskraft der meisten Menschen doch übersteigt. Eine Steuerschuld von 27 Millionen Euro? Was für ein Gewinn muss dem dann erst zu Grunde liegen? Und das soll wirklich nur Zock-Kohle, also Spielgeld gewesen sein?

Ich glaube Uli Hoeneß sogar, dass es für ihn nur eine Art Monopoly mit Spielgeld war, denn hätte er einmal auch nur darüber nachgedacht, dass es sich um reales Geld handelt … Egal, das ist natürlich alles reine Spekulation und genauso irrig wie die Annahme, dass morgen bei dem Urteilsspruch tatsächlich Recht gesprochen wird. Formal scheint ja alles klar zu sein: Bei einem Steuerbetrug in dieser Höhe kommt nur noch eine Haftstrafe zwischen fünf bis maximal zehn Jahren in Betracht. Strafmildernd wird sich sicherlich die Selbstanzeige auswirken – ob sie nun gültig oder ungültig war – und natürlich Herrn Hoeneß’ sonstiger Lebenswandel. Dass er ein “guter Mensch” ist, ohne Vorstrafen, dass seine deutschen Konten alle sauber sind, dass er als moralische Instanz galt und durchaus auch eine politische Figur war. Nur wird’s ihm nützen? Glaubt er tatsächlich noch daran, dass er aus dieser Nummer nur mit einem kostspieligen Denkzettel rauskommt?

Ich beneide Richter Heindl nicht, der morgen das Urteil in diesem Prozess fällen muss, denn egal was dabei am Ende steht: Gerecht wird es nicht sein! Die einen werden ungerechtfertigte Milde beklagen, die anderen unangemessene Härte. Und verloren ist vermutlich vor allem eines: Vertrauen.