Taumeln auf der Todeslinie

AbgrundKlingt das nicht unglaublich martialisch: Todeslinie? Deadline – der Zeitpunkt, an dem zwar nur in den seltensten Fällen das Leben zu Ende ist, sondern meist nur eine vereinbarte Arbeit fertig sein sollte. Fast alle Freiberufler, vor allem wenn sie der schreibenden Zunft angehören, würden ohne diese magische Linie überhaupt nichts geregelt bekommen. Ich bin da keine Ausnahme, ich habe nur inzwischen (nach Jahren konstant schlechter Laune und vielen, vielen grauen Haaren) gelernt, daran nicht mehr zu verzweifeln.  Ich weiß, dass ich nur so funktioniere und weiß auch, dass ich es in fünfzehn Jahren Freiberufler-Dasein bislang IMMER geschafft habe. Was also aufregen?

Das richtige Timing ist in Fällen wie diesen der entscheidene Faktor. Und wenn ich weiß, dass ich für einen Artikel mit ungefähr 5.000 Zeichen zum Thema XY zwei Stunden plus Recherche brauche, dann gibt’s doch keinen Grund, dass ich mich schon zwei Wochen vorher verrückt mache, oder? Bei übersichtlichen Arbeiten, die man in vergleichbarer Form schon dutzende Male gemacht hat, ist das inzwischen kein Problem mehr. Auch wenn immer ein Rest-Thrill bleibt: Krankheiten, familiäre Notfälle oder brandeilige Last-Minute-Jobs sollten besser nicht dazwischen kommen, weil sonst aus dem fein austarierten Balanceakt schnell ein verzweifeltes Taumeln auf der Todeslinie werden kann. Da sage noch einer, Schreiber leben nicht gefährlich …

Ein wenig anders sieht es jedoch beim Roman-Schreiben aus, wobei ich da auch unterscheiden muss, zwischen einem Auftragswerk (da gibt’s einen Abgabetermin, funktioniert also einwandfrei) und Herzensprojekten. Mein neuer Roman Gefühlte Wahrheit ist ein Produkt aus der zweiten Kategorie. Die Grundidee und einer der drei Protagonisten sind schon gute fünf Jahre alt. Zwei Verlage waren im Laufe der Zeit milde interessiert, aber nur wenn genau dieser Protagonist rausfliegt. Darauf hin lag die Story wieder auf Eis, denn selbst wenn “Kompromissbereitschaft” mein zweiter Vorname sein könnte, Kito war nicht verhandelbar. Irgendwann im Sommer 2013 habe ich mir den rohen Plot (mehr als ein Exposé gab’s nicht) wieder vorgenommen und beschlossen: Dann mach ich’s halt alleine!

Aber natürlich total professionell mit Lektorat, gestaltetem Cover und ausgefuchster Marketingstrategie. Die ich an der Fußball-WM aufhängen wollte (und ja, auch immer noch will!), denn schließlich trägt Kito ein Schweinsteiger-Trikot und auch sonst gibt’s den ein oder anderen Fußballbezug in der Geschichte. Soweit so gut. Was es im Sommer 2013 jedoch noch nicht gab, war Text. Kein Problem, die WM ist ja noch weit weg. Im September beschloss ich, dass ich ja erst einmal mit der Suche nach einem geeigneten Lektorat anfangen könnte (dazu demnächst mehr). Und weil sich Lektoren gerne einen Eindruck vom Werk verschaffen wollen, ehe sie ein Angebot abgeben, habe ich fix die ersten vier Kapitel geschrieben. No big deal.

Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass Blogbeiträge kurz und knackig sein sollen, sonst liest sie keiner … Also, all jenen, die noch bei mir sind: Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! Und jetzt weiter im Text:

Einen Zeitplan hatte ich im Herbst schon im Kopf – und ihn auch an alle Beteiligten kommuniziert, damit sich alle darauf einstellen können. Der erste Entwurf des Manuskripts sollte bis spätestens Mitte Februar fertig sein, dann würden die Testleser zwei bis drei Wochen Zeit haben, sich intensiv mit dem Text zu beschäftigen. Nach der Überarbeitung bekäme die auserwählte Lektorin Mitte März das Manuskript – zu einem Zeitpunkt, da das Cover schon längst fertig ist (geplant: Ende Januar). Die ersten beiden April-Wochen sollten den letzten Korrekturen gehören und der Produktionsvorbereitung. Soweit der Plan. Die Realität gestaltete sich dann doch geringfügig anders: Im Oktober war Urlaub angesagt, im November eine erfreuliche einwöchige Dienstreise (inspirierend für den Roman obendrein), viel, viel Arbeit, Weihnachten und kein weiteres Wort geschrieben. Egal. Ist ja noch Zeit bis zur WM … Ende Februar dann immer herrischere Nachfragen von Testlesern und Lektorin: Wolltest du nicht längst? Ja, wollte ich.

Panik. Frust. Hatte ich versagt? Mein großes Herzensprojekt aufs Spiel gesetzt? Noch mehr Panik. Und schließlich wilder Aktionismus. Der Veröffentlichungstermin vor der WM ist noch machbar – wenn ich ENDLICH zum Schreiben anfange und alle anderen mitspielen. Die ersten März-Tage waren manischem Plotten gewidmet, ab dem 6. März habe ich dann tatsächlich geschrieben und am 28. war das letzte Wort von Gefühlte Wahrheit gesagt. Und die Einsicht gewonnen: Ja, man kann innerhalb von drei Wochen 170 Seiten schreiben! Aber nein, es ist nicht empfehlenswert – jedenfalls dann nicht, wenn man Wert auf ein intaktes soziales Umfeld legt … Lange Rede: Stand heute ist der Roman fertig, testgelesen, überarbeitet, lektoriert! (Danke für schnelle Arbeit der Testleser und Korrektorin.) Es fehlen noch die Einarbeitung der Korrekturen und die “Post Production”. Aber die WM wird ja auch erst am 13. Juni angepfiffen. Das schaffe ich locker!

Der neue Plan: Veröffentlichung von Gefühlte Wahrheit bis Mitte (spätestens Ende) Mai! Und beim nächsten Mal versuche ich es vielleicht mal mit dem System meiner Kollegin Micha Goebig. Das scheint nicht ganz so schmerzhaft zu sein …

Lost in Information

ToomuchinformationWissen ist Macht! Grundsätzlich ist mir nichts ferner, als dem alten Francis Bacon zu widersprechen, aber im Augenblick schwirrt mein Kopf von “too much information”! Gefühlt hat scheinbar jeder, der schon mal ein Buch im Selbstverlag auf den Markt geworfen hat, seine Gedanken dazu im Internet hinterlassen. Und das Schlimme ist: ich tue es jetzt auch noch! Hätte man mich vor drei Wochen gefragt, als ich mit hängender Zunge die letzten Sätze von Gefühlte Wahrheit in meinen Computer gehämmert habe, ob das Schlimmste nun hinter mir liegt – ich hätte freudig jauchzend “JA!” gerufen.  Aktuell wünsche ich mir jedoch fast diese nervenaufreibende, rastlose Zeit des Schreibens zurück. Alles andere ist nämlich erheblich schlimmer, denn die Möglichkeiten, was man nun mit dem fabrizierten Elaborat anfangen kann, sind schier endlos. Daher hier meine Überlebens-Tipps für verwirrte angehende Self-Publisher:

Für all jene, die sich den schlimmsten Info-Overkill ersparen möchten, dem sei in erster Instanz die Self-Publisher Bibel von Matthias Matting empfohlen. Seine Seite ist zwar optisch nicht der große Wurf und ziemlich unübersichtlich, aber es lohnt sich in jedem Fall, seine Beiträge durchzuforsten, denn Matting weiß, wovon er spricht. Passend dazu gibt es auch noch die offene Gruppe “SELF PUBLISHING” auf facebook.

Ebenfalls viele gute und vor allem sehr konkrete Tipps hat Corinna Rindlisbacher auf ihrer Seite ebokks zusammengetragen. Weil sie mit ihrem Team aber in erster Linie Dienstleisterin auf dem Gebiet Selfpublishing ist (Lektorat, Korrektorat, Formatierung von eBooks und Druckvorlagen für PoD-Varianten), sind ihre Ratschläge im Blog versteckt. Aber auch hier lohnt sich die Lektüre. Außerdem antwortet sie fix auf alle Anfragen – selbst wenn man (noch) kein Kunde von ihr ist!

Ich selbst habe mich nach Abwägung aller mir bekannten Optionen nun für folgende Variante für Gefühlte Wahrheit entschieden: Mein neuer Roman wird (zunächst) exklusiv bei Amazon als Taschenbuch (über den PoD-Service Create Space) und eBook (über KDP) erscheinen. Derzeit lese ich mich duch einige einschlägige Bücher zum Thema – sollte mir eines (oder mehrere) besonders erwähnenswert erscheinen, werde ich das hier selbstverständlich kundtun! Was ich aber in jedem Fall schon gelernt habe ist dies: Die reine Verfügbarkeit von Informationen bedeutet noch nicht, dass es auch viel machtvolles Wissen gibt. Das muss man sich wohl oder übel durch sinnvolle Selektion selbst erarbeiten. Leider …

Geniestreich oder Irssinn – warum ohne Verlag?

Buch-Front2Während mein neuer Roman Gefühlte Wahrheit immer mehr Form annimmt (das Cover steht fast!!), erreicht mich immer häufiger die Frage, warum ich dieses Buch in Eigenregie herausbringe und nicht den klassischen Weg über einen Verlag gehe.  Schließlich sei ich doch keine verzweifelte Möchtegernautorin, die ohnehin keine Chance auf einen “richtigen” Verlagsvertrag hat. Warum also dieser Irrsinn?

Die Antwort ist ziemlich banal: Meine Story wollte keiner! Oder anders formuliert – meine Geschichte wollte keiner in der kompletten von mir imaginierten Form. Einen Kreuzfahrtroman mit typischer Frau-Mann-Verwicklungs-Happyend-Romanze hätte man schon genommen. Aber keinesfalls mit dem Geist! Himmel hilf, wo käme man da denn hin? Denn wie um alles in der Welt solle man das seinen Lesern verklickern?

Nun muss ich vorausschicken, dass ich hier sicher kein Verlags-Bashing anzetteln möchte. Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich mit Mopsküsse und High Heels und Hundekuchen machen durfte. Ohne Verlage sähe der Buchmarkt nicht halb so bunt und vielseitig aus. Und auch die Arbeit, die ein Verlag in ein Romanprojekt steckt ist enorm: Ein kluges Lektorat, ein ansprechendes Cover, Produktion der Bücher, Vertrieb … Alles gar keine Frage.

ABER: Verlage sind auch unglaublich langsam, unflexibel und einem starren Schubladendenken verhaftet, das zu Johannes Gutenbergs Zeiten en vogue gewesen sein mag (aber da gab’s auch nur eine Schulbade: die Bibel!), doch sicherlich nicht mehr heutzutage. Und ich hatte einfach keine Lust mehr auf Kompromisse. Ich habe einen Terrier, schlage mich als schreibende Freiberuflerin durch und bin seit fast zehn Jahren verheiratet, will heißen, dass ich durchaus über eine ausgeprägte Leidensfähigkeit und Kompromissbereitschaft verfüge – aber nicht um jeden Preis! Zumal ich absolut überzeugt davon bin, dass man Lesern auch einen Geist zumuten kann, der ein Schweinsteiger-Trikot trägt und auf einem Segelkreuzfahrtschiff auftaucht.

Und um diese These zu überprüfen, wird Gefühlte Wahrheit mein Debüt als Self-Publisher. Wenn’s gut läuft, kommt bald Nachschub. Und falls nicht? Tja, dann wird bald die nächste Sau durchs Dorf getrieben …

In jedem Fall werde ich in den nächsten Tagen und Wochen über alles berichten, was ein Indie-Autor wissen sollte: Lektorat, Korrektorat, Covergestaltung, Veröffentlichungsplattformen, Print/eBook und Marketing. Und dann werden wir bald alles wissen, ob es tatsächlich Irrsinn oder vielleicht wirklich ein Geniestreich war.