Die Aal-Affäre

KilleraalDas Tier hat schlechte Laune! Brummend liegt es in seiner Indoor-Bürohütte und tut sich leid. Der Grund? Ganz einfach: Die Strandferien sind vorbei und statt ausgedehnter Spaziergänge mit den tollsten Abenteuern, ist nun wieder schnöder Alltag angesagt. Und der ist vor allem sand- und aalfrei. Was – ich muss es zugeben – die Zweibeiner weniger stört, als den Terrier. Denn so schön es an der Nordsee auch ist, permanent überall Sand zu haben, muss dann doch nicht sein. Und an den Aal möchte ich am liebsten gar nicht mehr denken …

Manchmal muss es eben Aal sein

Doch ich weiß genau, dass ich damit nicht durchkomme. Seit ich letzte Woche auf Facebook einen winzigen Hinweis dazu gepostet habe, werde ich von allen möglichen Seiten um Aufklärung der “Aal-Affäre” gebeten. Ach was: bedrängt!

Na schön: Wir spazieren im Sonnenuntergang am ziemlich einsamen Strand von De Haan entlang. Die Zweibeiner in romantischer Stimmung, der Terrier in, nun ja: üblicher Terrier-Laune. Er läuft knapp hundert Meter vor uns, als er plötzlich auf höchst verdächtige Art und Weise verharrt. Alles an seiner Körperhaltung signalisiert den Menschen, dass da was im Busch ist! Die Romantik ist futsch, dafür legen sie einen Zahn zu, um möglichst schnell herauszufinden, was genau da los ist.

Terrier steht in leicht geduckter Haltung. Mann erreicht als Erster den Tatort und stellt fest: “Das ist ein toter Aal!” Das überrascht den Hund nicht, er weiß es schließlich schon seit etwa zwei Minuten. Mann verwickelt Terrier in folgende Diskussion:
“Du hast ihn so gefunden, oder?”
Terrier guckt verständnislos, wie hätte es sich bitteschön sonst zutragen sollen?
“Was hast du vor?” Mann wird misstrauisch, weil Hund sich nicht von der Stelle rührt, den Aal aber nicht aus den Augen lässt.
“Ich habe gar nichts vor!” Die pure Unschuld …
Mann zu mir: “Der sieht eklig aus, da hat schon jemand reingebissen.”
Ich mit Kennerblick: “Eindeutig Rückgrat gebrochen!” Dann fragend: “Was hat der Köter nur?”
Mann: “Vielleicht hat er Angst?”
Terrier fassungslos: “Angst? Ich?? Vor dem toten Aal? Ich glaube, du spinnst!”
Ich: “Das könnte es sein. Unsere vierbeinige Memme hat tatsächlich Angst vor einem toten Aal.”
Terrier: “Seid ihr noch ganz sauber oder was?”
Mann: “Kommt, lasst uns weitergehen. Es ist so schön.” Er legt mir den Arm um die Schulter und dreht sich romantisierend in Richtung Sonnenuntergang. Aus den Augenwinkel nehmen wir eine hektische Bewegung wahr: Der Airedale wirft sich auf die seine Beute!
Mann und ich brüllen wie aus einem Mund “Toni, lass das!!” und stürzen uns auf das Tier.
Findet er natürlich saulustig und weicht geschickt aus! “Vergesst es einfach, ihr kriegt mich NIEMALS! Gebt auf und lasst ihn mich fressen oder wenigstens drin wälzen!”
Ich – hysterisch lachend und kreischend: “Er will das Ekelvieh bestimmt fressen oder sich drin wälzen!”
Terrier: “Messerscharf erkannt und jetzt aus dem Weg!”
Mann: “Kommt gar nicht in Frage! Toni, hau ab!!”
Terrier: “Ich denk ja gar nicht dran!”
Ich: “Wir müssen ihn einfangen und anleinen.”
Terrier: “Viel Glück!”
Mann: “Das hat keinen Sinn!”

Und dann passierte etwas, das mich und Toni gleichermaßen beeindruckt hat: Der Rudelführer hat den Ekel-Aal so schnell im feuchten Sand verbuddelt, dass der Terrier einen Moment lang unaufmerksam war und sich übertölpeln und dann vom Tatort abführen ließ. Ende der Geschichte – die lange nicht so spannend war, wie “Aal-Affäre” implizierte. Zufrieden?

Mon Cherie und Mea Culpa

Dagegen hat der “schnöde” Alltag viel mehr zu bieten! Gestern morgen in der U-Bahn kommt plötzlich eine Frau zielstrebig auf mich und Toni zugesteuert. Ich remple den Hund zur Seite, weil ich glaube, dass die Dame vorbei möchte, doch sie sagt: “Schon gut, ich will zu ihnen!” Toni quittiert die unerwartete Aussage mit einem freundlichen Schwanzwedeln, ich mit einer leicht irritiert hochgezogenen Braue. “Mir gehört Otto”, fährt sie fort und bei mir dämmert es. “Und ich würde gerne mit Ihnen darüber reden!” Oops!

Otto ist ein hübscher Ridgeback-Rüde und er HASST Toni mit jeder Faser seines drahtigen Leibs. Warum, weiß kein Mensch, aber es gab in den letzten Jahren schon etliche unangenehme Zwischenfälle, bei denen sich der unangeleinte Otto wild geifernd in Richtung des angeleinten (in diesem Park gibt’s viel zu viele Kaninchen …) Toni stürzte. Bis auf einmal gingen all diese Begegnungen ohne direkten Kontakt der Hunde ab, aber es ist unglaublich nervtötend, wenn man beim Joggen ständig damit rechnen muss, dass sich eine wilde Bestie in den Weg wirft. Ich muss auch nicht extra erwähnen, dass bei diesen Gelegenheiten mehr als einmal tendenziell eher uncharmante Wortgefechte zwischen den Besitzerinnen ausgetragen wurden (um es mal vorsichtig zu formulieren). Auf Anraten von Tonis Hunde-Domina Susanne bin ich vor einigen Monaten dazu übergegangen, Otto meinerseits wild anzubrüllen, wenn er kläffend auf uns zugerast kommt. Den genauen Wortlaut möchte ich nicht wiedergeben – ihr könnt es euch bestimmt vorstellen. Mit vollem Erfolg übrigens! Otto zieht sich augenblicklich zurück (auch weil sein Frauchen schreit wie am Spieß) und Toni ist schwer beeindruckt und der felsenfesten Überzeugung, dass er sich um wichtigere Dinge kümmern kann, weil ich ja den Idioten im Griff habe. So weit so gut. Nun rechnet man (oder zumindest ICH) nicht unbedingt damit, dass man den mutmaßlichen Aggressor auch im zivilen Leben trifft.

“Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich mit Otto jetzt seit einiger Zeit verschärftes Rückruf-Training mache”, beginnt sie freundlich. “Ich hoffe, dass wir das Problem in den Griff bekommen.” Oh. Hm. Ja. Damit hatte ich nun nicht gerechnet. Ich erläutere ihr meine “Abwehr-Strategie”, sie nickt verständnisvoll und steigt bei der nächsten Station aus. Lektion gelernt: Nur weil ein fremder Hund den eigenen nicht leiden kann, muss man nicht zwangsläufig auch die dazugehörigen Zweibeiner in Sippenhaft nehmen! Und ich werde wohl mein Abwehr-Gebrüll ein wenig umformulieren …

Zur Krönung dieses – für mich! – aufregenden Tages hat sich Toni übrigens noch ein Mon Cherie einverleibt, das meiner Kollegin D. unvorsichtigerweise entglitten war. Kurze Aufregung, doch Entwarnung: eine läppische, beschwippste Piemont-Kirsche haut einen Airedale nicht um!

 

Starallüren des Krümelmonsters

wantedNa, die Weihnachtstage gut überstanden? Während ich selbst über diese Frage nachdenke und nebenbei diese Zeilen schreibe, schlummert Toni entspannt auf dem Rücken liegend auf seinem Bett und träumt mit rudernden Beinen und interessanten Geräuschen. Wovon wohl? Mit Sicherheit kann ich es nicht sagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er von Weihnachten träumt. Denn ER fand die Festtage definitiv und ohne die geringste Einschränkung super! Was vor allem an zwei Dingen liegen dürfte: Aufmerksamkeit und Futter

Terrier mit Starallüren

Dass Toni gerne im Mittelpunkt steht und die Aufmerksamkeit eines möglichst breiten Publikums schätzt, ist nichts Neues. Jedoch hat dieses Streben nach Zuwendung seit einiger Zeit leicht pathologische Formen angenommen. Genauer gesagt seit er seine eigene Fan-Page auf Facebook hat. Dort kann er die unsinnigsten Dinge posten, die langweiligsten Fotos – seine Fans schenken ihm garantiert ein “gefällt mir” und häufig sogar eine verbale Huldigung. Das findet er fraglos grandios und wird zunehmend zickig, wenn ihm diese Art der uneingeschränkten Wertschätzung zuhause nicht entgegengebracht wird. Man könnte auch sagen: der Terrier entwickelt Starallüren!

Im Büro hält er Hof und lauert unschuldigen Besuchern auf, um sich die Öhrchen kratzen zu lassen und die endlosen Versicherungen zu empfangen, dass er der schönste und liebste Hund des Universums ist. Er betört die zartbesaiteten Kolleginnen, die seinem Blick nicht widerstehen können und “versehentlich” eine Brioche auf dem Schreibtisch “vergessen”. Was mich gleich zu einem weiteren Thema bringt: der Terrier wird kriminell! Doch dazu später.

Zurück zu Weihnachten. Wir haben das Fest dieses Jahr bei meinem Bruder verbracht – mit Kindern (Tonis zweibeiniger Cousine und Cousin) und Kegeln (Großeltern, Tante), mit Weihnachtsgans und Christbaum. Und vor allem mit viel, VIEL, sehr viel Aufmerksamkeit für den Hund. Und Geschenken. Auch für ihn lagen zwei Päckchen unterm Baum und seine Körpersprache vor der Bescherung war identisch mit der der Kinder: glänzende Augen, bebender Leib – und blinde Zerstörungswut beim Auspacken. Sollte jemand mal Hilfe beim Durchtrennen eines Kabelbinders benötigen, schicke ich gerne den Terrier vorbei … Der LED-beleuchtete, dildoartige Kauknochen und das textile Wurfgeschoss (vom Cousin “Bumeränger” getauft) waren jedenfalls ganz nach dem Geschmack des Tiers.

Kriminelle Energie

Dass er im weiteren Verlauf des Abends ein paar Wachsspritzer ins Fell bekam, hat ihn weit weniger gestört, als die Tatsache, dass ihm keiner etwas von der Weihnachtsgans abgegeben hat. Toni bekommt nichts vom Tisch! Eine eiserne Regel, die seit sieben Jahren gilt (seit er am 22.12.2008 im zarten Alter von zehn Wochen bei uns eingezogen ist) – und die er seitdem blöd findet.

Weihnachten Toni 2008Trotzdem hat er sich daran gehalten. Zähneknirschend zwar, aber immerhin. In den letzten Wochen ist allerdings eine erschreckende Tendenz zur Beschaffungskriminialität bei ihm feststellbar. Wenn es um Bälle ging, hatte er immer schon schwere kleptomanische Anwandlungen, bei menschlichen Nahrungsmittel jedoch war seine Impulskontrolle (oder die Angst vor Konsequenzen?) außerordentlich stabil. Ein Umstand, der mich vor Stolz hat platzen lassen. “Ich kann rohe Steaks unbeaufsichtig in der Küche liegen lassen, MEIN Hund geht da nicht ran!” Diesen und ähnliche Sätze habe ich gerne anderen Hundebesitzern unter die Nase gerieben, die mir von ihren verfressenen und diebischen Vierbeinern vorgejammert haben.

Doch nun? Nun muss ich – mal wieder! – Abbitte leisten, denn auch meine Töle ist ein durchtriebener Futterdieb! Allein am ersten Feiertag vertilgte er (vor dem Frühstück) einen Käsekuchen, der zum Abkühlen auf der Terrasse stand (und dort vergessen wurde) und (vor dem Kaffee trinken)  einen kompletten, üppig gefüllten Plätzchenteller! Wenn ich den Lebkuchen, den er sich letzte Woche aus einer geöffneten Packung im Büro stibitzt hatte und besagte Brioche in Betracht ziehe … Ich fürchte, da bahnt sich ein Problem an!

Happy New Year!

Ehe ich nun aber in hektischen Aktionismus verfalle, warte ich lieber den Jahreswechsel ab, denn meine kleinkriminelle, vierbeinige Diva ist ein fürchterlicher Angsthase bei Feuerwerk. Vielleicht verknüpft er mit der Ballerei ja seine ganzen Schandtaten der letzten Tage und ist ab 1. Januar wieder ein “braver Hund”? Hm. Wahrscheinlich eher nicht. Aber dafür gibt’s ja immer noch die Hunde-Domina.

In diesem Sinne: Habt einen geschmeidigen Jahreswechsel!! Alles Liebe und Gute für 2016 – Glück, Gesundheit und Abenteuer!

Serengeti lebt!

Circle_of_lifeAll jene, die wie ich mit Bernhard Grzimek, Heinz Sielmann, possierlichen Tierchen, Zeit für Tiere und der sterbenden Serengeti sozialisiert wurden, werden meine Freude verstehen! Die Serengeti lebt – zumindest im Frankfurter Westend. Für alle anderen: heute kommt mal wieder eine Terrier-Toni-Geschichte.

Selbst Herr Darwin hätte heute Morgen seine helle Freude gehabt: Leben und Sterben im Großstadtdschungel – inklusive “survival of the fittest” (okay, eher des Glücklichen, aber dazu später) und der Demonstration ausgefuchstester Kampftechniken – und das, obwohl kein Fuchs anwesend war.

Dabei begann es eher harmlos: Terrier Toni war unterwegs, um seine träge Zweibeinerin durch den Park zu scheuchen – und sie selbstverständlich vor allen Unwägbarkeiten und Gefahren zu bewahren. Die erste lauert in Form einer orangefarbenen Klobürste in einer Hecke. Bei näherer Betrachtung stellt sich die Klobürste als Schwanz und Hinterteil des wirklich gigantischen roten Katers heraus, der sich in der letzten Zeit häufig an fraglicher Stelle einfindet – und der im internen Sprachgebrauch bereits Garfield getauft wurde. Wegen seiner ausgeprägten Verachtung gegenüber jeglicher canider Lebensform – und seines offensichtlich gesegneten Appetits.

Toni wirft sich also todesmutig schützend vor seine Menschenfrau und stößt merkwürdige Geräusche aus, die wohl eine Mischung aus drohendem Knurren und atemlosen Würgen sind. Das Halsband an der straff gespannten Leine, nimmt ihm ein wenig die Luft. Garfield springt entsetzt aus der Hecke heraus, starrt seinen Widersacher wütend an, macht einen Buckel und sträubt seinen Pelz. Eine höchst imposante Performance, die selbst der Zweibeinerin ein wenig Unbehagen bereitet. Dieser Bestie ist alles zuzutrauen. Doch was hat Garfield im Maul?

Eine Frage, die sich auch der Terrier stellt, laut grunzt (die Leine, das Halsband …) und nähertreten will (was die böse Frau verhindert). Der Kater antwortet mit einem empörten Fauchen – was ein Fehler ist, denn dafür muss er seinen Höllenschlund öffnen. Die Beute fällt zu Boden – rappelt sich jedoch sogleich auf und rast auf vier kleinen Mauspfötchen zurück in die sichere Hecke. Toni ist verdutzt, der Kater rast vor Wut. Blanke Mordlust flackert in seinen gelben Augen und die Frau macht sich ernsthafte Sorgen um Leib und Leben. Der Terrier spürt das und stößt ein wahrhaft würdiges Knurren aus, das Garfield umgehend aus seiner Tobsucht holt und ihn auf den nächsten Baum flüchten lässt.

Wir fassen zusammen: Die Maus hat eine zweite Chance bekommen (und glaubt womöglich ab sofort an einen haarigen, wolligen Gott).  Der Terrier ist stolz auf seine edle (wenn auch versehentliche) gute Tat, hat aber einen neuen Todfeind.  Der Kater hadert mit der doppelten Demütigung und schwört Rache. Wie es weitergeht, erfahren Sie in der nächsten Woche, wenn es heißt: “Wer ist der wahre König der Löwen?”

Die Frage nach der überlegenen Spezies wird übrigens auch in Hundstage ausführlich thematisiert. Mit durchaus unterschiedlichen Interpretationsansätzen …

Der Besuch der jungen Dame

Besuch der jungen DameFriedrich Dürrenmatt erlangte mit seinem Dreiakter “Der Besuch der alten Dame” das, wovon jeder Autor träumt: finanzielle Unabhängigkeit. Ich fürchte, das wird mir in absehbarer Zeit weder mit meinen Romanen, noch mit meinen Blogposts gelingen. Doch immerhin habe ich (den Statistiken von Google und Facebook sei dank) einen Trend feststellen können: Die mit Abstand beliebtesten Themen (auch auf diesem Blog) sind Sex und niedliche Tiere – wobei mir kürzlich sogar eine Rekorde sprengende Kombination aus beidem gelungen ist! Weder finden meine auch nur ansatzweise (gesellschafts)kritischen Beiträge, die von mir gewünschte Resonanz, noch dürfte sich eine breite Leserschaft mit dem mir bevorstehenden Familienbesuch (der auch eine ältere Dame inkludiert, meine Mutter nämlich) hinter dem Ofen hervorholen lassen. Also gibt’s Opium für das Volk!

Heute zwar keine Erotik, dafür eine gesteigerte Portion Putzigkeit. Wir sind nämlich seit gestern doppelbehundet. Die junge blonde Dame hört auf den hübschen Namen Leni (was doch ganz allerliebst zu Toni passt, nicht wahr?) und ist eine knapp fünf Monate alte Labradeuse. Weil ihre Zweibeiner das Wochenende einen Familienbesuch im Ausland (sicherlich ebenfalls inklusive einer alten Dame) absolvieren müssen, haben wir die Obhut der kleinen Fressmaschine übernommen.

Ich schwanke zwischen Schock und Ehrfurcht, wenn ich dem Tierchen bei der Nahrungsaufnahme zusehe. Terrier Toni ist mit seinen sechseinhalb Jahren sicherlich auch kein zimperlicher Fresser und weit davon entfernt, als Genießer bezeichnet zu werden. Doch die Art und Weise wie das zarte, junge Wesen ihr Futter inhaliert erinnert stark an einen Industriestaubsauger. Dem kann Toni nichts entgegensetzen. Auch ansonsten ist er erschütternd schnell dem Charme der blutjungen Blondine verfallen und lässt sich alles von ihr gefallen – inklusive Missbrauch als Nadelkissen.

Im Moment schnarcht sie übrigens wie ein betrunkener Seemann, was zwar etwas irritierend ist, aber den Vorteil hat, dass ich diese Zeilen schreiben kann und nicht Ringrichter zwischen AiredaleToni und LabLeni spielen muss. Doch ich fürchte, der Frieden wird nicht lange wehren. Bald wird sie wach und hungrig sein – auf Futter, auf Tobeeinheiten mit Toni und auf Liebe. Denn das ist sie auch: eine zuckersüße Kuschelmaus!

“Lola, hol den Dildo!”

Shake itMit diesem Satz war ich heute Vormittag konfrontiert. Und nein, ich habe weder Pornos geguckt, noch war ich Gast in einem Swinger-Club. Ich war lediglich mit meinem Hund beim Joggen. Im Frankfurter Niddapark. Mit Dutzenden anderen Menschen – und Lola!

Lola ist ein zauberhaftes Geschöpf, das mir bereits unmittelbar beim Betreten des Geländes aufgefallen war. Denn der zarte Prager Rattler schleuderte ein ziemlich großes, längliches, neongrünes Teil fröhlich in die Luft, um es sogleich selbst wieder zu fangen. Das müsste Toni mal in den Sinn kommen. Er will immer nur, dass man ihm ein Spielzeug schmeißt, dann fängt er es und gibt es nicht mehr her. Idealerweise nie mehr. Aber das nur am Rande. Selbstredend hat dieses Spektakel nicht nur meine, sondern auch seine Aufmerksamkeit erregt, also nichts wie hin.  Er war – natürlich! – schneller und just dann mitten im Geschehen, als sich Lolas Herrchen das grüne Ding geschnappt hatte und in hohem Bogen auf die Wiese warf. Mit der Aufforderung: “Lola, hol den Dildo!”

Lola rennt los, doch Toni ist – natürlich! – schneller. Mit Triumph in den Augen trabt er, die Trophäe im Fang, an mir vorbei außer Reichweite. Ein Blick auf das grüne Ding genügt: Es könnte wohl wirklich ein … “Dildo, Dildo, Dildo!” – kräht nun die etwa zweijährige, blondgelockte Tochter des Lola-Besitzers. Offenbar empört, dass sich der fremde Terrier das Familien-Juwel geschnappt hat. Kann man irgendwie verstehen.

“Lola, nun hol dir doch deinen Dildo zurück!” Die Aufforderung des Familienvorstands prallt ungehört am Vierbeiner ab – vielleicht wollte sie sich aber auch nicht mit einem Rüpel-Rüden anlegen, der locker zehnmal so schwer ist wie sie. Es bleibt also mir überlassen, das frivole Spielzeug zurückzuerobern. Habe ich schon mal erwähnt, dass Toni Spielzeuge (vor allem illegal erworbene) nicht gerne wieder hergibt? Toni hopst also höchst vergnügt in weiten Bögen um mich herum. Ich schwanke zwischen Wut- und Lachanfällen, das blonde Mädchen ruft mit wachsender Verzweiflung “Dildo, Dildo, Dildo” und das interessierte Publikum stellt sich in immer größerer Zahl ein. Schließlich gelingt es mir, den Terrier davon zu überzeugen, den “Dildo, Dildo, Dildo!” herzugeben. Okay, ich habe ihn niedergerungen und … aber das gehört jetzt nicht hierher. Applaus des Publikums und Übergabe des schlüpfrigen Etwas an Lolas Frauchen: “Bei mir ist er in guten Händen!”

PS: Trotz des holprigen Starts haben Toni und ich dann doch noch ein paar Kilometer abgespult – offensichtlich beide mit wüstem Kopfkino, denn er gönnte sich am Schluss eine ausgedehnte Abkühlung.

Noch ein PS: Ich muss ja leider zugeben, dass die (teilweise) erfundenen haarsträubenden Szenen in Hundstage nicht auf das “Dildo, Dildo, Dildo!”-Niveau heranreichen. Sie sind aber trotzdem lustig und lesenswert!