Wunderwelt der Wale

Ich liebe Wale! Schon immer. Bin fasziniert von der schieren Größe der Meeres-Giganten und ihrem geheimnisvollen Leben – und überglücklich, dass ich kürzlich viele von ihnen ganz aus der Nähe beobachten durfte.

Walhafte Vorstellungen

Die Anziehungskraft der imposanten Meeressäuger auf uns Menschen ist ein weit verbereitetes Phänomen – wenn auch nicht immer zum Vorteil der Wale. Exzessiver Walfang hat einige Unterarten fast an den Rand des Aussterbens gebracht und warum Länder wie Japan behaupten, sie müssten aus “Forschungszwecken” töten, wird  sich mir nie erschließen. Doch in diesem Text soll es nicht um die dunkle Seite der Wal-Faszination gehen, sondern um die helle. Um noch genauer zu sein: um meine eigene!

Meine Kindheit war von vielen Büchern geprägt – etliche hatten etwas mit Tieren zu tun und einige sind mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Darunter zwei Titel einer wunderschön illustrierten Tier-Reihe, die ich regelmäßig während meiner Grundschulzeit aus der Dorf-Bücherei ausgeliehen habe. Das eine drehte sich um Biber, das andere um Wale. Aus diesem schmalen Büchlein stammte bis vor kurzem auch beinahe mein gesamtes Wissen über diese Tiere. Und natürlich aus “Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart”, wo – stark zusammengefasst – Buckelwale die Menschheit vor der Vernichtung bewahren. Garniert mit etwas Moby Dick für die düstere Note. Zugegeben, das ist jetzt nicht die üppigste Sachkunde-Basis, für eine milde Obsession aber allemal ausreichend.

Ich hatte das große Glück, schon häufiger Delfine in freier Wildbahn zu erleben (wie man HIER nachlesen kann). Auch die kleinen, flinken Wale (ja, Flipper & Co. gehören zur Familie der Wale), haben mich schon restlos bezaubert, doch irgendwann mussten es einfach die dicken Brocken sein.

Walverwandtschaft

Meine Südafrika-Reise im November hatte vor allem einen Grund: Wale! Letztes Jahr waren wir im Dezember in der Kap-Region, doch da waren die südlichen Glattwale (auch “Südkaper” genannt) schon wieder unterwegs in Richtung Antarktis. Und ich bitter enttäuscht! Nun ist Südafrika auch ohne Wale immer eine Reise wert, aber das Gefühl, meinen allerersten Wal-Kontakt um Haaresbreite verpasst zu haben, nagte an mir.

Dieses Jahr waren wir einen Monat früher dran und waren deutlich besser vorbereitet: Wir haben uns für drei Tage in ein Hotel in De Kelders eingemietet und für diese Zeit nichts anderes geplant, als auf der Lauer zu liegen. Es musste also klappen. Auch weil die südlichen Glattwale in der Regel bis Ende November in der Bucht weilen, ehe sie  mit ihren Kälbern zurück in die Antarktis wandern.

Meine Vorfreude wuchs über Monate derart, dass mich mein Mann vor einer möglichen Enttäuschung warnte. Schließlich könne die Wirklichkeit doch häufig nicht mit der Fantasie mithalten. Ich hielt das für unwahrscheinlich, war ich doch geradezu magisch angezogen: Ich MUSSTE sie einfach sehen!

Wal-Bekanntschaft

Es war dann noch viel besser, als in meiner Vorstellung! Selten war ich derart überwältigt, wie in dem Moment, als das neugierige Wal-Kalb (vom Foto) ganz nah an unserem Boot entlangschwamm, den Kopf aus dem Wasser streckte und MICH ansah. Gut, vermutlich hat der “Kleine” (ca. acht Meter lang!) nicht nur mich ins Visier genommen, sondern all die seltsamen Zweibeiner, die jauchzend an der Reling des Whale-Watching-Schiffchens hingen. Doch für mich fühlte es sich sehr persönlich an.

Besonders beeindruckend fand ich auch die Wal-Mütter, Gigantinnen von bis zu 17 Metern Lännge und 45 Tonnen Gewicht. Sie passten genau auf, dass ihren neugierigen Babys nichts passierte. Der riesige dunkle Schatten, den man auf dem Bild nur ganz schemenhaft erkennen kann, tauchte unter unserem Boot entlang und hätte zweifellos eingegriffen, wäre Junior von uns belästigt worden …

Wale, Wale, Wale

Die Schiffstour war ein absolutes Lebens-Highlight für mich, aber fast noch schöner, waren die Beobachtungen, die wir direkt vom Land aus machen konnten. Die Tiere kommen nämlich fast bis in Spuckweite an die Küste, so dass man sogar mit bloßem Auge stundenlang beobachten kann. Man sieht sie springen, mit den Brustflossen oder der Fluke lautstark auf die Wasseroberfläche klatschen oder sich mit ihren eigenartigen Grunzlauten verständigen. Den typischen Walgesang – das habe ich bei der Tour gelernt – betreiben nämlich nur die männlichen Buckelwale.

An Bord unseres kleinen Schiffs kamen auf die etwa 20 Passagiere drei Guides, die uns alles genau erklärt haben. Die junge Biologin freute sich jedenfalls über meine Begeisterung und beantwortete meine tausendundeine Fragen geduldig und kompetent. Kurz, ich weiß jetzt deutlich mehr über Wale – und bin neugieriger denn je. Gut möglich, dass es demnächst eine Wal-Geschichte geben wird. Oder eine über Delfine, denn die wunderbare Reportage über “Solitärdelfine” im SZ-Magazin, hat mich gleich noch mehr inspiriert …

PS: Die erste Fassung dieses Artikels war deutlich länger und enthielt “too much information” über Wale. Ich muss dafür wohl eine andere Ausdrucksform finden …

Noch ein PS: Dies ist Beitrag 3 von 10 meiner persönlichen Dezember-Blog-Challenge! Bald gibt’s mehr!

Die Sentimentalitätsfalle

Weine nicht, ... Keine Sorge, das hier wird kein Exkurs in die Tiefen des deutschen Schlagers, es geht vielmehr um anderes Wasser. Jenes nämlich, das mir aus den Augen tropft, wenn ich mal wieder in die Sentimentalitätsfalle getreten bin.

Gerührt bis auf die Knochen

Ich weiß nicht mehr genau, wann es angefangen hat, dass ich ständig vor Rührung weinen muss. Früher war ich deutlich abgebrühter. Als Kind habe ich bei Winnetous Film-Tod nur betroffen mit den Schultern gezuckt, aber meine Augen blieben trocken, während meine Freundin Tanja praktisch das gesamte elterliche Wohnzimmer geflutet hat. Wenig später bei der Lektüre des Buchs, sah die Sache schon anders aus. Das geschriebene Wort hatte schon immer deutlich mehr Macht über mich und meine Gefühle als bewegte Bilder. Mit einigen Ausnahmen – doch dazu später.

Warum haben ein paar dürre Buchstaben so einen Einfluss auf meinen Gefühlshaushalt? Ich habe keine Ahnung, aber es funktioniert in fast allen Lebenslagen. Sehe ich einen Bettler auf der Straße, nimmt mich das in der Regel mit, hat er oder sie ein Schild dabei mit der Aufschrift “Ich habe Hunger” oder “Ich friere”, bricht mir das Herz. Ganz wenige Wörter reichen, um massives Kopfkino auszulösen – und um meine Spendenbereitschaft deutlich zu erhöhen.

Anderes Beispiel: Ich bin seit Jahren in einer großen internationalen Airedale-Terrier-Gruppe auf Facebook. Darin tummeln sich knapp 13.000 irre Hundebesitzer aus der ganzen Welt, die Wohl und Weh ihrer Vierbeiner teilen. Bei so vielen Mitgliedern kommt es zwangsläufig recht oft vor, dass ein treues Tier aus dem Leben scheidet. Es gibt Tage, die beginne ich nach einem ersten Blick auf Facebook hilflos schluchzend, weil ich mit mir vollkommen fremden Menschen um deren verstorbenen besten Freund weine. Mein Mann findet das einigermaßen befremdlich …

Ähnlich geht es mir übrigens auch beim Schreiben. Wird es besonders romantisch oder traurig, brechen bei mir alle Dämme und sich sitze schniefend vor meinem Computer und lasse zu, dass Tränen in meine Tastatur tropfen. In letzter Zeit tappe ich immer häufiger in die Sentimentlitätsfalle. Und die muss nicht einmal mehr was mit Buchstaben zu tun haben. Kopfkino reicht völlig.

Here we go again

Oder auch nur Kino. Kam es früher so gut wie nie vor, dass ich mich im abgedunkelten Kinosaal oder vor der Mattscheibe zu größeren Emotionen habe hinreißen lassen, gehört das Päckchen Taschentücher inzwischen zu meiner Grundausstattung bei jedem Film-Event. Zur größten Belustigung von Nichte und Neffe, bin ich im Sommer 2017 sogar bei der wirklich haarsträubend-trashigen Pferde-Schmonzette Ostwind 3 – Aufbruch nach Ora am Ende in Tränen ausgebrochen. Die beiden lachen sich heute noch darüber schlapp …

Den größten Heul-Erfolg feierte in letzter Zeit aber eindeutig Mamma Mia – Here We Go Again! Seit ich denken und bewusst Musik wahrnehmen kann, bin ich Abba-Fan (also SEHR lange), daher war dieser Film ein Muss. Die teils harsche Kritik (ja, der Auftritt von Cher ist etwas … nun ja … eigenwillig …) konnte mich nicht abhalten, ich freute mich schlicht auf einen mitreißenden Musikfilm. Womit ich nicht gerechnet habe, war der Dammbruch, den ich erlebt habe. Es ging mit ein paar Tränen der Rührung los, als die ersten Takte erklangen und endete mit einer Flutwelle, die den Mann an meiner Seite nachhaltig verstört hat. Schuld hatten einige Trigger-Momente, die ich ohne zu spoilern nicht beschreiben kann – und Kirsten H. hat mich ausdrücklich darum gebeten, NICHTS zu verraten.

Zwei Wochen später habe ich mir den Film ein weiteres Mal angesehen. Diesmal mit einer Freundin, die beim ersten Durchgang ebenfalls ganze Passagen nur verschwommen wahrgenommen hatte. Wir waren also vorgewarnt und innerlich gestählt, doch … *schluchz* Auf dem Heimflug von Südafrika vor drei Wochen, dann der dritte Versuch: Mamma Mia im Double Feature. Teil eins habe ich mit einem seligen Lächeln auf den Lippen und einem warmen Gefühl im Herzen angesehen. Teil zwei ließ sich auch gut (und trocken!) an, doch im letzten Viertel, ging’s wieder los – just in dem Moment, als die Crew am Ende des Nachtflugs wieder für Beleuchtung in der Kabine gesorgt hatte …

Katharsis oder Katarrh?

Vermutlich könnte man es wunderbar psychologisch beleuchten, warum mich simple Worte und schlichte Filme (ganz zu schweigen von der Hochzeit von Harry und Meghan …) derart berühren können. Womöglich ist es eine Art Seelenreinigung (Katharsis), auch wenn ich mich danach häufig fühle, als hätte ich einen massiven Schnupfen (Katarrh) und entsprechend an Atemnot als Spätfolge meiner Sentimentalität leide.

Tatsächlich glaube ich, dass es eine Art Schutzreaktion ist. Die Realität (Terror, Kriege, Populisten, Klimawandel, Diesel-Skandal, FIFA-Korruption …) ist derart bestürzend, dass man ich eigentlich den ganzen Tag über heulen könnte. Doch weil das schwerlich möglich ist – zumindest, wenn man einigermaßen funktionstüchtig bleiben will/muss/soll -, sucht sich der zartbesaitete Teil in mir einen anderen Weg zur Psychohygiene. Vielleicht weine ich also gar nicht ursächlich um tote Hunde (und Indianer), sondern weil ich eigentlich an der Welt (ver)zweifle.

PS: Dies ist übrigens Beitrag 2 von 10 meiner persönlichen Dezember-Challenge. Inspiriert hat mich – unter anderem – Kirsten Höhn, weil sie in einem Kommentar Abba ins Spiel gebracht hat. Vielen Dank dafür!

Beziehungskrise mit dem Blog

Die Beziehung zwischen mir und meinem Blog darf man zur Zeit mit ruhigem Gewissen als kompliziert bezeichnen. Er fühlt sich – zu Recht – vernachlässigt, ich mich durch mein schlechtes Gewissen unter Druck gesetzt. Nun könnte man eine Art Eheberatung in Betracht ziehen, doch ich habe mir eine andere Strategie überlegt.

Erkaltete Liebe flammt neu auf!

Zugegeben, das klingt jetzt ein bisschen arg charlottig, und es ist auch nicht so, dass ich den Spaß am Bloggen grundsätzlich verloren habe. Vielmehr fehlte mir die Zeit dafür – woran nicht zuletzt Charlotte Schuld trägt. Doch auch das ist nur eine recht faule Ausrede, denn für den ein oder anderen Blogpost sollte immer Zeit sein. Schließlich habe ich jahrelang fast ständig gebloggt – hier und vor allem auf meinem 2017 verrenteten Fußball-Blog. Ich hab’s vor allem für mich selbst gemacht, weil es unglaubliche Freude bereitet, auch abseitige Gedanken zu formulieren und in die Welt zu entlassen. Einige, na gut, gar nicht mal so wenige Menschen hatten jedoch erstaunlicherweise ebenfalls Spaß daran.

Ein Weilchen haben mich einige von ihnen sogar noch vorsichtig gefragt, ob ich denn mal wieder etwas schreiben würde. Genau, wie sich Freunde sachte bei einem kriselnden Paar erkundigen, ob denn noch was zu retten sei. Meine Reaktion sah ähnlich aus: mal ausweichend, mal unwirsch. Irgendwann haben die Fragen aufgehört.

Ich gehe also davon aus, dass diese Zeilen keiner liest. Macht aber nichts, denn die zarte Flamme der alten-neuen (oder ist es eher die neue-alte?) Liebe soll ruhig erst ein bisschen kräftiger werden, ehe sie neugierigen Blicken und Fragen ausgesetzt wird. Aber liebe Güte, was habe ich das Bloggen vermisst!!!

Ohne Therapie läuft nichts

Auch wenn ich voller Tatendrang bin, diese Seite in der allernächsten (oder spätestens übernächsten) Zukunft von Grund auf ummodeln werde und zukünftig mindestens einen Beitrag pro Woche plane, weiß ich doch, dass ohne eine solide Strategie, blitzschnell wieder alte Verhaltensmuster zum Vorschein kommen. Um die Analogie zur Beziehungskiste noch einmal zu strapazieren: Zweite Versuche brauchen zwar nicht zwangsläufig therapeutische Begleitung, wenn sie funktionieren sollen, aber doch einiges an Wachsam-, Achtsam- und Aufmerksamkeit.

Deshalb habe ich mir für den Dezember vorgenommen, eine Art “betreutes Schreiben” zu praktizieren. Eigentlich wollte ich einen Adventskalender machen mit einem täglichen Beitrag vom 1. bis zum 24.12., doch das wäre vermutlich ein bisschen arg ambitioniert. Daher plane ich nun zehn Beiträge bis zum Ende des Jahres.

Herausforderung angenommen?!

Worüber ich schreiben werde? Themen gibt es so viele. Über Lust und Leid am Autorendasein, übers Scheitern an den Sozialen Medien, über meinen Hund, über meine letzte Reise, über Weihnachten, über Dinge, die mich aufregen, Erlebnisse, die mich glücklich machen, notfalls über Fußball – oder über Sachen, die DICH interessieren.

Ja, DICH! Falls du das liest (und nicht mit mir verheiratet, verwandt oder ein Teil meiner gespaltenen Persönlichkeit bist, wobei …), würde mich sehr interessieren, was du von mir wissen möchtest. Was interessiert dich? Worüber soll ich mir in den nächsten Wochen Gedanken machen und diese dann aufschreiben? Verrate es mir. Hier in den Kommentaren oder gerne auch auf Facebook oder per Mail an carin@carinmueller.de. Wir lesen uns!

Wenn ich einen Vorschlag aufgreife, dann wird der betreffende Beitrag natürlich der Vorschlagenden gewidmet – Ruhm und Ehre sind also nur ein paar Mausklicks entfernt.

Silvester im Flughafenhotel

Happy New Year oder das Elend von Silvester

Tja, das wäre ein schöner Romantitel, nicht wahr? Nein, wohl eher nicht. Ich könnte Silvster auch Murmeltiertag nennen, doch auch das wäre ziemlich abgedroschen, denn Jahr für Jahr quält uns die Aussicht auf den Jahreswechsel. Nicht, weil ein ein neues Jahr nicht Verbesserung verspräche – 2018 MUSS besser werden!!! -, sondern weil der Kalenderwechsel mit dem Silvesterabend einhergeht und damit mit häuslichen Dramen der schlimmsten Kategorie: Nervenzusammenbrüche bei Hund und Halterin.

Hundepanik vs Knallspaß

Ja, es ist wirklich so dramatisch. Das Tier leidet bei der Scheiß-Knallerei Todesängste und ist durch NICHTS zu beruhigen. Am wenigsten durch die gutgemeinten Tipps und Sprüche einiger Menschen aus dem näheren und weiteren Umfeld, wie man den Hund am besten “schussfest” bekommt. Toni ist jetzt neun und wird die sinnlose Knallerei immer hassen! Egal was. Da helfen weder Pheromonhalsbänder noch Bachblüten noch Beruhigungstabletten noch Panikbandagen (don’t ask!) noch Desensibilisierung (dazu haben wir in Frankfurt übers ganze Jahr reichlich Gelegenheit, denn in den Sommermonaten ist praktisch wöchentlich Feuerwerk!) noch sonst was.  Am wenigsten hilft übrigens der Kommentar, der Hund (oder wahlweise die Halter) möge sich nicht so anstellen, schließlich sei das doch alles nur ein schöner harmloser Spaß … Diesen Menschen wünsche ich nur eine einzige Stunde mit meinem Hund im Vollpanik-Modus. Viel Vergnügen dabei!

Das einzige, das wirklich hilft, ist Flucht! Flucht in eine ruhige Umgebung. Was hierzulande nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, denn Knalltüten – man verzeihe mir den Wortwitz , die auch in Verbotszonen rumballern, gibt’s leider immer. Ich spare mir an dieser Stelle Ausführungen, warum ich diese gottverdammte Böllerei für sinn- und hirnlos erachte, denn damit stehe ich ziemlich allein da. Nur so viel: Ich habe heute mit nicht zu leugnender Wonne die ersten Berichte über Knalltraumata, abgetrennte Gliedmaßen und Augenverletzungen, die womöglich zur Blindheit führen, gelesen. Geschieht euch recht!

Silvester am Flughafen

Wohin also mit der armen Seele? Sylt wäre eine Option gewesen – doch arg weit weg. Stattdessen haben wir die Nacht am Flughafen verbracht! Präziser im Sheraton Airport Hotel, wo ein findiger Geist auf die geniale Geschäftsidee gekommen ist, für neurotische Rudel ein Silvester-Package anzubieten: Wuffi darf im schalldichten Zimmer schlafen und seine Zweibeiner sogar ins Restaurant zum Gala-Büffet begleiten. Yeah! Gesagt, getan. Was soll ich sagen? Es hat funktioniert. Am Flughafengelände darf nicht geknallt werden und außerdem sind die Zimmer tatsächlich ziemlich nachhaltig abgeschottet. Übrigens auch von echtem Sauerstoff. Und “Schöner Wohnen” darf man natürlich auch nicht erwarten, doch was tut der verzweifelte Hundebesitzer nicht alles? Wir haben also einen halbwegs ruhigen Jahreswechsel verbracht und müssen uns jetzt “nur” noch mit den Querschlägern auseinandersetzen, sprich den Witzbolden, die bereits drei Tage vorher und drei Wochen nach Silvester rumböllern. Weil’s halt so verdammt viel Spaß macht, Krieg zu spielen.

Der will doch nur knallen

Neben den eindeutigen Vorteilen (keine Nervenzusammenbrüche bei Mensch und Tier!), hatte das Arrangement aber natürlich auch Nachteile – und nicht nur finanzielle, denn natürlich läßt sich das Hotel dieses Angebot teuer bezahlen. Man hat reichlich Gelgenheit sich grundsätzliche Gedanken zum Thema Feuerwerk zu machen – und viel dazu zu lesen. So wurde das erste Knallspektakel im 14. Jahrhundert zu Pfingsten in Vicenza abgefackelt. Mutmaßlich um böse Geister zu vertreiben.

Nun sind wir dann doch ein paar Jahre weiter, doch beim Thema Feuerwerk setzt der Verstand von sonst vernunftbegabten Zeitgenossen komplett aus. Offenbar gibt es vor allem bei kleinen Jungs den unstillbaren Impuls zu zündeln und etwas mit lautem Getöse in die Luft zu jagen. Da sagen selbst die pazifistischsten Eltern mit mildem Lächeln “Ach, wir haben nur ein paar Raketen gekauft, weil der Kleine so gerne ein bisschen knallen möchte.” So als könne man da nichts dagegen tun. Schlimmes Schicksal das … Wie wäre es mit ein bisschen Training in Impulskontrolle? Dies ist vor allem an die Adresse der Erzeuger gerichtet, die die Knallkörper in der Regel ja kaufen und bei der Vorstellung an fetten Lärm offensichtlich auch wieder kleine Jungs werden. Es gibt keinen formalen Zwang, bei dem Scheiß mitzumachen, doch lemminghaft tun es dann doch alle. Da hat die Evolution bombig versagt – vor allem bei den Doppel-X-Chromosom-Trägern …

Wozu das führt kann man dann schön in den Polizeireports lesen (abgetrennte Finger etc.) – und bei anderen kleinen Jungs beobachten, die es erschreckenderweise bis an die Knöpfe der Atomwaffen gebracht haben. Vielleicht wollen Donald Trump und Kim Jong-un auch nur mal wieder ein bisschen knallen?

Intelligenz oder Instinkt

Es ist ganz sicher naiv anzunehmen, dass man auf einen flächendeckenden Sieg der Intelligenz hoffen soll, denn rein logisch betrachtet, ist die Knallerei nicht nur teuer und gefährlich, sondern vor allem komplett sinnlos. Doch der männliche Instinkt ist stärker. ER will es mal so richtig krachen lassen – buchstäblich und übertragen. Und es ist ebenso naiv zu glauben, dass irgendjemand sich aus Mitleid für ängstliche Kreaturen wie meinen Hund, die meisten Zootiere, Vögel, Füchse, Rehe …. vom Knallen abhalten lässt. “Brot statt Böller” interessiert ja auch niemanden. Doch vielleicht, ganz vielleicht denken ein paar wenige Menschen doch um und hören mit der Kriegstreiberei zum Jahreswechsel auf. Damit würde die Welt ein etwas friedlicherer Ort werden. Das ist meine Hoffnung – und Hoffnung und Zuversicht sind meine guten Vorsätze für 2018 – die könnten besser funktionieren als die vom letzten Jahr!

 

Tire Iron: Gut ist, wenn es wehtut

Nein, dies wird keine Brandrede für die durchaus fragwürdigen Wonnen von BDSM, sondern die Besprechung eines kulturellen Höhepunkts. Dieser fand am letzten Samstag in München statt und war sehr … nun ja … eindringlich!

Tire Iron – Rock on!

Global gesehen war der Samstag ein ganz schwarzer Tag für die Rockmusik. Malcolm Young, genialer Rhytmusgitarrist, Gründer und Sounddesigner von AC/DC, war seinem Demenzleiden in Australien erlegen. Doch die Show musste natürlich weitergehen. Nicht nur für seine verwaisten Kollegen, die ohnehin schon seit mehreren Jahren ohne ihn auskommen müssen, sondern auch für die ambitionierte Nachwuchs-Combo Tire Iron aus dem Münchener Umland. Ihr einziger Gig auf der mehrfach ausverkauften Welttournee 2017 würde nicht ausfallen, nur weil die Saiten Trauer tragen. Wobei es eine knappe Entscheidung war – was ehrlicherweise nicht so sehr am verschiedenen Malcolm lag, sondern an der strapazierten Kehle von Sänger Lars, doch dazu später mehr.

Habe ich eben “Nachwuchs-Combo” geschrieben? Das muss ich kurz relativieren. Ich meine damit weniger das Alter der Bandmitglieder, sondern eher  die Aktivitätsdauer … wobei … ein Blick auf die Website verrät, dass die Herren nun auch schon seit März 2012 miteinander musizieren.  Hm, dann also einfach: Band! Sorry, Männer!

Déja-vu – oder Wiedersehen macht Freude

Als Fangirl der ersten Stunde wäre ich natürlich untröstlich gewesen, wäre der Auftritt abgesagt worden, war ich doch extra durch die halbe Republik geeilt, nur um Tire Iron zu erleben. Und so war ich unfassbar gespannt, was nach der Vorband mit dem klangvollen Namen Tested on Animals kommen würde. Mein erstes Mal mit den Jungs war nämlich ein wenig ambivalent gewesen – siehe auch diesen Beitrag.

Was sofort auffällt: Bassmann und Gitarrist haben jeweils eine Armada an Instrumenten neben sich stehen, die höchst nuancenreiche Klangwelten versprechen. Der Drummer hat dafür die meisten und längsten Haare und entlockt seiner Batterie durchaus auch differenzierten Sound. Zumindest war dies der erste Eindruck, ehe die Ohrstöpsel zum Einsatz kamen. Denn vor allem sind sie laut. Laut im Sinne von richtig laut. Schmerzhaft laut.

Einen Sänger hatten sie damals nicht, was ich mit Bedauern und Ohrenklingeln zur Kenntnis und zu Papier gebracht habe: “Was außerordentlich schade ist, denn die ein oder andere Melodielinie hätte durchaus das Zeug zum Ohrwurm. Gesangsstunden oder noch besser: ein richtiger Sänger wären wohl der logische nächste Schritt.”

Immer schön, wenn Kritik auf fruchtbaren Boden fällt, denn seit kurz nach der Veröffentlichung meines damaligen Artikels, haben sich Tire Iron Verstärkung geholt in Form von “Töny Moneau” – wie der Wrestler-Name von Lars lautet. Übrigens weder verwandt noch verschwägert mit Airedale Toni. Soweit ich weiß jedenfalls … Lars-Töny ist jedenfalls eine Granate am Mikro und eine lupenreine Rampensau, kurz eine fantastische Bereicherung! Wenn auch mit einer besorgniserregenden Schwäche für das Kurschatten-Mineralwasser “Staatlich Fachingen”. Als er begann, an der markanten grünen Flasche zu zuzeln, war ich schwer beeindruckt: Ein Rocker mit Stil! Trinkt kein Bier, sondern Weißwein! Dachte ich. Bis ich näher herantrat und das markante Behältnis erkannte. Auweia. Angeblich war dieses seltsame Verhalten seiner kaum genesenen Halsentzündung zu verdanken. Kleiner Tipp: Wenn schon Wasser, dann aus einer standesgemäßen Flasche. Imagepflege ist auch wichtig! Das gilt übrigens auch für die Leichtbier- und Spezitrinker … *justsaying*

Doch nun zur Show

Sonst gibt’s wenig zu mäkeln, denn auch musikalisch haben sich die Herren weiterentwickelt. Silberlöwe Stefan aka “Sinnister” an den Drums sorgte für rasante Beats, “The Other One” Claus am Bass (noch ein “Anderer” – muss ein Familiengendefekt sein …) hielt den Laden zusammen und “Löuder” alias Jens blieb seinen Motto treu: mehr ist mehr! Er brauchte fünf Gitarren für die ungefähr zwanzig Nummern umfassende Setlist und wurde dabei auch immer lauter.

Inzwischen spielen Tire Iron fast nur noch eigene Songs, die man stilistisch wohl als “Metal-Punk mit Bluesrock-Elementen” bezeichnen könnte.  Mein persönlicher Favorit war eindeutig “Poltergeist”, wobei auch Löuders Hommage an seinen Pudel “My White Dog” irgendwie zauberhaft-schräg ist.  Die wenigen Cover stammen von Motörhead und es wird deutlich, dass hier lieber Lemmy gechannelt wird als Malcolm, und vielleicht ist das auch besser so …

Habe ich erwähnt, dass Tire Iron laut sind? Nein? Okay: sie sind laut. LAUT!! VERDAMMT SCHEISSLAUT!!! Und ohne Ohrstöpsel, die fürsorglich und kostenlos an der Kasse ausliegen, nicht ohne bleibende Pfeifgeräusche zu ertragen. Für die Ursache dieser Dezibel-Aufrüstung gibt es mehrere Theorien – vom reinen fröhlichen Spieltrieb bis zur altersbedingten Schwerhörigkeit eines Instrumentalisten -, die alle irgendwie logisch klingen, aber keine Entschuldigung sein dürfen. Nein, Schmerz ist kein Qualitätsmerkmal! Es ist besser, wenn es nicht wehtut!

Und beim nächsten Mal

Da es schon einmal so fein geklappt hat mit meinen Anregungen, gibt’s auch diesmal wieder eine Wunschliste:

  1. Ich steh nicht so auf Schmerzen – auch nicht in den Ohren, also bitte ein bisschen viel leiser!
  2. Weniger ist mehr – vielleicht nur 90 Minuten und dann noch ein paar Zugaben?
  3. Eine AC/DC-Nummer – nur für mich! Oder notfalls was Lustiges von KISS. Danke.

Ansonsten: Weitermachen! Es macht riesigen Spaß und bei der nächsten ausverkauften Welttournee bin ich wieder dabei – mit Staatlich Fachingen im Flachmann und meinen Ohrstöpseln.