What’s next? Welchen Roman soll ich als nächstes schreiben?

#Whatsnext? What’s next? Was als nächstes schreiben?

Ihr habt ein Weilchen nichts mehr von mir gehört – also zumindest nichts von der Autorin Carin Müller. Das lag daran, dass der Wirtskörper letztes Jahr komplett mit der “Parasitin” Charlotte Taylor beschäftigt war, die ein Buch nach dem anderen rausgehauen hat. Das wird 2018 anders. Versprochen. Während Charlotte noch an ihrem letzten Millionär schreibt, bringe ich mich in Position, denn es soll 2018 mindestens EIN Buch unter meinem richtigen Namen geben. Doch was? Eins ist klar, es wird in jedem Fall ein Hund vorkommen, der meinem zumindest optisch ähnelt.

Da ich mich nicht entscheiden kann, dürft/sollt/müsst ihr mithelfen: Was würdet ihr am liebsten lesen?

Hund A: Tristan

Die Story: Der egozentrische, leicht psychotische, aber unglaublich attraktive Sänger John strauchelt im Leben und in seiner Karriere. Drei sehr unterschiedliche Frauen – seine Therapeutin, seine Agentin und seine Haushaltsperle – versuchen, ihn wieder auf Spur zu bekommen. Die Hauptrolle im düsteren Musical “It’s Magic!” könnte seine Rettung sein, wenn nicht plötzlich seltsame Dinge passieren würden…

Hundefaktor: 5-10% – der treue Tristan hat vor allem dekorative Funktion

Für Fans von: “Tanz der Vampire” (dem Musical) und “Gefühlte Wahrheit” (meinem Herzensroman)

Hund B: Yoshi

Die Story: Airedale Terrier Yoshi versucht mit reichlich tierischer und etwas menschlicher Hilfe, den brutalen Mord an seinem Käseladen-Besitzer-Herrchen aufzuklären. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit einigen Figuren aus “Hundstage”. Schräger Hundekrimi mit viel Humor.

Hundefaktor: 100% – mehr Hund geht nicht. Neben Yoshi tummeln sich noch etliche andere Vierbeiner in der Geschichte.

Für Fans von: “Mein Partner mit der kalten Schnauze” (Film) und “Hundstage” (meinem Hunderoman)

Hund C: Rufus

Die Story: Da gibt es noch keine konkrete Idee, aber mir schweben weitere Geschichten meiner Kinder-Science-Fiction-Serie [W]HOLE-Kids vor. Gut, wem mache ich was vor? Ich werde von einer gewissen minderjährigen Leserschaft unter Druck gesetzt. Es könnte also ein neues Abenteuer von Tim Lawrence geben, die er mit seinem Hund Rufus und seinen Freunden Jack, Nero und Kallah bestreitet.

Hundefaktor: 20% – Rufus sorgt dafür, dass den Kids nichts passiert … oder umgekehrt.

Für Fans von: “Raumschiff Enterprise” (TV-Serie) und “[W]HOLE-Kids” (von meinem zweiten Pseudonym Nirac Rellum)

Tristan, Yoshi oder Rufus?

Welchen Hund soll ich mir also als nächtes vornehmen? Bitte stimmt hier in den Kommentaren oder auf meiner Facebook-Seite ab, damit ich weiß, welche Geschichte ich als nächstes schreiben soll. Unter allen Teilnehmern verlose ich am 31.1.2018 ein signiertes Taschenbuch von mir (oder Charlotte oder Nirac) nach Wahl – schreibt euren Wunsch ruhig schon zum Kommentar . Der Gewinner wird via Mail benachrichtigt. Danke für’s Mitmachen.

Die Magie der Sehnsuchtsorte

Magische Orte

Man kennt sie aus Mythologien und Fantasyromanen – Orte, die magisch aufgeladen sind und die geheimnisvolle Mächte auf die Personen ausüben, die sich dort aufhalten. Das kann man glauben (macht Spaß), muss es aber nicht. Ich gestehe, ich gehöre eher zur Fraktion der Realisten, die es für ausgemachten Unsinn halten, in einem Steinkreis die Sonnenwende zu begehen. Auch wenn meine innere Romantikerin eine große Schwäche für Diana Gabaldons Outlander-Serie hegt. Doch das ist eine andere Geschichte.

Mir geht es heute um ganz real existierende magische Locations: Sehnsuchts- und Wohlfühlorte.

Sehnsuchtsorte

Viele Menschen haben Orte, nach denen sie sich völlig unerklärlicherweise sehnen – ohne jemals dagewesen zu sein. New York hört man da gerne exemplarisch oder auch die ein oder andere exotische Inselgruppe. Kommt es dann irgendwann zum Reality-Check, ist das meist eine sehr emotionale Reise. Denn wird die Wirklichkeit gegen die überhöhte Fantasie überhaupt eine Chance haben? Wie beglückend es dann ist, wenn sich herausstellt, dass das eigene Unterbewusstein Recht hatte, ist mit Worten kaum auszudrücken. Gleiches gilt leider auch für das Gegenteil – denn manchmal ist die Sehnsucht schlicht schöner als die Erfüllung.

Sehnsuchtsorte sind übrigens in aller Regel meist relativ ferne Ziele, die man nicht eben mal so aufsuchen kann, sondern schon einen erheblichen Aufwand betreiben muss. Im Gegensatz zu den Wohlfühlorten, die häufig deutlich bescheidener daherkommen.

Wohlfühlorte

Einer meiner absoluten Sehnsuchtsorte war übrigens lange Zeit Vancouver. Keine Ahnung warum, aber ich war regelrecht besessen von der kanadischen Westküsten-Metropole. Bislang war ich zweimal dort, zweimal unter schwierigen äußeren Umständen, doch die Stadt hat mich tatsächlich auch in der Realtität verzaubert. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal hinkomme, wenn auch der Rest passt. Dann könnte die Stadt glatt das Zeug zum Wohlfühlort bekommen – wenn auch mit mühsamer und kostspieliger Anreise verbunden.

Mein absoluter Wohlfühlort ist glücklicherweise deutlich verkehrsgünstiger gelegen: Die belgische Nordseeküste mit dem Städtchen De Haan. Wenn ich das Leuten erzählen, die gerade vom Sushi-Essen aus Tokio oder von der Big Five-Safari aus Tansania zurückgekommen sind, ernte ich in der Regel Kopfschütteln und/oder eine irritiert hochgezogene Braue, denn offenbar klingt Belgien in den Ohren vieler ähnlich sexy wie Bayerischer Wald (wobei es da auch sehr schön ist).

Ich hab nun gar nichts gegen Sushi in Tokio oder Safari in Tansania – ganz im Gegenteil, beides steht auf meiner Reisewunschliste ganz weit oben. Genau wie ich überhaupt gerne verreise und neue, mir unbekannte Länder, Städte und Regionen erforsche. Am liebsten übrigens am Meer oder noch lieber per Schiff auf dem Meer. Doch wenn ich ich meine Akkus aufladen und meinen Kopf durchlüften will, geht das besonders gut hier in De Haan.

Zufällig verliebt

Das war nicht immer so. Bis vor ein paar Jahren, wusste ich zwar von der Existenz Belgiens (und der Nordsee), aber beides hat mich ähnlich in Wallung gebracht wie der Bayerische Wald oder das Rothaargebirgte. Nämlich exakt gar nicht.

Doch 2011 musste ich einen lang geplanten und heiß ersehnten dreiwöchigen Westküstentrip (von Vancouver nach San Francisco) kurzfristig krankheitsbedingt absagen. Nachdem damals die Tränen der Enttäuschung getrocknet und Fieber und Hustenanfälle der schlimmen Grippe einigermaßen abgeklungen waren, musste ein kurzfristiger Plan B her. Die Hausärztin empfahl einen Aufenhalt an der See (Reizklima für die Lunge), der Mann brachte De Haan ins Spiel, wo er als Kölner früher schon einige nette Wochenenden verbracht hatte.

Für mich als gebürtige Münchnerin war “Meer” eigentlich immer nur ein Synonym für Mittelmeer – also warm, sonnig, leckere Pasta und süffiger Wein. Belgien und Nordsee klangen so gar nicht danach. Aber für nennenswerten Widerstand war ich immer noch nicht fit genug und so wurde es eben ein Ferienhäuschen in De Haan. Angeblich haben meine Augen beim ersten Strandbesuch ähnlich geleuchtet, wie die von Terrier Toni, in denen man nichts als fassungslose, trunkene Glückseligkeit lesen konnte.

Es funktioniert immer wieder

Das Schöne an einem Wohlfühlort ist, dass die Erwartungen nicht so romantisch überfrachtet sind wie beim Sehnsuchtsort – und sie sich nicht abnutzen. Bei jedem Besuch warte ich insgeheim darauf, dass ich enttäuscht werde, sich das Glücksgefühl verflüchtigt oder sonst ein Missbehagen einstellt. Aber nichts, wirklich gar nichts konnte den Zauber bisher brechen.

Auch diesmal nicht. Dabei waren die Vorraussetzungen wirklich nicht gut. Total geschlaucht, überarbeitet und auch noch am Abend vor der Abreise mit einem vollkommen unerwarteten Nackenschlag konfrontiert, der mir schier den Boden unter den Füßen weggezogen hat, bin ich hier angekommen. Doch dann hat es nur ein paar Stunden gedauert, bis mein Kopf wieder frei und meine Seele gekittet war – siehe auch das Foto von mir oben in der Collage.

Wenn Wohlfühlorte Sehnsuchtsorte werden

Auch wenn “belgische Nordseeküste” total unglamourös klingt, für mich ist hier inzwischen ein wahrlich magischer, ein echter Sehnsuchtsort. Was auch daran liegen kann, dass hier mehr als eine Leidenschaft befriedigt wird … Jedenfalls weiß ich: Egal, wie schlimm, schwierig, blöd meine Lebensumstände gerade sind – HIER wird alles gut!

Ach ja, zum ersten Mal seit Wochen habe ich auch wieder Lust, die nötige Muße und vor allem Zeit dazu, zu bloggen – und das tut richtig gut!

Was sind DEINE Sehnsuchts- und Wohlfühlorte?

Ich bin neugierig: Wohin zieht dich dein Unterbewusstsein und wohin deine Seele? Und wurdest du schon mal richtig enttäuscht? Ich bin sehr gespannt und freue ich auf Kommentare oder Mails.

Gastbeitrag: Die Inflation der Nullen

Nach all den heißen Diskussionen über Dumpingpreise bei eBooks geht’s heute mal um Inhalte. Denn es ist nicht nur ein Trend zu Dauertiefpreisen feststellbar, sondern auch zu gewissen Themen. Folgenden Beitrag hat meine liebe Autorensofa-Kollegin Laura Gambrinus verfasst – mit sehr großem Augenzwinkern! Warum das so ist, erfahrt ihr ganz unten im Beitrag. Mir spricht der Artikel aus der Seele, auch wenn wir beide – Laura und ich – plötzlich auch unter die Nullen gegangen sind. Mit erschreckend großer Leidenschaft … Doch zunächst hadert sie mit ihrem Schicksal:

Die Inflation der Nullen oder was wollen wir eigentlich noch lesen?
Laura Gambrinus

Ehrlich gesagt, in letzter Zeit frage ich mich – nicht immer, aber immer öfter – ob ich das mit dem Schreiben nicht vielleicht doch lieber wieder lassen sollte. Zugegeben, eine kleine Portion Frust ist auch dabei – die ganze Thematik ist ja nicht nur ein Hobby von mir, sondern ich bestreite weite Teile meines Einkommens damit. Aber es ist auch der – meiner Meinung nach legitime – Wunsch nach Anerkennung der eigenen Leistung. Der Anstrengung, die viele von uns unternehmen, um unseren Lesern stilistisch einwandfreie und fehlerlose Bücher mit intelligenten und spannenden Inhalten zu erschaffen. Doch leider gewinne ich beim Sichten der Amazon-Charts immer mehr den Eindruck, dass es nur noch ganz wenige Kriterien gibt, die ein Buch erfolgreich machen.

Die Null

Eines der wichtigsten (wenn nicht das wichtigste überhaupt): Die Null.
Wenn früher jemand zu einem anderen sagte „Du bist vielleicht eine Null!“, dann war das eine echte Beleidigung. Heute ist alles auf der Jagd danach. Je mehr, desto besser. Nach oben sind ja rein mathematisch betrachtet keine Grenzen gesetzt. Wann die Rechenzentren der Banken vor den unermesslichen Reichtümern auf den Konten unserer Protagonisten kapitulieren und abstürzen, das wissen wir noch nicht. Schließlich muss man sich ja andauernd steigern. Ich bin schon fast so weit, mit mir selbst eine Wette abzuschließen, wann wir den ersten Billionär auf dem Cover begrüßen dürfen. Oder wenigstens in einem Buch. Er hat sich die vielen Nullen vor seinem Komma natürlich selbst verdient und erarbeitet, sieht absolut göttlich aus und ist höchstens Mitte zwanzig. Ein reicher Erfahrungsschatz im Bett versteht sich von selbst, und dass er die Lebenserfahrung mehrerer Generationen auf sich vereint und die Gewandtheit eines alten Hasen besitzt, muss nicht extra erwähnt werden. Freunde wie Feinde respektieren ihn und sein Charisma. Hab ich was vergessen, außer, dass die Nullendompteure in letzter Zeit alle auffallend blaue Augen haben?

Wie sexy sind Nullen?

Ja, ich weiß. Und ich gebe euch ja auch recht: Über Karlchen Schmitz mit Bierbauch, Filzpantoffeln und ner Tüte Chips auf dem Sofa (!) würde ich auch nichts lesen wollen. Über ihn schreiben noch viel weniger.
Aaaaaber …
Es gibt doch noch so viel dazwischen! Und die können ruhig reich sein. Aber … warum erfahren wir nichts über diese Männer? Die nicht auf den ersten Blick Traumprinzen sind, sondern sich den Status bei der Frau ihres Herzens erst mal erarbeiten müssen? Nebenbei könnte man noch Einblicke in interessante Jobs bekommen, denke ich. So ganz am Rande.

Und weil ich schon gerade so schön auf der Jammerharfe spiele – Was ist denn eigentlich mit den Schauplätzen los?
Muss es denn wirklich immer so spektakulär weit weg sein? Okay, ich schreibe über Italien. Venedig kennt wahrscheinlich auch jeder. Da waren vielleicht auch schon mehr von euch als in New York, Rio, Tokio. Aber was ist mit Ravenna, Ferrara oder Bologna? Die kennt wahrscheinlich hierzulande kein Mensch. Will auch keiner drüber was wissen. Aber dorthin komme ich nun mal öfter als nach San Francisco oder Washington. Und die Straßen auf den Spuren seiner Protagonisten entlang zu schlendern, hat schon auch was, kann ich euch sagen. Außerdem – ich hab da folgendes Problem: Mich inspirieren Locations, nicht Modeerscheinungen oder Hypes.

Ich selbst lese auch gern mal ein Buch, das in Hamburg, München oder Berlin spielt. Oder in Frankfurt (apropos – wer von euch kommt denn wieder zur Messe?) Oder im Wispertaunus. Kennt ihr nicht? Eine wunderbare, geheimnisvolle und faszinierende Gegend mitten im Rheingau. Fahrt doch mal hin! Langweilig? Finde ich nicht. Aber gut.
Was ich sagen will, ist, dass es an uns Leserinnen liegt, was wir vorgesetzt bekommen, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot. Ich kann mich nur wundern. Müssten wir täglich dasselbe essen, wären wir dessen schnell überdrüssig. Aber lesen tun wir immer nur die gleichen Abziehbilder, jahrein, jahraus.

So, das musste ich mir jetzt mal von der Seele schreiben. Ich jedenfalls bin fast sicher, dass ich meine Wette gewinnen werde: Irgendwann darf ich es noch erleben, denn irgendwann kommt bestimmt der erste Billionär. Und weil die Inflation ja immer weitergeht und nie Halt macht, wartet hinter der übernächsten Ecke schon der schöne, heiße, sexy, unwiderstehliche Trillionär. Ach ne, vorher kommt ja noch der Billiardär. Aber da hab ich jetzt den Überblick verloren – wie viele Nullen waren das noch gleich?

Falls das wirklich jemanden interessieren sollte – diese Info und noch einiges Interessante darüber hinaus hat Wikipedia zusammengetragen.

Besucht Laura Gambrinus auf ihrer Website, auf Facebook und stöbert hier in ihren Büchern.

Bitte nicht drücken!

Willkommen bei den Drückebergers! In meiner Facebook-Blase gibt’s seit Monaten eine wahrlich erdrückende Seuche. Anteilnahme aller Art wird stereotyp mit einer der folgenden Floskeln gezeigt (oder auch: ausgedrückt): “Drück dich” – “Drück dich ganz fest” – “Fühl dich ganz lieb gedrückt” – oder mein persönlicher Hass-Favorit: “Drückerle

Diese Drückerei ist – zumindest in meiner Timeline – die Standardantwort auf öffentlich artikuliertes Missbehagen aller Art. Beklagt sich jemand über zu viel/zu wenig/keine Arbeit: “Oh – fühl dich ganz lieb gedrückt!” Hat das Haustier/das Kind/der Partner Schnupfen: “Drückerle für X und dich!” Steht ein Zahnarztbesuch, eine Prüfung, ein Abgabetermin an: “Drück dich!”

Kurz: Von unreflektiertem Rumgenöle bis hin zum Todesfall wird alles kommentatorisch erdrückt! Ohne jede Gnade.

Warum die ganze Drückerei?

Ich frage mich schon eine ganze Weile, warum das so ist. Und auch, warum es mich so massiv stört. Früher jedenfalls wurde nicht gedrückt. Da wurde vielleicht gesagt: “Das tut  mir sehr leid!” – “Kann man dir helfen?” – “Ich denke an dich.” – “Mein aufrichtiges Beileid.” – “Alles wird gut!” – oder vielleicht sogar mal: “Stell dich nicht so an!”

Das sind auch alles Floskeln, keine Frage, aber wenigstens situativ angepasste. Doch heute wird gedrückt, was das Zeug hält. Ich nehme mal an, die Drücker wollen damit ihre Empathiefähigkeit unter Beweis stellen, ihre Anteilnahme am Elend zeigen – und/oder einfach nur nett und freundlich sein. Was ja schön ist. Die Welt ist in jedem Fall ein besserer Platz, wenn wir uns für unsere Mitmenschen interssieren und tendenziell ermunternd auf Leid (mag es auch noch so marginal sein) reagieren.

Drücken kommt von Druck

Doch ist die ganze Drückerei wirklich positiv? Ich finde nicht. Aus mehreren Gründen:

Stellen wir uns doch mal vor, wie wir im wahren Leben auf die Aussage eines Bekannten reagieren würden, dass er sich vorm Zahnarztbesuch fürchtet. Würden wir ihn oder sie spontan in die Arme reißen und kräftig zudrücken? Eher nicht. Vermutlich würden wir etwas in der Art sagen: “Hab keine Angst, es wird bestimmt nicht so schlimm.”

Wann und vor allem wen nehmen wir im richtigen Leben denn in den Arm, um zu trösten? Das sind gar nicht so viele Menschen und gar nicht so viele Situationen, oder? Denn physischer Trost in Form einer Umarmung ist ein sehr intimer Akt, den man in der Regel nicht leichtfertig und wahllos ausübt.

Diese inflationäre, verbale Drückerei finde ich auch deshalb so bedrückend [sic!], weil “drücken” ja von “Druck” kommt – und so schwingt bei aller positiven Intention doch immer auch unterschwellig ein wenig Gewalt mit. Es wird Druck ausgeübt auf eine Person, die sich – aus welchen Gründen auch immer – sowieso schon unbehaglich fühlt. Ist das noch nett?

Druck rausnehmen

Sollten wir nicht stattdessen mal alle wieder den verbalen Druck rausnehmen und uns bemühen, der Situation angemessene Reaktionen zu zeigen? Gäbe unsere Sprache doch jederzeit her, oder?

Vielleicht kann ja als Anhaltspunkt für unsere Erwiderungen tatsächlich unser Verhalten im “real life” dienen. Wen ich also im echten Leben für sein wie auch immer geartetes Unwohlsein nicht drücken würde, dem muss ich es doch auch in der digitalen Welt nicht zumuten.

PS: Ich nehme sehr gerne Anteil am Leben meiner Mitmenschen und freue mich auch, wenn es umgekehrt ähnlich läuft. Aber es gibt nur sehr wenige Menschen, von denen ich mich tröstend umarmen lassen würde (ich spreche jetzt nicht von einer freundschaftlichen Begrüßungs-Umarmung!). Außerdem sind die Dinge, die ich auf Facebook (oder diesem Blog!) äußere, NIEMALS einer Trost-Umarmung würdig, also bitte lasst in Zukunft die verbale Drückerei. Danke.

Zu blöd zum Geradeauslaufen

Geradeauslaufen – Fluch oder Tugend? Der folgende Blogbeitrag beschäftigt sich vordergründig mit zwei scheinbar konträren Themenfeldern:

  1. Schusseligkeit
  2. (guten) Vorsätzen

Selbstredend gibt’s dabei gar nicht so viele Unterschiede. Außerdem wird es um Sport, Philosophie, das Schreiberdasein und diverse alltagsphilosophische Thesen gehen. Also nur etwas für Hartgesottene!

Der Charme der Schusseligkeit

Tollpatschige, aber ansonsten wahnsinnig patente Heldinnen sind in Unterhaltungsromanen schon viel länger stilprägend, als beispielsweise Millionäre oder Gestaltwandler – wobei es erschreckenderweise vielfach die bizarrsten Überschneidungen der Genres gibt. Jedenfalls gelten ungeschickte Damen in den Geschichten meist als besonders liebenswert. Warum das so ist? Ich nehme mal an, weil sich so viele von uns (Leserinnen) damit identifizieren können. Ich persönlich finde diese oft slapstickhafte Trotteligkeit jedoch eher abtörnend (auch wenn ich dieses Stilmittel zugegebenermaßen schon selbst verwendet habe), was mutmaßlich daran liegt, dass ich selbst oft genug buchstäblich zu blöd zum Geradeauslaufen bin.

Das gebe ich natürlich nicht gerne zu, denn es wäre mir lieber, man (und auch ich selbst!) würde mich stets als souveräne Frau wahrnehmen, die immer alles unter Kontrolle hat. Die Wahrheit ist jedoch niederschmetternd: ich habe nichts unter Kontrolle! Nicht meinen Hund, nicht meine störrischen Protagonisten – und am wenigsten meinen Körper. Der will einfach nicht so biegsam, elegant und geschmeidig sein, wie ich mir das vorstelle. Will heißen: ich fliege gerne mal auf die Schnauze! Und das nicht nur im übertragenen Sinn.

Zuletzt war es vor zwei Wochen soweit. Beim Joggen mit meiner lieben Kollegin und meinem geschätzten Hund, stolperte ich bei Kilometer 6,5 (von 8) über einen Kieselstein oder eine Wurzel oder etwas anderes Nichtiges – und zerfetzte neben meiner Lieblingslaufhose auch meine Würde. Außerdem hatte ich mir das Knie aufgeschlagen und das Schienbein so schlimm geprellt, dass ich noch Tage später bei der leisesten Berührung Sternchen sah.

Derartiges passiert mir relativ regelmäßig. Unzählbare Male bin ich aus dem Stand mit dem Fahrrad gestürzt, weil ich meinen Fuß nicht rechtzeitig aus dem Click-Pedal befreien konnte – oder mich für den falschen entschieden habe. Einmal habe ich  mich beim Staubsaugen k.o. geschlagen und bin erst Minuten (oder Stunden?) später wieder aus meiner Ohnmacht erwacht. Das sind in der Nacherzählung durchaus amüsante Anekdoten, tatsächlich aber vor allem schmerzhafte und ziemlich peinliche Ereignisse.

Denn jetzt mal unter uns, findet sowas wirklich jemand begehrenswert? Ich glaube nicht, denn es ist weder liebenswert, noch charmant, noch sexy – sondern einfach nur doof!

Mehr Achtsamkeit im neuen Jahr

Daher komme ich gleich schonungslos zum nächsten Thema – den (guten) Vorsätzen. Achtsamkeit ist ja so ein richtiges Mode/Hass-Wort geworden, dabei beinhaltet es jenseits aller Esoterik doch vor allem wirklich erstrebenswerte Eigenschaften. Es kann doch nur gut sein, wenn man aufmerksamer durch sein Leben schreitet. Wenn man eben achtsam ist, sich selbst gegegnüber (und daher vielleicht seltener stürzt), seinen Mitmenschen, der Umwelt … Die Welt wäre unter Garantie ein besserer Ort, wenn jeder einen Gang rausnehmen würde und ein bisschen – nun ja – achtsamer wäre. Oder? Doch eigentlich will ich das hier nicht vertiefen.

Mir geht es vielmehr um die guten Vorsätze, die scheinbar komplett aus der Mode gekommen sind. In vielen Zeitungen und praktisch allen sozialen Medien liest man seit Tagen nur noch Sätze wie “Ich nehme mir nichts mehr vor, denn ich kann es doch sowieso nicht einhalten!”. Ist das nicht eine total Bankrott-Erklärung? Schon klar, dass ein guter Vorsatz alleine gar nichts nützt, wenn es dann an der Umsetzung scheitert. Aber sich nicht einmal mehr vornehmen zu wollen, ein besserer Mensch zu werden, nicht mehr zu rauchen/saufen/bescheißen, abzunehmen und mehr Sport zu treiben, erscheint mir wie eine komplette Kapitulation. Außerdem ist es langweilig. Und traurig.

Ich habe Vorsätze!

Daher möchte ich jetzt  mit gutem Beispiel vorangehen: Ich werde 2017 minestens einen Halbmarathon laufen!

Es gibt natürlich noch mehr Vorsätze, aber die sind entweder nicht jugendfrei oder sonst wie für die Allgemeinheit gedacht, daher beschränke ich mich hier in diesem Beitrag auf die sportliche Herausforderung.

Der Halbmarathon ist sogar schon ziemlich konktret ins Auge gefasst: am 12.3. in Frankfurt – falls mir jemand zujubeln will. Und ich gebe zu, dieses Vorhaben ist insofern kühn, als es in ziemlichem Widerspruch zu meiner oben dargelegten Schusseligkeit steht. Seit zwei Wochen trainiere ich mit Klumpfuß (die Schwellung aus dem Schienbein ist ziemlich rasant in den Knöchel-/Fußbereich gesackt – dito das beeindruckende Farbenspiel) und Schmerzen. Aber ich trainiere. Denn ich will diesen vermaledeiten Halbmarathon nicht nur überleben, sondern auch in einer unpeinlichen Zeit (also idealerweise unter zwei Stunden) absolvieren. Und wenn ich im Zuge dessen, ein paar Pfund verliere und weniger trinke, dann nehme ich das eben auch mit.

“Das Leben ist auch für Hartgesottene …

… völlig unabdingbar!” Behauptet mein aktuelles Lieblingsspielzeug, der Moralomat! Wunderbare Thesen lassen sich damit generieren, die für endlosen Gesprächsstoff sorgen – und auch für den ein oder anderen Streit. Aber diese teils kühnen, teils abstrusen Behauptungen laden zum Nachdenken ein. Möglichkeiten kommen einem in dem Sinn, Ideen, ja sogar philosophische Ansätze. Das ist übrigens auch ein Vorsatz für 2017 – mal öfter innehalten und gründlicher über die Dinge nachdenken. Womit wir wieder beim Thema Achtsamkeit wären – zur Vermeidung aller möglichen Unfälle.

Und nun zu euch: Habt ihr Vorsätze? Mag mich vielleicht jemand beim Halbmarathon begleiten? Mir Trainingstipps verraten? Wetten, dass ich die 21 Kilometer in unter zwei Stunden schaffe? Das Schöne beim Rennen (wenn man da überhaupt einen Reiz ausmachen kann) ist übrigens auch die doppeldeutige Möglichkeit, vor seinen Problemen davonzulaufen. Denn wenn die Lunge brennt und die Beine schwer werden, produziert der Kopf manchmal die interessantesten Lösungsansätze …

In diesem Sinne: Happy New Year! Wir lesen uns 2017 wieder. Ach ja, vielleicht ist Geradeauslaufen nicht immer die beste Wahl – manchmal kann auch ein Umweg zum Ziel führen.