Beim nächsten Hund wird alles anders

Terror-Terrier-ToniDas könnte der Titel des nächsten Romans werden. Oder auch “Frauchen am Rande des Nervenzusammenbruchs”. Ich geben zu, ich bin aktuell etwas monothematisch unterwegs – ein Hundeartikel jagt den nächsten. Und es wäre wirklich schön, wenn ich einfach dumpfe Werbung für meine Hundstage machen könnte (es wäre sogar deutlich sinnvoller), aber ich muss leider wieder die Realität bemühen.

Wobei mein vierbeiniger Gefährte, aka Terror Terrier Toni, gestern innerhalb einer knappen Stunde so viele Schoten geliefert hat, dass ich damit locker drei bis vier Kapitel füllen könnte… Ich will es kurz machen (falls ich die Langfassung doch irgendwann verwenden will):

19:30 Uhr: Aufbruch aus dem Büro – Hund läuft brav neben dem Fahrrad her. +++ 19:34 Uhr: Ankunft Grünanlage am Willy-Brandt-Platz – Leine los. Frauchen will, dass Hund einen Haufen produziert, Hund hat andere Pläne. +++ 19:46 Uhr: Hund hat zwei Kaninchen gejagt – eines davon beinahe in den Künstlereingang der Oper. Hund hat Erbrochenes gefressen. Hund hat versucht, einem Obdachlosen das Abendessen abzunehmen (erfolglos). Hund ignoriert tobende Besitzerin. Hund hat nicht gekackt. Hund schnappt sich undefinierbares Etwas und trabt davon. +++ 19:48 Uhr: Hund erfolgreich eingefangen. Frauchen will Heimfahrt antreten. Hund röchelt und würgt. +++ 19:50 Uhr: Besitzerin will wissen, warum Hund röchelt und würgt und ihm zu diesem Zweck ins Maul schauen. Hund öffnet Maul nicht, sondern presst die Zähne aufeinander. +++ 19:51 Uhr: Frauchen ist verzweifelt und wütend. Dann kommt ihr eine Idee. Im Fahrradkorb liegt ein Tennisball ungeklärter Herkunft. Sie nimmt den Ball und zeigt ihm den Hund. Hund öffnet Maul und will nach Ball schnappen. Frauchen steckt todesmutig Hand ins Maul und leuchtet mit Fahrradlampe hinein: am Gaumen klebt ein riesiges, zermatschtes Baguette-Brötchen. Sie pult es ihm aus den Höllenschlund. Hund ist erleichtert. Hund will Ball. Frauchen nicht, sie will heim und legt den Ball wieder in den Korb. +++ 19:54 Uhr: Rote Ampel. Hund versucht in den Fahrradkorb zu hüpfen, um den Ball zu holen. Frauchen brüllt ihn wieder an. +++ 19:55 Uhr: Ampel immer noch rot. Hund rempelt Frauchen an. Tobsuchtsanfall. +++20.03 Uhr: Ankunft nächste Grünfläche, denn Hund hat ja immer noch nicht gekackt. Dort tummeln sich zwei gut bekannte vierbeinige Kollegen. Interessiert Hund nicht. Klebt wie Pattex an Frauchen, will Ball. Frauchen will, dass Hund kackt und dann heim. Hund will Ball. Besitzerin gibt auf und wirft den Ball. Hund triumphiert und schnappt ihn sich. Läuft dann zu seinen Freunden. Ist nicht freundlich zu ihnen, weil er unterstellt, dass sie seinen Ball haben wollen. Freunde sind irritiert. Deren Besitzer auch. Frauchen scheucht peinlich berührt Hund weiter.  +++ 20:11 Uhr: Heureka – Hund scheißt!! Frauchen will heim. Hund nicht. +++ 20:15 Uhr: Hund findet das Spiel saulustig: sofort in die andere Richtung abhauen, sobald Frauchen ruft oder sich gar nähert. +++ 20:19 Uhr: Frauchen ist soweit, den Hund seinem Schicksal zu überlassen (ein Teil von ihr jedenfalls) und tut so, als würde sie davonradeln. Hund lässt sich von dieser Finte übertölpeln und rennt ihr hinterher. Frauchen bremst. Hund auch. Sie will ihn anleinen, er lacht hämisch mit Tennisball im Maul, dreht um und rennt wieder weg. +++ 20:31 Uhr: Ankunft zuhause. Frauchen und Hund sprechen nicht mehr miteinander.

Puhuuu… Heute ist er übrigens ganz friedlich und stolz wie Bolle, dass er seine eigenen Autogrammkarten hat. Mal sehen, ob er sich auch zu Autogrammen überreden lässt. Ein großes Stempelkissen wartet bereits. Wer ein Toni-Autogramm haben will, schreibt mir einfach eine eMail mit seiner Adresse, dann kommt es in den nächsten Tagen per Post angeflattert.

Ich gönne mir jetzt zwei Tage Hunde-Pause und stürze mich auf die Buchmesse – wo ich hoffentlich nicht so blamiert werde. Schönen Abend noch!

Bitte warten! Zur Passivität verurteilt.

Bitte wartenEs gibt kaum frustrierendere Zuständen, als in einer Warteschleife geparkt zu sein. Wobei diese Formulierung schon fast den Kern der Problematik wiedergibt: Warten ist fast immer passiv, in den seltensten Fällen wird aktiv gewartet. Das ist dann eher ein Sehnen (nach dem Feierabend, dem Liebsten oder dem Ende der Diät) und eigentlich auch nicht besonders berauschend. Wer wartet dem ist die Deutungshoheit über sein Leben oder zumindest dem aktuellen Tag genommen.

Heute Morgen, oder ich muss besser sagen: heute Vormittag!, wartete ich auf einen Handwerker – nach der Telekomhotline und Zugverspätungen die für mich drittschlimmste Strafe. Während ich mich am Wochenende im Osten unseres schönen Landes rumtrieb, machte der Mann nämlich das Waschbecken kaputt. Angeblich nicht absichtlich, aber das Ergebnis war buchstäblich niederschmetternd. Immerhin bemühte er sich um schnellen Ersatz, denn schließlich ist das Zähneputzen über der Küchenspüle auch für einen Kerl nur bedingt reizvoll. Heute im Morgengrauen (7:30 Uhr) sollte die neue Badezimmerkeramik installiert werden. So der Plan.

Für die Aussicht auf komfortablere Körperpflege, nahmen wir selbst diese unglückliche Uhrzeit in Kauf. Statt zu Joggen, huschte ich also bereits deutlich vor sieben mit dem Vierbeiner auf die Gassirunde – ungeduscht, aber in Zivilklamotten. Der Aus- und Einbau würde schließlich höchstens eine Stunde dauern – hieß es. Reichlich Zeit, um danach zu duschen.  Dachte ich. Zunächst. Um viertel nach acht dann nicht mehr. Kein Handwerker weit und breit, ich immer noch müffelnd und zunehmend übellaunig. Anruf bei der Sanitärfirma: “Oh ja, da war doch was … hmmm, das ist ja blöd. Unser Mitarbeiter hat sich krank gemeldet!”  Ja, wirklich blöd!! “Ich schicke sofort einen anderen Kollegen!” Das immerhin ist geschehen. Der andere Kollege war um 8:30 Uhr da und ich will den Rest jetzt abkürzen: Das alte Waschbecken war störrisch und wollte uns nicht verlassen. Zudem passte die alte Armatur nicht aufs neue Becken. Er hatte aber keine Armaturen dabei …

Fertig war das Werk um kurz vor elf. Ankunft im Büro nach halb zwölf (mit schlimmen Haaren!). Wieder ein halber Tag verdaddelt. Wer weiß, was ich in der Zeit alles hätte tun können? Ein paar Seiten von meinem neuen Roman schreiben? Eine brillante Idee formulieren? Nichts von alldem ist passiert. Und ach ja, das Waschbecken darf frühestens morgen benutzt werden. Die Silikonfuge muss erst trocknen. Also warte ich weiter…