Tire Iron: Gut ist, wenn es wehtut

Nein, dies wird keine Brandrede für die durchaus fragwürdigen Wonnen von BDSM, sondern die Besprechung eines kulturellen Höhepunkts. Dieser fand am letzten Samstag in München statt und war sehr … nun ja … eindringlich!

Tire Iron – Rock on!

Global gesehen war der Samstag ein ganz schwarzer Tag für die Rockmusik. Malcolm Young, genialer Rhytmusgitarrist, Gründer und Sounddesigner von AC/DC, war seinem Demenzleiden in Australien erlegen. Doch die Show musste natürlich weitergehen. Nicht nur für seine verwaisten Kollegen, die ohnehin schon seit mehreren Jahren ohne ihn auskommen müssen, sondern auch für die ambitionierte Nachwuchs-Combo Tire Iron aus dem Münchener Umland. Ihr einziger Gig auf der mehrfach ausverkauften Welttournee 2017 würde nicht ausfallen, nur weil die Saiten Trauer tragen. Wobei es eine knappe Entscheidung war – was ehrlicherweise nicht so sehr am verschiedenen Malcolm lag, sondern an der strapazierten Kehle von Sänger Lars, doch dazu später mehr.

Habe ich eben “Nachwuchs-Combo” geschrieben? Das muss ich kurz relativieren. Ich meine damit weniger das Alter der Bandmitglieder, sondern eher  die Aktivitätsdauer … wobei … ein Blick auf die Website verrät, dass die Herren nun auch schon seit März 2012 miteinander musizieren.  Hm, dann also einfach: Band! Sorry, Männer!

Déja-vu – oder Wiedersehen macht Freude

Als Fangirl der ersten Stunde wäre ich natürlich untröstlich gewesen, wäre der Auftritt abgesagt worden, war ich doch extra durch die halbe Republik geeilt, nur um Tire Iron zu erleben. Und so war ich unfassbar gespannt, was nach der Vorband mit dem klangvollen Namen Tested on Animals kommen würde. Mein erstes Mal mit den Jungs war nämlich ein wenig ambivalent gewesen – siehe auch diesen Beitrag.

Was sofort auffällt: Bassmann und Gitarrist haben jeweils eine Armada an Instrumenten neben sich stehen, die höchst nuancenreiche Klangwelten versprechen. Der Drummer hat dafür die meisten und längsten Haare und entlockt seiner Batterie durchaus auch differenzierten Sound. Zumindest war dies der erste Eindruck, ehe die Ohrstöpsel zum Einsatz kamen. Denn vor allem sind sie laut. Laut im Sinne von richtig laut. Schmerzhaft laut.

Einen Sänger hatten sie damals nicht, was ich mit Bedauern und Ohrenklingeln zur Kenntnis und zu Papier gebracht habe: “Was außerordentlich schade ist, denn die ein oder andere Melodielinie hätte durchaus das Zeug zum Ohrwurm. Gesangsstunden oder noch besser: ein richtiger Sänger wären wohl der logische nächste Schritt.”

Immer schön, wenn Kritik auf fruchtbaren Boden fällt, denn seit kurz nach der Veröffentlichung meines damaligen Artikels, haben sich Tire Iron Verstärkung geholt in Form von “Töny Moneau” – wie der Wrestler-Name von Lars lautet. Übrigens weder verwandt noch verschwägert mit Airedale Toni. Soweit ich weiß jedenfalls … Lars-Töny ist jedenfalls eine Granate am Mikro und eine lupenreine Rampensau, kurz eine fantastische Bereicherung! Wenn auch mit einer besorgniserregenden Schwäche für das Kurschatten-Mineralwasser “Staatlich Fachingen”. Als er begann, an der markanten grünen Flasche zu zuzeln, war ich schwer beeindruckt: Ein Rocker mit Stil! Trinkt kein Bier, sondern Weißwein! Dachte ich. Bis ich näher herantrat und das markante Behältnis erkannte. Auweia. Angeblich war dieses seltsame Verhalten seiner kaum genesenen Halsentzündung zu verdanken. Kleiner Tipp: Wenn schon Wasser, dann aus einer standesgemäßen Flasche. Imagepflege ist auch wichtig! Das gilt übrigens auch für die Leichtbier- und Spezitrinker … *justsaying*

Doch nun zur Show

Sonst gibt’s wenig zu mäkeln, denn auch musikalisch haben sich die Herren weiterentwickelt. Silberlöwe Stefan aka “Sinnister” an den Drums sorgte für rasante Beats, “The Other One” Claus am Bass (noch ein “Anderer” – muss ein Familiengendefekt sein …) hielt den Laden zusammen und “Löuder” alias Jens blieb seinen Motto treu: mehr ist mehr! Er brauchte fünf Gitarren für die ungefähr zwanzig Nummern umfassende Setlist und wurde dabei auch immer lauter.

Inzwischen spielen Tire Iron fast nur noch eigene Songs, die man stilistisch wohl als “Metal-Punk mit Bluesrock-Elementen” bezeichnen könnte.  Mein persönlicher Favorit war eindeutig “Poltergeist”, wobei auch Löuders Hommage an seinen Pudel “My White Dog” irgendwie zauberhaft-schräg ist.  Die wenigen Cover stammen von Motörhead und es wird deutlich, dass hier lieber Lemmy gechannelt wird als Malcolm, und vielleicht ist das auch besser so …

Habe ich erwähnt, dass Tire Iron laut sind? Nein? Okay: sie sind laut. LAUT!! VERDAMMT SCHEISSLAUT!!! Und ohne Ohrstöpsel, die fürsorglich und kostenlos an der Kasse ausliegen, nicht ohne bleibende Pfeifgeräusche zu ertragen. Für die Ursache dieser Dezibel-Aufrüstung gibt es mehrere Theorien – vom reinen fröhlichen Spieltrieb bis zur altersbedingten Schwerhörigkeit eines Instrumentalisten -, die alle irgendwie logisch klingen, aber keine Entschuldigung sein dürfen. Nein, Schmerz ist kein Qualitätsmerkmal! Es ist besser, wenn es nicht wehtut!

Und beim nächsten Mal

Da es schon einmal so fein geklappt hat mit meinen Anregungen, gibt’s auch diesmal wieder eine Wunschliste:

  1. Ich steh nicht so auf Schmerzen – auch nicht in den Ohren, also bitte ein bisschen viel leiser!
  2. Weniger ist mehr – vielleicht nur 90 Minuten und dann noch ein paar Zugaben?
  3. Eine AC/DC-Nummer – nur für mich! Oder notfalls was Lustiges von KISS. Danke.

Ansonsten: Weitermachen! Es macht riesigen Spaß und bei der nächsten ausverkauften Welttournee bin ich wieder dabei – mit Staatlich Fachingen im Flachmann und meinen Ohrstöpseln.

 

Die Magie der Sehnsuchtsorte

Magische Orte

Man kennt sie aus Mythologien und Fantasyromanen – Orte, die magisch aufgeladen sind und die geheimnisvolle Mächte auf die Personen ausüben, die sich dort aufhalten. Das kann man glauben (macht Spaß), muss es aber nicht. Ich gestehe, ich gehöre eher zur Fraktion der Realisten, die es für ausgemachten Unsinn halten, in einem Steinkreis die Sonnenwende zu begehen. Auch wenn meine innere Romantikerin eine große Schwäche für Diana Gabaldons Outlander-Serie hegt. Doch das ist eine andere Geschichte.

Mir geht es heute um ganz real existierende magische Locations: Sehnsuchts- und Wohlfühlorte.

Sehnsuchtsorte

Viele Menschen haben Orte, nach denen sie sich völlig unerklärlicherweise sehnen – ohne jemals dagewesen zu sein. New York hört man da gerne exemplarisch oder auch die ein oder andere exotische Inselgruppe. Kommt es dann irgendwann zum Reality-Check, ist das meist eine sehr emotionale Reise. Denn wird die Wirklichkeit gegen die überhöhte Fantasie überhaupt eine Chance haben? Wie beglückend es dann ist, wenn sich herausstellt, dass das eigene Unterbewusstein Recht hatte, ist mit Worten kaum auszudrücken. Gleiches gilt leider auch für das Gegenteil – denn manchmal ist die Sehnsucht schlicht schöner als die Erfüllung.

Sehnsuchtsorte sind übrigens in aller Regel meist relativ ferne Ziele, die man nicht eben mal so aufsuchen kann, sondern schon einen erheblichen Aufwand betreiben muss. Im Gegensatz zu den Wohlfühlorten, die häufig deutlich bescheidener daherkommen.

Wohlfühlorte

Einer meiner absoluten Sehnsuchtsorte war übrigens lange Zeit Vancouver. Keine Ahnung warum, aber ich war regelrecht besessen von der kanadischen Westküsten-Metropole. Bislang war ich zweimal dort, zweimal unter schwierigen äußeren Umständen, doch die Stadt hat mich tatsächlich auch in der Realtität verzaubert. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal hinkomme, wenn auch der Rest passt. Dann könnte die Stadt glatt das Zeug zum Wohlfühlort bekommen – wenn auch mit mühsamer und kostspieliger Anreise verbunden.

Mein absoluter Wohlfühlort ist glücklicherweise deutlich verkehrsgünstiger gelegen: Die belgische Nordseeküste mit dem Städtchen De Haan. Wenn ich das Leuten erzählen, die gerade vom Sushi-Essen aus Tokio oder von der Big Five-Safari aus Tansania zurückgekommen sind, ernte ich in der Regel Kopfschütteln und/oder eine irritiert hochgezogene Braue, denn offenbar klingt Belgien in den Ohren vieler ähnlich sexy wie Bayerischer Wald (wobei es da auch sehr schön ist).

Ich hab nun gar nichts gegen Sushi in Tokio oder Safari in Tansania – ganz im Gegenteil, beides steht auf meiner Reisewunschliste ganz weit oben. Genau wie ich überhaupt gerne verreise und neue, mir unbekannte Länder, Städte und Regionen erforsche. Am liebsten übrigens am Meer oder noch lieber per Schiff auf dem Meer. Doch wenn ich ich meine Akkus aufladen und meinen Kopf durchlüften will, geht das besonders gut hier in De Haan.

Zufällig verliebt

Das war nicht immer so. Bis vor ein paar Jahren, wusste ich zwar von der Existenz Belgiens (und der Nordsee), aber beides hat mich ähnlich in Wallung gebracht wie der Bayerische Wald oder das Rothaargebirgte. Nämlich exakt gar nicht.

Doch 2011 musste ich einen lang geplanten und heiß ersehnten dreiwöchigen Westküstentrip (von Vancouver nach San Francisco) kurzfristig krankheitsbedingt absagen. Nachdem damals die Tränen der Enttäuschung getrocknet und Fieber und Hustenanfälle der schlimmen Grippe einigermaßen abgeklungen waren, musste ein kurzfristiger Plan B her. Die Hausärztin empfahl einen Aufenhalt an der See (Reizklima für die Lunge), der Mann brachte De Haan ins Spiel, wo er als Kölner früher schon einige nette Wochenenden verbracht hatte.

Für mich als gebürtige Münchnerin war “Meer” eigentlich immer nur ein Synonym für Mittelmeer – also warm, sonnig, leckere Pasta und süffiger Wein. Belgien und Nordsee klangen so gar nicht danach. Aber für nennenswerten Widerstand war ich immer noch nicht fit genug und so wurde es eben ein Ferienhäuschen in De Haan. Angeblich haben meine Augen beim ersten Strandbesuch ähnlich geleuchtet, wie die von Terrier Toni, in denen man nichts als fassungslose, trunkene Glückseligkeit lesen konnte.

Es funktioniert immer wieder

Das Schöne an einem Wohlfühlort ist, dass die Erwartungen nicht so romantisch überfrachtet sind wie beim Sehnsuchtsort – und sie sich nicht abnutzen. Bei jedem Besuch warte ich insgeheim darauf, dass ich enttäuscht werde, sich das Glücksgefühl verflüchtigt oder sonst ein Missbehagen einstellt. Aber nichts, wirklich gar nichts konnte den Zauber bisher brechen.

Auch diesmal nicht. Dabei waren die Vorraussetzungen wirklich nicht gut. Total geschlaucht, überarbeitet und auch noch am Abend vor der Abreise mit einem vollkommen unerwarteten Nackenschlag konfrontiert, der mir schier den Boden unter den Füßen weggezogen hat, bin ich hier angekommen. Doch dann hat es nur ein paar Stunden gedauert, bis mein Kopf wieder frei und meine Seele gekittet war – siehe auch das Foto von mir oben in der Collage.

Wenn Wohlfühlorte Sehnsuchtsorte werden

Auch wenn “belgische Nordseeküste” total unglamourös klingt, für mich ist hier inzwischen ein wahrlich magischer, ein echter Sehnsuchtsort. Was auch daran liegen kann, dass hier mehr als eine Leidenschaft befriedigt wird … Jedenfalls weiß ich: Egal, wie schlimm, schwierig, blöd meine Lebensumstände gerade sind – HIER wird alles gut!

Ach ja, zum ersten Mal seit Wochen habe ich auch wieder Lust, die nötige Muße und vor allem Zeit dazu, zu bloggen – und das tut richtig gut!

Was sind DEINE Sehnsuchts- und Wohlfühlorte?

Ich bin neugierig: Wohin zieht dich dein Unterbewusstsein und wohin deine Seele? Und wurdest du schon mal richtig enttäuscht? Ich bin sehr gespannt und freue ich auf Kommentare oder Mails.

Grüße von der fetten Alko-Nympho

Ich versuche es wirklich nicht persönlich zu nehmen, aber die Spam-Offensive der letzten Tage an meine diversen Mail-Adressen geht mir echt an die Substanz. Ich weiß von Freundinnen, die von (Fake)Handtaschen- und Schuhherstellern gespammt werden oder Angebote über Billig-Klamotten aus Kinderarbeit erhalten. Das ist auch nur mittelunterhaltsam, aber besser als mein Elend. Denn mir unterstellen die Spammer ganz offensichtlich, dass ich eine fette Schiefzeh-Nympho bin! Oder ein Alko-Sex-Maniac!

Neuer Spamtrend?

Wo sind nur die Zeiten hin, als mich reihenweise afrikanische Despoten/Missionare/Geschäftsleute angeschrieben haben – manchmal waren auch US-Soldaten dabei – die mir viel Geld geben wollten? Geld, das sie irgendwo gefunden haben und um das ich mich kümmern sollte, bis sie es bei mir abholen. Wäre ich auf einen dieser charmanten Deals bloß mal eingegangen. Denn die Kohle könnte ich jetzt dringend gebrauchen, um mir die vielen Produkte zu kaufen, die ich offensichtlich neuerdings nötig habe.

Immerhin sind diese neuen Spammails optisch viel attraktiver als früher. Da werden gleich mal hübsche Bildchen mitgeschickt, die häufig sogar total lehrreich sind.

Sieht nach bösem, bösem Aua aus!

Ja, über die Schiefzehproblematik kann man gar nicht oft genug sprechen, oder? Jetzt weiß ich auch Bescheid und bin gewappnet, falls mich dieses Elend demnächst auch noch trifft.

Du bist zu fett!

Ich habe zwar gut geformte Zehen, aber zugegebenerweise den ein oder anderen Rettungsring zuviel um andere Körperregionen. Doch ist das wirklich ein Grund, mich mit Abnehm-Ratschlägen zu traktieren? Wenn sie wenigstens funktionieren würden – doch allein, mir fehlt der Glaube. Einzig dieses Premium-Produkt klingt wirklich vielversprechend:

Man beachte bitte den unikalen Preis – und das für nur ein Plaffen!

Nur ein Plaffen wird Sie vom Gefühl des Hungers befreien und die Harmonie der Figur zurückgeben!

Nur ein Plaffen? Unfassbar. Ich weiß zwar nicht genau, wer oder was ein Plaffe ist, aber egal: Das MUSS ICH HABEN!!! Sofort. Wo doch auch die Weltsterne drauf stehen und es das Wunderprodukt zum unikalen Preis gibt. Ich bin dann mal shoppen!

Hör auf zu qualmen und zu saufen!

Das mit den Abnehmprodukten ist zwar schmerzhaft, aber wenigstens nachvollziehbar. Richtig gemein wird es, wenn die Käufer meiner diversen Mail-Adressen nur aufgrund meines Namens annehmen, dass ich ein Alkohol- und/oder Rauchproblem habe. Ich habe in meinem ganzen, durchaus fortgeschrittenen Leben, vielleicht fünf Zigaretten geraucht! Menno. Und was das Trinken betrifft – da liege ich sicher weit unter dem Schnitt der frustrierten Autoren. Was zugegebenermaßen nicht an einem Mangel von Frust liegt, sondern an einer massiven Tendenz zu Migräne. Neben Schuhen und Handtaschen wäre das übrigens ein sinnvolleres Angebot für mich. Just saying. Aber ich bekomme ja nur andere Pillen.

Will man wirklich wissen, wie DAS funktioniert? Nein.

Sie haben ein Erektionsproblem!

Nein, habe ich nicht. Also echt nicht. Dafür fehlt mir nämlich nicht nur ein entscheidendes Chromosom, sondern vor allem das entsprechende Equipment. Doch spaßeshalber habe ich einige der Mails mal an meinen Mann weitergeleitet. Er fand’s nicht witzig. Keine Ahnung warum. Dabei ließe sich allein mithilfe der Mails eine wunderbare Geschichte skizzieren.

OMG! Wie konnte das passieren? SIE will Sex!

Schockschwerenot – die Frau drängt auf Geschlechtsverkehr. Was tun? Erst einmal ordentlich recherchieren.

Tja, wer die Wahl hat, hat die Qual. Schneller einsatzbereit und länger können oder länger warten und früher schlappmachen?

Dumm nur, wenn dann zwar die Standfestigkeit gesichert ist, die Hardware aber unterentwickelt daherkommt. Doch auch dafür gibt es eine Lösung!

Breaking News! Schneller Kommen ist das neue Must-have der Männer!

So eine radikale Veränderung des Gehänges, kann jedoch unter Umständen zu einer ebenso radikalen Veränderung des Beziehungs-Status quos führen. Doch auch in diesem Fall gibt’s sofort Abhilfe.

Klappt garantiert! Also voll total sicher.

In den Armen des Kredithais

Wer – wider Erwarten – trotz all dieser Maßnahmen sein Liebesglück doch nicht gefunden hat, wird früher oder später in den Armen des Kredithais landen. Wobei? Haben Haie Arme? Und da wären wir wieder am Anfang der Geschichte. Die amerikanischen Soldaten und afrikanischen Missionare waren irgendwie charmanter …

Voll seriös, Alter! Echt jetzt.

PS: Warum hat sich der Mann jetzt mit seinem Laptop ein ein anderes Zimmer verzogen?

PPS: Danke fürs Lesen! Wenn Sie an dieser Stelle angekommen sind, haben sie sich einen Trojaner eingefangen, der ab sofort und bis in alle Ewigkeiten, Ihren Rechner dazu bringt, im ganz großen Stil meine Bücher zu bestellen. Und die von Charlotte auch! Herzlichen Dank!

 

Love Letter Convention 2017: Bingo!

Bingo!

Müsste ich die Love Letter Convention 2017 in einem Wort zusammenfassen, dann wäre es zweifellos Bingo. Bingo im Sinne von Volltreffer und Bingo im Sinne von … nun ja … Bingo halt. Doch dazu später. Da es aber niemanden gibt, der von mir ernsthaft verlangt, einen Einwort-Bericht zu verfassen (obwohl ich mich in meinen Romanen bekanntlich durchaus einen reduzierten Stil pflege), gibt’s jetzt eine etwas ausführlichere Variante.

Das erste Mal

Die paar Tage Reflektionszeit haben leider gar nichts genützt, ich bin nämlich immer noch komplett überwältigt von der Veranstaltung – und das ist dann auch schon der größte Unterschied zu anderen ersten Malen in meinem Leben. Den ersten Kuss? Hab ich vergessen! Das erste Mal Sex? War zum Vergessen! Der erste Fallschirmsprung? Werde ich nie vergessen können – leider. Meine erste LLC – wie wir Eingeweihten das Event liebevoll nennen – wird sicherlich unvergesslich bleiben. Auch wenn ich offiziell selbst gar nicht da war. Es war nämlich “die Andere”, die an diesem Mai-Wochenende Gewalt über den Wirtskörper erlangte und in den kompletten Genuss der Fanzuneigung kam. Bittere Erfahrung, kann ich da nur sagen, doch was will ich machen? Charlotte Taylor ist in unserer Autoren-WG in Liebesdingen eben ganz weit vorne und belästigt niemanden mit Hunden, Geistern, Außerirdischen und Alzheimer.

Doch ich will nicht klagen, schließlich ist sie ohne mich ein Nichts und so durfte/musste ich überall mitmachen. Der Einfachheit halber werde ich im weiteren Text einfach von “ich” sprechen – auch wenn ich meist Charlotte meine. Sonst wird’s nämlich noch verwirrender.

Party-Verlag

Die bislang unbestätigten Gerüchte, wonach die Verlagsgruppe Bastei Lübbe eine ernstzunehmende Party-Truppe ist, kann ich nun guten Gewissens verifizieren. Der Freitagabend gehörte nämlich den Verlagsmitarbeitern und Autoren von Lübbe, Lyx und be.ebooks – in einem wunderbaren französischen Bistro. Köstliches Essen, prickelnde Getränke und überaus launige Tischgespräche inklusive. Vielen Dank, das war wirklich grandios! Erst gegen Mitternacht konnte ich meine Kollegin Andrea Bielfeldt aka Amy Baxter davon überzeugen, dass wir wohl besser ins Hotel zurückkehren, um am nächsten Morgen halbwegs frisch ans Werk zu gehen. Wie lange insgesamt noch gefeiert wurde? Darüber kursieren unterschiedliche Angaben …

Frisch waren wir dann nicht wirklich, zumindest innerlich nicht. Make-up und guter Spachteltechnik sei Dank, wirkten wir aber durchaus einigermaßen herzeigbar. Schlaf wird ohnehin überbewertet, also was soll’s. Es folgte ein Tag mit Meets & Greets, Lesungen, Panels, Diskussionen, Workshops und vielen, vielen intensiven persönlichen Begegnungen mit den zauberhaften Lesern und Bloggern. Erkenntnis des Tages: Jetzt weiß ich wieder, warum ich das alles mache. Für EUCH! DANKE!!!

Bingo – diesmal richtig

Die ganze Veranstaltung hat was von Klassenfahrt. Viele Leser kennen sich untereinander, viele Autoren ebenfalls und die anderen lernt man dann eben kennen. Im Laufe der Zeit – Quatsch, das war gelogen: es ist im Grunde von der ersten Minute an so – entwickelt sich eine ganz besondere Dynamik und Stimmung. Ausgelassen, fröhlich, freundschaftlich und ab und an ein wenig anzüglich. Das durfte vor allem der schicke Security-Bartträger Marjio buchstäblich am eigenen Leib erfahren. Und ich, denn ich war gleich bei mehreren Veranstaltungen zum Thema Sex geladen – und anderen, die plötzlich diese monothematische Richtung einschlugen. Warum auch immer man der Meinung war, dass ich dafür eine angemessene Besetzung bin, ist mir nach wie vor schleierhaft. Gut, dass Charlotte das Sagen hatte…

Meine persönliche Krönung war am Sonntagnachmittag nämlich ein Workshop mit dem Titel Let’s talk about sex!, den ich ganz alleine bestreiten musste/durfte. Theoretisch war ich richtig gut und seriös vorbereitet, praktisch habe ich mit meinen Zuhörerinnen (ein Mann war dabei: André, du warst sehr tapfer!) Sex-Bingo gespielt. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, nur dies: es war außerordentlich lehrreich und meine lieben Lektorinnen dürfen sich jetzt schon auf einen signifikant erweiterten Wortschatz im Genital- und Beischlafsektor freuen…

Fazit:

Es war einfach nur toll! Anstrengend, aber fantastisch. Ich habe wunderbare Kollegen wiedergetroffen oder neu kennengelernt und Kontakte zu lieben Leser vertieft und geknüpft, was mit Geld nicht aufzuwiegen ist. Danke auch an das grandiose Orga-Team der LLC – ihr seid fantastisch!! – und an meinen Verlag be.ebooks, dass ich dabei sein durfte. Ich würde gerne im nächsten Jahr wieder kommen. *justsaying*

Foto-Credit:

Da ich selbst überhaupt nicht zum Fotografieren gekommen bin, danke ich Desiree Schaadt, Melanie Reichert, Katja Ezold, Beate Zülke und be.ebooks!

Das Schminktisch-Mysterium

Es ist – mal wieder – an der Zeit, dass ich mich den wirklich großen Dingen des Lebens widme! Dinge, die uns auf geheimnisvolle Art und Weise beschäftigen, die uns immer wieder ins Bewusstsein springen und uns zwingen, innezuhalten und unsere Sicht darauf neu zu überdenken. Es geht um Liebe, um Tod, um Freude, um Krankheit, um Gott, um die Welt, um Krieg und um Frieden. Wie gesagt: es sind die wirklich ganz großen Themen. Und hier und heute geht es um den Schminktisch.

Der Schminktisch – banal oder Fanal?

Ja, das ist mein voller Ernst! Und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen erstaunt es mich immer wieder, welche Macht ein scheinbar banaler Gedanke und/oder Gegenstand haben kann. Dann sind es oft die vermeintlich sinnlosen Dinge, die zu den anregendsten und sinnhaftesten Diskussionen führen. Und schließlich kann ein Thema gar nicht trivial genug sein, um für gute Unterhaltung zu sorgen. Daher: der Schminktisch!

Von den wirklich großen Dingen des Lebens weiß man natürlich, dass es sie gibt. Aber das Wissen darum ist meist latent, bis ein Ereignis diese Sache irgendwann prominent ins Bewusstsein spült. Das kann beglückend sein, erschreckend, sehr traurig, unglaublich lustig – oder irritierend. Aber egal was es ist, man wird es so schnell nicht wieder los. Daher: der Schminktisch!

Der Schminktisch in meinem Leben …

… existiert gar nicht. Zumindest nicht in physischer Manifestation, doch das gilt beispielsweise für Gott genauso und ist doch auch kein Grund an ihm zu zweifeln (wobei … für manche schon, aber egal. Es geht hier ja nicht um Gott, sondern um Schminktische!).

Mir ist nicht bewusst, seit wann ich weiß, dass es Schmink- oder Frisiertische gibt. Meine Großmutter hatte einen in ihrem altmodischen Schlafzimmer. Möglicherweise auch meine Mutter ganz früher, doch da wird die Erinnerung auch schon wieder schwammig. Was für sich genommen auch schon wieder merkwürdig ist, dass ich mich besser an die Schlafzimmereinrichtung meiner Großmutter als an die meiner Eltern erinnern kann, doch das ist jetzt NICHT das Thema. Mir sind Schminktische in alten Filmen aufgefallen und als Teenie hatte ich fixe Idee, dass es ziemlich schick wäre, eine Art Varietékünstlermaske in meinem Zimmer zu integrieren – mit grellen Glühlampenleisten rechts und links des Spiegels. Daraus ist nichts geworden und für viele, viele Jahre verschwand der Schminktisch als solches in meinem Unterbewusstsein, wo er unter einer dicken Staubschicht vor sich hinvegetierte (wieder eine Parallele zu Gott…).

Doch dann tauchte er plötzlich und mit verstörender Vehemenz wieder auf – in Form zweier Szenen in unterschiedlichen Romanen, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Zeitgenössische Romane, muss ich vielleicht dazu sagen. Aus dem deutschsprachigen Raum. Das irritierte mich gehörig – was nicht nur an dem vielen aufgewirbelten Staub und dem entsprechenden Hustenreiz lag, sondern vor allem, weil die Schminktische in den Geschichten irgendwie deplaziert wirkten. Was natürlich an meiner Wahrnehmung liegen kann und von daher irrelevant sein könnte, doch auf mich wirkte es einfach so.

Die Irritiation hielt an – und die Begegnungen mit Schminktischen wurden immer häufiger. Ich traf sie bei Ikea, in anderen Möbelläden, beim Stöbern auf Interior-Design-Websiten (wir renovieren gerade die Wohnung) und auch sonst gefühlt an jeder Ecke und in jedem Winkel.

Will mir der Schminktisch etwas sagen?

Diese Frage stelle ich mir seither ständig. Was hat es zu bedeuten? Will das Schicksal, dass ich mir einen Schminktisch besorge? Soll ich vielleicht selbst eine Schminktischszene in einen meiner zukünftigen Romane packen? Kann man vielleicht nur mit einem Schminktisch die große, absolute Glückseligkeit erfahren? Die Irritation wuchs – und das (ungesunde) Nachdenken begann. Läuft in meinem Leben womöglich etwas grundlegend falsch, weil ich nicht den geringsten Impuls verspüre, einen Schminktisch zu besitzen und ihn sogar zu nutzen? Im Gegenteil: Ich finde die Idee, mich an einem Schminktisch zu schminken eher mühsam und kontraproduktiv. Ich erledige das Thema Make-up (wenn überhaupt, ich bin da lange nicht mehr so varietémäßig-versiert wie zu meinen Teenager-Zeiten …) in zeitlicher und örtlicher Nähe zu Duschen, Zähneputzen, Haareföhnen und solchen Dingen, die man für gewöhnlich im Badezimmer erledigt.

Mache ich am Ende etwas falsch beim Schminken? Ich stelle mir folgenden Ablauf sehr mühsam vor: Das Gesicht waschen (vielleicht auch den Rest des Körpers, ich will da nicht kleinlich sein), mit Tagescreme bearbeiten, Zähneputzen – findet alles im Bad statt. Dann gehe ich zu  meinem Schminktisch und trage dort die Foundation auf. Ich mach das mit den Fingern und will die dann gleich wieder waschen, sonst saue ich mir die Klamotten ein. Also stehe ich auf, gehe zurück ins Bad, wasche mir die Hände und wandere dann wieder zum Schminktisch, um Lidschatten und Wimperntusche zu applizieren. Weil ich ungeschickt bin, schaffe ich es regelmäßig, mir Wimperntusche an die Hände zu schmieren … etc. Warum sollte ich also einen Prozess, der bei mir im Schnitt fünf Minuten dauert (zehn bis fünfzehn, wenn ich mir so richtig viel Mühe gebe) künstlich aufblähen? Um Kilometer zu machen? Ich verstehe es nicht.

Der Schminktisch und die (anderen) Menschen

Ich habe inzwischen (schmerzlich) akzeptiert, dass ich viele Dinge einfach nicht verstehe. Wahrscheinlich fehlt es mir an allen Ecken und Enden an Intelligenz oder gesundem Menschenverstand oder beidem. Immerhin nehme ich meine beschränkte Rezeptionsfähigkeit nicht (mehr) als Maß aller Dinge, sondern befrage die Menschen in meiner Umgebung dazu. Das hat gestern auf Facebook für einige Erheiterung gesorgt – bei meinen Freunden (wegen der bescheuerten Frage) und bei mir (wegen der teils großartigen Antworten).

Folgendes kann ich nun also konstatieren: Der Schminktisch ist ein echtes Thema, das viele Menschen beschäftigt (auch wenn sie es bis gestern gar nicht wussten). Der Schminktisch ist in seiner physischen Form nicht sehr weit verbreitet, hat aber durchaus ein nicht zu unterschätzendes Sehnsuchtspotenzial. Der Schminktisch scheint tendenziell auf jüngere Menschen etwas anziehender zu wirken als auf die älteren (wobei da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist). Leserin Melanie R. meinte, das läge daran, dass “in jeder von uns eine kleine Einhornprinzessin steckt”. Was ich für mich DEFINITIV ausschließen möchte. Aber ich bin ja, nach Lage der Dinge, auch die einzige Frau, die zum Schminken fließend Wasser benötigt … Selbst Männer haben nach Beobachtungen von Heidi B. eine Affinität zum Schminktisch – vor allem wenn sie aus dem arabischen Kulturkreis stammen.

Sind Schminktische die neuen Vampir-Millionäre?

“Kann ein Schminktisch auch sexy sein?” – wollte ich von meinen Facebook-Freunden ebenfalls wissen. In der von mir oben beschriebenen doppelten literarischen Schminktisch-Initialzündung, waren die Schminktische nämlich jeweils Teil des Verführungsaktes. Das erschien mir, ehrlich gesagt, noch abstruser als die Nutzung eines Schminktisches an sich, doch sofort regte sich in mir die Autorenpanik! Was, wenn der Schminktisch ein neues Trendmotiv im modernen Liebesroman ist? Sozusagen der nächste Vampir-Millionär? Themen, die ich bislang auch immer entweder gar nicht oder viel zu spät für mich entdeckt habe. Soll ich womöglich eine große Schminktisch-Komödie schreiben? Oder meine innere Charlotte dazu nötigen, ihre Protagonisten auf, unter oder wenigstens im Dunstkreis eines Schminktisches kopulieren zu lassen?

Doch leider blieb mir die Schwarmintelligenz in diesem Punkt eine einleuchtende Antwort schuldig. Nur Kollegin Regina M. schrieb: “In einem Schleiflack-Schlafzimmer fände ich sowas recht hübsch. Aber ist das sexy? Oder eher altbacken? Ich kann mir einen Schminktisch mit Sexappeal nur in einem etwas plüschig, pudrigem Ambiente à la Moulin Rouge vorstellen. Sonst hat das eher was altmodisch, niedliches und selbst wenn sich Frau auf dem Stühlchen davor räkelt, wirkt das irgendwie schwer nach Hausfrauen-Blümchensex-Einladung.”

Tja, was lernen wir daraus? Zumindest, dass die Schminktisch-Frage hochbrisant und nicht in einem einzigen Blogpost abzuhandeln ist. Für den nächsten nehme ich mir wohl wieder ein simpleres Thema wie Liebe, Gott oder den Weltfrieden vor.