Woher nimmst du deine Inspiration?

Wow! Erstaunlicherweise haben meinen letzten Blogpost nicht nur etliche Menschen gelesen, sondern viele sind sogar meinem Aufruf gefolgt und haben mir geschrieben, was sie gerne von mir lesen wollen. Vielen Dank dafür!

Woher nimmst du deine Inspiration?

“Woher nimmst du deine Inspiration?” war dabei eine Frage von Melanie Güllich (vielen Dank, du bist nun offiziell Patin dieses Beitrags – herzlichen Glückwunsch!), allerdings war es nicht das erste Mal, dass ich damit konfrontiert wurde. Erkundigungen nach dem vermeintlichen Musenkuss sind so häufig wie Sandkörner am Strand, und doch bin ich jedes Mal aufs Neue frappiert, denn die Frage stellt sich für mich einfach nicht.

Oder sagen wir, sie stellt sich für meine Geschichten nicht – sei es Romane oder Kurzgeschichten. Ganz offensichtlich ist die Frage nach Inspiration für Postings auf diesem Blog oder auch in den sozialen Medien mehr als berechtigt, siehe mein Hilferuf von neulich. In diesen Fällen ringe ich nämlich oft mit dem Problem, dass ich nicht den Hauch einer Ahnung habe, worüber ich schreiben soll. Für den Blog habe ich für die nächste Zeit diese Frage beantwortet: Die Inspiration habe ich delegiert! Zu diesem Beitrag hast du, liebe Melanie, mich inspiriert.

Frage beantwortet? Nein? Ich hab’s befürchtet …

Einfälle lauern in jeder Ecke

Also, woher kommen denn nun die Ideen, die meine Romane bevölkern? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Ich habe das Gefühl, dass sie einfach da sind. Manchmal versteckt, manchmal scheu, manchmal laut und vorwitzig. Oft habe ich den verstörenden Eindruck, dass in meinen Gehirnwindungen ein regelrechter Kampf ausgetragen wird, und ja, ich gebe es zu, es gewinnt meist die Idee, die am lautesten und penetrantesten HIER schreit. Zumindest fange ich dann an, mir ein paar weitere Gedanken zu machen. Fühlt sich das gut an, mache ich weiter, wenn nicht, ist die nächste dran. So entsteht meist ein erstes, grobes Gerüst einer Geschichte. Das kann ein Ort sein, eine Figur oder ein emotionaler Grundzustand, der eigentliche Plot kommt dann erst später. In meinem Fall häufig erst beim eigentlichen Schreiben. Dann setzen sich die vielen kleinen und großen Einfälle wie ein Puzzelspiel zusammen. Im Idealfall sind alle Teile vollständig, manchmal fehlen ein paar. Das ist dann … schwierig, aber auch ein ganz anderes Thema als das heutige.

Es gibt Kollegen – und glaubt mir, ich beneide sie glühend!! -, denen angeblich eine komplette Geschichte einfach so einfällt. Sie werden tatsächlich von der Muse (oder einer anderen höheren Macht) geküsst, wachen eines morgens auf und haben ihren kompletten Roman fertig im Kopf, so dass sie ihn “nur noch” aufschreiben müssen. Ich weiß nicht, ob es wirklich so funktioniert, es eignet sich aber prächtig zur Legendenbildung.

Wahrnehmen, filtern, sortieren

So gesehen bin ich wohl eindeutig eher eine Arbeitsbiene als eine Künstlerin. Mir ist nämlich wirklich noch nie einfach so eine geniale Geschichte eingefallen, die sich dann fast von alleine schreibt. Leider!

Dafür springen mich praktisch pausenlos Ideenfetzen an, die ich aufsauge wie ein Bartenwal seine Krill-Mahlzeit. Der Wal ist auch ziemlich wahllos (ist das nicht ein hübsches Wortspiel?) – er reißt sein rießiges Maul auf und fängt, was das Meer so anspült. Er will natürlich nur den leckeren Krill (=geniale Ideen), aber vor allem ist bei einer Maulvoll auch sehr viel Wasser (=heiße Luft) dabei, angereichert vielleicht ab und an von einem Fischlein (=eine besonders geniale Idee). Doch manchmal gibt’s auch fiese Plastikstücke (=lähmende, zersetzende Selbstzweifel). Der Wal filtert seinen Wasser-Nahrungs-Mix mit seinen Barten, schluckt Krill, Fischlein und bedauerlicherweise häufig auch die Plastikstücke und spuckt das Wasser wieder aus.

Genauso funktioniert das bei mir auch: Ich höre ein tolles Lied, eine Nachricht elektrisiert mich, ein Foto berührt mich, eine zufällige Begegnung löst Kopfkino aus. Mich kann wirklich alles und jeder inspirieren – und ganz vieles speichere ich in meinem Kopf-Archiv ab, weil ich es vielleicht mal brauchen kann. Vielleicht aber auch nicht.

Wenig überraschend, läuft es im Urlaub besonders gut. Da bin ich nicht so abgelenkt vom schnöden Alltag, sondern stelle alle Sinne auf Empfang und sammle Ideen. Die Wal-Analogie von eben ist übrigens auch kein Zufall. Ich war kürzlich in Südafrika und habe endlich (und zum ersten Mal in meinem Leben) Wale beobachten können. Richtig viele und richtig nah. Das war soooo cool und beeindruckend und noch viel besser, als alle bisherigen Delfin-Erlebnisse. Dazu werde ich ganz sicher sehr bald einen eigenen Beitrag schreiben, und vielleicht auch irgendwann mal einen Roman …

Die Inspiration nimmt mich!

Liebe Melanie (und alle anderen), ich hoffe, ich habe deine Frage beantwortet. Es ist also tatsächlich nicht so, dass ich die Inspiration nehmen muss, sondern dass sie mich nimmt. Wäre ich jetzt Charlotte, würde sich aus dieser Aussage ein wüstes Horizontal-Getümmel erspinnen (“Nimm mich!” “Nein, nimm du  mich!”), doch die ist glücklicherweise gerade anderweitig beschäftigt …