Vergessen ist eine Form von Freiheit

VergessenDieses wunderbare Zitat von Khalil Gibran ist im Grunde die perfekte Zusammenfassung für meinen neuen Roman Tage zwischen Ebbe und Flut.

Leid, Elend, Vereinsamung, Entfremdung, Demenz, Krankheit, Horror – das sind nur einige der Begriffe, die jedermann sofort mit dem Wort Alzheimer assoziiert. Und ja, diese Krankheit ist ohne jeden Zweifel tückisch, grausam und auch entwürdigend. Aber nicht nur! Vergessen ist fast immer schrecklich – doch manchmal kann es ein Segen sein. Und wenn irgendwann sämtliche intellektuellen Fähigkeiten eines Patienten verschwunden sind, bleibt immer noch eins: Gefühl!

Das ist mein wichtigstes Anliegen: Alzheimer-Patienten nicht zu ojektifizieren – sie bleiben Menschen. Bis zum Schluss!

Warum Vergessen als Roman-Thema?

Mein Vater wurde vor sechs Jahren mit Alzheimer diagnostiziert, da war er noch keine Siebzig. Geahnt hatte er es aber wohl schon viel länger. Es hat sich viel verändert in diesen Jahren – die Familie, er selbst. Aber er ist und bleibt mein Vater.

»Ich glaub, ich hab Alzheimer!« Wie oft hat jeder von uns diesen Satz schon ausgesprochen? Wenn wir uns an einen Termin nicht mehr erinnern konnten, uns der Name eines Bekannten nicht mehr einfiel oder wir eine andere Kleinigkeit vergessen haben.
Dieser Satz ist einfach dahingesprochen. Und ziemlich sicher leiden die meisten, die ihn sagen, nicht an Morbus Alzheimer, sondern waren schlicht einen Moment unkonzentriert.
Wer jedoch einen Menschen in seinem Umfeld hat, der tatsächlich an dieser tückischen Demenzerkrankung leidet, wird diesen Satz nicht mehr so einfach über die Lippen bringen, denn Alzheimer ist viel mehr als eine kurze Unachtsamkeit. Der Mensch verliert sich selbst, Stück für Stück und unwiederbringlich. Das ist für die Betroffenen ein extrem schmerzhafter psychischer Prozess – aber auch für Angehörige und Freunde eine Herausforderung, die manchmal weit über das Erträgliche hinausgeht. Dazu kommt die Tatsache, dass Demenz nach wie vor gesellschaftlich stigmatisiert wird, was insofern erstaunlich ist, dass doch praktisch jeder von uns im engeren oder weiteren Umfeld mindestens einen Alzheimer-Fall hat. Es ist eine Volkserkrankung, die viele betrifft, die aber am liebsten ängstlich totgeschwiegen wird. Als würde Ignoranz vor Demenz schützen. Schön wär’s, oder?

Menschen mit Alzheimer verändern sich. Viele verändern sich sogar dramatisch, und es ist tatsächlich nicht besonders angenehm, damit konfrontiert zu sein. Ihr Verhalten überfordert unseren »normalen« Geist und triggert unseren Fluchtreflex. Dabei vergessen wir (man beachte das Wortspiel!), dass ein Alzheimer-Patient nach wie vor vor allem eines ist: ein Mensch!
Ein Mensch mit Bedürfnissen. Und auch wenn der intellektuelle Austausch immer schwieriger wird, emotional funktioniert es lange noch sehr gut. In manchen Fällen sogar besser als zu gesunden Zeiten. Also sollten wir unseren Mitmenschen neben Respekt vor allem mit Gefühl begegnen. Eine Umarmung, ein Händedruck, ein einvernehmlich schweigsamer gemeinsamer Spaziergang – diese kleinen Dinge sind so viel wert und verhindern (oder mildern) die Isolation, in die viele Patienten rutschen.

Ich würde mir wünschen, dass man offen über Alzheimer spricht. Dass sich auch die engsten Angehörigen trauen, schon früh Hilfe zu suchen. Warum scheuen sich so viele auszusprechen, dass ein Elternteil oder der Partner erkrankt ist? Ein offener Umgang hat – zumindest meiner Erfahrung nach – nur Vorteile: Die anderen werden zu Komplizen. Denn erstaunlicherweise können die meisten Menschen eben doch recht gut damit umgehen, wenn sie hören: »Wundern Sie sich bitte nicht, wenn mein Mann manchmal seltsam reagiert. Er meint das nicht böse, er hat Alzheimer.« So eine Aussage nimmt allen Beteiligten den Druck.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern, dass sie nie persönlich mit Alzheimer konfrontiert werden, doch ziemlich sicher wird es etliche erwischen. Wäre es dann nicht schön, ein verständnis- und liebevolles Umfeld zu haben?

Warum Meer & Kreuzfahrt?

Das Meer ist in meinem Roman eine machtvolle Metapher und die Tatsache, dass die Geschichte auf einer Segelkreuzfahrt spielt, gibt dem Ganzen einen kammerspielartigen Charakter.  Außerdem habe ich seit Jahren eine Leidenschaft für die Seefahrt und liebe es, auf Schiffen zu reisen. Und ich glaube – genau wie einige meiner Protagonisten – an die Macht des Meeres!

Es gibt ganz sicher ziemlich intelligente und logische Erklärungen dafür, warum viele Menschen vom Wasser magisch angezogen werden. Doch das ist mir nicht wichtig. Mir reicht die Wirkung. Sobald ich am oder auf dem Meer bin, kann ich freier atmen und klarer denken. Mehr muss ich darüber nicht wissen. Insofern ist die gesamte Meeressymbolik in meinem Roman nicht etwa wissenschaftlich fundiert, sondern rein emotional und subjektiv motiviert. Und ich kann jedem Leser den Selbstversuch empfehlen.

»Tage zwischen Ebbe und Flut« ist kein autobiographischer Erfahrungsbericht, sondern eine zwar persönliche, aber durch und durch fiktionale Geschichte. Übrigens ist auch die Flying Cloud in meinem Roman komplett erfunden – entspricht aber ziemlich exakt meinem persönlichen Traumschiff. Ein historisches Vorbild hat sie jedoch gleichwohl: Die von Donald Mckay 1851 erbaute Flying Cloud segelte 1853 in unglaublichen neunundachtzig Tagen und acht Stunden von New York nach San Francisco – und das nicht etwa durch den Panama-Kanal, sondern über Kap Hoorn! Ein Rekord, der erst 1989 geschlagen wurde.

Klappentext: Tage zwischen Ebbe und Flut

Felix ist 70 Jahre alt. Er spricht aus, was niemand zu sagen wagt, und tut, was sonst niemand tun würde. Seine Erinnerungen sind wie Wellen in seinem Kopf, wogend, nicht festzuhalten. Denn Felix hat Alzheimer.
Um ihm einen Herzenswunsch zu erfüllen, machen seine Ehefrau Ellen, seine Tochter Judith und seine Enkelin Fabienne mit ihm eine Kreuzfahrt. Doch während Felix die Reise als wunderbares Abenteuer erlebt, wird für die drei Frauen die Seereise zu einer Seelenreise durch schwere Gewässer, aber mit Kurs auf sonnige Gefilde.

Vor allen anderen lesen? Vorableser gesucht!

5 Vorab-Rezensentengesucht!-1Der Countdown läuft – in vier Wochen erscheint endlich mein neuester Roman TAGE ZWISCHEN EBBE UND FLUT! Ich bin so unfassbar gespannt darauf, wie EUCH diese Geschichte, die mir aus vielen Gründen sehr am Herzen liegt, gefallen wird. Und weil mein Verlag Droemer Knaur ebenfalls neugierig ist, stellt mir die Presseabteilung fünf exklusive Vorabdrucke zur Verfügung!

Fünf Fahnenleser gesucht

Die tatsächlichen Taschenbücher werden gerade noch produziert, aber es gibt einige wenige Exemplare von sogenannten Fahnen, die normalerweise ausschließlich Rezensenten klassischer Medien wie Tageszeitungen, Magazinen, TV und Radio zur Verfügung gestellt werden. In diesem Fall dürfen aber auch MEINE Leser ran! Die Fahnen sehen übrigens fast so aus, wie das fertige Buch – ihr dürft euch also über ein sehr realistisches Lesevergnügen freuen und über eine streng limitierte Sonderausgabe. Interesse? Dann bewerbt euch bis Sonntag, 7.8. um ein Exemplar.

Wie läuft es ab?

Bewerben können sich alle Buchblogger und  Leser, die mir und dem Verlag folgende Bedingung verbindlich zusagen können:

Eine Rezension muss zum Veröffentlichungstermin am 1.9. (oder bis maximal drei Tage später) auf Amazon.de und mindestens einer weiteren Plattform (z.B. Lovelybooks, Buchblogs, Thalia.de, Hugendubel.de etc.) zugesichert werden.

Wenn das kein Problem ist, dann schreibe mir bitte eine eMail an carin[at]carinmueller.de, in der du kurz ausführst, warum DU meinen Roman unbedingt vor allen anderen lesen möchtest und wo du ihn rezensieren wirst. Bitte gibt dabei auch gleich deine Postanschrift an.

Am Montag, den 8.8. lose ich fünf Exemplare aus und der Verlag schickt die Bücher sofort auf die Reise zu euch! Ihr habt dann also für knapp 300 Seiten Lektüre drei Wochen Zeit zu lesen und zu rezensieren. Das ist machbar, oder?

Und darum geht’s in TAGE ZWISCHEN EBBE UND FLUT

Felix ist 70 Jahre alt. Er spricht aus, was niemand zu sagen wagt, und tut, was sonst niemand tun würde. Seine Erinnerungen sind wie Wellen in seinem Kopf, wogend, nicht festzuhalten. Denn Felix hat Alzheimer.
Um ihm einen Herzenswunsch zu erfüllen, machen seine Ehefrau Ellen, seine Tochter Judith und seine Enkelin Fabienne mit ihm eine Kreuzfahrt. Doch während Felix die Reise als wunderbares Abenteuer erlebt, wird für die drei Frauen die Seereise zu einer Seelenreise durch schwere Gewässer, aber mit Kurs auf sonnige Gefilde.

In ihrem ebenso warmherzigen wie humorvoll überspitzten Roman „Tage zwischen Ebbe und Flut“ zeigt die Journalistin Carin Müller eine Familie im emotionalen Ausnahmezustand. Basierend auf eigenen Erfahrungen lässt die Autorin ihre liebevoll gezeichneten Charaktere, allen voran den an Alzheimer erkrankten Felix sowie seine Ehefrau, seine Tochter und seine Enkelin, auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt aufeinanderprallen. So entsteht ein bewegender, dabei sehr ehrlicher und oftmals herrlich komischer Reise- und Familienroman über eine der Volkskrankheiten unserer Zeit, wie man damit lebt, was sie mit sich bringt – an Verlusten, aber auch neuen Erfahrungen und Chancen.

Schöner Bohren oder Sex auf der Baustelle

Sex auf der BaustelleZeig mir deinen Arbeitsplatz

In praktisch jedem (Blogger-)Interview werde ich gefragt: „Wie schreibst du am liebsten?“ oder „Hast du bestimmte Rituale beim Schreiben?“ oder auch gerne: „Zeig uns deinen Arbeitsplatz!

Da fange ich schon unter normalen Umständen zum Rumeiern an. Denn ehrlich gesagt, ist es mir ziemlich Schnuppe, wo und wie ich schreibe. Wenn der Druck groß genug ist, schreibe ich einfach überall und in jeder Situation. Und da ich in der Regel überhaupt erst mit Schreiben beginne, wenn ich Druck habe … Das ist alles sehr unglamourös, ich weiß, und ich war schon mehrfach versucht, die Mär vom strahlend weißen, total cleanen Schreibstudio am Meer in die Welt zu setzen, doch das glaubt mir ja doch keiner.

Rituale

Ein hilfreiches Ritual habe ich jedoch schon: Ich stehe total auf „Schreib-Battles“. Das ist eine ebenso glorreiche wie sinnlose Einrichtung, die mich aber regelmäßig und zuverlässig zu zügigem Output inspiriert. Ich bin Mitglied in einer Schreibgruppe auf Facebook, in der sich einzelne Mitglieder zu kleinen Schreibeinheiten verabreden. Gestern habe ich beispielsweise recht erfolgreich mit Mila und Laura „gebattelt“. Nach den vereinbarten 30, 45 oder 60 Minuten trifft man sich wieder auf Facebook, teilt seine Wort-Anzahl mit, jammert rum (wenn es schlecht gelaufen ist) oder freut sich (wenn die schwierige Szene plötzlich flutscht). Es geht um nichts – völlig egal, wer die meisten Wörter hat – aber es funktioniert. Zumindest für mich.

Da ich im Moment wieder einen recht sportlichen Abgabetermin vor der Brust habe, ziehe ich seit ein paar Tagen regelmäßig in den Kampf und habe so innerhalb einer Woche ein Fünftel des Manuskripts fertig.

Grenzerfahrung

So weit, so gut. Allerdings habe ich – unglücklicher Planungsfehler – im Moment auch eine Baustelle zuhause. Drei Räume werden renoviert. Nicht von mir, sondern von Menschen, die sich auskennen. Doch ich bin natürlich vor Ort, um die Handwerker mit klugen Ratschlägen zu nerven.

Wenn ich das nicht tue, versuche ich zu schreiben. Mit dem Laptop. Auf dem Sofa. Und im Hintergrund die Geräusche, der fleißigen Handwerksmänner. Das ging die letzten Tage prima – nicht einmal die Lackdämpfe haben mich nachhaltig aus dem Tritt gebracht. Doch heute morgen sollte es die erste pikantere Szene im Roman werden – zu einer Tageszeit (9 Uhr), zu der ich normalerweise noch nicht einmal sprechen kann (geschweige denn andere Dinge …). Doch ich war ja schon lange wach, der Maler an sich bevorzugt schließlich die Frühschicht.

Ich lege also los: „Mit hungrigem Blick taxierte er ihren nackten, verschwitzten Leib …“ Aus dem Flur: „Frau Müller, habe Frage!“ Ich rapple  mich hoch und gehe in den Flur, wo sich gleich darauf folgender Dialog entspinnt:
Handwerker: „Wo ist Dichtung?“
Ich: „Welche Dichtung?“
Handwerker: „Na, Dichtung von neuer Duschabtrennung.“
Ich: „Keine Ahnung. In der Packung?“

Um es abzukürzen: die Dichtung war nicht dabei! Die nächsten Tage werden wir also entweder stinken oder beim Duschen das Bad unter Wasser setzen. An Schreiben war erstmal nicht zu denken, stattdessen standen Telefonate mit diversen Kundencentern auf dem Programm. Nachdem das Dichtungsproblem gelöst war und die Handwerker mit belegten Brötchen versorgt waren, sollte es bei meinen Protagonisten weitergehen.

Safer Sex

War der Schweiß der Heldin schon getrocknet, war der Held noch hungrig? Die beiden waren jedenfalls sehr ungeduldig, endlich weitermachen zu können. Sie küssten sich, sie berührten sich, sie säuselten sich Schweinereien ins Ohr und wollten gerade zur Sache kommen – er nestelte schon am Kondom rum – als die Bohrmaschine aufkreischt.

Nun könnte man sagen, dass „Bohren“ ja durchaus das passende Leitmotiv wäre, doch … nein, es ging einfach nicht mehr. Zumal Augenblicke später erneut ein anklagendes „Frau Müller, habe Frage!“ erschallte. Die Schublade der Wandkommode passte nicht. Ich war mir keinerlei Schuld bewusst, schließlich bin ich seit Jahren stolze Trägerin des „Großen Ikea Basteldiploms am Bande“, und außerdem habe ich mich präzise an die Aufbauanleitung gehalten. Nach einigem Hin und Her, haben wir schließlich auch diese (und noch ein paar weitere) Klippe umschifft. Puh. Dann könnte ich ja eigentlich …

Doch der vorsichtige Blick auf mein Manuskript offenbar Erschütterndes:  Der Heldenpenis ist erschlafft und die Protagonistin duscht. Mist. Das wird heute wohl nix mehr.

Was lernen wir daraus?

Sex auf der Baustelle ist ein No Go!

In diesem Sinne – ich werde jetzt putzen. Schönes Wochenende.

Ein Herz für Schnäppchenjäger

PreisaktionEs mag wie ein Widerspruch klingen, vor allem wenn man meine Brandrede GEGEN Preisaktionen noch im Ohr hat, doch meinen Herzensroman Gefühlte Wahrheit gibt’s kurze Zeit zum Schnäppchenpreis!

eBook-Preisaktion

Und nein, ich verrate nicht meine Ideale, denn 99 Cent gibt’s bei mir definitiv nicht (mehr)! Ihr habt es vielleicht mitbekommen, dass mein Indie-Erstling ein neues Cover bekommen hat. Daher möchte ich gerne meine Freude darüber mit meinen Lesern teilen, die kurze Zeit (vom 13.-31.7.!) die Chance haben, den Roman kennenzulernen. Im Aktionszeitraum kostet das eBook in allen Shops statt 4,99 € nur 1,99 €. Beispielsweise bei Amazon, Thalia, Hugendubel oder Bücher.de.

Taschenbuch-Preisaktion

Taschenbuch-Fans, die auch das alte Cover schätzen (ich mag’s ja auch immer noch), können – so lange der Vorrat reicht – ein signiertes Exemplar für 7,99 € (statt 9,99 €) bei mir bestellen. Innerhalb Deutschlands verschicke ich versandkostenfrei. Einfach eine Mail an gw[at]carinmueller.de schreiben, dann melde ich mich mit allen Details. Zum Buch gibt’s übrigens reichlich Goodies – Kühlschrankmagneten (im alten UND neuen Design!), ein aufwändiges Booklet und eine Postkarte im neuen Design. Aber schnell sein, ich habe nicht mehr viele Exemplare!

Klappentext

Liebe ist die Anwort! Dumm nur, dass weder Selma noch Henri eine entsprechende Frage gestellt haben. Denn die Liebe? Die hat sich bei der Sportjournalistin und dem Schiffsoffizier jeweils mit lautem Getöse verabschiedet. Genauso übrigens wie die letzten Jobs der beiden. Als sie sich nun auf dem Segelkreuzfahrtschiff Flying Cloud zufällig kennenlernen, sind sie vor allem mit sich selbst beschäftigt. »Was ist schon wahr?«, fragen sie sich zunächst und kommen zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Ein Roman über die Macht der Freundschaft und die Magie der Liebe – in welcher Form auch immer. Eine Urlaubslektüre mit Geist (was durchaus wörtlich zu verstehen ist) und Witz – und so tiefgründig wie der Ozean.

Weitere Infos, warum das Buch ein neues Outfit bekommen habt, findet ihr hier.

Wahre Gefühle – gefühlte Wahrheit

MetamorphoseWehmut und Vorfreude

Ab heute werden an die hundert Menschen Post von mir bekommen. Eine Postkarte mit dem neuen Cover von Gefühlte Wahrheit. Weitgehend kommentarlos – einfach nur so. Fast wie ein Urlaubsgruß. Womöglich bist du/sind Sie einer davon und nun auf der Suche nach einer Antwort. Gerne! Ich muss dafür nur ein bisschen weiter ausholen:

Gefühlte Wahrheit ist eine Geschichte, die mir so wichtig war, dass ich sie – obwohl Verlage abgewunken haben – unbedingt schreiben und veröffentlichen wollte. Der Roman, der im Mai 2014 erschienen ist, hat aus einer Verlagsautorin eine Selfpublisherin gemacht. Dabei sind mir, trotz ziemlich guter Vorbereitung, reichlich Fehler unterlaufen – doch gelernt habe ich auch eine Menge: Über das Abenteuer Indie-Autor, über die Vorlieben von Lesern – und darüber, warum Verlage manchmal (für Autoren) unangenehme Entscheidungen treffen.

Die Geschichte von Selma, Henri und Kito wurde nämlich nicht gerade zum Bestseller, wie ich es mir (heimlich) erhofft hatte, sondern tat sich aus vielen Gründen schwer: uneindeutiges Genre, schräges Personal, verwirrender Klappentext und ein Cover, das ganz offensichtlich zunächst eine völlig falsche Botschaft aussendet. Die letzten beiden Punkte habe ich lange nicht wahrhaben wollen, denn ich fand meine Kurzbescheibung rasend originell und die visuelle Gestaltung traumschön.

Man lernt nie aus

Die allermeisten Leser, die sich die Mühe einer Rezension gemacht haben, waren dann auch begeistert von der Geschichte, doch eine nicht zu ignorierende Anzahl hat zudem Dinge geschrieben wie: „Das Cover hat mich erst gar nicht angesprochen“ oder „Ohne Empfehlung hätte ich es mir nie gekauft“. Hmpff. Die Autorin war zunächst ein wenig bockig und verschnupft, dann schulterzuckend resigniert und schließlich vor allem mit anderen, neuen Projekten beschäftigt. Beispielsweise mit meinem neuen Roman Tage zwischen Ebbe und Flut, der am 1. September als Taschenbuch und eBook bei Droemer Knaur erscheint.

Bei diesem Roman passt alles zusammen: Inhalt, Klappentext und Cover! Was war ich verliebt, als ich die Grafik zum ersten Mal gesehen habe. So und nicht anders muss mein Buch aussehen!

Ich kam ins Grübeln. Wie wäre es, wenn … Sollte ich dem alten Gaul noch mal neue Eisen gönnen?

Die Geschichte hat es verdient

Ich habe mich dann für ein neues Outfit entschieden! Warum? Weil es die Geschichte verdient hat. UND weil es Tage zwischen Ebbe und Flut ohne Gefühlte Wahrheit schlicht nicht geben würde.

Nein, es ist nicht die Fortsetzung, aber die Reise des 70-jährigen Alzheimer-Patienten Felix und seiner Familie findet auf der Flying Cloud statt, jenes Schiff, das in Gefühlte Wahrheit in Dienst gestellt wurde. Und es gibt ein Wiedersehen mit ehemaligen Protagonisten – jetzt als Nebenfiguren.

Außerdem haben wir im Lektorat von Tage zwischen Ebbe und Flut drei Kapitel gestrichen, die für die eigentliche Geschichte nicht relevant sind, aber eine wunderbare Brücke schlagen zu Gefühlte Wahrheit.

Daher erstrahlt Gefühlte Wahrheit ab sofort im neuen Glanz. Das Cover hat die wunderbare Sabine Kwauka gestaltet, die auch für Tage zwischen Ebbe und Flut den Stift in der Hand hielt. Am Originaltext hat sich nichts geändert, aber es gibt rund 40 Seiten neues Material, das vielleicht Lust macht, die Reise mit der Flying Cloud im September fortzusetzen.

Wenn die diversen Online-Shops richtig arbeiten, sollten Taschenbuch und eBooks ab sofort in neuem Look erhältlich sein – und hoffentlich eine Menge neuer Leser und Fans finden.

Wer Gefühlte Wahrheit schon kennt, aber neugierig ist auf das Bonusmaterial, kann es sich hier kostenlos in den Formaten PDF, ePub und Mobi runterladen. Viel Spaß damit!

Ich will auch eine Postkarte!

Wie oben erwähnt, habe ich eine Menge Postkarten verschickt, aber natürlich längst nicht alle. Wer gerne eine haben möchte, schreibt mir am besten eine Mail mit seiner Adresse an postkarte[at]carinmueller.de.

Taschenbuch-Sale

Da ich noch ein paar nagelneue Taschenbuchexemplare mit dem alten Cover habe, gibt’s die im Sale für 7,99 € statt 9,99 €! Wer ein singniertes Exemplar haben möchte – inklusiver aller Goodies (alte und neue!) schreibt mir bitte ebenfalls eine Mail (postkarte[at]carinmueller.de). Innerhalb Deutschlands verschicke ich ohne Versandkosten. EU-Ausland plus 2 €! So lange der Vorrat reicht.

PS: Die neuen Exemplare sind leider noch nicht angekommen, Bestellungen nehme ich aber gerne entgegen!

BREXIT – oops, they did it!

EuropaIst es denn die Möglichkeit, der BREXIT ist da! Die Briten haben es tatsächlich getan und „NO“ gestimmt zum Verbleib in der Europäischen Gemeinschaft. Und auch am Tag nach Verkündung des Referendumsergebnisses, sind die Reaktionen darauf vielfältiger als die EU Mitglieder hat. Man kann es einfach nicht fassen. Man will es nicht glauben.

Übrigens auch viele im Königreich nicht. Dort hat immerhin knapp die Hälfte für einen Verbleib in der Union gestimmt – vor allem die Jüngeren, Zweidrittel aller Schotten und die meisten Nordiren. Auch einige BREXIT-Befürworter kratzen sich bereits heute voller plötzlicher Zweifel am Kopf, statt mit Schampus und Kaviar den Sieg ihres Volkswillens zu feiern. Denn das größte Versprechen der BREXIT-Initiatoren wurde bereits schon wieder kassiert. Es hieß, dass die angeblich wöchtenlich 350 Millionen Pfund, die Großbritannien an die EU zahlt (diese Zahl stimmt natürlich nicht, but who cares?), praktisch sofort ins völlig marode Gesundheitssystem des Landes fließen soll. Diese Ankündigung, die laut Umfragen DAS wesentliche Argument für viele der älteren Wähler war, für den Austritt zu stimmen, hat UKIP-Chef Farage gestern – quasi unmittelbar nach dem Wahlsieg – schon wieder gekippt. Warum wohl?

Exit from BREXIT?

Nordirland erwägt den Anschluss an Irland, Schottland will raus aus dem Königreich und rein in die EU. Über eine Million Briten haben heute bereits für ein neues Referendum gestimmt, offenbar um den Exit vom BREXIT zu erreichen. Premierminister Cameron, der übrigens das ursprüngliche Referendum persönlich angestoßen hat!, weigert sich nun, den Austritt offiziell bei der EU zu beantragen und sagt, das möge doch bitte sein Nachfolger tun, der im Oktober das Amt übernimmt. Boris Johnson, Ex-Bürgermeister von London, großer BREXIT-Verfechter und Trump-Doppelgänger, der wohl Cameron beerben will, tönt jedoch, dass es ja so wahnsinnig eilig nicht sei mit dem Austritt. Und so weiter und sofort …

Wenn es nicht alles so schrecklich traurig wäre, könnte man über diese ganze Sache als gigantischen Monty-Python-Sketch betrachten. Doch leider ist es wirklich und wahrhaftig passiert. Und keiner weiß, welche Konsequenzen es haben wird. Für die Briten, für Europa, für jeden von uns.

Warum nicht Great Europe statt Great Britain?

Als ich Mitte der 80er-Jahre auf Schüleraustausch in Straßburg war, haben wir dort auch das EU-Parlament besichtigt und eine Führung gehabt. An die Details kann ich mich nicht mehr erinnern, wohl aber an das Gefühl, dass dieser Besuch bei mir, dem nerdigen Teenager und Star Trek-Fan ausgelöst hat: aus der Europäischen Gemeinschaft (die damals übrigens noch viel kleiner war als heute), könnte irgendwann mal, vielleicht in nicht allzuferner Zukunft eine echter Staat werden. Ich hatte mir das damals ähnlich vorgestellt wie die USA – und es als ersten Schritt in Richtung einer Weltgemeinschaft empfunden. Eine Vorstellung, die ich immer noch schön fände, aber inzwischen begriffen habe, dass ich diese Utopie sicher nicht mehr erleben werde.

Dabei würde eine europäische Republik so viele Probleme beheben – wie man wunderbar in diesem Interview mit der Politikwissenschaftlerin
Ulrike Guérot nachlesen kann. Sie sieht die aktuelle EU übrigens auch durchaus kritisch – der ganze schwerfällige, technokratische Apparat, das Ungleichgewicht, die teils undemokratischen Strukturen. Doch noch kritischer sieht sie das erstarkende Nationalstaatsdenken. Zurecht wie ich meine, denn glaubt denn wirklich jemand ernsthaft, dass alles besser wird, wenn ich meine Grenze dicht mache und meine Landesflagge in den Vorgarten stelle? Ich fürchte, das glauben im Moment eine ganze Menge Leute. Weil sie irrationale Ängste haben, die von skrupellosen Hetzern à la Boris Johnson (oder Donald Trump) mit Wonne aufgegriffen und verstärkt werden.

An der EU ist im Moment wirklich nicht viel sexy, aber wäre es nicht besser, wir würden alle ein bisschen Energie darauf verwenden, DIESE Zustände zu ändern, statt zu heulen und wie beleidigte Kleinkinder die eigenen Sandförmchen zu beschützen? Und bitte jetzt nicht das Argument, dass man gegen „die da oben“ ohnehin nichts ausrichten kann. In sämtlichen europäischen Staaten (auch in den Nicht-EU-Ländern) herrscht Demokratie. Will heißen, die Macht liegt beim Volk. Jeder Bürger kann etwas tun – wenn er es denn wirklich will!

Vielleicht bin ich naiv oder dämlich, aber ich habe die Hoffnung auf ein echtes Europa noch nicht aufgegeben. Und wer weiß, vielleicht werde ich es sogar doch noch erleben, dass ich statt eines deutschen Personalausweises einen Europa-Pass im Geldbeutel trage. Ich würde mich freuen!

Ein Meer voller Erinnerungen

Ein Meer voll Erinnerungen1Es dauert zwar noch gut drei Monate bis mein neuer Roman Tage zwischen Ebbe und Flut (ET 1.9.2016 bei Knaur) erscheint, aber ab sofort gibt’s hier im Blog regelmäßige Updates und Hintergrundgeschichten.

Vor zwei Stunden habe ich die letzten Korrekturen des zweiten Lektoratsdurchgangs eingearbeitet. Die Schlussredakteurin geht gerade noch einmal über das Manuskript und ab morgen wird bereits der Drucksatz gemacht. Ich freue mich schon so, endlich das fertige Taschenbuch in den Händen zu halten. Ist das Cover nicht der absolute Knaller? Ich finde, es strahlt unglaublich viel aus. Obwohl die Designerin nur ein relativ oberflächliches Briefing bekommen hat, ist es ihr gelungen, die Essenz meiner Geschichte visuell einzufangen.

Nach fast vier Jahren ohne Verlagsveröffentlichung (die letzte war 2012 „High Heels und Hundekuchen„) und zwei Jahren als reiner Selfpublisher (der erste Indie-Roman „Gefühlte Wahrheit“ kam im Mai 2014 raus), ist es mal wieder eine spannende Sache, mit einem Verlag zusammenzuarbeiten. Bisher macht es wirklich großen Spaß und ich kann die frohe Botschaft verkünden, dass wir gemeinsam eine Menge toller Leser-Aktionen stemmen werden. Trotzdem ist es natürlich ungewohnt. Vor allem die langen Zeiträume – auch wenn es bei diesem Projekt für einen Verlagstitel irrsinnig schnell gegangen ist. Wäre Tage zwischen Ebbe und Flut ein Indie-Roman, würde es vom aktuellen Stand der Überarbeitung bis zur Veröffentlichung vielleicht noch zwei Wochen dauern. Doch die Wartezeit werden der Verlag und ich sinnvoll nutzen. Versprochen!

Schaut also immer mal hier rein oder abonniert am besten direkt meinen Newsletter (oben rechts auf der Startseite meiner Website), damit ihr nichts verpasst. Hier gibt’s einen Blick in die offizielle Taschenbuch-Herbst-Vorschau. Sieht die Seite nich toll aus?

Fette Hunde – fette Autos

Fetter Hund - fettes AutoWarum SUV?

Meine Abneigung gegenüber SUVs dürfte hinlänglich bekannt sein. Viele Wörter (und auch Worte) habe ich darauf schon verschwendet und noch mehr Menschen gegen mich aufgebracht. Doch es will sich mir einfach der Sinn nicht erschließen, warum man in einer Großstadt mit relevanter Feinstaubbelastung und Parkplatzmangel um jeden Preis (und der ist in der Regel happig) mit einem panzerartigen Gefährt durch die Straßen brettern muss und dabei andere Verkehrsteilnehmer (bevorzugt mich) an fast tägliche Nahtoderlebnisse bringt. Falls mir das jemand mal wirklich schlüssig erklären kann, freue ich mich über entsprechende Kommentare. Denn es muss ja sinnvolle Gründe für derartiges Verhalten geben. Ich mag einfach nicht glauben, dass ein Geländewagen für den urbanen Dschungel nur angeschafft wird, weil

  1. der Fahrer seine defizitären Genitalien kompensieren muss.
  2. die schöne Aussicht so geschätzt wird.
  3. es einfach viel sicherer ist für die Kinder und so.
  4. der Treibstoffverbrauch im Vergleich zu Größe und Gewicht des Fahrzeugs eigentlich sogar total sparsam ist.
  5. das eigene Selbstwertgefühl so gering ist, dass siehe 1.
  6. es einfach geile Karren sind.

Diese Liste ist natürlich keineswegs vollständig, gibt aber schon mal einen kleinen Überblick über das merkwürdige Verhalten von uns Menschen. Natürlich weiß ich, dass nicht jeder SUV-Fahrer ein potenzieller Massenmörder mit Mikroschwanz ist (ich hasse Verallgemeinerungen!) und dass es viele großartige Zeitgenossen gibt (auch unter meinen Freunden – das muss ich an dieser Stelle dringend betonen!), die einfach an einer kleinen KFZ-Verwirrung leiden. Nur verstehen tu ich’s trotzdem nicht.

Warum reden wir darüber?

Der Grund für diesen Einstieg ist eine brandneue Theorie, die ich in den letzten Tagen entwickelt habe, als sich merkwürdige bis ausgesprochen unangenehme Ereignisse gehäuft haben. Erlebnisse, die zwar vordergründig rein gar nichts mit SUVs zu tun haben, aber bei längerem Nachdenken eine erschreckende Korrelation aufweisen. Neben einer unpassenden Fahrzeug-Auswahl geht der Trend nämlich offensichtlich auch zur unpassenden Hunde-Auswahl.

„Hat die Alte jetzt endgültig einen an der Waffel?“ – wird sich nun vielleicht der ein oder andere fragen. Möglich,  aber nicht sehr wahrscheinlich, denn die Indizienlast ist erdrückend.

Gibt es den „falschen Hund“ überhaupt?

Ehe ich meine These näher erläutere, ein paar Worte vorweg: Ich liebe Hunde! Ich bin auch der Meinung, dass die Welt ein besserer Ort wäre, gäbe es mehr Hunde und weniger Menschen. Ich finde weiter, dass ein Hund im Haushalt den allermeisten Menschen sehr zuträglich wäre. Es gibt keine per se schlechten oder bösen Hunde und die idiotische Einordnung von „Listenhunden“ ist schlicht vollkommen absurd.

Ich verlange auch von keinem anderen Hundebesitzer, dass sein Vierbeiner eine gut geölte, kadavergehorsame Befehlsempfängermaschine ist. Wie könnte ich auch – dank Toni habe ich wohl schon so gut wie jede Form der Peinlichkeit und Erniedrigung erlitten, die das Zusammenleben mit einem Wuffi so mit sich bringen kann. Ehrlich!

Doch warum um alles in der Welt laufen immer mehr zarte 50-Kilo-Elfchen mit nicht ganz so zarten 50-Kilo-Brocken an der strassbesetzten Flexileine durch die Stadt??

Das kann nicht gutgehen. Vor allem dann nicht, wenn der 50-Kilo-Brocken nicht einmal die aller grundlegendsten Regeln des Anstands beherrscht!

Mein Hund ist ein kräftiger Airedale Terrier, der kernige 32 Kilo auf die Waage bringt. Ich bin (leider) keine Elfe und werfe mehr als doppelt so viel, zugegeben nicht ganz so kerniges Lebendgewicht ins Rennen. Ich trage, seit Toni an meiner Seite ist, fast nur noch flache Schuhe, denn damit habe ich eine deutlich bessere Standfestigkeit, wenn er den Vorteil seines Vierrad-Antriebs (siehe SUV) und seines niedrigen Schwerpunkts ausreizt. Will heißen: Selbst wenn er all seine Terrier-Kräfte entfesselt, habe ich eine realistische Chance, die Situation unter Kontrolle zu behalten.

Den hatte die brünette junge Dame am Montag nicht.

Toni und ich waren mit dem Fahrrad unterwegs ins Büro. Er an der Leine. Ich brüste mich (aus gutem Grund) nicht oft, über meine tierischen Erziehungserfolge, aber das haben wir inzwischen zur Perfektion gebracht: Wenn er neben dem Fahrrad läuft, sind alle anderen Reize ausgeblendet: Katzen, Eichhörnchen, Kaninchen, andere Hunde – alles wird stoisch ignoriert!

Der Terrier trabt also entspannt an lockerer Leine neben mir und zuckt auch nicht mit der Wimper, als uns in der Anlage (eine parkähnliche Grünfläche mitten in der Frankfurter Innenstadt und unsere bevorzugte Route) kurz nach der Alten Oper jenes zarte brünette Persönchen entgegenkommt. Sie trug einen schicken hellen Trenchcoat, hatte in der einen Hand einen Kaffee im Pappbecher und in der anderen ihr Telefon am Ohr. Ach ja, und in der Beuge des Handy-Arms hing die Leine (keine Flexileine, das muss ich zu ihrer Verteidigung zugeben) und daran: ein auf Schlachtreife gemästeter, riesengroßer, brauner Labrador-Rüde mit mörderischem Appetit auf Airedales!

Muss ich weitererzählen? Wohl kaum. Viel Fantasie ist für den weiteren Ausgang der Geschichte nicht nötig. Nur so viel: Toni und ich sind unversehrt an unserem Arbeitsplatz angekommen. Die brünette Elfe dagegen …

Kein Einzelfall

Nun wäre dies zwar eine durchaus launige Anekdote, aber noch lange kein Grund für diesen Blogpost, wenn sich da nicht ein Trend abzeichnen würde. Allein in den letzten Tagen habe ich einen gebrechlichen alten Mann mit einem gigantischen Irischen Wolfshund gesehen und eine zauberhafte Blondine mit Modelmaßen, scharfen High-Heels und einem Bordeaux-Doggen-Rüden (siehe „Scott & Huutsch“) an oben erwähnter strassbesetzter Flexileine beobachtet. Jedes Mal mit leichter Schnappatmung meinerseits. Aber vor allem: zahllose Monster-Labbis mit physisch vollkommen überfordertem Begleitpersonal!

Warum macht man sowas? Im Falle der Labradore geht die Argumentationsline ja meist in die Richtung, dass Labbis ja bekanntlich total liebe, gutmütige, pflegeleichte, unkomplizierte Superhunde sind. Stimmt. In der Regel. Doch ein wenig Erziehung schadet auch da nicht. Und der Trend zum Gigantismus hat der Rasse ebenfalls nicht unbedingt gutgetan … Also was veranlasst einen Menschen, sich einen vollkommen überdimensionierten Hund anzuschaffen und gleichzeitig so wenig Wert auf die Ausbildung des Vierbeiners zu legen?

Womöglich ist es das gleiche Phänomen, das unsichere Zeitgenossen mit wenig Selbstwertgefühl (und noch geringeren Fahrkünsten) dazu bewegt, sich einen SUV zu kaufen. Anders kann ich mir beides nicht erklären!

PS: Häufig wird der unpassende Hund übrigens auch im unpassenden Auto transportiert – aber das hätte ich wohl nicht extra erwähnen müssen, oder?

Norden trifft Problemzonen

Nordisches AbenteuerWer kann sich noch an die TV-Serie „Zwei Münchner in Hamburg“ erinnern? Ich muss zugeben, dass ich Ende der 80er die Schmonzette mit Uschi Glas und Elmar Wepper total super fand und mir als Geburts- und Gesinnungs-Münchnerin eine Umsiedlung gen Norden plötzlich nicht mehr vollkommen absurd schien. Es ist dann aber doch anders gekommen: Meine Begeisterung für Uschi und Elmar hat irgendwann dramatisch nachgelassen – zugunsten anderer Leidenschaften, und nördlicher als Frankfurt bin ich wohntechnisch nie gekommen. Trotzdem finde ich’s „da oben“ nach wie vor klasse. Vor allem wenn Schiffe in angemessener Anzahl und Größe in der Nähe sind.

Warm-up in Hamburg

Daher war es wenig verwunderlich, dass Sofa-Kollegin Andrea Bielfeldt kaum Überredungskünste bemühen musste, um mich für eine Kino-Lesung nach Rendsburg (liegt am Nord-Ostsee-Kanal = viele Schiffe!) zu lotsen. Davor habe ich aber einen kleinen Abstecher in Hamburg gemacht – zwei Tage fast ausschließlich in Seefahrermission. Leider ohne die geplante Hafenrundfahrt, weil: Schietwetter! Trotzdem war es ein rundum gelungener Aufenthalt – mit neuen Möglichkeiten, überraschenden Einsichten und einem ziemlich gelungenem Gin Tonic im Le Lion, das wie ich gerade eben erst festgestellt habe, offenbar eine der 50 besten Bars weltweit ist. Ob das noch zu toppen war?

Rolltreppe und Problemzonen

Ja, aber es mussten die richtig schweren Geschütze aufgefahren werden! Die längste Rolltreppe Europas und die besten Kolleginnen, die man sich wünschen kann! Beides gab’s am Wochenende in Rendsburg – einem mir bislang nur so mittelgut geläufigen Städtchen. Ach was soll’s, wem mache ich hier was vor? Ich hatte keine Ahnung von Rendsburg – außer, dass die Stadt am Nord-Ostsee-Kanal liegt. Schiffe und so.

Jedenfalls gab’s im dortigen, zauberhaft kuscheligen Kinocenter zwei Autorenfrühstücke. Am Samstag lasen die Autorensofa-Kolleginnen Andrea Bielfeldt, Silvia Konnerth und Katharina Burkhardt, am Sonntag neben Andrea auch Violet Truelove und meine Wenigkeit. Ich war so frei und habe über meine Problemzonen geplaudert – wenn ich mir die Fotos so ansehe, die Dietmar Hesse und Chiara Gold zahlreich geschossen haben, wird mir auch klar, warum die Gäste so gelacht haben: Die Kolumne Quetsch the Speck weg nimmt man mir einfach sowas von ab … puh.

Ich hatte die Problemzone am Vorabend aber auch noch einmal gut angefüttert – beim Pizzaessen mit den Kolleginnen. Was tut man nicht alles für die Authentizität … Danach ging’s auf Europas längste Rolltreppe, die wirklich beeindruckend war – und beinahe zu weiteren Problemzonen geführt hätte -, und Frau Müller hat schließlich noch ein großes Schiff gesehen. Juhu. Was an diesem Abend sonst noch alles passiert ist (einiges), hat hier (leider – wenn ihr wüsstet …) nichts zu suchen, aber ich kann versichern, es waren durch und durch geistvolle Gespräche mit dabei. Stimmt’s Vio?

Trotzdem waren wir am nächsten Morgen fit für die Lesungs-Matinee im Kino. Einen kleinen Eindruck vermittelt schon mal dieser Ausschnitt (danke, Dietmar) – die volle Packung kommt bald!

Falls mich jemand fragen sollte, ob ich wiederkommen mag – die Antwort wäre wohl JA! Vielen Dank für die tolle Veranstaltung und das sagenhaft engagierte Publikum! So machen auch Problemzonen Spaß!

Hundehasser sind Menschenhasser

CollageNagelbomben zum Frühstück

Bei der morgendlichen Gassirunde mit Toni, haben wir heute auf einem etwa 50 Meter langen Straßenabschnitt in unmittelbarer Nähe unserer Wohnung zahlreiche „Mini-Nagelbomben“ gefunden – mit Nägel gespickte Hundeleckerlis, die auf dem Gehweg verteilt waren. Der Terrier hat (mutmaßlich jedenfalls) keine davon gefressen, aber das ist auch schon die beste Nachricht daran. In unserem Viertel leben Dutzende Hunde – und noch viel mehr neugierige Kleinkinder. Hatten wohl alle so viel Glück? Wir haben jedenfalls alle Köder eingesammelt. Und die Behörden informiert – beziehungsweise es versucht, sie zu informieren, doch dazu gleich mehr. Es ist auch nicht der erste Vorfall dieser Art in unserer Gegend. Vor zwei Wochen gab’s an ähnlicher Stelle bereits einen gleichartigen Fund. Das nährt die Theorie, dass es sich bei diesem Hundehasser um einen Anwohner handelt, der im großen Stil den Fehdehandschuh in Richtung Hundebesitzer hingeworfen hat.

Gefährlicher Irrsinn

Was geht wohl in einem Menschen vor, der erstens eine Packung Hundeleckerli kauft, zweitens ein Sortiment Nägel ersteht und drittens offensichtlich viel Zeit und Muse investiert, um aus beiden Zutaten potenziell tödliche Köder herzustellen?

Gefährlich vor allem für Hunde, aber ganz sicher auch für kleine Kinder,  die sich von der niedlichen Herzchenform der Leckereien zweifellos angesprochen fühlen.

Darüber ließe sich vortrefflich und lange spekulieren und in einer ersten Fassung dieses Blogartikels habe ich mich auch zu einigen saftigen Thesen hinreißen lassen. Doch sind Hasstiraden wirklich hilfreich und zielführend? Vermutlich nicht. Von einem Aspekt bin ich aber überzeugt: Wer so viel Energie in seinen offensichtlich grenzenlosen Hass auf Hunde steckt ist eine Gefahr! Auch für Menschen!

Selbstverständlich gibt’s genügend Gründe Hunde und vor allem Hundebesitzer zu verachten. Die Tretminendichte in Frankfurt ist erschreckend. Was ich als Hundebesitzer übrigens absolut ekelhaft finde – und es beim besten Willen nicht nachvollziehen kann, warum man die Haufen seiner Lieblinge nicht wegräumt. Ich kapiere das nicht. Auch nicht, warum man seine Vierbeiner partout durch einen Park ohne Leine rennen lassen muss, in dem Hunde explizit verboten sind (auch mit Leine!), weil es sich um einen Spielpark für Kinder handelt. Liebe Mithundebesitzer, so macht man sich auch keine Freunde – und fällt den anderen deftig in den Rücken. Sippenhaft und so.

Doch egal was – und wenn der Nagelbomber JEDEN Tag einen Haufen auf seiner Türschwelle vorfinden würde! -, NICHTS rechtfertigt solche Aktionen, deren Konsequenz unschuldige Tiere und unschuldige Kinder im höchsten Maß gefährdet!

Ich will mir nicht ausmalen, wozu dieser Mensch sonst noch in der Lage ist. Ein Nachbar in unserem gediegenen, friedlichen Wohnviertel! Welche Bastelei nimmt der begeisterte Tüftler als nächstes ins Visier? Vielleicht Molotowcocktails oder handliche Rohrbomben, die man direkter gegen die lästigen Hundebesitzer einsetzen könnte. Oder vielleicht sogar gegen Füchtlinge oder vergleichbares „Pack“? DAS macht mir wirklich Angst.

Schulterzuckende Behörden?

Während ich – nachdem Toni sicher zuhause war – noch einmal losgezogen bin, um die restlichen Köder einzusammeln, interessierte sich ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes nur für die falsch parkenden Autos. Auch nachdem ich ihn konkret auf die Gefahr hingewiesen habe. Er sagte schlicht, ich möge beim Straßenbauamt anrufen. Die wüssten, was zu tun sei. Das Straßenbauamt? Ernsthaft?

Ich rufe stattdessen lieber bei der zuständigen Polizeiwache an. Der freundliche Beamte erklärte mir, dass er da gar nichts tun könnte, gab mir aber den Rat, mich beim Ordnungsamt der Stadt Frankfurt zu melden. Die Mitarbeiterin dort – ebenfalls eine Hundebesitzerin! – knurrte zunächst angemessen wütend, dass sie „dem Täter am liebsten selbst die Köder in den Rachen stopfen“ würde. Eine schöne Idee, der ich mich direkt anschließen könnte, aber nicht wirklich hilfreich. Sie versprach dann aber, eine Streife vorbeizuschicken, um etwaige Restbestände, die meinem Adlerauge entgangen sind, einzusammeln, und das Veterinärsamt einzuschalten. Eine Viertelstunde später rief sie mich noch einmal an, und fragte mich, ob ich eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei in Erwägung ziehen würde. Klar. Hätte ich ja schon vorhin gemacht, aber die „Freunde und Helfer“ wollten nicht. Sie gab mir den Tipp, dass es ich am besten persönlich vorbeigehen sollte. Dann müssten sie nämlich.

Also bin ich mit meinen sichergestellten „Beweismitteln“ zur Polizeiwache Nordend geradelt und habe dort vorgesprochen. Was soll ich sagen? Meine junge, blonde Ansprechpartnerin war zwar ausgesprochen nett und auch rechtschaffend schockiert, doch auch ziemlich ratlos, als welches Delikt sie meine Anzeige jetzt behandeln sollte. Sie mutmaßte, dass es sich wohl höchstens um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Ordnungswidrigkeit? Ernsthaft?? „Wie wäre es mit versuchter Körperverletzung?“ Sie winkt ab. Hunde seinen ja juristisch gesehen Sachen. Ich: „Schon klar, aber was ist mit den vielen Kleinkindern?“ Das brauchte sie zum Grübeln und sie versprach, gründlich darüber nachzudenken und mich bei Bedarf noch einmal zu kontaktieren. Dann war ich wieder draußen. Und dann? Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass von dieser Seite noch etwas passiert, doch dann bekam ich diese Meldung: Frankfurt-Nordend: Hundeköder mit Nägeln ausgelegt

Und die Warnmeldung wurde bereits auf der Facebook-Seite veröffentlicht und schon reichlich geteilt! Hoffentlich hilft es!

Wegschauen gilt nicht

Also bestätigt es einmal wieder: Wegschauen gilt nicht! Egal, worum es sich handelt. Ob um „Nagelbomben“, bewusstlose Obdachlose, Flüchtlinge, Frauen, Pöbeleien in der U-Bahn … Macht die Augen auf und tut etwas!!! Und wenn ihr selbst nicht eingreifen wollt oder könnt, dann informiert die Polizei. Das nennt man Zivilcourage und ja, das ist mühsam – aber es hilft!! DANKE!