Bitte nicht drücken!

Willkommen bei den Drückebergers! In meiner Facebook-Blase gibt’s seit Monaten eine wahrlich erdrückende Seuche. Anteilnahme aller Art wird stereotyp mit einer der folgenden Floskeln gezeigt (oder auch: ausgedrückt): „Drück dich“ – „Drück dich ganz fest“ – „Fühl dich ganz lieb gedrückt“ – oder mein persönlicher Hass-Favorit: „Drückerle

Diese Drückerei ist – zumindest in meiner Timeline – die Standardantwort auf öffentlich artikuliertes Missbehagen aller Art. Beklagt sich jemand über zu viel/zu wenig/keine Arbeit: „Oh – fühl dich ganz lieb gedrückt!“ Hat das Haustier/das Kind/der Partner Schnupfen: „Drückerle für X und dich!“ Steht ein Zahnarztbesuch, eine Prüfung, ein Abgabetermin an: „Drück dich!“

Kurz: Von unreflektiertem Rumgenöle bis hin zum Todesfall wird alles kommentatorisch erdrückt! Ohne jede Gnade.

Warum die ganze Drückerei?

Ich frage mich schon eine ganze Weile, warum das so ist. Und auch, warum es mich so massiv stört. Früher jedenfalls wurde nicht gedrückt. Da wurde vielleicht gesagt: „Das tut  mir sehr leid!“ – „Kann man dir helfen?“ – „Ich denke an dich.“ – „Mein aufrichtiges Beileid.“ – „Alles wird gut!“ – oder vielleicht sogar mal: „Stell dich nicht so an!“

Das sind auch alles Floskeln, keine Frage, aber wenigstens situativ angepasste. Doch heute wird gedrückt, was das Zeug hält. Ich nehme mal an, die Drücker wollen damit ihre Empathiefähigkeit unter Beweis stellen, ihre Anteilnahme am Elend zeigen – und/oder einfach nur nett und freundlich sein. Was ja schön ist. Die Welt ist in jedem Fall ein besserer Platz, wenn wir uns für unsere Mitmenschen interssieren und tendenziell ermunternd auf Leid (mag es auch noch so marginal sein) reagieren.

Drücken kommt von Druck

Doch ist die ganze Drückerei wirklich positiv? Ich finde nicht. Aus mehreren Gründen:

Stellen wir uns doch mal vor, wie wir im wahren Leben auf die Aussage eines Bekannten reagieren würden, dass er sich vorm Zahnarztbesuch fürchtet. Würden wir ihn oder sie spontan in die Arme reißen und kräftig zudrücken? Eher nicht. Vermutlich würden wir etwas in der Art sagen: „Hab keine Angst, es wird bestimmt nicht so schlimm.“

Wann und vor allem wen nehmen wir im richtigen Leben denn in den Arm, um zu trösten? Das sind gar nicht so viele Menschen und gar nicht so viele Situationen, oder? Denn physischer Trost in Form einer Umarmung ist ein sehr intimer Akt, den man in der Regel nicht leichtfertig und wahllos ausübt.

Diese inflationäre, verbale Drückerei finde ich auch deshalb so bedrückend [sic!], weil „drücken“ ja von „Druck“ kommt – und so schwingt bei aller positiven Intention doch immer auch unterschwellig ein wenig Gewalt mit. Es wird Druck ausgeübt auf eine Person, die sich – aus welchen Gründen auch immer – sowieso schon unbehaglich fühlt. Ist das noch nett?

Druck rausnehmen

Sollten wir nicht stattdessen mal alle wieder den verbalen Druck rausnehmen und uns bemühen, der Situation angemessene Reaktionen zu zeigen? Gäbe unsere Sprache doch jederzeit her, oder?

Vielleicht kann ja als Anhaltspunkt für unsere Erwiderungen tatsächlich unser Verhalten im „real life“ dienen. Wen ich also im echten Leben für sein wie auch immer geartetes Unwohlsein nicht drücken würde, dem muss ich es doch auch in der digitalen Welt nicht zumuten.

PS: Ich nehme sehr gerne Anteil am Leben meiner Mitmenschen und freue mich auch, wenn es umgekehrt ähnlich läuft. Aber es gibt nur sehr wenige Menschen, von denen ich mich tröstend umarmen lassen würde (ich spreche jetzt nicht von einer freundschaftlichen Begrüßungs-Umarmung!). Außerdem sind die Dinge, die ich auf Facebook (oder diesem Blog!) äußere, NIEMALS einer Trost-Umarmung würdig, also bitte lasst in Zukunft die verbale Drückerei. Danke.

Be my Valentine?!

Man kann ja zum Schutzheiligen der Floristen – Pardon: der Liebenden!, stehen wie man will – Valentin ist gut fürs Geschäft. Also nicht unbedingt für meines, denn ich bin nicht im Blumengewerbe tätig (auch wenn ich es so manches Mal in Erwägung gezogen habe), aber insgesamt schon.

Stöbere ich heute auf Facebook durch meine Timeline, dann fallen mir zwei Fraktionen auf:

  1. Valentin-Liebhaber
  2. Valentin-Verächter

Beide haben gute Argumente, doch was soll die Aufregung eigentlich? Soll doch jeder den Spaß haben, den er will. Oder? Und mal ehrlich: Blumen/Pralinen/Schokolade gehen doch immer – AUCH heute!

Meine geschätzten Kollegen haben übrigens auch alle ein Herz für ihre Leser und hauen eine Valentins-Aktion nach der anderen raus. Und was soll ich sagen? Ich bin kein Stück besser! Bei mir gibt’s im Februar auch Rabatte, Liebe und sogar eine Neuerscheinung!

Carins Valentins-Aktion

Weil seit Anfang Februar nun auch mein Roman HUNDSTAGE ein wunderschönes neues Cover hat und weil das ein Grund für eine kleine Party ist, schmeiße ich zwar keine Konfetti, dafür fette Rabatte auf zwei meiner Bücher.

Gefühlte Wahrheit und Hundstage sind ein paar Tage lang (noch bis 27.2.) dramatisch reduziert – in allen eBook-Shops. Zuschlagen lohnt sich also.

Carins Neuerscheinung …

… ist im Grunde gar nicht von mir, sondern von „der Neuen“, also von Nirac Rellum, was aber nichts anderes ist, als Carin auf links gedreht. Weil die minderjährigen Ableger in meinem Umfeld so lange genervt haben bis mir nichts mehr anderes übrig geblieben ist, habe ich ein neues Weltraum-Abenteuer für Kinder geschrieben. Es heißt FERIEN AUF TARKANUS X und verspricht ein spannendes Abenteuer auf einem abgelegenen Planeten (und mit vielen aufregenden Tieren). Das eBook erscheint morgen (also am 15.2.) und kostet bis Ende des Monats nur 1,49 € statt regulär 2,99 €. Außerdem gibt es auch eine exklusive Taschenbuchversion, die zusätzlich noch die Kurzgeschichte AUSSENMISSION AUF KAIPAS V enthält – nur hier bei mir für 6 €!

Das ist doch eine echte Valentins-Alternative, oder? Habt euch lieb und lest ein Buch!

 

Zum Hunde drängt, am Hunde hängt …

… doch alles in der Welt. Zumindest in meiner kleinen überschaubaren Welt. Das nimmt zugegebenermaßen manchmal bedenkliche Formen an. Siehe diese Überschrift, für die ich ein berühmtes Goethe-Zitat aus Faust 1 vergewaltigt habe.

Der Hund in Wahrheit …

Ich habe hier auf diesem Blog schon länger nichts mehr von Toni geschrieben, nicht weil es nichts zu berichten gäbe, sondern vielmehr, weil mir andere Dinge wichtiger erschienen. Jetzt weiß ich: das ist Unsinn! Es dreht sich trotzdem alles um den Köter.

Was ich übrigens total liebevoll meine. Also so liebevoll, wie man sein kann, wenn man nach wenigen Stunden unruhigen Schlafs gegen halb fünf Uhr morgens von seinem Tier geweckt wird, weil es Bauchweh hat. Und es sich nur auf der knapp 600 Meter entfernten Hundewiese erleichtern kann (glücklicherweise nicht in der Wohnung, blöderweise nicht im Vorgarten). Und man sich der Hundewiese nun in Schlafanzug und Daunenjacke bei minus 5 Grad im gestreckten Galopp nähern muss. Also kurz gesagt: extrem liebevoll!

Toni hat Bauchschmerzen, weil die paranoiden Frankfurter seit Tagen tonnenweise Streusalz auf den Gehwegen verteilen, in der vagen (wenn auch komplett unbegründeten) Hoffnung, dass es mal glatt werden könnte. Und weil das Tier leider ständig was vom Boden fressen oder lecken muss. Warum auch immer. Vermutlich weil er ein Hund ist.

Man kann also sagen, dass der Hund in meinem Leben recht raumfüllend ist. Was sich nicht zuletzt in einem eigenen Instagram-Account und einer Facebook-Seite manifestiert, die blöderweise DailyDale heißt und somit täglich befüllt werden will. Was habe ich mir dabei bloß gedacht?

… und Dichtung

Bis vor kurzem war ich allerdings der Meinung, dass er in meinem schöpferischen Wirken eine eher untergeordnete Rolle spielt. Schließlich habe ich nur einen einzigen Hunderoman veröffentlicht. Und in Hundstage habe ich alles, was ich jemals über Hunde schreiben wollte, ausgebreitet.

Allerdings hat mich vor ein paar Tagen eine an sich wohlmeinende Freundin zart daran erinnert, dass in restlos ALLEN Büchern von mir ein Hund vorkommt. In meinem Erstling Mopsküsse, ist es – Überraschung – ein schwarzer Mops namens Hugo. In High Heels und Hundekuchen wird Hugo von der Airedale-Dame (!) Olga unterstützt. In Gefühlte Wahrheit gibt’s zwar keinen lebenden Hund, aber es ist die Rede vom just verstorbenen Beagle Briegel. Problemzonen hat ein eigenes Hundekapitel und im ausgelagerten Hot Chocolate-Universum (von „der Anderen“ aka Charlotte Taylor) tummelt sich in jeder einzelnen Episode Königspudel Henry. Selbst im hochseriösen Roman Tage zwichen Ebbe und Flut gibt’s Hunde – einen toten im Prolog (Leo) und einen lebendigen im Epilog (Poldi – genannt Leo … long story, beides übrigens keine Airedales, sondern Jack Russel-Terrier). Und nun hat sich auch noch bei der jüngsten abgespaltenen Autorenpersönlichkeit Nirac Rellum ein Hund eingeschlichen: Ein Airedale (!!) namens Rufus, der sein junges Herrchen Tim auf allerlei Abenteuer begleitet. Im Weltall! In der Zukunft!! Puh …

Ich gebe zu, da kann man unter Umständen ein gewisses Muster erkennen, aber ich schwöre: DAS IST KEINE ABSICHT!!

Crazy Dog Mom – Crazy Author?

Doch nun kommt es richtig dicke. Ich möchte nämlich meinem vermeintlich einzigen Hunderoman Hundstage ein neues Cover verpassen (hat einige Gründe, die hier an dieser Stelle zu weit führen würden) und habe meine hochgeschätzte Grafikerin Sabine Kwauka gebeten, einen Entwurf zu erarbeiten. Was soll ich sagen? Sie hat drei geschickt (was ein normales Procedere ist) – und ich fand sie alle so gut, dass ich micht nicht entscheiden konnte. Umfragen in diversen Facebook-Gruppen haben leider auch keine eindeutige Tendenz ergeben – bis auf die Schnapsidee eines Lesers, der anregte, ich solle doch einfach weitere Hundebücher schreiben, dann könnte ich alle Cover behalten.

Meine erste Reaktion lautete: „Nur über meine Leiche! Ich habe EINEN Hunderoman in meinem Leben geschreiben, das muss reichen.“ Doch dann hat mir mein empörtes Unterbewusstsein ein Schnippchen geschlagen und mir eine Idee für einen Krimi (!) in die mürben Gehirnwindungen gesetzt. Ein Krimi. Mit Hund. Von mir. Warum??? Tja, ich kann’s nicht erklären. Ich weiß nur, dass – wenn alles so läuft, wie geplant – noch in diesem Jahr mein ERSTER Hundekrimi erscheinen wird. Den (absolut genialen) Titel kann ich euch noch nicht verraten, aber der Held wird Joshi heißen und ein Airedale sein …

PS: Ich muss jetzt Gassigehen.

Zu blöd zum Geradeauslaufen

Geradeauslaufen – Fluch oder Tugend? Der folgende Blogbeitrag beschäftigt sich vordergründig mit zwei scheinbar konträren Themenfeldern:

  1. Schusseligkeit
  2. (guten) Vorsätzen

Selbstredend gibt’s dabei gar nicht so viele Unterschiede. Außerdem wird es um Sport, Philosophie, das Schreiberdasein und diverse alltagsphilosophische Thesen gehen. Also nur etwas für Hartgesottene!

Der Charme der Schusseligkeit

Tollpatschige, aber ansonsten wahnsinnig patente Heldinnen sind in Unterhaltungsromanen schon viel länger stilprägend, als beispielsweise Millionäre oder Gestaltwandler – wobei es erschreckenderweise vielfach die bizarrsten Überschneidungen der Genres gibt. Jedenfalls gelten ungeschickte Damen in den Geschichten meist als besonders liebenswert. Warum das so ist? Ich nehme mal an, weil sich so viele von uns (Leserinnen) damit identifizieren können. Ich persönlich finde diese oft slapstickhafte Trotteligkeit jedoch eher abtörnend (auch wenn ich dieses Stilmittel zugegebenermaßen schon selbst verwendet habe), was mutmaßlich daran liegt, dass ich selbst oft genug buchstäblich zu blöd zum Geradeauslaufen bin.

Das gebe ich natürlich nicht gerne zu, denn es wäre mir lieber, man (und auch ich selbst!) würde mich stets als souveräne Frau wahrnehmen, die immer alles unter Kontrolle hat. Die Wahrheit ist jedoch niederschmetternd: ich habe nichts unter Kontrolle! Nicht meinen Hund, nicht meine störrischen Protagonisten – und am wenigsten meinen Körper. Der will einfach nicht so biegsam, elegant und geschmeidig sein, wie ich mir das vorstelle. Will heißen: ich fliege gerne mal auf die Schnauze! Und das nicht nur im übertragenen Sinn.

Zuletzt war es vor zwei Wochen soweit. Beim Joggen mit meiner lieben Kollegin und meinem geschätzten Hund, stolperte ich bei Kilometer 6,5 (von 8) über einen Kieselstein oder eine Wurzel oder etwas anderes Nichtiges – und zerfetzte neben meiner Lieblingslaufhose auch meine Würde. Außerdem hatte ich mir das Knie aufgeschlagen und das Schienbein so schlimm geprellt, dass ich noch Tage später bei der leisesten Berührung Sternchen sah.

Derartiges passiert mir relativ regelmäßig. Unzählbare Male bin ich aus dem Stand mit dem Fahrrad gestürzt, weil ich meinen Fuß nicht rechtzeitig aus dem Click-Pedal befreien konnte – oder mich für den falschen entschieden habe. Einmal habe ich  mich beim Staubsaugen k.o. geschlagen und bin erst Minuten (oder Stunden?) später wieder aus meiner Ohnmacht erwacht. Das sind in der Nacherzählung durchaus amüsante Anekdoten, tatsächlich aber vor allem schmerzhafte und ziemlich peinliche Ereignisse.

Denn jetzt mal unter uns, findet sowas wirklich jemand begehrenswert? Ich glaube nicht, denn es ist weder liebenswert, noch charmant, noch sexy – sondern einfach nur doof!

Mehr Achtsamkeit im neuen Jahr

Daher komme ich gleich schonungslos zum nächsten Thema – den (guten) Vorsätzen. Achtsamkeit ist ja so ein richtiges Mode/Hass-Wort geworden, dabei beinhaltet es jenseits aller Esoterik doch vor allem wirklich erstrebenswerte Eigenschaften. Es kann doch nur gut sein, wenn man aufmerksamer durch sein Leben schreitet. Wenn man eben achtsam ist, sich selbst gegegnüber (und daher vielleicht seltener stürzt), seinen Mitmenschen, der Umwelt … Die Welt wäre unter Garantie ein besserer Ort, wenn jeder einen Gang rausnehmen würde und ein bisschen – nun ja – achtsamer wäre. Oder? Doch eigentlich will ich das hier nicht vertiefen.

Mir geht es vielmehr um die guten Vorsätze, die scheinbar komplett aus der Mode gekommen sind. In vielen Zeitungen und praktisch allen sozialen Medien liest man seit Tagen nur noch Sätze wie „Ich nehme mir nichts mehr vor, denn ich kann es doch sowieso nicht einhalten!“. Ist das nicht eine total Bankrott-Erklärung? Schon klar, dass ein guter Vorsatz alleine gar nichts nützt, wenn es dann an der Umsetzung scheitert. Aber sich nicht einmal mehr vornehmen zu wollen, ein besserer Mensch zu werden, nicht mehr zu rauchen/saufen/bescheißen, abzunehmen und mehr Sport zu treiben, erscheint mir wie eine komplette Kapitulation. Außerdem ist es langweilig. Und traurig.

Ich habe Vorsätze!

Daher möchte ich jetzt  mit gutem Beispiel vorangehen: Ich werde 2017 minestens einen Halbmarathon laufen!

Es gibt natürlich noch mehr Vorsätze, aber die sind entweder nicht jugendfrei oder sonst wie für die Allgemeinheit gedacht, daher beschränke ich mich hier in diesem Beitrag auf die sportliche Herausforderung.

Der Halbmarathon ist sogar schon ziemlich konktret ins Auge gefasst: am 12.3. in Frankfurt – falls mir jemand zujubeln will. Und ich gebe zu, dieses Vorhaben ist insofern kühn, als es in ziemlichem Widerspruch zu meiner oben dargelegten Schusseligkeit steht. Seit zwei Wochen trainiere ich mit Klumpfuß (die Schwellung aus dem Schienbein ist ziemlich rasant in den Knöchel-/Fußbereich gesackt – dito das beeindruckende Farbenspiel) und Schmerzen. Aber ich trainiere. Denn ich will diesen vermaledeiten Halbmarathon nicht nur überleben, sondern auch in einer unpeinlichen Zeit (also idealerweise unter zwei Stunden) absolvieren. Und wenn ich im Zuge dessen, ein paar Pfund verliere und weniger trinke, dann nehme ich das eben auch mit.

„Das Leben ist auch für Hartgesottene …

… völlig unabdingbar!“ Behauptet mein aktuelles Lieblingsspielzeug, der Moralomat! Wunderbare Thesen lassen sich damit generieren, die für endlosen Gesprächsstoff sorgen – und auch für den ein oder anderen Streit. Aber diese teils kühnen, teils abstrusen Behauptungen laden zum Nachdenken ein. Möglichkeiten kommen einem in dem Sinn, Ideen, ja sogar philosophische Ansätze. Das ist übrigens auch ein Vorsatz für 2017 – mal öfter innehalten und gründlicher über die Dinge nachdenken. Womit wir wieder beim Thema Achtsamkeit wären – zur Vermeidung aller möglichen Unfälle.

Und nun zu euch: Habt ihr Vorsätze? Mag mich vielleicht jemand beim Halbmarathon begleiten? Mir Trainingstipps verraten? Wetten, dass ich die 21 Kilometer in unter zwei Stunden schaffe? Das Schöne beim Rennen (wenn man da überhaupt einen Reiz ausmachen kann) ist übrigens auch die doppeldeutige Möglichkeit, vor seinen Problemen davonzulaufen. Denn wenn die Lunge brennt und die Beine schwer werden, produziert der Kopf manchmal die interessantesten Lösungsansätze …

In diesem Sinne: Happy New Year! Wir lesen uns 2017 wieder. Ach ja, vielleicht ist Geradeauslaufen nicht immer die beste Wahl – manchmal kann auch ein Umweg zum Ziel führen.

Bekämpft die Ohrgasmus-Lüge!

ohrgasmusluegeWie wäre es heute mal mit einem kleinen Referendum? Einer Volksbefragung? Liebe Leser, worüber möchtet ihr euch lieber informieren? Über die US-Wahl – oder über einen unausrottbaren Sex-Mythos? Ihr stimmt ab – ich bin auf alles vorbereitet!

Das Ergebnis: Sex schlägt Trump!

Das ist einerseits irgendwie beruhigend, doch auch ziemlich vorhersehbar. Aber schön, ihr habt es so gewollt. Lasse ich also meinen gesammelten Groll auf „Make America great again“ fürs Erste ruhen und widme mich einem Thema, das mich fast genauso verstört, wie Donald Trump: die Ohrgasmus-Lüge! Nein, ich habe mich nicht vertippt, ich meine es exakt so.

Seit ich vor etwa zwei Jahren begonnen habe, mir eine horziontale Zweit-Existenz aufzubauen – rein belletristisch selbstredend!!! – habe ich viel Verstörendes gelernt. Um zu erfahren, was dem geneigten Leser im Genre Erotik so zusagt, habe ich mich durch die einschlägige Literatur gelesen und vielfach auch gequält – bis ich schließlich entschieden habe, auf die Trends (oh ja, die gibt es!) zu pfeifen und die Geschichten zu schreiben, die ich interessant finde. Doch so unterschiedlich die Stories auch sein mögen, Sprache, Anspruch und Thematik betreffend, ein immer wiederkehrendes Element taucht auf: das Ohr!

Ist das Ohr eine erogene Zone?

Ich finde nicht. Das Außenohr, speziell das Ohrläppchen, ist sogar eher unempfindlich – nicht umsonst dient es vielfach als Nadelkissen für Schmuckkreationen aller Art. Was also bewegt unzählige Autoren und Autorinnen dazu, sich in der kühnen Schilderung zu versteifen, dass die Heldin beinahe schon durch inniges Saugen am Ohrläppchen oder neckisches Züngeln im Gehörgang zum O(h)rgasmus gebracht werden kann? Wer genau soll damit veräppelt werden?

Die These, dass all jene Schreiber Star Trek-Fans sind und sich von der erotischen Ohrmassage „Oo-Mox“ inspiriert haben lassen, kann  man wohl getrost in den Wind schießen. (Wer es genau wissen will: auf Oo-Mox stehen die Ferengi, eine auch sonst ziemlich schräge Alien-Rasse.) Zumal auch in der einschlägigen Star Trek-Sekundärliteratur nichts von einem tatsächlichen Höhepunkt durch das Ohrmuschel-Gekraule zu finden ist.

Aber Hunde stehen doch auch drauf!

Stimmt. Hunde lieben es, an oder hinter den Ohren gekratzt und gekrault zu werden. Wenn zwei Hunde untereinander Zärtlichkeiten austauschen wollen, dann lecken sie sich gerne die Öhrchen. Manchmal machen sie das auch mit ihren Menschen, was für den humanoiden Empfänger … nun ja … Geschmacksache ist. Hunde lieben also zweifellos Ohrinteraktionen – doch ich glaube nicht, dass diese erotisch aufgeladen sind. Und selbst wenn: Hunde wälzen sich auch gerne in toten Tieren, sollten also nicht als Maßstab gelten!

Schlampige Übersetzung?

Nächste These: Hinterm Ohr verlaufen tatsächlich etliche Nervenstränge, die bei Liebkosungen interessante Empfindungen auslösen KÖNNEN. Ich weiß nicht wie oft die Formulierung „he nibbles on her sensitive spot behind the ear“ schon gelesen habe. Diese Nibbelei führt in der Regel mindestens zu einem feuchten Höschen, meist zu mehr. Allerdings lese ich das nur in englischsprachiger Literatur. Im hiesigen Sprachraum wird meist am Ohrläppchen gezuzelt oder die männliche Zunge penetriert gleich die weibliche Ohrmuschel (was insofern Sinn macht, als Männer ja grundsätzlich gerne eigene Körperteile in fremde Körperöffnungen schieben).

Ist das ganze Dilemma also ein schlichter Übersetzungsfehler? Hat vor vielen, vielen Jahren der schlampige Übersetzer eines amerikanischen Sexratgebers geschrieben, dass Frauen darauf stehen, wenn ER ihr die Zunge ins Ohr schiebt? Und hat sich dann ein dadurch ein Trend entwickelt? So nach dem Motto: „Okay, da steht, dass es erotisch ist, wenn er an meinem Ohr rumschlabbert. Ich find’s zwar eklig, aber das ist dann wohl allein mein Problem. Hm, also schön, ich überwinde mich und tu so, als sei es geil!“ Dito die Männer: „Was? Frauen stehen drauf, wenn ich ihnen die Ohren auslecke? Hoffentlich hat sich die Lauscher gewaschen. Bäh – aber gut, was macht Mann nicht alles, um ans Ziel zu kommen?“

Zugegeben, das klingt schräg, aber wir Menschen sind doch auch ziemlich dämlich. Bekommen wir nur oft genug etwas gesagt, glauben wir es auch. Oder wie sonst ließe sich erklären, dass viele Millionen Amerikaner der ernsthaften Meinung sind, dass Donald Trump ein echt dufter Präsident wäre??

Bekämpft die Ohrgasmuslüge

Genauso wie ich hoffe, dass (die zwar ebenfalls ziemlich grässliche) Hillary Clinton die Wahl gewinnt, weil die Mehrheit der Amerikaner vielleicht doch nicht völlig verblödet ist, hoffe ich auch ein bisschen Restintelligenz der schreibenden Kollegen: Bekämpft endlich die Ohrgasmuslüge!

Quantität hat ihren Preis?

mehrwertZehn Tomaten kosten mehr als eine. Klare Ansage – das wird keiner in Abrede stellen. Mehr Masse kostet also mehr Geld. Logisch. Oder?

Daher muss eine 600-Seiten-Schwarte zwangsläufig teurer sein als ein schmaler 250-Roman, von einer 60-seitigen Kurzgeschichte mal ganz zu schweigen. Glasklar. Oder?

Doch was, wenn mich eine sehr teure Ochsenherz-Tomate satter, glücklicher und zufriedener macht als ein Kilo spanische Treibhausware? Was ist mir wichtiger: Mehr wert oder Mehrwert?

Was ist wichtiger Qualität oder Quantität?

Diese Frage beschäftigt mich seit langem – und seit einiger Zeit mit selten gekannter Leidenschaft. In diversen Buchgruppen auf Facebook kursieren nämlich immer wieder heiße Preis-Diskussionen. Was ich von den allgemeinen Dumping-Preisen halte habe ich ausführlich in meinem Artikel Irrweg Preisaktion beschrieben. An dieser Einstellung hat sich nichts geändert, auch wenn ich inzwischen noch einige weitere Argumente hinzufügen könnte. Akut will ich mich aber der neuesten Form des Wahnsinns widmen: dem Quantitäts-Argument!

Demnach dürfen/müssen/sollen Bücher, die eine bestimmte Mindestseitenanzahl (da ist man sich uneins: 400/500/…1000 Seiten?) haben, gerne „ein wenig mehr“ kosten – was auch immer das nun heißt, denn generell wird ja für SP-Ware (für die Uneingeweihten: das sind unverlegte Bücher, die von den Autoren selbst publiziert werden) überhaupt nur der lächerliche Standardpreis von 99 Cent als angemessen gesehen.

So wird laut aufgejault, weil ein Autor es wagt, für seine 90-Seiten-Novelle den skandalösen Preis von 2,99 € anzusetzen. Denn dann müsste ja ein durchnittlicher Fantasy-Schmöker mindestens 25 € kosten und wo kämen wir da bitteschön hin?

Ja genau, in welche Richtung bewegen wir uns eigentlich? Soll der Preis eines Buchs zukünftig allein an seiner Seitenzahl bemessen werden? Ernsthaft?

Qualität muss sich lohnen!

Das halte ich für eine höchst gefährliche Entwicklung! Zurück zu den Tomaten. Wer kann denn ehrlicherweise von sich behaupten, dass er die wässrigen, geschmacksneutralen Dinger, die es zum Kilopreis von 1,99 € im Discounter gibt, mit größtem Genuss verzehrt und lange und nachhaltig davon schwärmt? Dass dieses traurige Gemüse die gleiche Verzückung hervorrufen kann, wie eine Handvoll zuckersüßer Cherry-Tomaten aus Sizilien oder eine Scheibe eines aromatischen Ochsenherzens?

Was ich damit sagen will: Ein Roman, der über 1000 Seiten hat, kann das Äquivalent einer Kiste sizilianischer Freilandtomaten sein, aber genauso gut kann er nur drei Kilo trauriger Gewächshausware entsprechen, die als einziges Highlight Sodbrennen hervorruft.

Umgekehrt ist es natürlich genauso: Eine kurze Novelle kann wie eine faulige Frucht Ekel und Erbrechen hervorrufen – oder ein wahrer Paradiesapfel sein!

Insofern sollte man doch in erster Linie auf die Qualität des Werks achten und nicht wie viele Seiten es hat! Denn machen wir uns nichts vor: Jeder halbwegs routinierte Autor kann „Seiten schinden“. Masse zu produzieren ist lange nicht so kompliziert und anspruchsvoll, wie wahre Klasse.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass für viele wunderbare dicke Indie-Schmöker ein Preis von 25 € angemessen wäre (gemessen am Arbeitsaufwand, an den Kosten für ein gutes Lektorat, das bei mehr Seiten natürlich teurer ist, am wunderbaren Cover…), ich bin nicht naiv. Das ist komplett unrealistisch. Selbst die wohlwollendsten Leser haben eine Schmerzgrenze, die deutlich darunter liegt. Daraus aber zu schließen, dass ein Roman, der eine womöglich sprachlich delikate und auch sonst atemberaubende Geschichte enthält, entsprechend viel weniger kosten DARF, nur weil er lediglich 200 Seiten umfasst, ist aber ebenfalls komplett absurd.

In der akzeptierten eBook-Preisspanne für Selfpublisher-Titel, die zwischen 99 Cent und (kühn gerechneten) 6,99 €, liegt, müssen alle Geschichten ihren Platz finden. Und es nicht okay zu sagen, dass nur ein dickes Buch „teuer“ sein darf und ein dünnes am besten kostenlos verschleudert werden sollte! Solche Argumente sind kurzsichtig und vor allem ausgesprochen respektlos den Autoren gegenüber.

Mut zu mehr Qualität

Nun gibt es sicherlich Menschen, denen es tatsächlich egal ist, ob die Tomaten nach nix schmecken, die Hauptsache sie sind rot und sehen irgendwie tomatig aus. Auch wenn sich gewisse Qualitätsmerkmale einer „guten“ Tomate objektiv messen lassen – wie beispielsweise der Zuckergehalt -, es bleibt letztlich Geschmacksache. Und man gewöhnt sich ja auch an miese Standards – wenn ich keine leckeren Freilandtomaten bekomme (oder nur mit Mühe), dann gebe ich mich halt mit der Massenware zufrieden. Sie ist ja auch schön günstig und wenn mir ein paar von den Dinger wegfaulen, weil ich sie nicht alle auf einmal essen konnte oder wollte, dann ist auch egal, denn ich kann mir ja gleich im Supermarkt das nächste Kilo Billig-Tomaten holen. So ist das Leben.

Ja, so sieht die Realität leider aus. Doch ist so ein Leben, so eine Einstellung wirklich erstrebenswert? Wäre es nicht viel schöner, nach der leckeren, süßen, aromatischen Tomate zu suchen uns sie zu genießen?

Ich kann vollkommen akzeptieren, dass es Leser gibt, die sagen: „Ich lese NUR Bücher, die mindestens 600 Seiten lang sind!“ Ich verstehe diese Einstellung nicht, aber ich akzeptiere sie. Denn ich habe (und werde es auch nicht tun) noch nie einen Leser gezwungen, meine deutlich kürzeren Geschichten zu kaufen und zu lesen. Was ich jedoch nicht akzeptiere ist, wenn Leser den Wert eines Buchs ausschließlich an der Seitenzahl festmachen. Entscheidend sollte doch sein, ob eine Geschichte – wie lang sie auch sein mag – einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Ob sie es geschafft hat, den Leser in eine andere Welt zu ziehen, ihn zu faszinieren, ihm was mitzugeben, ihn zum Nachdenken anzuregen, ihn mit überraschenden Wendungen zu erfreuen  – oder ihn vielleicht schlicht durch eine besonders schöne Sprache zu bezaubern.

Der schale Geschmack der traurigen Treibhaus-Früchte ist nach dem letzten Bissen bereits vergessen – das besondere Aroma einer reifen Ochsenherz-Tomate bleibt dagegen lange am Gaumen haften.

Ich war dann doch mal in New York

newyork-blog„Oh wie toll, das ist meine absolute Lieblingsstadt!“ So lautete der mit weitem Abstand häufigste Ausruf auf die Ankündigung, dass ich nach New York reisen würde. Gefolgt von: „Du wirst es lieben!“ Und: „Der Big Apple ist einfach einzigartig!“

New York – ein Sehnsuchtsort?

Drei Wochen ist mein Kurztrip zum Sehnsuchtsort von gefühlt 90 Prozent meines Umfeldes nun her, und langsam fühle ich mich einer persönlichen Einschätzung gewachsen. Fangen wir mit dem Fazit an: Ja, New York ist wirklich einzigartig!

Aber (m)ein Sehnsuchtsort wird die Stadt wohl trotzdem nie werden. Macht aber nix, denn voll ist sie ja auch schon ohne mich. Sehr voll. Extrem voll. Und laut. Und ruppig. Und exaltiert. Und bunt. Und schräg. Und heiß (Mitte August, über 30 Grad, an die 90% Luftfeuchtigkeit = Tropen). Und groß. Sehr groß. Riesig könnte man fast sagen. Habe ich schon erwähnt, dass es auch voll und laut ist?

Wie also kommen so viele Menschen auf die Idee, einen zweifellos faszinierenden Moloch von Stadt, den sie häufig noch nicht einmal besucht haben, als Sehnsuchtsort zu bezeichnen? Ich schätze mal, dass es dafür keine logische Erklärung gibt, sondern nur einige emotionale Annäherungsversuche:

  1. Liebe kann man sich nicht aussuchen!
  2. New York steht für unendlich viele Möglichkeiten!
  3. Die Stadt ist (zumindest den TV-Junkies unter uns) lächerlich vertraut!

Mich hat das immer kalt gelassen. Den USA stehe ich ohnehin exterm ambivalent gegenüber (ein Land, in dem ein Donald Trump möglich ist…) und wenn überhaupt, zog und zieht es mich eher an die Westküste. San Francisco ist „meine“ Stadt. Wobei „Dorf“ wohl die eher angemessene Bezeichung wäre – im Vergleich zu New York. Ich habe jedenfalls jahrelang durchaus stolz getönt, dass mich das Thema Manhattan komplett kalt lässt und ich mein Leben auch gut und durchaus sinnvoll verbringen kann, ohne jemals in den großen Apfel (was für eine blöde Bezeichnung, übrigens!) zu reisen.

Warum dann doch New York?

Tja, gute Frage. Manchmal spielt einem das Leben dann doch einen grausamen Streich. In meinem Fall, war es der Kerl an meiner Seite, der unbedingt hin wollte. Sein Geburtstagswunsch war es. Sein Traum. Was sollte ich da schon sagen? Eben. Zumal es da vor Jahren das Versprechen „in guten wie in bösen Zeiten“ gab … Ich war also fällig. Wenn auch wenig enthusiastisch.

Doch das hat IHN nicht gestört und er hat den kompletten Kurztrip vollständig alleine organisiert – so gut, dass er wohl zukünftig all unsere Reisen planen muss (das hat er nun davon!). Ich ergab mich also meinem Schicksal, stürzte mich in die vier Tage New York – und war schlicht: überwältigt!!

Do and don’t

Wenn ich ganz ehrlich bin, wollte ich die Stadt nicht gut finden. Ich wollte meine ganz persönlichen kleingeistigen Vorurteile bestätigt haben, um dann triumphierend sagen zu können: „Diese Stadt ist sowas von überschätzt!“

Und tatsächlich gibt es sehr, sehr viele Aspekte, die meine Ignoranz und Ablehnung untermauern können: der Times Square ist das nackte Grauen, die Fifth Avenue einfach nur entsetzlich und der Central Park ein absoluter Witz (selten habe ich so viele Ratten und Pokemon-Spieler auf einen Haufen gesehen …)! Das unerträgliche, bigotte Getue um die „Helden“ des 11. Septembers (Helden waren meiner unwesentlichen Meinung nach die Helfer, die Menschen in den Flugzeugen und im World Trade Center waren einfach nur unschuldige Opfer, aber keine nationalen Helden!!! Das ist so widerwärtig!)  ist rund um das beeindruckende Memorial natürlich besonders präsent. Und der New Yorker per se ist ein eher ruppiger, unfreundlicher Zeitgenosse.

Wobei mir letzteres schon wieder sympathisch ist, denn es liegt mir persönlich einfach näher als die saccharingesüßte Freundlichkeit, die man sonst oft „in den Staaten“ erlebt.

Doch all diese Punkte – und ich habe mir echt Mühe gegeben – konnten nicht verhindern, dass ich eine Gänsehaut bekam, als wir mit dem Ausflugsdampfer an der Freiheitsstatue vorbeigeschippert sind. Dass ich komplett geflasht im Musical („Kinky Boots“ – GRANDIOS!) saß. Und dass ich einen der romantischsten Abenden meines Lebens ausgerechnet auf der Dachterrasse des Rockefeller Centers im 65. Stock verbracht habe. Erst mit Gin Tonic in der Hand und dem Mann neben mir den Sonnenuntergang über der Stadt genossen, später beim Essen die glitzernden Lichter unter uns – das war ein erhabendes Gefühl und erinnerte mich ein wenig an ein Kreuzfahrtschiff auf hoher See. Was ja mein persönlicher Sehnsuchtsort ist …

Und nun?

Keine Ahnung – keiner weiß ja so genau, was das Leben noch für Überraschungen bereit hält. Doch wenn es nach  mir geht, war mein erster New York-Besuch sicher nicht der letzte. Meine Neugier ist geweckt, ich möchte unbedingt noch ein paar Ecken richtig kennenlernen und andere überhaupt erst entdecken. Und bis dahin suche ich händeringend nach Tipps für neue TV-Serien. Aktuell gucken wir „Mozart in the Jungle“, aber bald ist der Stoff alle … Wer kann helfen?

Vergessen ist eine Form von Freiheit

VergessenDieses wunderbare Zitat von Khalil Gibran ist im Grunde die perfekte Zusammenfassung für meinen neuen Roman Tage zwischen Ebbe und Flut.

Leid, Elend, Vereinsamung, Entfremdung, Demenz, Krankheit, Horror – das sind nur einige der Begriffe, die jedermann sofort mit dem Wort Alzheimer assoziiert. Und ja, diese Krankheit ist ohne jeden Zweifel tückisch, grausam und auch entwürdigend. Aber nicht nur! Vergessen ist fast immer schrecklich – doch manchmal kann es ein Segen sein. Und wenn irgendwann sämtliche intellektuellen Fähigkeiten eines Patienten verschwunden sind, bleibt immer noch eins: Gefühl!

Das ist mein wichtigstes Anliegen: Alzheimer-Patienten nicht zu ojektifizieren – sie bleiben Menschen. Bis zum Schluss!

Warum Vergessen als Roman-Thema?

Mein Vater wurde vor sechs Jahren mit Alzheimer diagnostiziert, da war er noch keine Siebzig. Geahnt hatte er es aber wohl schon viel länger. Es hat sich viel verändert in diesen Jahren – die Familie, er selbst. Aber er ist und bleibt mein Vater.

»Ich glaub, ich hab Alzheimer!« Wie oft hat jeder von uns diesen Satz schon ausgesprochen? Wenn wir uns an einen Termin nicht mehr erinnern konnten, uns der Name eines Bekannten nicht mehr einfiel oder wir eine andere Kleinigkeit vergessen haben.
Dieser Satz ist einfach dahingesprochen. Und ziemlich sicher leiden die meisten, die ihn sagen, nicht an Morbus Alzheimer, sondern waren schlicht einen Moment unkonzentriert.
Wer jedoch einen Menschen in seinem Umfeld hat, der tatsächlich an dieser tückischen Demenzerkrankung leidet, wird diesen Satz nicht mehr so einfach über die Lippen bringen, denn Alzheimer ist viel mehr als eine kurze Unachtsamkeit. Der Mensch verliert sich selbst, Stück für Stück und unwiederbringlich. Das ist für die Betroffenen ein extrem schmerzhafter psychischer Prozess – aber auch für Angehörige und Freunde eine Herausforderung, die manchmal weit über das Erträgliche hinausgeht. Dazu kommt die Tatsache, dass Demenz nach wie vor gesellschaftlich stigmatisiert wird, was insofern erstaunlich ist, dass doch praktisch jeder von uns im engeren oder weiteren Umfeld mindestens einen Alzheimer-Fall hat. Es ist eine Volkserkrankung, die viele betrifft, die aber am liebsten ängstlich totgeschwiegen wird. Als würde Ignoranz vor Demenz schützen. Schön wär’s, oder?

Menschen mit Alzheimer verändern sich. Viele verändern sich sogar dramatisch, und es ist tatsächlich nicht besonders angenehm, damit konfrontiert zu sein. Ihr Verhalten überfordert unseren »normalen« Geist und triggert unseren Fluchtreflex. Dabei vergessen wir (man beachte das Wortspiel!), dass ein Alzheimer-Patient nach wie vor vor allem eines ist: ein Mensch!
Ein Mensch mit Bedürfnissen. Und auch wenn der intellektuelle Austausch immer schwieriger wird, emotional funktioniert es lange noch sehr gut. In manchen Fällen sogar besser als zu gesunden Zeiten. Also sollten wir unseren Mitmenschen neben Respekt vor allem mit Gefühl begegnen. Eine Umarmung, ein Händedruck, ein einvernehmlich schweigsamer gemeinsamer Spaziergang – diese kleinen Dinge sind so viel wert und verhindern (oder mildern) die Isolation, in die viele Patienten rutschen.

Ich würde mir wünschen, dass man offen über Alzheimer spricht. Dass sich auch die engsten Angehörigen trauen, schon früh Hilfe zu suchen. Warum scheuen sich so viele auszusprechen, dass ein Elternteil oder der Partner erkrankt ist? Ein offener Umgang hat – zumindest meiner Erfahrung nach – nur Vorteile: Die anderen werden zu Komplizen. Denn erstaunlicherweise können die meisten Menschen eben doch recht gut damit umgehen, wenn sie hören: »Wundern Sie sich bitte nicht, wenn mein Mann manchmal seltsam reagiert. Er meint das nicht böse, er hat Alzheimer.« So eine Aussage nimmt allen Beteiligten den Druck.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern, dass sie nie persönlich mit Alzheimer konfrontiert werden, doch ziemlich sicher wird es etliche erwischen. Wäre es dann nicht schön, ein verständnis- und liebevolles Umfeld zu haben?

Warum Meer & Kreuzfahrt?

Das Meer ist in meinem Roman eine machtvolle Metapher und die Tatsache, dass die Geschichte auf einer Segelkreuzfahrt spielt, gibt dem Ganzen einen kammerspielartigen Charakter.  Außerdem habe ich seit Jahren eine Leidenschaft für die Seefahrt und liebe es, auf Schiffen zu reisen. Und ich glaube – genau wie einige meiner Protagonisten – an die Macht des Meeres!

Es gibt ganz sicher ziemlich intelligente und logische Erklärungen dafür, warum viele Menschen vom Wasser magisch angezogen werden. Doch das ist mir nicht wichtig. Mir reicht die Wirkung. Sobald ich am oder auf dem Meer bin, kann ich freier atmen und klarer denken. Mehr muss ich darüber nicht wissen. Insofern ist die gesamte Meeressymbolik in meinem Roman nicht etwa wissenschaftlich fundiert, sondern rein emotional und subjektiv motiviert. Und ich kann jedem Leser den Selbstversuch empfehlen.

»Tage zwischen Ebbe und Flut« ist kein autobiographischer Erfahrungsbericht, sondern eine zwar persönliche, aber durch und durch fiktionale Geschichte. Übrigens ist auch die Flying Cloud in meinem Roman komplett erfunden – entspricht aber ziemlich exakt meinem persönlichen Traumschiff. Ein historisches Vorbild hat sie jedoch gleichwohl: Die von Donald Mckay 1851 erbaute Flying Cloud segelte 1853 in unglaublichen neunundachtzig Tagen und acht Stunden von New York nach San Francisco – und das nicht etwa durch den Panama-Kanal, sondern über Kap Hoorn! Ein Rekord, der erst 1989 geschlagen wurde.

Klappentext: Tage zwischen Ebbe und Flut

Felix ist 70 Jahre alt. Er spricht aus, was niemand zu sagen wagt, und tut, was sonst niemand tun würde. Seine Erinnerungen sind wie Wellen in seinem Kopf, wogend, nicht festzuhalten. Denn Felix hat Alzheimer.
Um ihm einen Herzenswunsch zu erfüllen, machen seine Ehefrau Ellen, seine Tochter Judith und seine Enkelin Fabienne mit ihm eine Kreuzfahrt. Doch während Felix die Reise als wunderbares Abenteuer erlebt, wird für die drei Frauen die Seereise zu einer Seelenreise durch schwere Gewässer, aber mit Kurs auf sonnige Gefilde.

Vor allen anderen lesen? Vorableser gesucht!

5 Vorab-Rezensentengesucht!-1Der Countdown läuft – in vier Wochen erscheint endlich mein neuester Roman TAGE ZWISCHEN EBBE UND FLUT! Ich bin so unfassbar gespannt darauf, wie EUCH diese Geschichte, die mir aus vielen Gründen sehr am Herzen liegt, gefallen wird. Und weil mein Verlag Droemer Knaur ebenfalls neugierig ist, stellt mir die Presseabteilung fünf exklusive Vorabdrucke zur Verfügung!

Fünf Fahnenleser gesucht

Die tatsächlichen Taschenbücher werden gerade noch produziert, aber es gibt einige wenige Exemplare von sogenannten Fahnen, die normalerweise ausschließlich Rezensenten klassischer Medien wie Tageszeitungen, Magazinen, TV und Radio zur Verfügung gestellt werden. In diesem Fall dürfen aber auch MEINE Leser ran! Die Fahnen sehen übrigens fast so aus, wie das fertige Buch – ihr dürft euch also über ein sehr realistisches Lesevergnügen freuen und über eine streng limitierte Sonderausgabe. Interesse? Dann bewerbt euch bis Sonntag, 7.8. um ein Exemplar.

Wie läuft es ab?

Bewerben können sich alle Buchblogger und  Leser, die mir und dem Verlag folgende Bedingung verbindlich zusagen können:

Eine Rezension muss zum Veröffentlichungstermin am 1.9. (oder bis maximal drei Tage später) auf Amazon.de und mindestens einer weiteren Plattform (z.B. Lovelybooks, Buchblogs, Thalia.de, Hugendubel.de etc.) zugesichert werden.

Wenn das kein Problem ist, dann schreibe mir bitte eine eMail an carin[at]carinmueller.de, in der du kurz ausführst, warum DU meinen Roman unbedingt vor allen anderen lesen möchtest und wo du ihn rezensieren wirst. Bitte gibt dabei auch gleich deine Postanschrift an.

Am Montag, den 8.8. lose ich fünf Exemplare aus und der Verlag schickt die Bücher sofort auf die Reise zu euch! Ihr habt dann also für knapp 300 Seiten Lektüre drei Wochen Zeit zu lesen und zu rezensieren. Das ist machbar, oder?

Und darum geht’s in TAGE ZWISCHEN EBBE UND FLUT

Felix ist 70 Jahre alt. Er spricht aus, was niemand zu sagen wagt, und tut, was sonst niemand tun würde. Seine Erinnerungen sind wie Wellen in seinem Kopf, wogend, nicht festzuhalten. Denn Felix hat Alzheimer.
Um ihm einen Herzenswunsch zu erfüllen, machen seine Ehefrau Ellen, seine Tochter Judith und seine Enkelin Fabienne mit ihm eine Kreuzfahrt. Doch während Felix die Reise als wunderbares Abenteuer erlebt, wird für die drei Frauen die Seereise zu einer Seelenreise durch schwere Gewässer, aber mit Kurs auf sonnige Gefilde.

In ihrem ebenso warmherzigen wie humorvoll überspitzten Roman „Tage zwischen Ebbe und Flut“ zeigt die Journalistin Carin Müller eine Familie im emotionalen Ausnahmezustand. Basierend auf eigenen Erfahrungen lässt die Autorin ihre liebevoll gezeichneten Charaktere, allen voran den an Alzheimer erkrankten Felix sowie seine Ehefrau, seine Tochter und seine Enkelin, auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt aufeinanderprallen. So entsteht ein bewegender, dabei sehr ehrlicher und oftmals herrlich komischer Reise- und Familienroman über eine der Volkskrankheiten unserer Zeit, wie man damit lebt, was sie mit sich bringt – an Verlusten, aber auch neuen Erfahrungen und Chancen.

Schöner Bohren oder Sex auf der Baustelle

Sex auf der BaustelleZeig mir deinen Arbeitsplatz

In praktisch jedem (Blogger-)Interview werde ich gefragt: „Wie schreibst du am liebsten?“ oder „Hast du bestimmte Rituale beim Schreiben?“ oder auch gerne: „Zeig uns deinen Arbeitsplatz!

Da fange ich schon unter normalen Umständen zum Rumeiern an. Denn ehrlich gesagt, ist es mir ziemlich Schnuppe, wo und wie ich schreibe. Wenn der Druck groß genug ist, schreibe ich einfach überall und in jeder Situation. Und da ich in der Regel überhaupt erst mit Schreiben beginne, wenn ich Druck habe … Das ist alles sehr unglamourös, ich weiß, und ich war schon mehrfach versucht, die Mär vom strahlend weißen, total cleanen Schreibstudio am Meer in die Welt zu setzen, doch das glaubt mir ja doch keiner.

Rituale

Ein hilfreiches Ritual habe ich jedoch schon: Ich stehe total auf „Schreib-Battles“. Das ist eine ebenso glorreiche wie sinnlose Einrichtung, die mich aber regelmäßig und zuverlässig zu zügigem Output inspiriert. Ich bin Mitglied in einer Schreibgruppe auf Facebook, in der sich einzelne Mitglieder zu kleinen Schreibeinheiten verabreden. Gestern habe ich beispielsweise recht erfolgreich mit Mila und Laura „gebattelt“. Nach den vereinbarten 30, 45 oder 60 Minuten trifft man sich wieder auf Facebook, teilt seine Wort-Anzahl mit, jammert rum (wenn es schlecht gelaufen ist) oder freut sich (wenn die schwierige Szene plötzlich flutscht). Es geht um nichts – völlig egal, wer die meisten Wörter hat – aber es funktioniert. Zumindest für mich.

Da ich im Moment wieder einen recht sportlichen Abgabetermin vor der Brust habe, ziehe ich seit ein paar Tagen regelmäßig in den Kampf und habe so innerhalb einer Woche ein Fünftel des Manuskripts fertig.

Grenzerfahrung

So weit, so gut. Allerdings habe ich – unglücklicher Planungsfehler – im Moment auch eine Baustelle zuhause. Drei Räume werden renoviert. Nicht von mir, sondern von Menschen, die sich auskennen. Doch ich bin natürlich vor Ort, um die Handwerker mit klugen Ratschlägen zu nerven.

Wenn ich das nicht tue, versuche ich zu schreiben. Mit dem Laptop. Auf dem Sofa. Und im Hintergrund die Geräusche, der fleißigen Handwerksmänner. Das ging die letzten Tage prima – nicht einmal die Lackdämpfe haben mich nachhaltig aus dem Tritt gebracht. Doch heute morgen sollte es die erste pikantere Szene im Roman werden – zu einer Tageszeit (9 Uhr), zu der ich normalerweise noch nicht einmal sprechen kann (geschweige denn andere Dinge …). Doch ich war ja schon lange wach, der Maler an sich bevorzugt schließlich die Frühschicht.

Ich lege also los: „Mit hungrigem Blick taxierte er ihren nackten, verschwitzten Leib …“ Aus dem Flur: „Frau Müller, habe Frage!“ Ich rapple  mich hoch und gehe in den Flur, wo sich gleich darauf folgender Dialog entspinnt:
Handwerker: „Wo ist Dichtung?“
Ich: „Welche Dichtung?“
Handwerker: „Na, Dichtung von neuer Duschabtrennung.“
Ich: „Keine Ahnung. In der Packung?“

Um es abzukürzen: die Dichtung war nicht dabei! Die nächsten Tage werden wir also entweder stinken oder beim Duschen das Bad unter Wasser setzen. An Schreiben war erstmal nicht zu denken, stattdessen standen Telefonate mit diversen Kundencentern auf dem Programm. Nachdem das Dichtungsproblem gelöst war und die Handwerker mit belegten Brötchen versorgt waren, sollte es bei meinen Protagonisten weitergehen.

Safer Sex

War der Schweiß der Heldin schon getrocknet, war der Held noch hungrig? Die beiden waren jedenfalls sehr ungeduldig, endlich weitermachen zu können. Sie küssten sich, sie berührten sich, sie säuselten sich Schweinereien ins Ohr und wollten gerade zur Sache kommen – er nestelte schon am Kondom rum – als die Bohrmaschine aufkreischt.

Nun könnte man sagen, dass „Bohren“ ja durchaus das passende Leitmotiv wäre, doch … nein, es ging einfach nicht mehr. Zumal Augenblicke später erneut ein anklagendes „Frau Müller, habe Frage!“ erschallte. Die Schublade der Wandkommode passte nicht. Ich war mir keinerlei Schuld bewusst, schließlich bin ich seit Jahren stolze Trägerin des „Großen Ikea Basteldiploms am Bande“, und außerdem habe ich mich präzise an die Aufbauanleitung gehalten. Nach einigem Hin und Her, haben wir schließlich auch diese (und noch ein paar weitere) Klippe umschifft. Puh. Dann könnte ich ja eigentlich …

Doch der vorsichtige Blick auf mein Manuskript offenbar Erschütterndes:  Der Heldenpenis ist erschlafft und die Protagonistin duscht. Mist. Das wird heute wohl nix mehr.

Was lernen wir daraus?

Sex auf der Baustelle ist ein No Go!

In diesem Sinne – ich werde jetzt putzen. Schönes Wochenende.