Gastbeitrag: Die Inflation der Nullen

Nach all den heißen Diskussionen über Dumpingpreise bei eBooks geht’s heute mal um Inhalte. Denn es ist nicht nur ein Trend zu Dauertiefpreisen feststellbar, sondern auch zu gewissen Themen. Folgenden Beitrag hat meine liebe Autorensofa-Kollegin Laura Gambrinus verfasst – mit sehr großem Augenzwinkern! Warum das so ist, erfahrt ihr ganz unten im Beitrag. Mir spricht der Artikel aus der Seele, auch wenn wir beide – Laura und ich – plötzlich auch unter die Nullen gegangen sind. Mit erschreckend großer Leidenschaft … Doch zunächst hadert sie mit ihrem Schicksal:

Die Inflation der Nullen oder was wollen wir eigentlich noch lesen?
Laura Gambrinus

Ehrlich gesagt, in letzter Zeit frage ich mich – nicht immer, aber immer öfter – ob ich das mit dem Schreiben nicht vielleicht doch lieber wieder lassen sollte. Zugegeben, eine kleine Portion Frust ist auch dabei – die ganze Thematik ist ja nicht nur ein Hobby von mir, sondern ich bestreite weite Teile meines Einkommens damit. Aber es ist auch der – meiner Meinung nach legitime – Wunsch nach Anerkennung der eigenen Leistung. Der Anstrengung, die viele von uns unternehmen, um unseren Lesern stilistisch einwandfreie und fehlerlose Bücher mit intelligenten und spannenden Inhalten zu erschaffen. Doch leider gewinne ich beim Sichten der Amazon-Charts immer mehr den Eindruck, dass es nur noch ganz wenige Kriterien gibt, die ein Buch erfolgreich machen.

Die Null

Eines der wichtigsten (wenn nicht das wichtigste überhaupt): Die Null.
Wenn früher jemand zu einem anderen sagte „Du bist vielleicht eine Null!“, dann war das eine echte Beleidigung. Heute ist alles auf der Jagd danach. Je mehr, desto besser. Nach oben sind ja rein mathematisch betrachtet keine Grenzen gesetzt. Wann die Rechenzentren der Banken vor den unermesslichen Reichtümern auf den Konten unserer Protagonisten kapitulieren und abstürzen, das wissen wir noch nicht. Schließlich muss man sich ja andauernd steigern. Ich bin schon fast so weit, mit mir selbst eine Wette abzuschließen, wann wir den ersten Billionär auf dem Cover begrüßen dürfen. Oder wenigstens in einem Buch. Er hat sich die vielen Nullen vor seinem Komma natürlich selbst verdient und erarbeitet, sieht absolut göttlich aus und ist höchstens Mitte zwanzig. Ein reicher Erfahrungsschatz im Bett versteht sich von selbst, und dass er die Lebenserfahrung mehrerer Generationen auf sich vereint und die Gewandtheit eines alten Hasen besitzt, muss nicht extra erwähnt werden. Freunde wie Feinde respektieren ihn und sein Charisma. Hab ich was vergessen, außer, dass die Nullendompteure in letzter Zeit alle auffallend blaue Augen haben?

Wie sexy sind Nullen?

Ja, ich weiß. Und ich gebe euch ja auch recht: Über Karlchen Schmitz mit Bierbauch, Filzpantoffeln und ner Tüte Chips auf dem Sofa (!) würde ich auch nichts lesen wollen. Über ihn schreiben noch viel weniger.
Aaaaaber …
Es gibt doch noch so viel dazwischen! Und die können ruhig reich sein. Aber … warum erfahren wir nichts über diese Männer? Die nicht auf den ersten Blick Traumprinzen sind, sondern sich den Status bei der Frau ihres Herzens erst mal erarbeiten müssen? Nebenbei könnte man noch Einblicke in interessante Jobs bekommen, denke ich. So ganz am Rande.

Und weil ich schon gerade so schön auf der Jammerharfe spiele – Was ist denn eigentlich mit den Schauplätzen los?
Muss es denn wirklich immer so spektakulär weit weg sein? Okay, ich schreibe über Italien. Venedig kennt wahrscheinlich auch jeder. Da waren vielleicht auch schon mehr von euch als in New York, Rio, Tokio. Aber was ist mit Ravenna, Ferrara oder Bologna? Die kennt wahrscheinlich hierzulande kein Mensch. Will auch keiner drüber was wissen. Aber dorthin komme ich nun mal öfter als nach San Francisco oder Washington. Und die Straßen auf den Spuren seiner Protagonisten entlang zu schlendern, hat schon auch was, kann ich euch sagen. Außerdem – ich hab da folgendes Problem: Mich inspirieren Locations, nicht Modeerscheinungen oder Hypes.

Ich selbst lese auch gern mal ein Buch, das in Hamburg, München oder Berlin spielt. Oder in Frankfurt (apropos – wer von euch kommt denn wieder zur Messe?) Oder im Wispertaunus. Kennt ihr nicht? Eine wunderbare, geheimnisvolle und faszinierende Gegend mitten im Rheingau. Fahrt doch mal hin! Langweilig? Finde ich nicht. Aber gut.
Was ich sagen will, ist, dass es an uns Leserinnen liegt, was wir vorgesetzt bekommen, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot. Ich kann mich nur wundern. Müssten wir täglich dasselbe essen, wären wir dessen schnell überdrüssig. Aber lesen tun wir immer nur die gleichen Abziehbilder, jahrein, jahraus.

So, das musste ich mir jetzt mal von der Seele schreiben. Ich jedenfalls bin fast sicher, dass ich meine Wette gewinnen werde: Irgendwann darf ich es noch erleben, denn irgendwann kommt bestimmt der erste Billionär. Und weil die Inflation ja immer weitergeht und nie Halt macht, wartet hinter der übernächsten Ecke schon der schöne, heiße, sexy, unwiderstehliche Trillionär. Ach ne, vorher kommt ja noch der Billiardär. Aber da hab ich jetzt den Überblick verloren – wie viele Nullen waren das noch gleich?

Falls das wirklich jemanden interessieren sollte – diese Info und noch einiges Interessante darüber hinaus hat Wikipedia zusammengetragen.

Besucht Laura Gambrinus auf ihrer Website, auf Facebook und stöbert hier in ihren Büchern.

Laura und Carin auf dem Milliardärs-Trip

Das Leben schreibt doch immer die schönsten Pointen! Da schreibt sich Laura ihren Frust über die Themen-Monokultur von der Seele – den ich übrigens voll umfänglich nachvollziehen kann -, dann kommt ein unmoralisches Angebot um die Ecke, das alles Gesagte beinahe ad absurdum führt. Wir beide (und noch einige weitere Kolleginnen) wurden gefragt, ob wir nicht Kurzgeschichten zu einer Benefiz-Anthologie beisteuern wollen. Natürlich wollten wir, denn Nutznießer des Reinerlöses soll das Frankfurter Bürgerinstitut sein, das seit 1899 hilft, wo Menschen sich nicht mehr selbst helfen können.

Das Schicksal wollte es, dass das Büchlein den Titel Wie angelt frau sich einen Milliardär? trägt und wir uns ins Reich der Nullen begeben mussten. Wie wir dieses moralische Dilemma gelöst haben,  ist in aller Bescheidenheit: lesenswert!

Wie angelt frau sich einen Milliardär?
eBook: regulärer Verkaufspreis 4,99 €. Einführungspreis bis Ostern 2017 2,99 €.
Taschenbuch: 9,90 €
Herausgeber: Lisa Torberg

Lasst uns über Geld sprechen

„Och, nicht schon wieder! Kann die Alte nicht mal über was anderes schreiben?“ Kann sie, tut sie regelmäßig und trotzdem muss es jetzt mal wieder sein: Wir müssen über Geld sprechen! Nicht über viel Geld. Nicht über die Fantastrillionen von Dagobert Duck (oder Donald Trump), sondern über ganz kleines Geld. Winzigstbeträge. Geld, für das man – mit Glück – zwei trockene Semmeln bekommt. Und Bücher. Bücher bekommt man für diesen Witzbetrag viele. SEHR viele. Das ist ein Problem.

„Das ist doch prima!“, jubeln da die passionierten Leseratten vielleicht.

„Das ist der Untergang!“ – sage ich. Ich sage das bewusst reißerisch, aber leider auch aus tiefster Überzeugung. Und in der Gewissheit, mit folgenden Worten wieder einige Leser und Kollegen vor den Kopf zu stoßen. Aber vielleicht lest ihr ja trotzdem weiter.

99 Cent-Preise töten den Buchmarkt

Ja, ich weiß, liebe Leser: Ihr bekommt für euer – sicher ebenfalls sauer verdientes – Geld sehr viel tollen Lesespaß! Und ich weiß auch, dass es nicht zu EUREM Problem gemacht werden darf/sollte, wenn viele Autoren ihre wunderbaren Bücher für 99 Cent anbieten.

Ja, ich weiß, liebe Kollegen: Ihr seid der Meinung, dass ihr aktuell nur mit 99 Cent-(Einführungs-)Preisen auf Amazon die Chance habt, so viele Verkäufe zu generieren, dass ihr ein tolles Ranking bekommt, das wiederum die Sichtbarkeit eures Buchs erhöht. Und ich weiß auch, dass ihr es bombig findet, wenn der All-Star-Bonus, den ihr dann (vielleicht) bekommt, doch ein bisschen mehr Geld aufs Konto spült.

Aber: Es ist nicht nachhaltig!

Warum? Es gibt viele Gründe, ich möchte hier exemplarisch mal die zwei offensichtlichsten nennen:

  1. Die Tiefpreisspirale ist langsam nicht mehr zu unterbieten. Bald wird man auch mit 99 Cent nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit bekommen – weil einfach JEDER Autor der Meinung ist, er MÜSSE sein Buch zu diesem Ramschpreis verschleudern. Tatsächlich gab es im Februar bei Amazon das #indielesefestival, bei dem viele Titel NOCH billiger waren – und viele Leser im großen Stil ihre Reader mit Lesestoff vollgepackt haben. Wie geht es weiter? Über andere Plattformen, ist es bereits jetzt schon möglich, Bücher für 49 Cent anzubieten … Doch Hauptsache, die Verkaufszahlen stimmen und der rettende Bonus kommt aufs Konto, nicht wahr? Der jedoch wird auch schrumpfen, denn woher soll das Geld dafür auch kommen?
  2. Die Leser, für die 99-Cent-Preise schon jetzt normal sind, werden immer weniger bereit sein, auch mal mehr zu bezahlen. Warum auch? Sie können sich ja sicher sein, dass das nächste Mega-Schnäppchen nur einen Mausklick entfernt wartet. Das Buch wird in der Wahrnehmung der Konsumenten immer mehr zum Wegwerfprodukt. Schnell und billig gekauft, auf den Reader gezogen – vielleicht irgendwann gelesen. Vielleicht aber auch nicht. Ist ja auch egal, hat ja (fast) nix gekostet.

Wollen wir die Entwertung unserer Arbeit (Bücher schreiben) einerseits und die Banalisierung unserer Leidenschaft (Bücher lesen) andererseits wirklich einfach so hinnehmen? Resigniert schulterzuckend, weil man ja angeblich ohnehin nichts dagegen machen kann? Und uns wie die Lemminge sehenden Auges in den tödlichen Abgrund stürzen? Das ist doch ein Irrsinn!

Kämpfen lohnt sich – auch für Geld!

Wenn man irgendwas aus der US-Wahl, dem Brexit und anderen erschreckenden (politischen) Entwicklungen lernen kann, dann vielleicht dies: Es reicht nicht, eine Meinung zu haben und das Beste zu hoffen, man muss für seine Überzeugung auch einstehen und kämpfen!

Ich tue das seit einem Weilchen (und diversen Blogposts hier meiner Seite – beispielsweise Irrweg Preisaktion oder Quantität hat ihren Preis) und habe seit rund anderthalb Jahren selbst keine 99-Cent-Aktion mehr gemacht. Damit habe ich womöglich auf Geld verzichtet, auf ein tolles Ranking, auf einen Bonus, vielleicht sogar auf den einen oder anderen Neuleser, den ich mit einem Schnapper hätte erreichen können.

Doch darin liegt schon der erste Denkfehler: Wie viele neue Fans generiert man mit den Dumpingpreisen denn wirklich? Ist die Gefahr nicht vielmehr ziemlich groß, dass viele Schnäppchen-Käufe auf diversen Readern auf ewig ungelesen ihr Dasein fristen? Siehe den Schlussverkauf-Monat bei Amazon. Ich weiß von Lesern, die sich beim Indie-Lesefestival mehrere hundert Titel gesichert haben. Selbst für passionierte Viel- und Schnellleser ist diese Masse an Text nicht superschnell zu verarbeiten. Da bleibt zwangsläufig eine Menge auf der Strecke – zumal der Buchmarkt sich ja weiterdreht und ständig neue Titel veröffentlicht werden.

Die echten Fans dagegen sind gerne bereit, einen realistischen Preis zu bezahlen – weil sie sich auf die neueste Geschichte ihres Lieblingsautors freuen und es kaum abwarten können, sie zu lesen.

Ich ziehe mal einen kühnen Vergleich heran: Viele Apple-Fans warten bebend auf das neueste Modell des iPhones, haben im Zweifel wahnsinnig dafür gespart, um dieses völlig überteuerte Stück Technik direkt zum Verkaufsstart an ihr wild pochendes Herz zu drücken. Glaubt jemand ernsthaft, das Apple-Management ließe sich von Aussagen wie „Ich hätte so gerne das neue iPhone, aber ich kann es mir nicht leisten, macht es doch bitte billiger!“ zu einer Preissenkung inspirieren? Nein, natürlich nicht.
Warum verschleudern dann viele tolle Indie-Autoren ihre Neuerscheinungen zu einem Spottpreis?

Um neue Leser/Fans zu generieren! So die These. Doch das ist Quatsch. Die aufgeregte Facebook-Fancrowd bibbert vielleicht euphorisch mit und kreischt begeistert: „Oh, das neue Buch von x ist da – ich schieße es mir fix für 99 Cent!“ Ein bislang unbedarfter Leser wird daraufhin womöglich sagen: „Aha, na gut, dann hol ich mir das auch mal. Kann ich ja irgendwann mal lesen oder so.“ Doch auf dem Reader schlummern Dutzende, vielleicht sogar Hunderte andere Schnäppchen-Titel. Und mal unter uns? Wer weiß schon noch, welche Juwelen auf Seite 17 in unserer Reader-Bibliothek schlummern?

Will heißen: Es wäre schon ein sehr großer Zufall, wenn sich durch 99 Cent-Einführungspreise eine richtig große, nachhaltige Fanbase aufbauen sollte. Ich gehe sogar noch weiter: Ich halte es für ausgeschlossen. Klar mögen die Verkaufszahlen (vielleicht) super sein, aber ob die Bücher auch gelesen werden?

Viel schlauer wäre es dagegen, mal zwischendurch den Preis eines älteren Titels zu reduzieren (NICHT auf 99 Cent!). Ein Buch, das vielleicht schon eine Menge guter Rezensionen aufweist, aber aktuell keine großen Verkäufe mehr erzielt. Mit solchen Aktionen kann man Neugier wecken – und neue, interessierte Leser finden.

Dumpingpreise schaden Autoren und Lesern!

Es ist vielleicht naiv von mir, zu glauben, ein Umdenken könnte tatsächlich funktionieren, aber sehen wir doch mal den Tatsachen ins Auge: Die meisten Autoren fühlen sich regelrecht genötigt, in immer höherer Frequenz zu veröffentlichen, um noch auf einen vernünftigen Schnitt zu kommen – doch irgendwann in diesem Prozess wird zwangsläufig die Qualität der Texte leiden. Die Geschichten werden simpler, banaler, liebloser. Irgendwann merken das auch die Leser, die frustriert feststellen, dass Autorin Y früher auch mal besser war. Und auch Autor Q. Selbst Z schreibt nur noch Mist. Wollen wir es so weit kommen lassen?

Ich denke, dass die meisten Leser bereit wären, für einen Indie-Roman (denn Verlagsbücher sind noch mal eine ganz andere Sache …), einen realistischen Preis zwischen 2,99 € und 5,99 € zu bezahlen – für Bücher von Autoren, die sie schätzen oder die sie aufgrund einer Leseprobe überzeugt haben. Um neue Autoren kennenzulernen, greifen sie bei Schnäppchenpreisen älterer Titel zu – und entdecken entweder ein neues Juwel oder haben wenigstens keine große Investition tätigen müssen.
Wäre das nicht eine Win-Win-Situation für ALLE?

Fazit

Mir ist klar, dass ich mit diesem Text nichts an der grundlegenden Situation ändern werde – und ich ahne, mit welchen Argumenten ich nach Lektüre dieses Textes bombardiert werde (die meisten dürfte ich schon mehrfach gehört haben), aber wenn ich nur eine Handvoll Kollegen und Leser zum Nachdenken anregen konnte, dann war es den Zeitaufwand allemal wert!

Meine persönliche Konsequenz habe ich – nach einem Hinweis einer Leserin – vor einem Weilchen ebenfalls gezogen: Ich promote keine 99-Cent-Aktionen meiner Kollegen mehr! Auch nicht die von Menschen, mit denen ich befreundet bin und deren Bücher ich liebe. Denn wie die Leserin scharfsinnig feststellte: Ich kann nicht faire Preise predigen und gleichzeitig Schnäppchen bewerben. Autoren, die ihre Neuerscheinungen für einen regulären Preis anbieten, dürfen mich aber gerne jederzeit um Unterstützung bitten!

PS: Dieser Nachtrag ist für euch, liebe Kollegen: So wichtig Amazon für uns ist, so sexy eine All-Star-Auszeichnung in unserem Profil auch ist – es gibt auch ein Leben außerhalb des großen „A“. Es gibt viele Leser, die sich in einer anderen Welt tummeln. Auch außerhalb von Facebook. Die von der ganzen Hysterie noch nichts oder nur wenig mitbekommen haben. Diese Menschen sollten wir ebenfalls ansprechen. Da geht noch was – gemeinsam könnten wir etwas erreichen!

Nachtrag

Weil ich gerade über folgenden Kommentar auf Facebook gestolpert bin: „Wenn ein eBook mehr kostet [die Rede war von Preisen zwischen 99 Cent und 2,99 €], dann kaufe ich es nicht mehr, sondern ziehe es mir aus anderen Kanälen. Die Autoren sollen doch froh sein, wenn ich zahle und nicht klaue!“

Danke für diesen Hinweis, liebe Leserin M.! Stimmt, wir Autoren sind schon ein verdammt gieriges Pack. Ich besonders, weil meine Bücher ja häufig noch mehr kosten. Ich werde es bezerzigen und – demnächst einen Beitrag zum Thema Piraterie verfassen! Sobald ich fertig mit Kotzen bin!

Von Wegen und Zielen

Der Weg ist das Ziel?

Vermutlich ist diese Philosophie grundsätzlich die beste und gesündeste Herangehensweise für fast alle Lebensbereiche. Blöderweise komm ich damit nicht klar. Ohne ein Ziel zu haben, mache ich mich in der Regel nicht mal auf den Weg. Warum auch? Könnte ja die falsche Richtung sein.

Der Weg ist der Weg und das Ziel ist das Ziel.

So funktioniere ich. Und zwar immer. Ich setze mir ein Ziel (oder bekomme es vorgesetzt) – einen Abgabetermin, eine Prüfung, eine sportliche Herausforderung – und mache mich dann auf den Weg. Sprich ich schreibe, lerne oder trainiere. Schlaue Menschen können all dies aus einer grundsätzlichen höheren Einsicht tun: Trainieren, weil es eben gut für den Körper und die Gesundheit ist – auch ohne sich zwangsläufig mit anderen in dieser Aktivität messen zu wollen. Lernen, weil man ohnehin gar nicht genug wissen kann. Schreiben, weil sie eine Geschichte erzählen wollen – egal, ob eine Veröffentlichung ansteht oder nicht.

Ich kann das nicht. Die höhere Einsicht habe ich in der Theorie zwar schon, aber praktisch motiviert sie mich nur in den seltendsten Fällen zu tatsächlicher Aktion. Was außerordentlich schade ist, denn …

Ohne Ziel ist der Weg plötzlich sinnlos.

Es kann schließlich jederzeit sein, dass das Ziel nicht erreichbar ist. Das kann an höherer Gewalt liegen oder daran, dass es ohnehin unrealistisch gesetzt war. Beides kommt oft vor. In meinem Fall viel häufiger, als ein geschmeidiges Erreichen des gesetzten Ziels. Denn meist nehme ich mir eben als Ziel nicht „nur“ den Abgabetermin vor. Nein, mein nächster Roman sollte es bitteschön auf die Beststellerliste schaffen. Idealerweise die vom Spiegel. Klar, think big und so. Hat nur den klitzekleinen Haken, dass ich – obwohl der rationale Teil von mir sehr genau weiß, wie unrealistisch dieses Vorhaben ist – frustriert bin, wenn ich es nicht schaffe.

Heute wollte ich eigentlich den Frankfurter Halbmarathon laufen und habe mich seit Monaten intensiv, mit hohem Aufwand und ohne Rücksicht auf Kollateralschäden (mein Schienbein tut immer noch weh …) darauf vorbereitet. Und was hat es gebracht? Nichts! Ich habe den Tag mit einer ruhigen Gassi-Runde, einem ausgedehnten Frühstück  und ansonsten auf dem Sofa verbracht. Warum? Weil ich noch immer mit den Resten einer hartnäckigen Erkältung kämpfe und ich zwar stur, aber nicht komplett bescheuert bin. Ein Atemwegsinfekt verträgt sich nunmal nicht besonders gut mit Ausdauersport.

Dann ist der Weg halt länger.

Trotzdem ist der Frust groß, riesig sogar – vergleichbar mit der letzten verpassten Bestseller-Platzierung. Doch langsam, ganz langsam sickert auch in meinen ignoranten Dickschädel die Erkenntnis, dass es womöglich kein Totalversagen ist, sondern schlicht der Weg ein bisschen länger ist. Will heißen, die vielen hundert gelaufenen Kilometer sind ja trotzdem gut – schließlich bin ich schneller und fitter als in den letzten Jahren. Und der nächste Halbmarathon wartet schon. Vielleicht schaffe ich dabei sogar eine bessere Zeit, als ich es heute fertig gebracht hätte.

Was die Bücher betrifft: Jede geschriebene Szene, jeder veröffentlichte Roman wird womöglich in der Rückschau einfach nur ein langes Training für den ganz großen Wurf sein. Wer kann das schon mit Sicherheit sagen?

Und nach dem Ziel? Der nächste Weg!

Im Hamsterrad meiner eigenen verqueren Logik motiviere ich mich also schon jetzt für die nächsten Ziele – die ich vielleicht erreichen werde, vielleicht auch nicht. Egal, ich bin dann mal unterwegs! Wenn auch heute noch ohne Joggingschuhe … Gilt das als höhere Einsicht?

Bitte nicht drücken!

Willkommen bei den Drückebergers! In meiner Facebook-Blase gibt’s seit Monaten eine wahrlich erdrückende Seuche. Anteilnahme aller Art wird stereotyp mit einer der folgenden Floskeln gezeigt (oder auch: ausgedrückt): „Drück dich“ – „Drück dich ganz fest“ – „Fühl dich ganz lieb gedrückt“ – oder mein persönlicher Hass-Favorit: „Drückerle

Diese Drückerei ist – zumindest in meiner Timeline – die Standardantwort auf öffentlich artikuliertes Missbehagen aller Art. Beklagt sich jemand über zu viel/zu wenig/keine Arbeit: „Oh – fühl dich ganz lieb gedrückt!“ Hat das Haustier/das Kind/der Partner Schnupfen: „Drückerle für X und dich!“ Steht ein Zahnarztbesuch, eine Prüfung, ein Abgabetermin an: „Drück dich!“

Kurz: Von unreflektiertem Rumgenöle bis hin zum Todesfall wird alles kommentatorisch erdrückt! Ohne jede Gnade.

Warum die ganze Drückerei?

Ich frage mich schon eine ganze Weile, warum das so ist. Und auch, warum es mich so massiv stört. Früher jedenfalls wurde nicht gedrückt. Da wurde vielleicht gesagt: „Das tut  mir sehr leid!“ – „Kann man dir helfen?“ – „Ich denke an dich.“ – „Mein aufrichtiges Beileid.“ – „Alles wird gut!“ – oder vielleicht sogar mal: „Stell dich nicht so an!“

Das sind auch alles Floskeln, keine Frage, aber wenigstens situativ angepasste. Doch heute wird gedrückt, was das Zeug hält. Ich nehme mal an, die Drücker wollen damit ihre Empathiefähigkeit unter Beweis stellen, ihre Anteilnahme am Elend zeigen – und/oder einfach nur nett und freundlich sein. Was ja schön ist. Die Welt ist in jedem Fall ein besserer Platz, wenn wir uns für unsere Mitmenschen interssieren und tendenziell ermunternd auf Leid (mag es auch noch so marginal sein) reagieren.

Drücken kommt von Druck

Doch ist die ganze Drückerei wirklich positiv? Ich finde nicht. Aus mehreren Gründen:

Stellen wir uns doch mal vor, wie wir im wahren Leben auf die Aussage eines Bekannten reagieren würden, dass er sich vorm Zahnarztbesuch fürchtet. Würden wir ihn oder sie spontan in die Arme reißen und kräftig zudrücken? Eher nicht. Vermutlich würden wir etwas in der Art sagen: „Hab keine Angst, es wird bestimmt nicht so schlimm.“

Wann und vor allem wen nehmen wir im richtigen Leben denn in den Arm, um zu trösten? Das sind gar nicht so viele Menschen und gar nicht so viele Situationen, oder? Denn physischer Trost in Form einer Umarmung ist ein sehr intimer Akt, den man in der Regel nicht leichtfertig und wahllos ausübt.

Diese inflationäre, verbale Drückerei finde ich auch deshalb so bedrückend [sic!], weil „drücken“ ja von „Druck“ kommt – und so schwingt bei aller positiven Intention doch immer auch unterschwellig ein wenig Gewalt mit. Es wird Druck ausgeübt auf eine Person, die sich – aus welchen Gründen auch immer – sowieso schon unbehaglich fühlt. Ist das noch nett?

Druck rausnehmen

Sollten wir nicht stattdessen mal alle wieder den verbalen Druck rausnehmen und uns bemühen, der Situation angemessene Reaktionen zu zeigen? Gäbe unsere Sprache doch jederzeit her, oder?

Vielleicht kann ja als Anhaltspunkt für unsere Erwiderungen tatsächlich unser Verhalten im „real life“ dienen. Wen ich also im echten Leben für sein wie auch immer geartetes Unwohlsein nicht drücken würde, dem muss ich es doch auch in der digitalen Welt nicht zumuten.

PS: Ich nehme sehr gerne Anteil am Leben meiner Mitmenschen und freue mich auch, wenn es umgekehrt ähnlich läuft. Aber es gibt nur sehr wenige Menschen, von denen ich mich tröstend umarmen lassen würde (ich spreche jetzt nicht von einer freundschaftlichen Begrüßungs-Umarmung!). Außerdem sind die Dinge, die ich auf Facebook (oder diesem Blog!) äußere, NIEMALS einer Trost-Umarmung würdig, also bitte lasst in Zukunft die verbale Drückerei. Danke.

Be my Valentine?!

Man kann ja zum Schutzheiligen der Floristen – Pardon: der Liebenden!, stehen wie man will – Valentin ist gut fürs Geschäft. Also nicht unbedingt für meines, denn ich bin nicht im Blumengewerbe tätig (auch wenn ich es so manches Mal in Erwägung gezogen habe), aber insgesamt schon.

Stöbere ich heute auf Facebook durch meine Timeline, dann fallen mir zwei Fraktionen auf:

  1. Valentin-Liebhaber
  2. Valentin-Verächter

Beide haben gute Argumente, doch was soll die Aufregung eigentlich? Soll doch jeder den Spaß haben, den er will. Oder? Und mal ehrlich: Blumen/Pralinen/Schokolade gehen doch immer – AUCH heute!

Meine geschätzten Kollegen haben übrigens auch alle ein Herz für ihre Leser und hauen eine Valentins-Aktion nach der anderen raus. Und was soll ich sagen? Ich bin kein Stück besser! Bei mir gibt’s im Februar auch Rabatte, Liebe und sogar eine Neuerscheinung!

Carins Valentins-Aktion

Weil seit Anfang Februar nun auch mein Roman HUNDSTAGE ein wunderschönes neues Cover hat und weil das ein Grund für eine kleine Party ist, schmeiße ich zwar keine Konfetti, dafür fette Rabatte auf zwei meiner Bücher.

Gefühlte Wahrheit und Hundstage sind ein paar Tage lang (noch bis 27.2.) dramatisch reduziert – in allen eBook-Shops. Zuschlagen lohnt sich also.

Carins Neuerscheinung …

… ist im Grunde gar nicht von mir, sondern von „der Neuen“, also von Nirac Rellum, was aber nichts anderes ist, als Carin auf links gedreht. Weil die minderjährigen Ableger in meinem Umfeld so lange genervt haben bis mir nichts mehr anderes übrig geblieben ist, habe ich ein neues Weltraum-Abenteuer für Kinder geschrieben. Es heißt FERIEN AUF TARKANUS X und verspricht ein spannendes Abenteuer auf einem abgelegenen Planeten (und mit vielen aufregenden Tieren). Das eBook erscheint morgen (also am 15.2.) und kostet bis Ende des Monats nur 1,49 € statt regulär 2,99 €. Außerdem gibt es auch eine exklusive Taschenbuchversion, die zusätzlich noch die Kurzgeschichte AUSSENMISSION AUF KAIPAS V enthält – nur hier bei mir für 6 €!

Das ist doch eine echte Valentins-Alternative, oder? Habt euch lieb und lest ein Buch!

 

Zum Hunde drängt, am Hunde hängt …

… doch alles in der Welt. Zumindest in meiner kleinen überschaubaren Welt. Das nimmt zugegebenermaßen manchmal bedenkliche Formen an. Siehe diese Überschrift, für die ich ein berühmtes Goethe-Zitat aus Faust 1 vergewaltigt habe.

Der Hund in Wahrheit …

Ich habe hier auf diesem Blog schon länger nichts mehr von Toni geschrieben, nicht weil es nichts zu berichten gäbe, sondern vielmehr, weil mir andere Dinge wichtiger erschienen. Jetzt weiß ich: das ist Unsinn! Es dreht sich trotzdem alles um den Köter.

Was ich übrigens total liebevoll meine. Also so liebevoll, wie man sein kann, wenn man nach wenigen Stunden unruhigen Schlafs gegen halb fünf Uhr morgens von seinem Tier geweckt wird, weil es Bauchweh hat. Und es sich nur auf der knapp 600 Meter entfernten Hundewiese erleichtern kann (glücklicherweise nicht in der Wohnung, blöderweise nicht im Vorgarten). Und man sich der Hundewiese nun in Schlafanzug und Daunenjacke bei minus 5 Grad im gestreckten Galopp nähern muss. Also kurz gesagt: extrem liebevoll!

Toni hat Bauchschmerzen, weil die paranoiden Frankfurter seit Tagen tonnenweise Streusalz auf den Gehwegen verteilen, in der vagen (wenn auch komplett unbegründeten) Hoffnung, dass es mal glatt werden könnte. Und weil das Tier leider ständig was vom Boden fressen oder lecken muss. Warum auch immer. Vermutlich weil er ein Hund ist.

Man kann also sagen, dass der Hund in meinem Leben recht raumfüllend ist. Was sich nicht zuletzt in einem eigenen Instagram-Account und einer Facebook-Seite manifestiert, die blöderweise DailyDale heißt und somit täglich befüllt werden will. Was habe ich mir dabei bloß gedacht?

… und Dichtung

Bis vor kurzem war ich allerdings der Meinung, dass er in meinem schöpferischen Wirken eine eher untergeordnete Rolle spielt. Schließlich habe ich nur einen einzigen Hunderoman veröffentlicht. Und in Hundstage habe ich alles, was ich jemals über Hunde schreiben wollte, ausgebreitet.

Allerdings hat mich vor ein paar Tagen eine an sich wohlmeinende Freundin zart daran erinnert, dass in restlos ALLEN Büchern von mir ein Hund vorkommt. In meinem Erstling Mopsküsse, ist es – Überraschung – ein schwarzer Mops namens Hugo. In High Heels und Hundekuchen wird Hugo von der Airedale-Dame (!) Olga unterstützt. In Gefühlte Wahrheit gibt’s zwar keinen lebenden Hund, aber es ist die Rede vom just verstorbenen Beagle Briegel. Problemzonen hat ein eigenes Hundekapitel und im ausgelagerten Hot Chocolate-Universum (von „der Anderen“ aka Charlotte Taylor) tummelt sich in jeder einzelnen Episode Königspudel Henry. Selbst im hochseriösen Roman Tage zwichen Ebbe und Flut gibt’s Hunde – einen toten im Prolog (Leo) und einen lebendigen im Epilog (Poldi – genannt Leo … long story, beides übrigens keine Airedales, sondern Jack Russel-Terrier). Und nun hat sich auch noch bei der jüngsten abgespaltenen Autorenpersönlichkeit Nirac Rellum ein Hund eingeschlichen: Ein Airedale (!!) namens Rufus, der sein junges Herrchen Tim auf allerlei Abenteuer begleitet. Im Weltall! In der Zukunft!! Puh …

Ich gebe zu, da kann man unter Umständen ein gewisses Muster erkennen, aber ich schwöre: DAS IST KEINE ABSICHT!!

Crazy Dog Mom – Crazy Author?

Doch nun kommt es richtig dicke. Ich möchte nämlich meinem vermeintlich einzigen Hunderoman Hundstage ein neues Cover verpassen (hat einige Gründe, die hier an dieser Stelle zu weit führen würden) und habe meine hochgeschätzte Grafikerin Sabine Kwauka gebeten, einen Entwurf zu erarbeiten. Was soll ich sagen? Sie hat drei geschickt (was ein normales Procedere ist) – und ich fand sie alle so gut, dass ich micht nicht entscheiden konnte. Umfragen in diversen Facebook-Gruppen haben leider auch keine eindeutige Tendenz ergeben – bis auf die Schnapsidee eines Lesers, der anregte, ich solle doch einfach weitere Hundebücher schreiben, dann könnte ich alle Cover behalten.

Meine erste Reaktion lautete: „Nur über meine Leiche! Ich habe EINEN Hunderoman in meinem Leben geschreiben, das muss reichen.“ Doch dann hat mir mein empörtes Unterbewusstsein ein Schnippchen geschlagen und mir eine Idee für einen Krimi (!) in die mürben Gehirnwindungen gesetzt. Ein Krimi. Mit Hund. Von mir. Warum??? Tja, ich kann’s nicht erklären. Ich weiß nur, dass – wenn alles so läuft, wie geplant – noch in diesem Jahr mein ERSTER Hundekrimi erscheinen wird. Den (absolut genialen) Titel kann ich euch noch nicht verraten, aber der Held wird Joshi heißen und ein Airedale sein …

PS: Ich muss jetzt Gassigehen.

Zu blöd zum Geradeauslaufen

Geradeauslaufen – Fluch oder Tugend? Der folgende Blogbeitrag beschäftigt sich vordergründig mit zwei scheinbar konträren Themenfeldern:

  1. Schusseligkeit
  2. (guten) Vorsätzen

Selbstredend gibt’s dabei gar nicht so viele Unterschiede. Außerdem wird es um Sport, Philosophie, das Schreiberdasein und diverse alltagsphilosophische Thesen gehen. Also nur etwas für Hartgesottene!

Der Charme der Schusseligkeit

Tollpatschige, aber ansonsten wahnsinnig patente Heldinnen sind in Unterhaltungsromanen schon viel länger stilprägend, als beispielsweise Millionäre oder Gestaltwandler – wobei es erschreckenderweise vielfach die bizarrsten Überschneidungen der Genres gibt. Jedenfalls gelten ungeschickte Damen in den Geschichten meist als besonders liebenswert. Warum das so ist? Ich nehme mal an, weil sich so viele von uns (Leserinnen) damit identifizieren können. Ich persönlich finde diese oft slapstickhafte Trotteligkeit jedoch eher abtörnend (auch wenn ich dieses Stilmittel zugegebenermaßen schon selbst verwendet habe), was mutmaßlich daran liegt, dass ich selbst oft genug buchstäblich zu blöd zum Geradeauslaufen bin.

Das gebe ich natürlich nicht gerne zu, denn es wäre mir lieber, man (und auch ich selbst!) würde mich stets als souveräne Frau wahrnehmen, die immer alles unter Kontrolle hat. Die Wahrheit ist jedoch niederschmetternd: ich habe nichts unter Kontrolle! Nicht meinen Hund, nicht meine störrischen Protagonisten – und am wenigsten meinen Körper. Der will einfach nicht so biegsam, elegant und geschmeidig sein, wie ich mir das vorstelle. Will heißen: ich fliege gerne mal auf die Schnauze! Und das nicht nur im übertragenen Sinn.

Zuletzt war es vor zwei Wochen soweit. Beim Joggen mit meiner lieben Kollegin und meinem geschätzten Hund, stolperte ich bei Kilometer 6,5 (von 8) über einen Kieselstein oder eine Wurzel oder etwas anderes Nichtiges – und zerfetzte neben meiner Lieblingslaufhose auch meine Würde. Außerdem hatte ich mir das Knie aufgeschlagen und das Schienbein so schlimm geprellt, dass ich noch Tage später bei der leisesten Berührung Sternchen sah.

Derartiges passiert mir relativ regelmäßig. Unzählbare Male bin ich aus dem Stand mit dem Fahrrad gestürzt, weil ich meinen Fuß nicht rechtzeitig aus dem Click-Pedal befreien konnte – oder mich für den falschen entschieden habe. Einmal habe ich  mich beim Staubsaugen k.o. geschlagen und bin erst Minuten (oder Stunden?) später wieder aus meiner Ohnmacht erwacht. Das sind in der Nacherzählung durchaus amüsante Anekdoten, tatsächlich aber vor allem schmerzhafte und ziemlich peinliche Ereignisse.

Denn jetzt mal unter uns, findet sowas wirklich jemand begehrenswert? Ich glaube nicht, denn es ist weder liebenswert, noch charmant, noch sexy – sondern einfach nur doof!

Mehr Achtsamkeit im neuen Jahr

Daher komme ich gleich schonungslos zum nächsten Thema – den (guten) Vorsätzen. Achtsamkeit ist ja so ein richtiges Mode/Hass-Wort geworden, dabei beinhaltet es jenseits aller Esoterik doch vor allem wirklich erstrebenswerte Eigenschaften. Es kann doch nur gut sein, wenn man aufmerksamer durch sein Leben schreitet. Wenn man eben achtsam ist, sich selbst gegegnüber (und daher vielleicht seltener stürzt), seinen Mitmenschen, der Umwelt … Die Welt wäre unter Garantie ein besserer Ort, wenn jeder einen Gang rausnehmen würde und ein bisschen – nun ja – achtsamer wäre. Oder? Doch eigentlich will ich das hier nicht vertiefen.

Mir geht es vielmehr um die guten Vorsätze, die scheinbar komplett aus der Mode gekommen sind. In vielen Zeitungen und praktisch allen sozialen Medien liest man seit Tagen nur noch Sätze wie „Ich nehme mir nichts mehr vor, denn ich kann es doch sowieso nicht einhalten!“. Ist das nicht eine total Bankrott-Erklärung? Schon klar, dass ein guter Vorsatz alleine gar nichts nützt, wenn es dann an der Umsetzung scheitert. Aber sich nicht einmal mehr vornehmen zu wollen, ein besserer Mensch zu werden, nicht mehr zu rauchen/saufen/bescheißen, abzunehmen und mehr Sport zu treiben, erscheint mir wie eine komplette Kapitulation. Außerdem ist es langweilig. Und traurig.

Ich habe Vorsätze!

Daher möchte ich jetzt  mit gutem Beispiel vorangehen: Ich werde 2017 minestens einen Halbmarathon laufen!

Es gibt natürlich noch mehr Vorsätze, aber die sind entweder nicht jugendfrei oder sonst wie für die Allgemeinheit gedacht, daher beschränke ich mich hier in diesem Beitrag auf die sportliche Herausforderung.

Der Halbmarathon ist sogar schon ziemlich konktret ins Auge gefasst: am 12.3. in Frankfurt – falls mir jemand zujubeln will. Und ich gebe zu, dieses Vorhaben ist insofern kühn, als es in ziemlichem Widerspruch zu meiner oben dargelegten Schusseligkeit steht. Seit zwei Wochen trainiere ich mit Klumpfuß (die Schwellung aus dem Schienbein ist ziemlich rasant in den Knöchel-/Fußbereich gesackt – dito das beeindruckende Farbenspiel) und Schmerzen. Aber ich trainiere. Denn ich will diesen vermaledeiten Halbmarathon nicht nur überleben, sondern auch in einer unpeinlichen Zeit (also idealerweise unter zwei Stunden) absolvieren. Und wenn ich im Zuge dessen, ein paar Pfund verliere und weniger trinke, dann nehme ich das eben auch mit.

„Das Leben ist auch für Hartgesottene …

… völlig unabdingbar!“ Behauptet mein aktuelles Lieblingsspielzeug, der Moralomat! Wunderbare Thesen lassen sich damit generieren, die für endlosen Gesprächsstoff sorgen – und auch für den ein oder anderen Streit. Aber diese teils kühnen, teils abstrusen Behauptungen laden zum Nachdenken ein. Möglichkeiten kommen einem in dem Sinn, Ideen, ja sogar philosophische Ansätze. Das ist übrigens auch ein Vorsatz für 2017 – mal öfter innehalten und gründlicher über die Dinge nachdenken. Womit wir wieder beim Thema Achtsamkeit wären – zur Vermeidung aller möglichen Unfälle.

Und nun zu euch: Habt ihr Vorsätze? Mag mich vielleicht jemand beim Halbmarathon begleiten? Mir Trainingstipps verraten? Wetten, dass ich die 21 Kilometer in unter zwei Stunden schaffe? Das Schöne beim Rennen (wenn man da überhaupt einen Reiz ausmachen kann) ist übrigens auch die doppeldeutige Möglichkeit, vor seinen Problemen davonzulaufen. Denn wenn die Lunge brennt und die Beine schwer werden, produziert der Kopf manchmal die interessantesten Lösungsansätze …

In diesem Sinne: Happy New Year! Wir lesen uns 2017 wieder. Ach ja, vielleicht ist Geradeauslaufen nicht immer die beste Wahl – manchmal kann auch ein Umweg zum Ziel führen.

Bekämpft die Ohrgasmus-Lüge!

ohrgasmusluegeWie wäre es heute mal mit einem kleinen Referendum? Einer Volksbefragung? Liebe Leser, worüber möchtet ihr euch lieber informieren? Über die US-Wahl – oder über einen unausrottbaren Sex-Mythos? Ihr stimmt ab – ich bin auf alles vorbereitet!

Das Ergebnis: Sex schlägt Trump!

Das ist einerseits irgendwie beruhigend, doch auch ziemlich vorhersehbar. Aber schön, ihr habt es so gewollt. Lasse ich also meinen gesammelten Groll auf „Make America great again“ fürs Erste ruhen und widme mich einem Thema, das mich fast genauso verstört, wie Donald Trump: die Ohrgasmus-Lüge! Nein, ich habe mich nicht vertippt, ich meine es exakt so.

Seit ich vor etwa zwei Jahren begonnen habe, mir eine horziontale Zweit-Existenz aufzubauen – rein belletristisch selbstredend!!! – habe ich viel Verstörendes gelernt. Um zu erfahren, was dem geneigten Leser im Genre Erotik so zusagt, habe ich mich durch die einschlägige Literatur gelesen und vielfach auch gequält – bis ich schließlich entschieden habe, auf die Trends (oh ja, die gibt es!) zu pfeifen und die Geschichten zu schreiben, die ich interessant finde. Doch so unterschiedlich die Stories auch sein mögen, Sprache, Anspruch und Thematik betreffend, ein immer wiederkehrendes Element taucht auf: das Ohr!

Ist das Ohr eine erogene Zone?

Ich finde nicht. Das Außenohr, speziell das Ohrläppchen, ist sogar eher unempfindlich – nicht umsonst dient es vielfach als Nadelkissen für Schmuckkreationen aller Art. Was also bewegt unzählige Autoren und Autorinnen dazu, sich in der kühnen Schilderung zu versteifen, dass die Heldin beinahe schon durch inniges Saugen am Ohrläppchen oder neckisches Züngeln im Gehörgang zum O(h)rgasmus gebracht werden kann? Wer genau soll damit veräppelt werden?

Die These, dass all jene Schreiber Star Trek-Fans sind und sich von der erotischen Ohrmassage „Oo-Mox“ inspiriert haben lassen, kann  man wohl getrost in den Wind schießen. (Wer es genau wissen will: auf Oo-Mox stehen die Ferengi, eine auch sonst ziemlich schräge Alien-Rasse.) Zumal auch in der einschlägigen Star Trek-Sekundärliteratur nichts von einem tatsächlichen Höhepunkt durch das Ohrmuschel-Gekraule zu finden ist.

Aber Hunde stehen doch auch drauf!

Stimmt. Hunde lieben es, an oder hinter den Ohren gekratzt und gekrault zu werden. Wenn zwei Hunde untereinander Zärtlichkeiten austauschen wollen, dann lecken sie sich gerne die Öhrchen. Manchmal machen sie das auch mit ihren Menschen, was für den humanoiden Empfänger … nun ja … Geschmacksache ist. Hunde lieben also zweifellos Ohrinteraktionen – doch ich glaube nicht, dass diese erotisch aufgeladen sind. Und selbst wenn: Hunde wälzen sich auch gerne in toten Tieren, sollten also nicht als Maßstab gelten!

Schlampige Übersetzung?

Nächste These: Hinterm Ohr verlaufen tatsächlich etliche Nervenstränge, die bei Liebkosungen interessante Empfindungen auslösen KÖNNEN. Ich weiß nicht wie oft die Formulierung „he nibbles on her sensitive spot behind the ear“ schon gelesen habe. Diese Nibbelei führt in der Regel mindestens zu einem feuchten Höschen, meist zu mehr. Allerdings lese ich das nur in englischsprachiger Literatur. Im hiesigen Sprachraum wird meist am Ohrläppchen gezuzelt oder die männliche Zunge penetriert gleich die weibliche Ohrmuschel (was insofern Sinn macht, als Männer ja grundsätzlich gerne eigene Körperteile in fremde Körperöffnungen schieben).

Ist das ganze Dilemma also ein schlichter Übersetzungsfehler? Hat vor vielen, vielen Jahren der schlampige Übersetzer eines amerikanischen Sexratgebers geschrieben, dass Frauen darauf stehen, wenn ER ihr die Zunge ins Ohr schiebt? Und hat sich dann ein dadurch ein Trend entwickelt? So nach dem Motto: „Okay, da steht, dass es erotisch ist, wenn er an meinem Ohr rumschlabbert. Ich find’s zwar eklig, aber das ist dann wohl allein mein Problem. Hm, also schön, ich überwinde mich und tu so, als sei es geil!“ Dito die Männer: „Was? Frauen stehen drauf, wenn ich ihnen die Ohren auslecke? Hoffentlich hat sich die Lauscher gewaschen. Bäh – aber gut, was macht Mann nicht alles, um ans Ziel zu kommen?“

Zugegeben, das klingt schräg, aber wir Menschen sind doch auch ziemlich dämlich. Bekommen wir nur oft genug etwas gesagt, glauben wir es auch. Oder wie sonst ließe sich erklären, dass viele Millionen Amerikaner der ernsthaften Meinung sind, dass Donald Trump ein echt dufter Präsident wäre??

Bekämpft die Ohrgasmuslüge

Genauso wie ich hoffe, dass (die zwar ebenfalls ziemlich grässliche) Hillary Clinton die Wahl gewinnt, weil die Mehrheit der Amerikaner vielleicht doch nicht völlig verblödet ist, hoffe ich auch ein bisschen Restintelligenz der schreibenden Kollegen: Bekämpft endlich die Ohrgasmuslüge!

Quantität hat ihren Preis?

mehrwertZehn Tomaten kosten mehr als eine. Klare Ansage – das wird keiner in Abrede stellen. Mehr Masse kostet also mehr Geld. Logisch. Oder?

Daher muss eine 600-Seiten-Schwarte zwangsläufig teurer sein als ein schmaler 250-Roman, von einer 60-seitigen Kurzgeschichte mal ganz zu schweigen. Glasklar. Oder?

Doch was, wenn mich eine sehr teure Ochsenherz-Tomate satter, glücklicher und zufriedener macht als ein Kilo spanische Treibhausware? Was ist mir wichtiger: Mehr wert oder Mehrwert?

Was ist wichtiger Qualität oder Quantität?

Diese Frage beschäftigt mich seit langem – und seit einiger Zeit mit selten gekannter Leidenschaft. In diversen Buchgruppen auf Facebook kursieren nämlich immer wieder heiße Preis-Diskussionen. Was ich von den allgemeinen Dumping-Preisen halte habe ich ausführlich in meinem Artikel Irrweg Preisaktion beschrieben. An dieser Einstellung hat sich nichts geändert, auch wenn ich inzwischen noch einige weitere Argumente hinzufügen könnte. Akut will ich mich aber der neuesten Form des Wahnsinns widmen: dem Quantitäts-Argument!

Demnach dürfen/müssen/sollen Bücher, die eine bestimmte Mindestseitenanzahl (da ist man sich uneins: 400/500/…1000 Seiten?) haben, gerne „ein wenig mehr“ kosten – was auch immer das nun heißt, denn generell wird ja für SP-Ware (für die Uneingeweihten: das sind unverlegte Bücher, die von den Autoren selbst publiziert werden) überhaupt nur der lächerliche Standardpreis von 99 Cent als angemessen gesehen.

So wird laut aufgejault, weil ein Autor es wagt, für seine 90-Seiten-Novelle den skandalösen Preis von 2,99 € anzusetzen. Denn dann müsste ja ein durchnittlicher Fantasy-Schmöker mindestens 25 € kosten und wo kämen wir da bitteschön hin?

Ja genau, in welche Richtung bewegen wir uns eigentlich? Soll der Preis eines Buchs zukünftig allein an seiner Seitenzahl bemessen werden? Ernsthaft?

Qualität muss sich lohnen!

Das halte ich für eine höchst gefährliche Entwicklung! Zurück zu den Tomaten. Wer kann denn ehrlicherweise von sich behaupten, dass er die wässrigen, geschmacksneutralen Dinger, die es zum Kilopreis von 1,99 € im Discounter gibt, mit größtem Genuss verzehrt und lange und nachhaltig davon schwärmt? Dass dieses traurige Gemüse die gleiche Verzückung hervorrufen kann, wie eine Handvoll zuckersüßer Cherry-Tomaten aus Sizilien oder eine Scheibe eines aromatischen Ochsenherzens?

Was ich damit sagen will: Ein Roman, der über 1000 Seiten hat, kann das Äquivalent einer Kiste sizilianischer Freilandtomaten sein, aber genauso gut kann er nur drei Kilo trauriger Gewächshausware entsprechen, die als einziges Highlight Sodbrennen hervorruft.

Umgekehrt ist es natürlich genauso: Eine kurze Novelle kann wie eine faulige Frucht Ekel und Erbrechen hervorrufen – oder ein wahrer Paradiesapfel sein!

Insofern sollte man doch in erster Linie auf die Qualität des Werks achten und nicht wie viele Seiten es hat! Denn machen wir uns nichts vor: Jeder halbwegs routinierte Autor kann „Seiten schinden“. Masse zu produzieren ist lange nicht so kompliziert und anspruchsvoll, wie wahre Klasse.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass für viele wunderbare dicke Indie-Schmöker ein Preis von 25 € angemessen wäre (gemessen am Arbeitsaufwand, an den Kosten für ein gutes Lektorat, das bei mehr Seiten natürlich teurer ist, am wunderbaren Cover…), ich bin nicht naiv. Das ist komplett unrealistisch. Selbst die wohlwollendsten Leser haben eine Schmerzgrenze, die deutlich darunter liegt. Daraus aber zu schließen, dass ein Roman, der eine womöglich sprachlich delikate und auch sonst atemberaubende Geschichte enthält, entsprechend viel weniger kosten DARF, nur weil er lediglich 200 Seiten umfasst, ist aber ebenfalls komplett absurd.

In der akzeptierten eBook-Preisspanne für Selfpublisher-Titel, die zwischen 99 Cent und (kühn gerechneten) 6,99 €, liegt, müssen alle Geschichten ihren Platz finden. Und es nicht okay zu sagen, dass nur ein dickes Buch „teuer“ sein darf und ein dünnes am besten kostenlos verschleudert werden sollte! Solche Argumente sind kurzsichtig und vor allem ausgesprochen respektlos den Autoren gegenüber.

Mut zu mehr Qualität

Nun gibt es sicherlich Menschen, denen es tatsächlich egal ist, ob die Tomaten nach nix schmecken, die Hauptsache sie sind rot und sehen irgendwie tomatig aus. Auch wenn sich gewisse Qualitätsmerkmale einer „guten“ Tomate objektiv messen lassen – wie beispielsweise der Zuckergehalt -, es bleibt letztlich Geschmacksache. Und man gewöhnt sich ja auch an miese Standards – wenn ich keine leckeren Freilandtomaten bekomme (oder nur mit Mühe), dann gebe ich mich halt mit der Massenware zufrieden. Sie ist ja auch schön günstig und wenn mir ein paar von den Dinger wegfaulen, weil ich sie nicht alle auf einmal essen konnte oder wollte, dann ist auch egal, denn ich kann mir ja gleich im Supermarkt das nächste Kilo Billig-Tomaten holen. So ist das Leben.

Ja, so sieht die Realität leider aus. Doch ist so ein Leben, so eine Einstellung wirklich erstrebenswert? Wäre es nicht viel schöner, nach der leckeren, süßen, aromatischen Tomate zu suchen uns sie zu genießen?

Ich kann vollkommen akzeptieren, dass es Leser gibt, die sagen: „Ich lese NUR Bücher, die mindestens 600 Seiten lang sind!“ Ich verstehe diese Einstellung nicht, aber ich akzeptiere sie. Denn ich habe (und werde es auch nicht tun) noch nie einen Leser gezwungen, meine deutlich kürzeren Geschichten zu kaufen und zu lesen. Was ich jedoch nicht akzeptiere ist, wenn Leser den Wert eines Buchs ausschließlich an der Seitenzahl festmachen. Entscheidend sollte doch sein, ob eine Geschichte – wie lang sie auch sein mag – einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Ob sie es geschafft hat, den Leser in eine andere Welt zu ziehen, ihn zu faszinieren, ihm was mitzugeben, ihn zum Nachdenken anzuregen, ihn mit überraschenden Wendungen zu erfreuen  – oder ihn vielleicht schlicht durch eine besonders schöne Sprache zu bezaubern.

Der schale Geschmack der traurigen Treibhaus-Früchte ist nach dem letzten Bissen bereits vergessen – das besondere Aroma einer reifen Ochsenherz-Tomate bleibt dagegen lange am Gaumen haften.

Ich war dann doch mal in New York

newyork-blog„Oh wie toll, das ist meine absolute Lieblingsstadt!“ So lautete der mit weitem Abstand häufigste Ausruf auf die Ankündigung, dass ich nach New York reisen würde. Gefolgt von: „Du wirst es lieben!“ Und: „Der Big Apple ist einfach einzigartig!“

New York – ein Sehnsuchtsort?

Drei Wochen ist mein Kurztrip zum Sehnsuchtsort von gefühlt 90 Prozent meines Umfeldes nun her, und langsam fühle ich mich einer persönlichen Einschätzung gewachsen. Fangen wir mit dem Fazit an: Ja, New York ist wirklich einzigartig!

Aber (m)ein Sehnsuchtsort wird die Stadt wohl trotzdem nie werden. Macht aber nix, denn voll ist sie ja auch schon ohne mich. Sehr voll. Extrem voll. Und laut. Und ruppig. Und exaltiert. Und bunt. Und schräg. Und heiß (Mitte August, über 30 Grad, an die 90% Luftfeuchtigkeit = Tropen). Und groß. Sehr groß. Riesig könnte man fast sagen. Habe ich schon erwähnt, dass es auch voll und laut ist?

Wie also kommen so viele Menschen auf die Idee, einen zweifellos faszinierenden Moloch von Stadt, den sie häufig noch nicht einmal besucht haben, als Sehnsuchtsort zu bezeichnen? Ich schätze mal, dass es dafür keine logische Erklärung gibt, sondern nur einige emotionale Annäherungsversuche:

  1. Liebe kann man sich nicht aussuchen!
  2. New York steht für unendlich viele Möglichkeiten!
  3. Die Stadt ist (zumindest den TV-Junkies unter uns) lächerlich vertraut!

Mich hat das immer kalt gelassen. Den USA stehe ich ohnehin exterm ambivalent gegenüber (ein Land, in dem ein Donald Trump möglich ist…) und wenn überhaupt, zog und zieht es mich eher an die Westküste. San Francisco ist „meine“ Stadt. Wobei „Dorf“ wohl die eher angemessene Bezeichung wäre – im Vergleich zu New York. Ich habe jedenfalls jahrelang durchaus stolz getönt, dass mich das Thema Manhattan komplett kalt lässt und ich mein Leben auch gut und durchaus sinnvoll verbringen kann, ohne jemals in den großen Apfel (was für eine blöde Bezeichnung, übrigens!) zu reisen.

Warum dann doch New York?

Tja, gute Frage. Manchmal spielt einem das Leben dann doch einen grausamen Streich. In meinem Fall, war es der Kerl an meiner Seite, der unbedingt hin wollte. Sein Geburtstagswunsch war es. Sein Traum. Was sollte ich da schon sagen? Eben. Zumal es da vor Jahren das Versprechen „in guten wie in bösen Zeiten“ gab … Ich war also fällig. Wenn auch wenig enthusiastisch.

Doch das hat IHN nicht gestört und er hat den kompletten Kurztrip vollständig alleine organisiert – so gut, dass er wohl zukünftig all unsere Reisen planen muss (das hat er nun davon!). Ich ergab mich also meinem Schicksal, stürzte mich in die vier Tage New York – und war schlicht: überwältigt!!

Do and don’t

Wenn ich ganz ehrlich bin, wollte ich die Stadt nicht gut finden. Ich wollte meine ganz persönlichen kleingeistigen Vorurteile bestätigt haben, um dann triumphierend sagen zu können: „Diese Stadt ist sowas von überschätzt!“

Und tatsächlich gibt es sehr, sehr viele Aspekte, die meine Ignoranz und Ablehnung untermauern können: der Times Square ist das nackte Grauen, die Fifth Avenue einfach nur entsetzlich und der Central Park ein absoluter Witz (selten habe ich so viele Ratten und Pokemon-Spieler auf einen Haufen gesehen …)! Das unerträgliche, bigotte Getue um die „Helden“ des 11. Septembers (Helden waren meiner unwesentlichen Meinung nach die Helfer, die Menschen in den Flugzeugen und im World Trade Center waren einfach nur unschuldige Opfer, aber keine nationalen Helden!!! Das ist so widerwärtig!)  ist rund um das beeindruckende Memorial natürlich besonders präsent. Und der New Yorker per se ist ein eher ruppiger, unfreundlicher Zeitgenosse.

Wobei mir letzteres schon wieder sympathisch ist, denn es liegt mir persönlich einfach näher als die saccharingesüßte Freundlichkeit, die man sonst oft „in den Staaten“ erlebt.

Doch all diese Punkte – und ich habe mir echt Mühe gegeben – konnten nicht verhindern, dass ich eine Gänsehaut bekam, als wir mit dem Ausflugsdampfer an der Freiheitsstatue vorbeigeschippert sind. Dass ich komplett geflasht im Musical („Kinky Boots“ – GRANDIOS!) saß. Und dass ich einen der romantischsten Abenden meines Lebens ausgerechnet auf der Dachterrasse des Rockefeller Centers im 65. Stock verbracht habe. Erst mit Gin Tonic in der Hand und dem Mann neben mir den Sonnenuntergang über der Stadt genossen, später beim Essen die glitzernden Lichter unter uns – das war ein erhabendes Gefühl und erinnerte mich ein wenig an ein Kreuzfahrtschiff auf hoher See. Was ja mein persönlicher Sehnsuchtsort ist …

Und nun?

Keine Ahnung – keiner weiß ja so genau, was das Leben noch für Überraschungen bereit hält. Doch wenn es nach  mir geht, war mein erster New York-Besuch sicher nicht der letzte. Meine Neugier ist geweckt, ich möchte unbedingt noch ein paar Ecken richtig kennenlernen und andere überhaupt erst entdecken. Und bis dahin suche ich händeringend nach Tipps für neue TV-Serien. Aktuell gucken wir „Mozart in the Jungle“, aber bald ist der Stoff alle … Wer kann helfen?