Carin Müller bloggt ...

Kleopatra, Wombats & unsterblicher Honig

Sinnloses Wissen

Es gibt nützliches Wissen – und dann gibt es die andere Sorte. Die, die keine Rechnung bezahlt, kein Problem löst und im Bewerbungsgespräch garantiert nie abgefragt wird. Trotzdem finde ich diese sinnlosen Fakten einfach wunderbar, denn die Welt wird damit für einen Wimpernschlag lang ein bisschen größer, ein bisschen bunter, ein seltsamer, ein bisschen erstaunlicher.

Ich sammle diese Dinge. Schon immer. Zettel, Screenshots, halb vergessene Notizen – ein ganzer geistiger Dachboden voll mit Krimskrams, den kein Mensch braucht und den ich um nichts in der Welt hergeben würde. Höchste Zeit, ihn auszumisten. Willkommen zu einer neuen Rubrik hier im Blog: »Sinnloses Wissen«.

Ab jetzt in unregelmäßigen Abständen, immer drei Fakten, immer garantiert nutzlos, aber viel zu schön, um sie zu ignorieren. Ich habe alles auf Authentizität geprüft. Es ist also alles wahr, was ich hier erzähle. Weitersagen ist übrigens dringend erwünscht, denn wir alle brauchen mehr Staunen.

1. Kleopatra lebte näher an der Mondlandung als am Bau der Pyramiden

Ich gebe zu, dass »das alte Ägypten« in meiner Wahrnehmung gerne in einen schlecht zu definierenden Zeitrahmen mit der Bezeichnung »irgendwann ganz, ganz früher« verschwimmt. Pyramiden, Pharaonen, Kleopatra – alles derselbe und irgendwie gleichzeitig. Oder? Irrtum! Die Große Pyramide von Gizeh wurde um 2560 v. Chr. gebaut. Kleopatra kam rund 2530 Jahre später zur Welt. Die Mondlandung 1969 liegt demnach nur etwa 2000 Jahre nach ihr.

Das heißt: Als Kleopatra lebte, waren die Pyramiden für sie bereits uralte Ruinen – ferner, als uns heute ihre eigene Zeit erscheint. Sie hat also, rein zeitlich betrachtet, mehr mit Neil Armstrong gemeinsam als mit den Baumeistern von Gizeh. Ich finde das jedes Mal aufs Neue schwindelerregend. Zeit ist einfach nicht das, wofür wir sie halten.

2. Wombats scheißen Würfel

Ich verspreche, es wird kurz nur ein bisschen unappetitlich, aber es lohnt sich.

Wombats – diese knuffigen, tonnenförmigen Beuteltiere aus Australien – produzieren würfelförmigen Kot. Kein Tippfehler. Kleine, erstaunlich kantige Kacke-Würfel, bis zu hundert Stück pro Nacht. Lange war das eines der größten ungelösten Rätsel der… nun ja, sagen wir: der spezielleren Wissenschaft.

Inzwischen weiß man: Es liegt an den unterschiedlich dehnbaren Wänden ihres Darms, die die Masse ganz am Ende in diese kantige Form pressen. Und es hat sogar einen Sinn (für den Wombat jedenfalls): Würfel rollen nicht weg. Der Wombat stapelt sie nämlich als Duftmarken auf erhöhte Stellen – und ein Würfel bleibt eben liegen, wo eine Kugel längst den Hang hinuntergekullert wäre. Für diese Erkenntnis gab es 2019 tatsächlich einen Ig-Nobelpreis, den Preis für Forschung, die einen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringt. Womit wir die perfekte Schirmherrschaft für diese Rubrik gefunden hätten.

Und ich habe jetzt die ganze Zeit Assoziationen von »Bio-Lego« ...

3. Honig wird nie schlecht

Und weil wir vorhin schon in Ägypten waren, kehren wir gleich noch mal zurück.

Archäologen haben in altägyptischen Gräbern Tongefäße mit Honig gefunden – mehrere tausend Jahre alt – und der Honig darin war noch immer nicht verdorben. Kein Schimmel, kein Gammel, nichts. Honig ist, richtig gelagert, praktisch unsterblich.

Das liegt an einer fast schon unfairen Kombination von Eigenschaften: Er enthält kaum Wasser, ist von Natur aus sehr sauer, und beim Reifen bildet sich in winzigen Mengen Wasserstoffperoxid. Bakterien und Schimmel haben in dieser Umgebung schlicht keine Chance. Das nächste Honigbrötchen bekommt dadurch eine ganz neue Würde: Ihr esst da gerade das haltbarste Lebensmittel der Welt. Die Biene, die diesen Löffel Honig produziert hat, hat nebenbei etwas geschaffen, das euch mit ziemlicher Sicherheit überleben wird. Guten Appetit.

PS: Meine Lieblingssorte ist übrigens Akazienhonig!

Und jetzt ihr

So viel für heute – drei Dinge mehr im Kopf, kein einziges davon nützlich. Ich hoffe, mindestens eines davon hat für ein schönes Aha-Erlebnis gesorgt. Und weil eine gute Rubrik von Nachschub lebt: Ich weiß, dass ihr auch so einen Dachboden habt. Erzählt mir euren liebsten sinnlosen Fakt: Gerne per Mail an oder auf Social Media. Die schönsten kommen in eine der nächsten Folgen (natürlich mit Nennung, falls gewünscht). Denn das Einzige, was schöner ist als nutzloses Wissen, ist nutzloses Wissen, das man teilen kann.