Carin Müller bloggt ...

Bergfest

Rückblick auf das erste Halbjahr 2026

Es gibt diesen Moment Anfang Juli, in dem das Jahr kurz stehenbleibt. 182 Tage sind vorbei, 183 liegen noch vor mir. Bergfest. Der Punkt, an dem man auf einer Wanderung stehenbleibt, sich umdreht und feststellt: Mensch, das war ja schon ein ganzes Stück.

Wer meinen Silvestertext »Schwierig-schön – mein 2025« gelesen hat, weiß, dass ich das alte Jahr mit gemischten Gefühlen verabschiedet habe. Umso überraschter bin ich jetzt, wo ich mich umdrehe und zurückschaue. Denn dieses erste Halbjahr hat mir etwas geschenkt, das ich in dieser Dichte selten hatte: drei Bücher. In sechs Monaten. Unter drei verschiedenen Namen.

Lasst mich euch mitnehmen.

März: Ein neues Zuhause in Kirkby

Den Anfang machte am 29. März »Die Sternwarte von Kirkby«, der neue Band meiner Highland-Happiness-Reihe. Kirkby ist mein Fixpunkt, das Dorf, in das ich immer zurückkehre – und die Aufregung, wenn ein neuer Band endlich draußen ist, wird tatsächlich nie kleiner. »Die Sternwarte ist DA!!!«, habe ich meinen Abonnent*innen per Newsletter zugejubelt, mit reichlich Ausrufezeichen – und ich stehe zu jedem einzelnen.

Ein neuer Kirkby-Band fühlt sich für mich immer ein bisschen an wie Nachhausekommen. Man weiß, wer in der Küche steht, wer sich mit wem streitet, welcher Hund unterm Tisch liegt. Und trotzdem gibt es jedes Mal etwas Neues zu entdecken. Für mich als Autorin ist das ein Luxus – und für euch als Leserinnen hoffentlich auch. Trotzdem hatte ich bei der Sternwarte das Gefühl, dass diese Geschichte ein Schlusspunkt sein könnte. Fürs Erste jedenfalls. Wie sehr ich dabei getäuscht habe ...

Mai: Ein leiser, ernster Ton

Sechs Wochen später, am 11. Mai, kam etwas ganz anderes: »Die Ozeanschwimmerin«. Ein stilleres Buch, ein ernsteres. Schon im Vorfeld hatte ich euch unter der Überschrift »Geduld und Ausdauer« davon erzählt – und ehrlich gesagt war das nicht nur der Titel eines Blogposts, sondern auch das Motto beim Schreiben selbst.

Manche Geschichten wollen schnell erzählt werden. Diese hier brauchte ihre Zeit, und sie hat mich gelehrt, dass langsam nicht dasselbe ist wie zögerlich. Dass Ausdauer eine eigene Form von Mut ist. Ich bin froh, dass ich drangeblieben bin. Wer noch tiefer in die Materie eintauchen will, kann das mit dem Text »Sieben Meere, eine Frage: Warum?« tun.

Juni: Aus »behutsam« wurde ein Neubau

Und dann, am 14. Juni, das Buch, über das ich am meisten schmunzeln muss: »Die fünfte Wahrheit – Geister der See«, erschienen unter meinem Pseudonym C.C. Ravenmiller.

Im April hatte ich euch von der »Operation zweiter Frühling« berichtet: von meinem Indie-Debüt, das zwölf Jahre lang als Liebesroman verkauft wurde, obwohl es in Wahrheit immer Urban Fantasy war. Mein Plan war bescheiden – neuer Titel, neues Cover, und am Text wollte ich, Originalton, »behutsam arbeiten«. Über das Wort »behutsam« müssen wir wirklich noch mal in Ruhe reden.

Aus der geplanten kleinen Renovierung wurde nämlich ein kompletter Neubau: 43 Kapitel und ein Epilog, eine eigene Geisterwelt mit Regeln und Rängen, ein Mentor, der seit über hundert Jahren tot ist und trotzdem die klügsten Sätze des Buches sagt. (Der Gorilla, für die Kenner, ist übrigens geblieben. Er war nie verhandelbar.) Wenn das erste Halbjahr eine Lektion für mich hatte, dann diese: »Behutsam« bleibt bei mir nie klein.

Was nebenher noch passierte

Zwischen diesen drei Releases lief natürlich das übliche Autorinnenleben weiter – und ein paar Dinge haben sich durch das ganze Halbjahr gezogen.

Da wären meine KI-Praktikanten, mit denen ich inzwischen ein erstaunlich funktionierendes Arbeitsverhältnis pflege. Da war der endgültige, diesmal wirklich endgültige Abschied vom Fußball – nach sieben Jahren eigenem Fußballblog fällt so ein Schlussstrich schwerer, als man denkt, aber die aktuelle WM-Farce hat mir die Entscheidung dankenswerterweise leicht gemacht (mehr dazu in »Eigentlich …«). Und da war das große Abenteuer »Lost in Translation«: Kirkby lernt Englisch, und ich lerne dabei, wie viel Heimat in einer einzelnen Formulierung stecken kann. Und dass ein neuer Markt nicht zwangsläufig ein Selbstläufer ist ...

Es war, kurz gesagt, kein Halbjahr des Stillstands.

Und jetzt? Die zweite Halbzeit

Wenn ich mich beim Bergfest einmal umdrehe, blicke ich nicht nur zurück, sondern auch nach vorn – und da wartet einiges.

Noch im Juli geht es – völlig ungeplant, s.o. – denn eigentlich wollte ich ja eine Kirkby-Pause einlegen – zurück in unser Lieblingsdorf. Am Nordseestrand hat mich ein Plotbunny attackiert und mir eine derart zauberhafte Idee eingeflüstert, dass ich noch im Urlaub in die Tasten gehauen habe, bis sich die Balken bogen. Das Ergebnis: Der Kurzroman »Highland Happiness – Der Eissalon von Kirkby« von Kirkby wird am 26.07. als eBook in allen Shops erscheinen.

Mitte September folgt dann mit »Appletree Murders – Fehde, Frevel und Frequenzen« der lang erwartete zweite Teil der paranormalen Krimi-Reihe, die ich zusammen mit Christian Raabe (alias C.A. Raaven) unter dem gemeinsamen Pseudonym C.C. Ravenmiller schreibe.

Und im November wird es weihnachtlich-mörderisch. Wenn mir die Muse gnädig bleibt, erscheint dann mit »Highland Crime – der Tote im Christbaumhain« der vierte Schottland-Krimi aus meiner Feder. Ich freue mich schon jetzt diebisch darauf, euch nach Kirkby zu locken, wenn dort die Lichterketten hängen und trotzdem – natürlich – jemand tot im Tannengrün liegt.

Aber das ist Zukunftsmusik. Heute ist Bergfest, und das reicht mir erst mal. Sechs Monate, drei Bücher, ein paar Abschiede und einige gelernte Lektionen – und der Berg, auf dem ich gerade stehe, hat eine ziemlich gute Aussicht.

Auf die zweite Halbzeit. Ich bin gespannt, was sie bringt.