Carin Müller bloggt ...

Lost in Translation

Über das Abenteuer Übersetzung

Acht Bücher. Sieben englische Übersetzungen meiner Kirkby-Romane und die erste »Insel der Wale«-Geschichte sind inzwischen von mir verfügbar. Gestern kam »The Things We Weave For Love«, die Übersetzung von »Highland Happiness – Die Weberei von Kirkby«, heraus. Zwei weitere Bücher folgen in diesem Jahr noch. Klingt nach einer Erfolgsgeschichte, oder?

Ist es auch. Irgendwie.

Aber es ist auch eine Geschichte über Naivität, Zeitmangel und die Erkenntnis, dass ein Buch zu übersetzen das Leichteste an der ganzen Sache ist.

Heute rede ich mal Klartext darüber, wie es mir mit meinem internationalen Abenteuer wirklich geht.

Der Traum

Der englischsprachige Buchmarkt ist riesig. Gigantisch. Ein Vielfaches des deutschsprachigen Marktes, mit Leser*innen in den USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland und überall sonst auf der Welt, wo Menschen auf Englisch lesen. Als Autorin, die seit Jahren Romane in einem fiktiven schottischen Dorf ansiedelt, liegt der Gedanke natürlich nahe: Warum nicht dorthin gehen, wo die Zielgruppe quasi vor der Haustür sitzt?

Ja, ich kannte (und kenne) die Vorurteile. Dass gerade das amerikanische Publikum kein Interesse an Übersetzungen hat. Dass man als deutsche Autorin im englischsprachigen Markt unsichtbar bleibt. Dass man es gleich lassen kann, wenn man nicht ganz oben auf der hiesigen Bestsellerliste steht. Und selbst dann ist es eher unwahrscheinlich ... Aber ich bin nun mal jemand, der solchen Gerüchten nicht glaubt, bevor sie sich nicht persönlich bestätigt haben. Also habe ich es einfach gemacht.

Was gut lief

Ich habe großartige Übersetzerinnen gefunden. Die Qualität der englischen Texte stimmt – darauf bin ich wirklich stolz. Die Rezensionen decken sich inhaltlich vollständig mit denen der deutschen Bücher. Und das, obwohl ich kein Geheimnis daraus mache, dass es sich dabei um Übersetzungen handelt. Offensichtlich ist das doch nicht so problematisch, und auch englischsprachige Leserinnen verfallen dem Charme von Kirkby. Ich habe die Bücher auch auf dem englischen Markt als Charlotte McGregor veröffentlicht, obwohl mir »Expert*innen« dringend dazu geraten haben, ein neues Pseudonym zu wählen, doch die Logik erschließt sich mir immer noch nicht.

Acht Titel sind also veröffentlicht, es gibt eine eigene, wie ich finde sehr schöne, Website unter charlottemcgregor.com. Selbstverständlich habe ich einen englischsprachigen Newsletter, der inzwischen auch schon rund 3.000 Abonnentinnen hat. Die Infrastruktur ist da. Das Fundament steht.

Klingt doch gut, oder?

Der Realitätscheck

Und jetzt kommt das große Aber.

Ich war unfassbar naiv. Ich dachte ernsthaft, ich könnte die englischen Releases »nebenbei« machen. Zwischen den deutschen Neuerscheinungen, dem Blog, dem Podcast, dem Newsletter, den Kirkby-Romanen, Ordo Draconis, Appletree Murders und – ach ja – dem echten Leben mit Hund, Mann und gelegentlichem Schlaf.

Das hat mich 2025 fast in die Knie gezwungen. Und auch 2026 stresst es mich bereits wieder, weil ich einfach nicht die Zeit habe, mich den englischen Veröffentlichungen so zu widmen, wie sie es verdienen.

Das Paradoxe daran: Der englischsprachige Markt bietet so viel bessere Marketing-Möglichkeiten als der deutsche: Eine schier schlaraffenlandartige Infrastruktur aus bezahlten Newslettern (BookBub, WrittenWordMedia etc.), perfekt organsierte Newsletter-Swaps (beispielsweise über Bookfunnel) – es gibt Dutzende erprobte Wege, um Leser*innen zu erreichen. Von Meta- und Amazon-Werbung ganz zu schweigen. Manche dieser Dinge sind gratis, andere ziemlich teuer, aber die meisten davon kosten nicht die Welt. Zumindest nicht monetär. Aber sie kosten verdammt viel Zeit.

Mein englischer Newsletter? Den bespiele ich viel zu selten. Nicht weil mir die Ideen fehlen, sondern schlicht aus Zeitmangel. In Deutschland nehme ich mir die Zeit, regelmäßig mit meinen Fans zu kommunizieren. Im Englischen kommt das chronisch zu kurz. Und ich weiß genau, dass ich damit Potenzial verschenke.

Wenn ich ehrlich bin: Ich mache meine Übersetzungen quasi nebenbei. Aber das wird ihnen nicht gerecht – und mir dadurch auch nicht.

Und trotzdem

Aufhören ist keine Option. Dafür habe ich zu viel Geld in die Übersetzungen investiert. Geld, das sich noch lange nicht eingespielt hat. Und dafür glaube ich zu sehr daran, dass es funktionieren kann. Nur eben nicht nebenbei. Nicht als fünftes Rad am Wagen zwischen all den anderen Projekten.

Mein Vorsatz für die Zukunft: Den englischen Veröffentlichungen mehr Raum geben. Mehr Zeit. Mehr Aufmerksamkeit. Die Marketing-Tools nutzen, die es gibt. Den Newsletter pflegen, statt ihn stiefmütterlich zu behandeln. Das klingt nicht nach einer revolutionären Erkenntnis, ich weiß, aber manchmal braucht man zwei Jahre und acht Bücher, um zu begreifen, was eigentlich von Anfang an klar war.

Ein Blick nach vorn

Und wenn ich schon beim Träumen bin: Englisch soll nicht die einzige Sprache bleiben. Italienisch, Französisch, Spanisch – die Pläne sind da, im Kopf zumindest. Aber ich bin diesmal realistisch genug, um zu wissen: Dafür müssen sich erst die englischen Titel amortisieren. Und dafür brauche ich vor allem zwei Dinge: Zeit und das nötige Kleingeld. Beides ist endlich.

Aber hey — never give up, nicht wahr?