Solo. Stark. Selbstständig.

4.8.2025
Barbara Payne, Care-Arbeit, Gleichberechtigung, Gleichstellung, Menta Load, Single, Single Working Women’s Day, Solo-Unternehmerin, Solopreneur, Workload
Am 4. August ist »Single Working Women’s Day« – ein Aktionstag, den die US-Autorin und Unternehmerin Barbara Payne 2006 ins Leben rief, weil sie sah, dass Mutter-, Vater- und Valentinstage überall gefeiert werden, während alleinstehende Berufsfrauen unsichtbar blieben.
Nun bin ich zwar nicht alleinstehend, sondern habe einen Partner (der glücklicherweise ebenfalls einen Job hat), doch auch in meinem Berufsalltag bin ich de facto allein verantwortlich: Ich konzipiere, schreibe, verhandle mit meiner Agentin und Verlagen, plane Releases, koordiniere ein freiberufliches Team aus Lektorin, Coverdesignern, Social-Media-Assistentin und Übersetzerinnen. Niemand zahlt mir ein fixes Gehalt, niemand schreibt mir Prozesse vor. Wenn ich eine Deadline reiße, kann ich sie nur bei mir selbst reklamieren.
Mehr als ein Etikett
Der Begriff Single zielt eigentlich auf Frauen, die weder verheiratet noch verpartnert sind. Aber hinter dem Aktionstag steckt ein größeres Thema: ökonomische Selbstständigkeit. Laut US-Statistik gehören rund 36% aller privaten Unternehmen Frauen – viele davon solo geführt. In Deutschland lag der Frauenanteil unter allen Selbstständigen 2024 bei 33% – das zeigen die neuesten Mikrozensus-Daten des Bundesgleichstellungsministeriums. Gleichzeitig wurden 36% aller Neugründungen 2024 von Frauen gestartet, wie der KfW-Gründungsmonitor 2025 ausweist.
Europaweit ist das Bild ähnlich: Nach einer Eurostat-Auswertung, die der HeadFirst-Talent Monitor veröffentlicht hat, stellen Frauen rund 36% der Selbstständigen in der EU (2024). Spitzenreiter ist dabei Luxemburg mit 50,7%, während Irland (26,8%) und Rumänien (26,9%) deutlich hinterherhinken.
Kurz gesagt: Jede dritte Solo-Unternehmer*in in Deutschland und in der EU ist mittlerweile weiblich – Tendenz langsam steigend. Diese Zahlen machen deutlich, dass ein »Ein-Frau-Unternehmen« kein Randphänomen, sondern Teil einer wachsenden ökonomischen Kraft ist.
Ob verheiratet oder nicht, wir kämpfen mit denselben Fragen:
- Wie sichere ich meinen Cashflow?
- Wie organisiere ich unbezahlte Arbeit, die sonst vielleicht innerhalb einer Familie aufgefangen wird?
- Wie schaffe ich mir Pausen, obwohl mich niemand zwingt?
Gerade der letzte Punkt ist für mich eine besondere Herausforderung. Denn klar, theoretisch kann ich mir meine Tage einrichten, wie ich will – und ist mir mal nicht nach arbeiten, kann ich mich mit Freund*innen treffen (so sie denn ebenfalls vogelfrei sind), an den See fahren oder was auch immer tun. Faktisch bedeutet selbständig leider meist: Ich arbeite selbst und das ständig.
Unsichtbare Mehrarbeit: globale Fakten — jenseits jeder privaten Konstellation
Unbezahlte Sorge-, Haushalts- und Organisationsarbeit trifft Frauen überall – ob verheiratet, solo, mit oder ohne Kinder. Weltweit leisten sie mehr als doppelt so viele Stunden wie Männer: Laut UN Women sind es im Schnitt 2,3 – 2,5 Stunden extra pro Tag. Diese Zeitlast hat massive Folgen: Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schätzt, dass 708 Millionen Frauen deshalb gar nicht erst am formellen Arbeitsmarkt teilnehmen können.
Auch in Europa bleibt die Lücke groß. Die jüngste »Gender Equality Index«-Erhebung des EU-Instituts EIGE zeigt, dass Frauen in allen 27 Mitgliedstaaten deutlich mehr unbezahlte Care-Zeit schultern – selbst dort, wo Erwerbsquoten fast gleichauf liegen. Besonders augenfällig ist das bei Kinderbetreuung: 82% der Menschen, die ihre Arbeitszeit dafür reduzieren, sind Frauen, meldet Eurostat. Ähnlich sieht es mit pflegebedürftigen Familienmitgliedern aus.
Ökonom*innen sprechen längst von einem »zweiten Schichtdienst« und dem Mental-Load-Effekt: Neben der physischen Arbeit tragen Frauen die ständige Planungs-, Erinnerungs- und Gefühlsarbeit – Termine koordinieren, Geschenke besorgen, Familienchat beruhigen. Diese Leistungen tauchen in keinem Bruttoinlandsprodukt auf, doch ohne sie würde jede Volkswirtschaft ins Stocken geraten.
Die Geschlechterlücke bei unbezahlter Arbeit bleibt weiterhin eine zentrale Baustelle der Gleichstellung. Sie erklärt, warum Aktionstage wie der Single Working Women’s Day nötig sind: Sie holen das Unsichtbare ins Rampenlicht und rufen Wirtschaft, Politik und auch uns selbst dazu auf, Care-Zeit als echten Wert zu behandeln – und fairer zu verteilen.
Solidarität statt Vergleich
Der Tag ist kein Club exklusiv für Ungebundene. Er lädt uns ein, kein Schubladendenken zu betreiben: Alle Frauen, die ihr Berufsleben eigenständig managen – ob mit Kindern, ohne Partner oder mit/ohne Haustier – teilen Erfahrungen, von denen wir gegenseitig lernen.
- Frag eine Kollegin nach ihrem besten Rechnungs-Tool.
- Schick einer Solo-Freelancerin eine ehrliche Empfehlung.
- Feiere deinen eigenen kleinen Meilenstein öffentlich – Sichtbarkeit hilft allen.
Ob verheiratet, verpartnert oder tatsächlich Single: Wenn du dein Business eigenständig schultern musst, gehörst du zur wachsenden Community der Self-made-Frauen. Der 4. August ist unser kollektiver Reminder, sich selbst ernst zu nehmen, sich gegenseitig zu stärken – und sich nach einem langen Arbeitstag ruhig auch mal auf die Schulter zu klopfen.
Auf viele erfolgreiche Solo-Missionen – mit oder ohne Ehering!