Buchtipp: Vergnügter Unsinn

1.12.2025
Buchtipp, Krebsdiagnose, Leben, Leseempfehlung, Lesehighlight, Sabine Landgraeber, Sterben, Vergnügter Unsinn
Wie würde ich mit der Diagnose umgehen, dass mein Mann unheilbar an Krebs erkrankt ist? Dass abzusehen ist, in welche Richtung der Weg führt – nur noch nicht genau, wie lange es dauert?
Diese Frage habe ich mir bei der Lektüre von »Vergnügter Unsinn« häufig gestellt. Sabine Landgraeber und ihr Mann Tom wurden am 28.12.2020 mit diesem Schocker konfrontiert. Genau ein Jahr später wurde er eingeäschert – und mit dieser eindringlichen Szene im Krematorium beginnt ihr bewegender Erfahrungsbericht. Sie stellt darin abwechselnd die Monate aus dem Jahr vor und dem nach seinem Tod gegenüber.
Sabine ist eine wunderbare Kollegin, die ich etwa 2015 kennengelernt habe, als wir gemeinsam Teil der Gruppe »Das Autorensofa« waren. Wir mochten uns, hatten aber außerhalb der Buchmessen kaum Kontakt zueinander – mit einer Ausnahme: Anfang 2020, kurz vor dem ersten Lockdown waren wir mit zwei weiteren Kolleginnen ein paar Tage zusammen in Venedig. Unvergessliche Tage und Eindrücke – und wunderbare Gespräche. Von dem Schicksalsschlag, der sie wenige Monate später ereilte, habe ich jedoch zunächst nichts mitbekommen. Erst ihr Facebook-Post nach Toms Tod ist mir ins Auge gesprungen.
Als 2023 die Leipziger Buchmesse erstmals nach der Pandemie wieder stattfand, haben wir dort zusammen ausführlich Kaffee getrunken und Sabine hat mir davon erzählt, dass sie ihre Erlebnisse gerne in ein Buch packen würde. Zweieinhalb Jahre später ist »Vergnügter Unsinn« nun erschienen – und es hat mich komplett umgehauen! Die traurigen und harten Fakten kannte ich zwar längst, aber die Art und Weise wie schonungslos offen Sabine über das letzte gemeinsame Jahr mit Tom und das erste ohne ihn geschrieben hat, hat mich tief berührt.
Tiefste Verzweiflung, heillose Überforderung, unendliche Trauer sprechen aus ihren Zeilen, aber immer auch Hoffnung und vor allem grenzenlose Liebe. Und erstaunlicherweise auch reichlich Humor! Selbstverständlich ist die Lektüre manchmal bedrückend – wer wird schon gerne mit der Endlichkeit konfrontiert? –, aber vor allem macht sie Mut. Man kann das Leben auch annehmen, wenn man weiß, dass es zu Ende geht. Und man muss auch als Angehörige*r nicht zwangsläufig daran zugrunde gehen.
Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, wie ich mit so einer Diagnose umgehen würde, aber ich hoffe, dass ich mich ihr mutig wie Sabine stellen würde, die trotz aller Verzweiflung nie vergessen hat, wie kostbar das Leben ist. Danke dafür.
Klappentext von »Vergnügter Unsinn«
Wie gehst du mit dem Ende um, wenn es plötzlich ungebremst auf dich zurast? Sabine und Thomas erfahren, dass ihnen nur noch wenig gemeinsame Zeit bleibt. Es beginnt eine ungewöhnliche Reise. Mit Offenheit und Humor schildert Sabine Landgraeber das letzte Jahr mit ihrem Mann Thomas und das erste Jahr nach seinem Tod – ohne ihn. »Vergnügter Unsinn - ein Jahr Sterben, ein Jahr Leben« ist eine Mischung aus Erfahrungsbericht, Sachbuch und Roman. Ein Buch über das Sterben, das vom Leben erzählt.