Einhorn, Oktopus und Oxford

3.8.2026
Azteken, blaues Blut, Einhorn, Oktopus, Oxford, Schottland, sinnloses Wissen, Wappentier
Willkommen zurück zur nutzlosesten Rubrik dieses Blogs. Beim letzten Mal ging es um würfelnde Wombats und unsterblichen Honig – und weil das offenbar Freude gemacht hat (mir jedenfalls), gibt es heute die nächste Ladung Wissen, das ihr nie brauchen, aber garantiert weitererzählen werdet. Drei neue Fakten, drei neue »WTF*«-Momente. Bereit?
Wie immer ist alles irre, aber die Wahrheit!
1. Schottlands Nationaltier ist – ein Einhorn
Fangen wir mit einem an, der mir Herzens-Highlanderin besonders gut gefällt: Andere Nationen haben Adler, Löwen, Bären – handfeste Tiere, die man notfalls auch mal im Zoo besuchen kann. Und Schottland? Schottland hat sich für das Einhorn entschieden. Ein Fabelwesen. Ganz offiziell, seit dem 15. Jahrhundert im königlichen Wappen verankert.
Das ist weniger albern, als es klingt. Im Mittelalter galt das Einhorn als das stolzeste, wildeste, unbezähmbarste aller Geschöpfe – man glaubte, es lasse sich eher töten als gefangen nehmen. Für ein kleines Land, das jahrhundertelang seine Unabhängigkeit gegen einen großen Nachbarn verteidigte, ist das ein ziemlich treffsicheres Symbol. Und dieser Nachbar? Dessen Wappentier ist ausgerechnet der Löwe – der Sage nach der natürliche Erzfeind des Einhorns. Im gemeinsamen britischen Königswappen stehen die beiden bis heute nebeneinander: der englische Löwe und das schottische Einhorn. Letzteres allerdings brav an eine goldene Kette gelegt. Man weiß ja nie.
2. Ein Oktopus hat drei Herzen und blaues Blut
Vom Fabelwesen zum echten Tier, das aber mindestens genauso phänomenal ist: Der Oktopus hat nicht ein Herz, sondern gleich drei. Zwei davon pumpen das Blut durch die Kiemen, das dritte versorgt den restlichen Körper. Und dieses Blut ist nicht rot, sondern blau. Der Grund: Während unser Blut den Sauerstoff mit eisenhaltigem Hämoglobin transportiert (daher das Rot), nutzt der Oktopus ein kupferbasiertes Molekül namens Hämocyanin – und Kupfer schimmert eben bläulich. In kaltem, sauerstoffarmem Tiefseewasser funktioniert das sogar besser.
Besonders crazy: Das Körperherz setzt beim Schwimmen aus. Jedes Mal, wenn ein Oktopus durchs Wasser jettet, bleibt ihm buchstäblich das Herz stehen. Das ist so anstrengend und unangenehm, dass die meisten Kraken lieber gemütlich über den Meeresboden krabbeln, statt zu schwimmen. Ein Tier mit drei Herzen, blauem Blut und einer ausgeprägten Abneigung gegen Sport – ehrlich, wie soll man das nicht lieben?
3. Oxford ist älter als das Aztekenreich
Und zum Abschluss wieder einer von der Sorte, die mein Zeitgefühl restlos durcheinanderbringt: Wir sortieren Geschichte gern in ordentliche Schubladen: »mittelalterliches Europa« hier, »untergegangene Hochkulturen« dort – und das eine fühlt sich irgendwie jünger an als das andere. Tut es aber nicht. In Oxford wurde bereits um das Jahr 1096 unterrichtet. Die Universität wuchs richtig, nachdem 1167 englische Studenten aus Paris verbannt wurden und in Scharen nach Oxford strömten.
Das Aztekenreich dagegen? Dessen Hauptstadt Tenochtitlán wurde erst 1325 gegründet – gut zweihundert Jahre später. Mit anderen Worten: Als die Azteken anfingen, ihre legendäre Stadt in den See zu bauen, hielten in Oxford längst Generationen von Gelehrten ihre Vorlesungen. Zwei Welten, die wir in völlig verschiedene Zeitalter einordnen – und die in Wahrheit dieselbe Uhr teilten. Ich sag’s ja: Zeit ist einfach nicht das, wofür wir sie halten.
Und jetzt ihr
Das war Folge zwei – drei Dinge mehr im Kopf, kein einziges davon nützlich, und trotzdem hoffe ich, dass mindestens eines euch dieses kleine Grinsen beschert hat.
Ihr wisst inzwischen, wie das läuft: Ich lebe von eurem Nachschub. Schickt mir euren liebsten sinnlosen Fakt. Gerne per Mail an post@carinmueller.de oder auf Social Media. Die schönsten landen in einer der nächsten Folgen. Bis dahin: Bleibt neugierig. Es ist die schönste Art, Zeit zu verschwenden.
*WTF: What the Fuck? Oder lose übersetzt: Was zur Hölle?