Carin Müller bloggt ...

Buchtipp: Eis geht immer

Charlotte McGregor: Der Eissalon von Kirkby, Lilly Labord: Der magische Eiswagen

Was gibt es im Sommer Schöneres als ein Eis? Genau – ein Eis und einen kleinen Sommerroman, in dem es um Eis geht. Und weil ich gerade so schön in Stimmung bin, gibt es heute gleich beides in doppelter Portion: zwei Bücher, zwei Eiswagen, ein Thema. Aber der Reihe nach – zuerst muss ich euch nämlich noch schnell in ein Rabbithole ziehen, in das ich beim Schreiben selbst kopfüber gefallen bin.

Kleiner Löffel Warenkunde: Gelato oder Booza?

Als ich für meine neue Novelle recherchierte, ließ mich eine Frage nicht mehr los: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen italienischem Gelato und levantinischer Booza – und welches ist das »echte« Eis?

Gelato, der Stolz Italiens, verdankt seine dichte, samtige Cremigkeit zwei Dingen: mehr Milch, weniger Sahne – und deutlich weniger untergeschlagener Luft als bei industriellem Eis. Dazu wird es ein paar Grad wärmer serviert, weshalb die Pistazie einfach mehr nach Pistazie schmeckt. Der Legende nach kreierte ein gewisser Bernardo Buontalenti im Florenz der Medici die erste cremige Variante; berühmt in ganz Europa machte sie später ein findiger Sizilianer namens Francesco Procopio. Merkt euch das Wörtchen »Sizilianer«.

Booza dagegen ist das Eis Syriens – elastisch, zäh, dehnbar fast wie Kaugummi, und es schmilzt quälend langsam. Sein Geheimnis: Mastix, ein zart harziges Baumharz, und Salep, ein Mehl aus getrockneten wilden Orchideenknollen. Und statt gerührt wird Booza von Hand mit einem schweren Holzstößel gestampft und gezogen, bis es seidig glänzt. Die berühmteste Adresse ist bis heute Bakdash im überdachten Basar von Damaskus – seit 1885.

Und jetzt der Teil, der mich beim Schreiben regelrecht gerührt hat: Diese beiden Welten sind gar keine Gegner. Die Idee, Schnee mit gesüßten Sirupen zu mischen, kam über die arabische Welt zu uns – das arabische Sharbat steckt bis heute in unserem Sorbet. Und als die Araber im 9. Jahrhundert Sizilien beherrschten, brachten sie genau diese Kunst mit: Schnee vom Ätna, Zuckerrohr, duftende Sirupe. Daraus wurde die sizilianische Granita – und am Ende das, was wir heute als italienischstes aller Eise feiern.

Mit anderen Worten: Der stolzeste italienische Genuss trägt ein arabisches Herz. Es gibt kein »wahres« und kein »falsches« Eis – nur Menschen, die seit Jahrhunderten dasselbe tun: Süße, Kälte und ein bisschen Duft zusammenrühren, um einander an einem heißen Tag eine Freude zu machen. In Damaskus mit Rosenwasser und Mastix. In Palermo mit Pistazien und Ätna-Schnee. In Kirkby, na ja … bei Regen. Aber Eis geht schließlich immer. Das weiß dort jedes Kind.

Zwei Sommerbücher für die Waffel in der Hand

Womit wir bei den Büchern wären – zwei kleinen, feinen Sommergeschichten rund ums Eis, die perfekt zusammenpassen.

Sommer-Novelle von Charlotte McGregor

»Der Eissalon von Kirkby« – frisch aus meiner Manufaktur

Seit gestern ist meine neue Highland-Novelle da: »Der Eissalon von Kirkby«. Ein reisender Gelatiere, eine fernwehkranke Dörflerin, eine unverschämte Hitzewelle in den Highlands – und jede Menge handgemachtes Eis. Cosy, warm ums Herz und mit garantiert gutem Ende. (Wer meinen letzten Blogpost über die Urlaubsliebe gelesen hat, kennt Ivy und Luca ja schon ein bisschen.)

Und das ist der Klappentext:

Manchmal kommt das große Glück mit zwei Kugeln Eis und einem geheimnisvollen Lächeln.

Ivy Richards kennt in Kirkby jeden Stein, jede Kuh ihres Vaters und garantiert jeden Tratsch – und träumt insgeheim doch von der großen weiten Welt jenseits der Highlands. Doch dann rollt ausgerechnet zu den Highland Games, bei einer Hitzewelle, wie sie Schottland noch nie erlebt hat, ein blitzblank polierter Retro-Eiswagen ins Dorf.

Am Steuer: Luca Esposito – charmant, italienisch, mit handgemachten Eiskreationen, für die das halbe Dorf Schlange steht, und einem Lächeln, das Ivy mehr ins Schwitzen bringt als jede Sommersonne. Zwischen cremigem Gelato, der frechen Straßenhündin Amal und lauen Highland-Nächten knistert es gewaltig.

Aber Luca ist nicht ganz der, für den ihn alle halten. Hinter seinem makellosen Akzent verbirgt sich eine Geschichte von Mut, Verlust und einer langen Reise übers Meer – ein Geheimnis, das alles zum Schmelzen bringen könnte, kaum dass es begonnen hat.

Kann aus einem Sommerflirt echte Heimat werden – für sie beide?

Ein herzerwärmender Wohlfühl-Kurzroman aus den schottischen Highlands – für alle, die Kirkby und seine schrulligen Bewohner ins Herz geschlossen haben.

Sommer-Novelle von Lilly Labord

»Der magische Eiswagen« von Lilly Labord – der perfekte zweite Gang

Und weil ein Eis allein selten reicht, habe ich euch als zweite Kugel etwas Bezauberndes meiner lieben Freundin und Kollegin Lilly Labord mitgebracht: »Der magische Eiswagen« entführt uns weg von den Highlands direkt nach Italien – und die Vergangenheit! Und weil bei Lilly immer alles ein wenig magisch ist, gilt das auch für diese Sommergeschichte.

Und das ist der Klappentext:

Italien 1963. Ein magischer Sommer: Als Elettra den Eiswagen ihres Großvaters erbt, hat sie keine Ahnung vom Eismachen. Sie weiß nur, dass sie nicht wie ihre ehemaligen Klassenkameradinnen in Büro arbeiten möchte. Also nimmt sie sich das Heft vor, das sie zusammen mit dem Eiswagen bekommen hat. Darin gibt es nur neun Rezepte und viele geheimnisvolle Hinweise. Als es ihr zum ersten mal gelingt, eine Eissorte genau nach Vorschrift zuzubereiten, meint sie, ihr würden Flügel wachsen. Das Eis ist köstlich.

Doch dann erscheint der geheimnisvolle Signore Tutti und warnt sie: Die magische Welt will nicht, dass dieses Erbe angetreten wird. Elettra ist empört. Nun setzt sie erst recht den Wagen instand und beginnt, Eis zu verkaufen. Aber nach einer Weile passieren beunruhigende Dinge. Elettra lässt sich jedoch nicht aufhalten. Es gibt immer einen Weg und sie ist entschlossen, ihn zu entdecken.

Also dann: zwei Kugeln, bitte

Ob cremig aus Kirkby oder magisch aus Italien – für welches ihr euch entscheidet, verrät wahrscheinlich mehr über eure Sommerlaune als über euren Geschmack. Mein Tipp? Nehmt beide. Denn ihr wisst ja inzwischen: Eis geht immer.