Carin Müller bloggt ...

Sommer-Trope: Urlaubsliebe

Was ist schöner im Sommer als ein Sommerflirt?

Jeder Sommer hat eine. Diese eine Liebe, die nur funktioniert, weil gerade Sommer ist – barfuß, sonnenverbrannt, ein bisschen unvernünftig. Man kennt sie aus dem eigenen Leben, aus tausend Filmen, aus noch mehr Büchern: die Urlaubsliebe. Und weil ich Tropes nicht nur benutze, sondern liebe, wird es heute Zeit, dieser hier einmal genauer unter die sonnengebräunte Haut zu schauen.

Warum die Urlaubsliebe so zuverlässig funktioniert

Kaum eine Trope ist so effizient wie diese – und das hat handfeste Gründe.

Da ist zuerst die Uhr, die von der ersten Sekunde an tickt. Eine Urlaubsliebe hat ein Verfallsdatum, das alle Beteiligten kennen: der letzte Ferientag, der Rückflug, das Ende der Saison. Diese eingebaute Frist presst Wochen an Gefühl in wenige Tage. Alles ist intensiver, weil alles knapp ist. Erzähltechnisch ist das ein Geschenk – die Spannung liegt schon in der Ausgangslage.

Dann ist da die Fremdheit. Der andere kommt von woanders, spricht anders, riecht anders, kennt eure Alltagssorgen nicht. In seinen Augen seid ihr nicht »die von nebenan«, sondern eine Unbekannte, eine Möglichkeit. Man verliebt sich nicht nur in einen Menschen, sondern in die Version seiner selbst, die er in einem sieht.

Und schließlich die Sonne selbst. Hitze senkt die Abwehr. Wer im Liegestuhl schmilzt, hat weniger Panzer als im Büro. Der Sommer macht uns großzügiger, mutiger, ein bisschen leichtsinniger – und Leichtsinn ist der beste Nährboden für Romantik.

Das Schöne und das Traurige daran ist dasselbe: Die Urlaubsliebe lebt von der Vergänglichkeit. Sie ist wunderschön, weil sie enden wird. Genau da wird es für mich als Autorin spannend. Denn was, wenn sie nicht enden soll?

Und dann kam der Eismann

An dieser Frage hängt meine neue Kirkby-Novelle »Der Eissalon von Kirkby«, die schon in wenigen Tagen erscheint. Ich konnte nämlich nicht anders, als die Urlaubsliebe einmal auf den Kopf zu stellen.

Klassisch ist die Rollenverteilung ja klar: Die Einheimische bleibt, der Reisende zieht weiter. Bei mir ist es genau andersherum. Ivy lebt in Kirkby, hilft im Pub und träumt seit Jahren nur von einem: weg. Fernweh bis in die Fingerspitzen, und trotzdem sitzt sie fest zwischen Loch und Highland-Games. Und dann rollt, mitten in einer für schottische Verhältnisse geradezu unverschämten Hitzewelle, ein alter Eiswagen ins Dorf.

Am Steuer: Luca. Italiener, Gelatiere, charmant bis zur Schmerzgrenze – und ein Mann, der es sich zum Prinzip gemacht hat, nirgendwo lange zu bleiben. Er verkauft handgemachtes Eis in Sorten, die nach einem anderen, weiteren Leben schmecken, und er ist die wandelnde Urlaubsliebe: exotisch, auf der Durchreise, mit garantiertem Verfallsdatum.

Ihr ahnt, wo das Problem liegt. Die eine will fort und kann nicht. Der andere könnte überall sein und bleibt nirgends. Zwischen ihnen: dreißig Grad, geschmolzenes Eis und die eine Frage, die jede gute Urlaubsliebe irgendwann stellt – muss das hier wirklich enden, wenn der Sommer endet?

Mehr verrate ich nicht. Nur so viel: Bei einer Highland-Happiness-Geschichte wisst ihr, dass ich euch das Herz nicht breche. Wie die beiden aus dieser Sackgasse finden, ist die eigentliche Geschichte – und die hat mit Eis mehr zu tun, als ihr denkt.

Was ist eure Urlaubsliebe?

Tropes funktionieren, weil sie etwas Wahres treffen. Ich wette, die meisten von euch haben eine eigene Sommergeschichte im Hinterkopf – die eine, die geblieben ist, oder die eine, die genau richtig geendet hat. Und wenn ihr Lust auf eine bekommt, die garantiert gut ausgeht: »Der Eissalon von Kirkby« wartet schon. Kalt serviert, warm ums Herz.