Assistentin für Drachenfragen und Kathedralenbau

12.1.2026
22 Bahnen, Audioversion, Buchtipp, C.A. Raaven, C.C. Ravenmiller, Caroline Wahl, Christian Raabe, Die Assistentin, Die Säulen der Erde, Hörbuch, Ken Follett, Leseempfehlung, Ordo Draconis, Ordo Draconis - Aufruhr, Stonehenge
Über die zurückliegenden Feiertage habe ich nicht geschrieben, dafür reichlich gelesen. Unter anderem die folgenden drei sehr unterschiedlichen Geschichten, die meinen Jahreswechsel geprägt haben: »Die Assistentin« von Caroline Wahl, »Ordo Draconis – Aufruhr« von C.C. Ravenmiller (alias C.A. Raaven) und »Die Säulen der Erde« von Ken Follett.
Meine Erwartungen waren genauso vielseitig wie die Genres – und mehr als einmal wurde ich sehr überrascht.

»Die Assistentin« von Caroline Wahl
Die Weihnachtsfeiertage verbrachte ich mit meinem Strickzeug auf dem Schoß und dem Hund an meiner Seite auf dem Sofa. Weil ich mit zwei Nadeln in Händen und einem liebesbedürftigen Terrier aber kein Buch halten konnte, ließ ich mir von der Autorin höchstpersönlich ihren aktuellen Bestseller vorlesen.
Ich gestehe, dass ich nach fünf Minuten abbrechen wollte. Caroline Wahl ist keine professionelle Sprecherin, was man ihr nicht zum Vorwurf machen sollte, aber warum muss sie dann selbst lesen? Sie hat einen ganz eigenen Sprachduktus, wie ich schon in einigen Interviews mit ihr hören konnte – und den zieht sie konsequent auch im Vortrag ihres Romans durch. Das muss man mögen – oder sich darauf einlassen.
Ich habe mich für Letzteres entschieden und nicht abgebrochen, auch weil es mit Scotty, dem Strickzeug und unter der Decke einfach zu kuschelig war und ich keine vermeintlich bessere Alternative parat hatte. Also weiterhören. Und weiter. Und weiter. Und ehe ich's mich versah, war ich ganz tief drin in der wirklich haarsträubenden Geschichte der jungen Verlegerassistentin Charlotte, die bereit ist, fast alles zu geben, um ihr narzisstisches Arschloch von einem Chef bei Laune zu halten.
Der Verleger ist eine Art Mensch, wie man ihn durchaus häufig in Führungspositionen findet. Ich spreche (aus lang zurückliegender) Erfahrung. So fühlte ich mich manchmal hart in meine eigene Vergangenheit zurückkatapultiert – gefolgt von der dankbaren Gewissheit, dass die einzige Chefin, die mich seit 1999 quält, ich selbst bin. Die nächste Erkenntnis folgte auf dem Fuß: Dass Caroline Wahl eine schonungslose Beobachterin ist und auf ihre ganz eigene (für mich manchmal: eigentümliche) Weise den Irrsinn, in den sich ihre Protagonistin Charlotte durchaus sehenden Auges unterwirft, derart messerscharf beschreibt, dass ich regelrecht körperlich fühle.
Zugegebenermaßen habe ich Caroline Wahl etwas ambivalent betrachtet. Ich finde sie in Interviews meist cool und ziemlich besonders, ihr wahnsinnig gehyptes Debüt »22 Bahnen« landete bei mir aber nur in der Kategorie »ganz nett, tut nicht weh«. Auf den Nachfolger »Windstärke 17« hatte ich dann schon keine Lust mehr. Mit »Die Assistentin« ist ihr meiner Meinung nach jedoch ein echtes Meisterwerk geglückt – das vor allem in der Hörbuchversion ab etwa Minute zehn bis zum Schluss auf ganzer Linie überzeugt.
Ich bin total begeistert!
Das ist der Klappentext:
Eine Karriere als Musikerin – das war eigentlich Charlottes größter Wunsch. Aber jetzt ist es ja eh zu spät, und sie muss sich um einen vernünftigen Job kümmern, schon wegen der Eltern. Sie findet eine Stelle in einem Verlag, auch nicht schlecht, und München ist eine schöne Stadt, vor allem im Sommer.
Im Vorzimmer des Verlegers sitzt Charlotte ganz nah am Zentrum der Macht. Dass der seine Assistentinnen oft auswechselt, kriegt sie schnell mit. Aber sie entwickelt ein gutes Verhältnis zu ihrem Chef, der ihre Stärken erkennt, ihr vertraut. Und dafür muss sie eben viel in Kauf nehmen, sehr viel, vielleicht auch selbst mit harten Bandagen kämpfen, vielleicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Vielleicht sogar Bo verlieren, in den sie sich doch gerade erst verliebt hat …
In wunderbar lakonischem Tonfall, mit Humor und Tiefgang erzählt Caroline Wahls neuer Roman von einer jungen Frau, die sich nicht zum Opfer machen lassen will und doch in eine Lage gerät, die viele Menschen kennen: wenn einem der Beruf zur Hölle wird. Eine ganz alltägliche Leidensgeschichte, ein Roman über Resilienz und Überleben.

»Ordo Draconis – Aufruhr« von C.C. Ravenmiller (aka C.A. Raaven aka Christian Raabe)
Ehrlich gesagt habe ich »Ordo Draconis – Aufruhr« schon VOR Weihnachten gelesen – zweimal sogar. Die Rohversion und dann das fertige Manuskript, doch da es erst am 3. Januar erschienen ist, gibt’s meinen Leseeindruck nun heute.
Natürlich bin ich in diesem Fall ein bisschen parteiisch, schließlich ist Christian Raabe (alias C.A. Raaven) nicht nur seit fast sieben Jahren mein hochgeschätzter Podcast-Kollege in »Der literarische Saloon«, sondern eben auch Mitinhaber des gemeinsamen Pseudonyms C.C. Ravenmiller und Teil des »Ordo Draconis«. Zusammen mit Lilly Labord und Kay Noa arbeiten wir seit fast einem Jahr an dieser vierbändigen Romanreihe (für alle, die sich nicht mehr erinnern: von mir stammt »Ordo Draconis – Prophezeiung«). Christians Gesichte rund um seine grummelige Feuerdrachin spielt in Wales – und hat mich jedenfalls komplett umgehauen!
Spionagethriller, High-Fantasy-Elemente, sagenhafte Nerd-Details, witzige Dialoge, herzzerschmetternde Dramen und unfassbar coole Heldinnen sind die Zutaten für diese rasant und detailverliebt erzählte Drachengeschichte, bei der (neben der spannenden Handlung) vor allem eines deutlich wird: Hier hat ein Autor seine wahre Stimme gefunden!
Absolut grandios!
Das ist der Klappentext:
Stell dir vor, du erwachst nach tausendjährigem Schlaf und bist bereit, die Welt zu retten.
Doch keiner kennt dich und du hast keinen Schimmer, wo du bist.
Feuerdrachin Y-Jaen’ffyr ist not amused, als sie feststellen muss, dass ihr Kokon sich in ein Gefängnis verwandelt hat und ihre eingeschworene Dienerschaft es gewagt hat, auszusterben.
Meritan Llewellyn dachte, sie würde nur zu einer Beerdigung nach Wales zurückkehren. Stattdessen erbt sie ein tausendjähriges Geheimnis: Eine im Gestein unter dem Stammsitz ihrer Familie gefangene, übellaunige Drachendame. Zusammen mit ihrer Nichte Eluned beginnt Meritan eine verzweifelte Ausgrabung, die eine beispiellose Verbindung erschafft.
Während Drachin und Menschen einen gemeinsamen Weg zwischen Unwissenheit und Ungeduld zu finden suchen, spinnt ein uraltes Übel weiterhin sein Netz, um die Welt dem Untergang zu weihen. Denn nur wenn alle vier Drachen sich vereinen, können sie es stoppen.

»Die Säulen der Erde« von Ken Follett
Zum letzten Buch für heute bin ich durch eine etwas längere Assoziationskette gekommen: Die Urlaubspläne für 2026 weisen in Richtung Südengland und wenn wir schon in der Gegend sind, wollen wir nicht nur am Highclere Castle (Serienjunkies besser bekannt als »Downton Abbey«) haltmachen, sondern auch einen Abstecher zu Stonehenge wagen. Ken Follett, der britische Bestseller-Autor mit Faible für historische Themen, hat kürzlich einen Roman mit dem Titel »Stonehenge« veröffentlicht, in dem er über die Entstehungsgeschichte des Steinkreises spekuliert. Theoretisch wäre also die Lektüre von »Stonehenge« eine gute Urlaubsvorbereitung, aber da ich ehrlicherweise nicht besonders auf historische Romane stehe, die vor dem 18. Jahrhundert spielen, wollte ich nicht die Katze im Sack kaufen.
Also habe ich mir Ken Folletts Mega-Bestseller »The Pillars of the Earth« (auf Deutsch: »Die Säulen der Erde«) vorgeknöpft, der seit Jahren ungelesen auf meinem Reader schlummert. Nun interessiert mich das Mittelalter eigentlich noch weniger als die Steinkreis-Steinzeit, aber irgendwas muss wohl an der »Kingsbridge«-Saga dran sein, die seit über 30 Jahren die Menschen weltweit begeistert. Oder?
Was soll ich sagen? Ich bin total angefixt! Auch wenn ich die Erzählweise gewöhnungsbedürftig breit finde (ehrlich, normalerweise sind Bücher mit über 500 Seiten eine genauso schlimme Zumutung wie Filme mit über 100 Minuten Länge) und ich das 12. Jahrhundert tendenziell ziemlich abtörnend finde, reißt mich die Story komplett mit. Ein finales Fazit muss ich mir noch verkneifen, weil ich erst bei der Hälfte der über 1000 Seiten bin, aber eins ist klar: Herr Follett kann wirklich fantastisch schreiben! Und der große Vorteil historischer Romane ist, dass sie sehr gut altern.
Ich bin beeindruckt – und neugierig, wie es weitergeht.
Das ist der Klappentext:
Schon als einfacher Steinmetz träumt Tom Builder davon, eine Kathedrale zu bauen. Es ist die Zeit der beginnenden Gotik, in der die neuen Dome lichtdurchflutet und grazil in den Himmel ragen. Die irdische Welt im Schatten der Kathedralen hingegen ist gezeichnet von erbarmungslosen Kämpfen zwischen Adel, Klerus und dem einfachen Volk. Auch Philip, Prior von Kingsbridge, droht in den blutigen Auseinandersetzungen zerrieben zu werden - nicht anders als Tom, dessen Stiefsohn Jack und die schöne, kluge Grafentochter Aliena. Wollen sie überleben, müssen sie sich gegen ihre Widersacher behaupten. Auch dann nicht, wenn der Feind die Oberhand zu gewinnen scheint.