12 Evergreens: Buchmarketing ohne Nervenzusammenbruch

23.2.2026
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Wenn man »Buchmarketing« googelt (oder die KI-Praktikanten befragt), bekommt man schnell das Gefühl, man müsste gleichzeitig Autorin, Content-Creator, Cutterin, Werbetexterin und Community-Managerin sein und außerdem nebenbei noch ein bisschen TikTok-tanzend durchs Wohnzimmer laufen. Bevorzugt jeden Tag. Und wenn’s geht, bitte mit der Leichtigkeit einer Person, die nie Wäsche waschen, einkaufen oder einen Terrier zähmen muss. Oder sonst eine Art normales Leben führt.
Ich übertreibe? Klar. Ein bisschen. Aber das Grundgefühl kennen viele: Marketing fühlt sich oft an wie ein Zweitjob, der neben dem eigentlichen Beruf (dem Schreiben!) irgendwie mitlaufen soll – und zwar am liebsten immer, sofort und überall.
Ich habe darauf keine Lust mehr. Und du vermutlich auch nicht.
Die gute Nachricht: Es gibt Marketing, das nicht nach Hustle klingt. Es ist weniger sexy, weniger laut, weniger »HIER! ICH! JETZT!«, aber dafür stabiler – und vor allem: Es nutzt dir nicht nur am Veröffentlichungstag, sondern dauerhaft.
Ich rede von Evergreens.
Was »Evergreen« in diesem Artikel heißt
Evergreen bedeutet: etwas, das nicht veraltet, weil es nicht auf Trends basiert, sondern auf Orientierung, Beziehung und guter Leserführung.
Nicht: »Der eine Trick, der alles verändert.« Nicht: »Wenn du diese 17 Hashtags benutzt, dann…« Sondern: Bausteine, die du einmal baust und lange nutzen kannst – auf deiner Webseite, im Blog, im Newsletter, auf Social Media, auf deinen Buchseiten.
Mein Lieblingsbild dafür ist: Du gibst Türen und Wegweiser, aber zündest kein Feuerwerk. Feuerwerk ist kurz schön – und dann ist es weg. Wegweiser bleiben.
Damit das nicht überwältigend wird, sortiere ich die 12 Ideen in vier Schubladen. Du musst nicht alles machen. Du musst nicht mal die Hälfte machen. (Ich auch nicht. Noch nicht.) Aber wenn du ein, zwei Dinge davon umsetzt, wirst du spürbar ruhiger.
Die vier Säulen: So wird aus Marketing ein System
1. Orientierung
Neue Menschen kommen auf deine Seite – und wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Wenn du ihnen das leicht machst, bleiben sie.
2. Einstieg & Bindung
Irgendwo muss der Moment passieren, in dem aus »zufällig entdeckt« ein »ich bleibe hier mal«.
3. Wiederverwertung
Du hast schon Inhalte. Die Frage ist nicht, ob du mehr machen musst, sondern ob du das Vorhandene besser nutzt.
4. Pflege statt Dauerstress
Ein System muss nicht ständig gefüttert werden. Aber es braucht gelegentlich einen kurzen Check.

Die 12 Evergreens (mit »wo setze ich das um?«)
Ich schreibe dir zu jedem Punkt kurz dazu, warum er wirkt und wo du ihn implementierst: Blog, Webseite, Newsletter, Social Media.
1. Eine »Start Here«-Seite
Was das ist: Eine Seite für neue Leser*innen: Wer bist du, was schreibst du, wo fängt man an?
Warum das wirkt: Weil du Entscheidungen abnimmst. Und Menschen lieben es, wenn sie nicht erst recherchieren müssen, um »richtig« einzusteigen.
Wo umsetzen: Webseite (als eigene Seite im Menü), verlinkt im Blog (unter Artikeln), im Newsletter (Footer/Welcome-Mail) und in Social (Bio-Link).
2. Lese-Reihenfolgen-Seiten (pro Reihe)
Was das ist: Eine klare Reihenfolge: Band 1–x, Spin-offs, Sammelbände – plus ein Satz »Für wen ist das?«
Warum das wirkt: Serien verkaufen sich über Reiheneffekt. Verwirrung ist der natürliche Feind von Readthrough.
Wo umsetzen: Webseite (pro Reihe eine Seite), in Blogartikeln verlinken, im Newsletter als »Wenn du neu bist…« und in Social Media als angepinnter Post/Highlight.
3. Eine Freebies-Landingpage
Was das ist: Ein fester Ort, an dem alle kostenlosen Dinge wohnen: Gratisgeschichten, Leseproben, Toolkit, was auch immer du anbietest.
Warum das wirkt: Es ist der niedrigschwellige Einstieg. »Erst mal gratis testen« ist keine Unverschämtheit – es ist ein natürlicher Impuls.
Wo umsetzen: Webseite (Landingpage), Newsletter (Opt-in/DOI/Welcomemail), Social (Bio-Link), optional als Blogpost (»Hier bekommst du Gratislesestoff«).
4. Eine Welcome-/Onboarding-Serie (3–5 Mails)
Was das ist: Eine kleine automatische Willkommensstrecke für neue Abonnent*innen.
Warum das wirkt: Du musst nicht jedes Mal neu erklären, wer du bist und was du machst – das System macht es für dich, freundlich und planbar.
Wo umsetzen: Im Newsletter-Tool (Automation), mit Links zu Webseite/Blog (Start Here, Best-of, Reihen).
5. Eine »Best of«-Seite
Was das ist: Eine Seite mit deinen besten Artikeln (und/oder deinen besten Einstiegsbüchern).
Warum das wirkt: Menschen lieben Abkürzungen. »Best of« ist ein Vertrauensangebot: Hier verschwendest du keine Zeit.
Wo umsetzen: Webseite, verlinkt im Blog (Sidebar/unter Posts), im Newsletter (Willkommensmail/PS), in Social Media (wiederkehrend: »Neu hier?«).
6. Evergreen-Artikel, die Bücher indirekt verkaufen (Themen-Hubs)
Was das ist: Artikel, die aus Interesse gelesen werden – und am Ende eine passende Buchbrücke haben.
Beispiele: Setting (Schottland/Edinburgh/Vancouver Island), Tropes, Figuren, Behind-the-Scenes, Recherche.
Warum das wirkt: Weil du nicht verkaufst, sondern einlädst. Und weil solche Texte über Jahre gefunden werden können.
Wo umsetzen: Blog als Hub, mit Links zu Webseite/Buchseiten, später im Newsletter recyceln, optional in Social Media anteasern.
7. Interne Verlinkung als Mini-Routine
Was das ist: Jeder neue Blogpost bekommt Links zu 2–3 älteren passenden Artikeln – und idealerweise zu einer Start-/Reihenseite.
Warum das wirkt: Du baust ein Netz. Leser*innen klicken weiter. Suchmaschinen verstehen besser, worum es bei dir geht. Und du nutzt deinen eigenen Fundus.
Wo umsetzen: Blog (alte und neue Artikel), Webseite als Zielpunkte. Das ist 10-Minuten-Marketing, kein Projekt.
8. Ein einheitlicher »Leserpfad«-Block unter jedem Blogpost
Was das ist: Ein kleiner Block am Ende jedes Artikels, der immer gleich aufgebaut ist: »Neu hier? Start here.« / »Gratis lesen?« / »Lieblingsreihe suchen?« / »Newsletter?«
Warum das wirkt: Weil Menschen nach dem Lesen eine Frage haben: Und jetzt? Du beantwortest sie.
Wo umsetzen: Blog (Template/Reusable Block), Links führen auf Webseite und ins Newsletter-Opt-in, Social Media spielt hier nur indirekt mit.
9. Eine Launch-Checkliste light (Grundhygiene)
Was das ist: Eine kurze Checkliste, die du bei jedem Buch abhaken kannst – ohne Drama.
Beispiele: Buchseite checken, Reiheninfo aktualisieren, Autorenseite, Newsletter-Absatz, 2–3 Socialposts, 1 Blogverweis.
Warum das wirkt: Weil du nichts vergisst – und weil »sauber vorbereitet« oft mehr bringt als »laut beworben«.
Wo umsetzen: in einem Notiz-/Projekttool, umgesetzt auf Webseite, im Newsletter und optional in Social Media.
10. Ein Testimonial-/Rezensions-Pool
Was das ist: Ein Dokument/Ordner mit Leser*innenstimmen, sortiert nach Reihe/Trope/Stimmung.
Warum das wirkt: Social Proof ist wie ein guter Freund, der sagt: »Das lohnt sich.« Und du musst nicht jedes Mal suchen.
Wo umsetzen: Sammeln in Notion/Doc/Spreadsheet (irgendwas), nutzen auf Webseite (Buchseiten), im Newsletter (Zitatblock), in Social Media (Zitatgrafiken).
11. Eine Kooperation-Schublade (feste Mini-Formate statt Daueraktionen)
Was das ist: 5–10 passende Kolleginnen/Partnerinnen + ein kleines, wiederkehrendes Format. Zum Beispiel: 1× pro Quartal Newsletter-Slot tauschen, gemeinsame Freebie-Seite, Gastartikel, Empfehlungslisten.
Warum das wirkt: Beziehungen veralten nicht so schnell wie Plattformen. Und Regelmäßigkeit ist leichter als Dauer-Improvisation.
Wo umsetzen: Newsletter (Empfehlungen), Blog/Webseite (Gastposts/Listen), Social Media (ab und zu, nicht ständig), organisiert im Kalender.
12. Ein Quartals-Update-Zyklus
Was das ist: Alle drei Monate 60–90 Minuten »Evergreen-Wartung«.
Start Here prüfen, Links checken, eine Reihen-Seite aktualisieren, Testimonials ergänzen, zwei alte Artikel neu verlinken.
Warum das wirkt: Du hältst das System lebendig, ohne täglich daran herumzuschrauben.
Wo umsetzen: Kalender + Webseite/Blog/Newsletter (wo auch immer deine Evergreens wohnen), optional Analytics nur als Kompass (»Was wird gelesen?«).

Wo fange ich an, ohne durchzudrehen?
Hier sind drei Einstiegsrouten – such dir die aus, die zu dir passt (und nicht zu irgendeinem Marketing-Guru).
Route A: »Ich brauche Struktur und einen klaren Einstieg«
Mach zuerst:
- Start Here (Punkt 1)
- Freebies-Landingpage (Punkt 3)
- Welcome-Serie (Punkt 4)
Das ist die »Tür + Teppich + Begrüßung«-Variante.
Route B: »Ich habe schon viel Content, aber es verzettelt sich«
Mach zuerst:
- Best-of-Seite (Punkt 5)
- Leserpfad-Block unter Blogposts (Punkt 8)
- interne Verlinkung als Routine (Punkt 7)
Das ist die »Ordnung statt Neu-Erfinden«-Variante.
Route C: »Ich habe keine Zeit, aber ich will einen Hebel«
Mach zuerst:
- Testimonial-Pool (Punkt 10)
- Launch-Checkliste light (Punkt 9)
- Quartals-Update-Termin setzen (Punkt 12)
Das ist die »klein anfangen, aber dranbleiben«-Variante.
Real Talk: Warum wir das oft wissen – und trotzdem nicht tun
Das hier ist der Moment, in dem ich kurz mit dir seufze.
Denn ja: Das klingt alles sinnvoll. Es ist nicht mal besonders kompliziert. Und trotzdem bleibt es bei vielen (auch bei mir) lange Theorie. Warum?
Weil Schreiben Priorität hat. Weil Systeme nicht so glamourös sind wie neue Ideen. Und weil Marketing sich in unseren Köpfen so gern als etwas Lautes, Schnelles, Dringendes verkleidet – obwohl die zuverlässigsten Dinge oft genau das Gegenteil sind: leise, klar, wiederholbar.
Und genau deshalb mag ich diese Evergreen-Idee so: Sie ist nicht »mehr machen«, sondern »klüger bauen«.
Fazit
Das alles ist ganz schön überwältigend, was? Mir geht es auch nicht anders. In der Theorie weiß ich das alles (sonst hätte ich es ja nicht geschrieben), aber in der Praxis bin ich leider auch (noch) nicht so konsequent. Vielleicht nehmen wir uns alle vor, in den nächsten drei Monaten wenigstens ein Thema aus der Liste zu bearbeiten? Ich mach mit und werde berichten, wie es für mich läuft. Deal?
Damit wir uns alle leichter mit diesem Vorsatz tun, habe ich eine handliche Checkliste gebastelt, die wir einfach abhaken und abarbeiten können.