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Wasser, Wandel, Weltrettung – Ordo Draconis 4

Ordo Draconis 4 - Zeitenwende von Kay Noa ist da

Wir neigen fast dazu, die vier Elemente als dekorative Esoterik-Symbole oder Fantasy-Motive abzutun. Hübsch, archaisch, ein bisschen mystisch – perfekt geeignet für Geschichten, in denen Drachen dramatisch über Burgruinen kreisen, während irgendwo ein Prophet das »Gleichgewicht« heraufbeschwört.

Blöderweise sind die Elemente aber nicht nur Deko.

Erde, Luft, Feuer, Wasser – das sind Grundkräfte, aus denen unser Alltag besteht. Erde trägt und speichert, Luft verbindet und wirbelt, Feuer treibt an und verwandelt, Wasser bewegt und formt. Und genau weil sie so normal und alltäglich sind, vergessen wir gern, wie schnell sie kippen können. Erde wird Starrheit. Luft wird Chaos. Feuer wird Zerstörung. Wasser wird Überflutung – oder schleichende Unterwanderung. Balance ist kein Wohlfühlwort. Balance ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt irgendwas funktioniert.

Vielleicht liebe ich deshalb die Grundidee unserer »Ordo Draconis«-Reihe so sehr: Vier Drachen. Vier Elemente. Und eine Welt, in der das Gleichgewicht nicht einfach gestört ist, sondern wirklich aus der Spur geraten ist – mit Folgen, die man nicht mit einem heldenhaften Drachenflug und einem hübschen Feuerball wegerzählen kann.

Das Schöne daran: Im Kern erzählt die Reihe nicht »Drachen retten die Welt«. Sie erzählt »Vier sehr unterschiedliche Kräfte müssen lernen, ein Team zu werden«. Und das ist – bei allem Fantasy-Glitzer – ein erstaunlich brauchbares Bild für die Gegenwart.

Ich möchte heute also gar nicht groß »Neuerscheinung« (obwohl: »Ordo Draconis – Zeitenwende« ist da!) rufen, sondern einmal auf die Reihe als Ganzes schauen: Was macht die Elemente als Erzählmotor so stark? Was verraten sie über unsere Figuren (und vielleicht auch über uns)? Und warum braucht man manchmal eben doch einen Drachen, um zu begreifen, dass Balance harte Arbeit ist?

Wenn du grundsätzlich wissen willst, warum Drachen nie aus der Mode kommen, dann lies hier!

Aber nun zu den vier Elementen und unseren vier Drachen!

Element Erde, Band 1 von Ordo Draconis

Erde: Geduld, Erinnerung, Ritual

Erde ist das Element, das wir unterschätzen, weil es nicht knallt. Es trägt. Es speichert. Es hält aus. Und manchmal ist genau das die Superkraft – dieses stoische »Ich bleibe, auch wenn um mich herum alles wackelt.«

Erde steht für Tradition und Geduld, aber eben auch für die Schattenseite: für Starrheit, für »das war schon immer so«, für Mauern (im wörtlichen wie im übertragenen Sinn). Wenn Erde zu sehr dominiert, wird aus Standfestigkeit Beton.

In Ordo Draconis mag ich an der Erde besonders dieses Bild von Tiefe und Zeit. Ein Drache, der nicht mal eben »auftaucht«, sondern irgendwo über Jahrhunderte verwurzelt ist – als wäre er Teil der Landschaft geworden. Erde ist Erinnerung: an alte Schwüre, alte Fehler, alte Geschichten, die man im Pub erzählt und für Legenden hält, bis sie plötzlich unbequem real werden.

Und weil Erde so lange speichert, ist sie auch gnadenlos ehrlich: Du kannst nichts einfach übergehen. Du kannst keine Abkürzung nehmen. Du musst die Grundlagen klären, bevor du das nächste Problem löst. Teamwork fängt nicht bei »Wir sind jetzt Freunde« an, sondern bei »Wir teilen denselben Boden – und dieselbe Verantwortung«.

Der stattliche irische Erd-Drache hört übrigens auf den Namen Wisfrod.

Der »Erd-Teil« der Reihe beginnt mit »Erwachen« von Lilly Labord. Mehr dazu findest du in »Wenn die Drachen erwachen«.

Element Luft, Band 2 von Ordo Draconis

Luft: Verbindung, Vertrauen, Unruhe

Luft merkt man oft erst, wenn sie fehlt. Oder wenn sie zu viel wird.

Luft ist Kommunikation, Nähe, Beweglichkeit. Sie ist das Element, das Dinge miteinander verbindet: Stimmen, Gerüche, Gedanken, Gerüchte, Hoffnung. Und Luft ist auch dieses Gefühl von »gleich passiert was« – dieses Flirren kurz bevor ein Gewitter losgeht. Wenn Luft kippt, wird aus Beweglichkeit Nervosität, aus Freiheit Zerstreuung, aus Leichtigkeit Panik. Luft kann tragen. Luft kann aber auch alles durcheinanderwerfen.

In der Reihe steht Luft für mich stark für Beziehung: dafür, wie schnell Bindungen entstehen können – und wie wenig romantisch sie manchmal sind. Vertrauen ist in Luft-Geschichten selten Magie, sondern eher Handwerk. Entscheiden. Wiederholen. Dranbleiben. Und manchmal auch: zugeben, dass man gerade völlig überfordert ist.

Ich mag an Luft außerdem dieses Paradox: Sie ist unsichtbar und trotzdem mächtig. Sie kann sie nicht festhalten – und trotzdem kann sie ein Team überhaupt erst möglich machen. Ohne Luft keine Absprachen, keine Empathie, kein »Ich sehe dich!«. Nur Einzelkämpfer mit großen Prinzipien. Und die retten selten die Welt. Ganz im Gegenteil.

Der schottische Luft-Drachen-Küken heißt Concordian, will aber nur Blueberry genannt werden!

Wer Lust auf Luft-Chaos plus Herz hat, findet das in Band 2 »Prophezeiung«, von mir geschrieben. Mehr dazu auch in meinem Text »Prophezeiung für Anfänger«.

Element: Feuer, Band 3 von Ordo Draconis

Feuer: Wille, Macht, Hochmut

Feuer ist das Element, das wir heimlich bewundern, obwohl wir wissen, dass es gefährlich ist. Energie. Ehrgeiz. Glühender Wille. Es ist der Motor jeder Veränderung: Ohne Feuer passiert nichts. Mit Feuer passiert manchmal zu viel.

Feuer kann wärmen, antreiben, klären. Es kann aber auch verbrennen. Und es hat eine besonders fiese Schattenseite: Es hält sich gern für unbesiegbar. Feuer denkt schnell in so eindeutigen Kategorien wie »Gewinnen« und »Verlieren«. Und wenn es sich bedroht fühlt, geht es gern in den Angriff, statt eine klügere Lösung zu suchen.

Genau deshalb ist Feuer in Teamgeschichten so spannend. Ein Feuer-Charakter kann die Gruppe retten – oder sie sprengen. Es braucht Grenzen, Verantwortung und manchmal auch den Mut, die eigene Stärke zu zügeln. Nicht, weil man klein sein soll, sondern weil echte Macht ohne Selbstkontrolle irgendwann nur noch Schaden anrichtet.

Ich mag Feuer in Ordo Draconis, weil es nicht als »böse« erzählt wird, sondern als temperamentvoll, stolz, manchmal grandios – und dann wieder so herrlich »not amused«, wenn die Welt nicht nach Plan funktioniert. Und wenn sogar geothermische Sicherheiten kippen, wird aus »Ich bin Feuer, ich mache das schon« plötzlich die unbequemere Frage: Kann ich mich verändern, ohne mich zu verraten?

Unsere stolze walisische Feuerdrachin heißt Y-Jaen’ffyr , weil das aber niemand aussprechen kann, lässt sie sich gnädig auch simpel Jane nennen.

Christian Raabe, alias C.A. Raaven, alias die Rabenhälfte von C.C. Ravenmiller war der treue Diener der Drachin und hat ihre Sicht der Ereignisse in »Aufruhr« wunderbar dokumentiert.

Ein paar drachige Fun-Facts habe ich übrigens auch im Artikel »Feurige Fun Facts« zusammengetragen.

Element Wasser, Band 4 von Ordo Draconis

Wasser: Wandel, Strömung, Küstenlinien

Wasser ist Veränderung – nicht als Explosion, sondern als Prozess. Es arbeitet leise. Es formt Küstenlinien. Es frisst sich in Gewissheiten. Und es zeigt dir gnadenlos, dass »früher« kein stabiler Zustand ist.

Ich musste sehr lachen über die Randnotiz, dass Süßwasserdrachen kein Salzwasser mögen. Als Satz klingt das fast niedlich – bis man ihn weiterdenkt. Wenn sich Küstenverläufe verschieben, wenn Landstriche versalzen, wenn Strömungen drehen, wenn das Meer plötzlich an Orten steht, an denen es nicht stehen sollte … Dann wird aus einer kleinen Eigenheit eine existenzielle Frage. Wasser ist das Element, das dir beibringt: Du kannst nicht alles kontrollieren. Du kannst nur lernen, dich klug zu bewegen.

Und damit sind wir beim Kern: Wasser-Geschichten sind fast immer Team-Geschichten. Weil niemand allein gegen Strömung gewinnt. Du brauchst Navigation, Vertrauen, Rollenverteilung, Humor (sehr viel Humor), und jemanden, der im richtigen Moment sagt: »Okay, Plan ändern.« Wasser ist Kooperation – oder Untergang.

Genau deshalb passt »Zeitenwende« als finaler Akt so gut zur Reihe: nicht »größer, lauter, epischer (wobei das ehrlicherweise schon irgendwie zutrifft ...), sondern wasserlogisch. Reise. Bewegung. Kurs halten, obwohl du gegen Wind und Wellen arbeitest. Und die Erkenntnis, dass die Welt nicht darauf wartet, dass du dich bereit fühlst.

Der cornische Wasserdrache mit dem Shisha-Problem heißt übrigens Morhwed – und seine Geschichte wurde von Kay Noa aufgeschrieben. »Zeitenwende« ist jetzt erschienen!

Es empfiehlt sich übrigens, die Romane in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Da ist der Spaß am größten!

  • Band 1: Ordo Draconis – Erwachen von Lilly Labord
  • Band 2: Ordo Draconis – Prophezeiung von C.C. Ravenmiller (alias Charlotte McGregor)
  • Band 3: Ordo Draconis – Aufruhr von C.C. Ravenmiller (alias C.A. Raaven)
  • Band 4: Ordo Draconis – Zeitenwende von Kay Noa