Carin Müller bloggt ...

Don’t Panic!

Heute ist "Towel Day" zum Andenken an den Kultklassiker "Per Anhalter durch die Galaxis"

Wann bist du zuletzt ohne Handtuch verreist?

Nein, ich meine nicht das Frotteeteil für den Hotelpool. Ich meine das wirklich wichtige Handtuch. Das, ohne das man laut Douglas Adams niemals das Haus verlassen sollte. Denn ein Handtuch, so heißt es im intergalaktischen Standardwerk »Per Anhalter durch die Galaxis«, ist so ungefähr das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann. Man kann sich darin einwickeln, darauf schlafen, darunter segeln, es als Nahkampfwaffe verwenden – und es natürlich auch benutzen, um sich abzutrocknen, falls es noch sauber genug ist.

Am 25. Mai ist Towel Day. Der inoffizielle, intergalaktische Feiertag zu Ehren von Douglas Adams, dem Mann, der uns beigebracht hat, dass die Antwort auf die große Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest schlicht »42« lautet. Fans auf der ganzen Welt tragen an diesem Tag ein Handtuch mit sich herum. Und ich finde, wir sollten alle mitmachen. Nicht nur wegen des Handtuchs – sondern wegen der zwei Wörter, die in großen, freundlichen Buchstaben auf dem Cover des Anhalters prangen: Don’t Panic.

Douglas wer?

Für alle, denen der Name nichts sagt (keine Sorge, wir holen euch ab): Douglas Noël Adams (1952–2001) war ein britischer Autor, der mit seinem Science-Fiction-Roman »Per Anhalter durch die Galaxis« Literaturgeschichte geschrieben hat. Die Grundidee ist herrlich absurd: Die Erde wird abgerissen, um einer intergalaktischen Hyperraum-Expressroute Platz zu machen. Der letzte überlebende Mensch, Arthur Dent – im Bademantel, versteht sich –, wird von seinem Freund Ford Prefect gerettet, der sich als Außerirdischer entpuppt, und stolpert von da an durch ein Universum voller depressiver Roboter, kafkaesker Bürokraten und Planeten, die andere Planeten als Maßanfertigung herstellen.

Klingt irre? Ist es auch. Aber unter all dem Wahnsinn steckt eine tiefe Empfindsamkeit, ein Staunen über die Schönheit und die Absurdität des Daseins – und ein unerschütterlicher Optimismus, der niemals naiv wird.

Mein Anhalter-Moment

Ich war Anfang zwanzig, als ich den Anhalter zum ersten Mal gelesen habe. Mitte der Neunziger, auf Deutsch, ein zerlesenes Taschenbuch. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete, und war nach den ersten fünfzig Seiten restlos verloren – im besten Sinne. Wenig später habe ich mir die englischen Originalausgaben besorgt und alle fünf Bände der, wie Adams es selbst nannte, »zunehmend ungenau benannten Trilogie« verschlungen.

Was mich sofort gecatcht hat: Dieser Mann schrieb Sätze, bei denen man gleichzeitig lachen und innehalten musste. Er verpackte philosophische Tiefe in Pointen. Und er tat das mit einer Leichtigkeit, die man erst dann wirklich wertschätzt, wenn man selbst versucht, lustig und klug gleichzeitig zu sein. (Spoiler: Es ist wahnsinnig schwer.)

42

Was ist die Antwort auf die große Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest?

42.

Ausgerechnet.

Die Pointe ist natürlich, dass die Antwort vollkommen nutzlos ist, weil niemand die eigentliche Frage kennt. Ein gigantischer Supercomputer namens Deep Thought hat Millionen von Jahren gerechnet, um zu diesem Ergebnis zu kommen – und dann achselzuckend erklärt, dass man zuerst mal herausfinden müsse, wie die Frage eigentlich lautet.

Ich finde das großartig. Nicht nur als Gag, sondern als Lebensweisheit. Wie oft rennen wir Antworten hinterher, ohne uns die Zeit zu nehmen, die richtige Frage zu stellen? Wie oft suchen wir nach dem einen großen Sinn, der alles erklärt – und übersehen dabei, dass vielleicht schon die Suche selbst der Punkt ist?

Übrigens: Mein 42. Geburtstag war großartig. Ich habe beschlossen, dass das Universum mir an diesem Tag die Antwort auf alles schuldet. Es kam keine. Aber der Tag war trotzdem ziemlich perfekt.

Don’t Panic!

Und damit sind wir beim Kern.

»Don’t Panic!« steht auf dem Buchdeckel des Anhalters – dem fiktiven Reiseführer innerhalb der Geschichte – in großen, freundlichen Buchstaben. Es ist der erste Ratschlag, den das Buch seinen Leserinnen gibt. Und ich glaube, es gibt keinen Satz, den wir gerade dringender brauchen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber wenn ich morgens die Nachrichten aufmache, habe ich manchmal das Gefühl, die Erde wird tatsächlich gerade abgerissen, um einer Hyperraum-Expressroute Platz zu machen. Die politische Landschaft? Ein Trümmerfeld. Die Umwelt? Machen wir uns nichts vor. International? Erspare ich uns jetzt mal. Und im persönlichen Umfeld sieht es oft nicht besser aus: Burnout-Angst, Überforderung, eine kollektive Erschöpfung, die sich anfühlt, als hätte jemand die Schwerkraft hochgedreht.

In solchen Momenten denke ich an Douglas Adams. Nicht, weil er Lösungen hätte. Sondern weil er etwas anderes konnte: Er hat uns gezeigt, dass man dem Chaos mit Humor begegnen kann, ohne es zu verharmlosen. Dass Lachen kein Zeichen von Gleichgültigkeit ist, sondern von Widerstandskraft. Dass man die Absurdität der Welt anerkennen und trotzdem weitermachen kann – am besten mit einem Handtuch unter dem Arm und zwei Wörtern im Kopf.

»Don’t Panic!« ist kein naiver Optimismus. Es ist eine bewusste Haltung. Es bedeutet nicht, dass alles gut ist. Es bedeutet: Ich lasse mich davon nicht lähmen.

Oder, um es mit Adams zu sagen: In einer unendlich großen, unendlich verwirrenden Galaxis ist es schon eine beachtliche Leistung, morgens seine Socken zu finden.

Pack dein Handtuch ein

Heute ist Towel Day. Genau heute, während du das hier liest. Und ich hätte da einen Vorschlag: Pack ein Handtuch ein. Es muss kein großes sein. Ein Geschirrtuch reicht. Und wenn dich jemand fragt, warum du ein Handtuch mit dir herumträgst, sag einfach: Weil ein Mensch, der weiß, wo sein Handtuch ist, eindeutig jemand ist, mit dem zu rechnen ist.

Oder, noch besser: Lies das Buch. Falls du es nicht kennst, wirst du dich wundern, wie ein Roman von 1979 so punktgenau beschreiben kann, wie sich 2026 anfühlt. Und falls du es schon kennst – lies es nochmal. Es wird besser bei jedem Mal.

Don’t Panic, Leute. Wir haben ein Handtuch.

Per Anhalter durch die Galaxis

Band 1 der fünfbändigen »Intergalaktischen Trilogie«

Eines normalen Tages erfährt Arthur Dent zufällig, dass die Zerstörung der Erde unmittelbar bevorsteht: Sie soll einer Hyperraumumgehungsstraße weichen. Zum Glück entpuppt sich sein bester Freund als Außerirdischer, der sie per Anhalter auf ein Raumschiff schleust und so rettet. Zumindest erst mal. Denn bevor sie die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest erfahren, müssen sie gemeinsam mit dem debilen Präsidenten der Galaxis und einem schwermütigen Roboter den unwahrscheinlichsten Planeten überleben, den es je gab. Der erste Band der intergalaktischen Kult-Serie »Per Anhalter durch die Galaxis«.