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Making it so!

Captain-Picard-Day - warum mich Star Trek bis heute inspiriert

Am 16. Juni ist Captain-Picard-Day. Und nein, das habe ich mir nicht ausgedacht. Der Captain-Picard-Day ist ein offizieller Feiertag in der Star-Trek-Welt – und seit 2007 auch unter Fans auf der Erde. Er geht zurück auf eine Folge von »Star Trek: The Next Generation«, in der die Kinder auf der Enterprise ihrem Captain zu Ehren ein Fest veranstalten. Sie malen Bilder von ihm, basteln Modelle, hängen Banner auf. Captain Picard findet das Ganze fürchterlich peinlich. Commander Riker findet es urkomisch. Und die Fans haben den Sternzeit-Eintrag 47457.1 in unseren Kalender umgerechnet und kamen auf den 16. Juni.

Ich feiere mit. Denn ohne diesen Mann – ohne diese Serie – wäre ich vermutlich nie Autorin geworden.

Am Anfang war Kirk

Angefangen hat alles mit dem Original. James Tiberius Kirk, Captain der ersten Enterprise, gespielt von William Shatner mit einem Maß an Selbstbewusstsein, das an Größenwahn grenzte. Kirk war Abenteuer pur. Kirk hat nicht lange gefackelt. Kirk hat auf fremden Planeten Aliens verprügelt, Frauen geküsst und Regeln gebrochen, und das alles oft in einer einzigen Episode.

Ich war ein Kind, als ich die alten Folgen im Fernsehen sah, und Kirk war für mich die Verkörperung von Freiheit. Da draußen im Weltraum passierte etwas. Etwas Aufregendes. Und dieser Mann mit dem markanten Kinn und dem engen Shirt stürzte sich kopfüber hinein.

War Kirk ein guter Captain? Vermutlich nicht im Sinne der Dienstvorschriften. War er attraktiv? Absolut. War er ein Vorbild? Eher der Typ, den man besser nicht nach Hause bringt.

Dann kam Picard

Und dann, Ende der achtziger Jahre, lief plötzlich »The Next Generation« im Fernsehen. Neues Schiff. Neue Crew. Und ein Captain, der nicht hätte unterschiedlicher sein können.

Jean-Luc Picard. Franzose (gespielt von einem Engländer, was irgendwie perfekt war). Kahlköpfig, distinguiert, mit einer Stimme, die einem das Gefühl gab, dass allein ihr Klang eine diplomatische Krise lösen könnte. Picard prügelte sich nicht. Picard rannte nicht als Erster in Gefahr. Picard saß in seinem Sessel, hörte zu, dachte nach – und traf dann die richtige Entscheidung. Oder zumindest die bestmögliche.

Picard las Shakespeare. Picard trank Earl Grey. Picard spielte Flöte, allein in seinem Quartier, und es war einer der berührendsten Momente der gesamten Serie.

War er ein bisschen steif? Ja, definitiv. Er war nicht der Captain, mit dem man abends in einer Bar lachen würde. Er war der Captain, dem man vertraute, wenn die Dinge ernst wurden. Der Mann, der lieber verhandelte als schoss. Der Anführer, der seine Crew nicht mit Charisma führte, sondern mit Haltung.

Ich habe zu Picard aufgesehen. Ich bewundere ihn bis heute.

Kurzer Einschub in eigener Sache

Verknallt war ich allerdings in einen anderen.

Will Riker. Erster Offizier. Dieses Grinsen. Diese Lässigkeit. Dieser Mann, der rückwärts über Stühle stieg, statt sich wie ein normaler Mensch hinzusetzen.

Riker war das, was man in der Romanbranche einen Love Interest nennt: der charmante, warmherzige Draufgänger neben dem kühlen, brillanten Anführer. Meine Leserinnen kennen diese Dynamik. Sie steckt in praktisch jedem guten Liebesroman. Der Kopf sagt Picard. Das Herz sagt Riker.

Und Kirk? Kirk war der Bad Boy aus Band eins, von dem man in Band drei weiß, dass es nie funktioniert hätte.

Wie die Enterprise mich zum Schreiben brachte

Es war in der Picard-Ära, als etwas passierte, das mein Leben verändern sollte. Meine beste Freundin Tanja und ich fingen an, uns eigene Geschichten auszudenken. Inspiriert von der Enterprise, von den unendlichen Weiten, von der Idee, dass da draußen Welten existierten, die nur darauf warteten, entdeckt zu werden.

Wir haben zusammen Geschichten gesponnen, Figuren erfunden, Abenteuer konstruiert. Nicht als Schulprojekt, nicht mit einem Plan. Einfach, weil es Spaß machte. Weil die Enterprise in uns diese Tür aufgestoßen hatte: Wenn Gene Roddenberry sich ein ganzes Universum ausdenken konnte, warum nicht auch wir?

Aus diesem Spieltrieb wurde irgendwann Ernst. Aus den ersten Versuchen wurden erste Manuskripte. Aus den Manuskripten wurden Bücher. Über vierzig inzwischen, und es werden mehr. Liebesromane, Krimis, Fantasy, literarische Fiktion. Aber angefangen hat alles mit einem Raumschiff und der Idee, dass Geschichten die Welt ein bisschen größer machen können.

Was von Picard bleibt

Es ist kein Zufall, dass mich Picard mehr geprägt hat als Kirk. Kirk war Unterhaltung. Picard war Haltung.

Von ihm habe ich gelernt, dass man nicht am lautesten sein muss, um gehört zu werden. Dass Neugier keine Schwäche ist. Dass Diplomatie kein Zeichen von Mutlosigkeit ist, sondern oft die mutigere Wahl. Und dass ein Mensch, der zuhört, bevor er handelt, am Ende die besseren Entscheidungen trifft.

Das klingt jetzt vielleicht seltsam für eine Fernsehfigur. Aber Geschichten – ich sage das oft und werde nicht müde es zu wiederholen – Geschichten formen uns. Die Figuren, mit denen wir aufwachsen, nehmen wir mit. Picard sitzt irgendwo in meinem Hinterkopf, wenn ich meine eigenen Figuren schreibe. Nicht als Vorlage, aber als Kompass. Mach es richtig. Denk nach. Hab Haltung. Gib Hoffnung.

Und wenn alles andere scheitert: Trink einen Tee.

Make it so

Morgen ist also Captain Picard Day. Und nach dem Afternoon-Tea-Text von neulich habe ich einen naheliegenden Vorschlag: Kocht euch einen Earl Grey. Heiß. Ohne Milch, wenn ihr es wie Jean-Luc halten wollt.

Und dann denkt einen Moment an diesen eigenartigen, steifen, wunderbaren Raumschiffkapitän, der mit Shakespeare-Zitaten und leisem Flötenspiel gezeigt hat, dass wahre Stärke nicht im Zuschlagen liegt, sondern im Haltungbewahren.

Auch wenn die Welt gerade nicht so aussieht, als wäre sie das Ergebnis kluger Entscheidungen: Die Enterprise ist immer noch da draußen. Zumindest in unseren Köpfen.

Make it so.