Carin Müller bloggt ...

Geister statt Großverdiener

Die fünfte Wahrheit - Geister der See: Urban Fantasy und perfekte WM-Alternative

Es ist wieder so weit. Der Ball rollt, die Sponsoren jubeln, und ich? Ich gucke weg. Wer meinen Text »Eigentlich« gelesen hat, weiß warum: Der Fußball und ich, das war mal große Liebe – Sky-Abo, Stadionhighlights, sieben Jahre eigener Fußballblog. Und es war kein Streit, der uns getrennt hat, sondern dieselbe entrückte, unbelangbare Macht, vor der ich auch sonst die Flucht ergreife. Russland war der Anfang vom Ende, Katar der Tiefpunkt, und die aktuelle WM ist nur noch eine Farce, der ich keine Minute meiner Lebenszeit mehr schenke.

Falls es euch genauso geht – falls euch dieses ganze Spektakel aus Geld, Macht und Selbstbeweihräucherung ebenso anwidert wie mich, ihr aber das Gefühl trotzdem vermisst: das Kribbeln, das Mitfiebern, die WM-Sommer von früher, als das alles noch unschuldig schien – dann habe ich etwas für euch.

Flüchtet euch ins Buch.

Ein guter Zeitpunkt, um abzutauchen

Seit dem 14. Juni ist mein neuer Roman draußen: »Die fünfte Wahrheit – Geister der See«, erschienen unter meinem Pseudonym C.C. Ravenmiller. Und ja, da kommt Fußball drin vor – aber keine Sorge, nur das Gute daran. Eine WM als Hintergrundrauschen, als Sommergefühl, als Erinnerung an eine Zeit, in der man noch unbeschwert mitjubeln durfte. Die Spiele laufen im Roman irgendwo auf einem Fernseher an der Bar. Im Vordergrund stehen ganz andere Dinge. Geister zum Beispiel.

Wer mir hier schon länger folgt, weiß, dass ich unter verschiedenen Namen ziemlich unterschiedliche Sachen schreibe – von Kirkby bis zur Ozeanschwimmerin, mit Abstechern zu Walen und Drachen. Quer durch Genres, quer durch Stimmungen. Aber dieses Buch hier ist ein besonderer Fall, und das hat eine Vorgeschichte.

Was als kleine Renovierung begann

Im April habe ich euch von der »Operation zweiter Frühling« erzählt: von einem Buch, das zwölf Jahre lang unter falscher Flagge gesegelt ist. Mein Indie-Debüt, damals als Liebesroman verkauft, obwohl es in Wahrheit immer Urban Fantasy war – ich hab’s nur nicht wahrhaben wollen. Mein Plan war ein überschaubarer: neuer Titel, neues Cover, neues Pseudonym, und am Text – Originalton April – »behutsam arbeiten«.

Über das Wort »behutsam« müssen wir reden.

Aus der kleinen Renovierung wurde ein Neubau. Aus einem schmalen Band sind 43 Kapitel und ein Epilog geworden. Die Geister, die früher schüchtern am Rand standen, haben jetzt eine eigene Welt: Regeln, ein Netzwerk, Stufen, die man erklimmen muss – und einen Mentor, der seit über hundert Jahren tot ist und trotzdem die klügsten Sätze des Buches sagt. (Ja, der Gorilla ist geblieben. Er war nie verhandelbar.)

Worum es geht

»Die fünfte Wahrheit – Geister der See« spielt 2013/2014 an Bord des Segelkreuzfahrtschiffs Flying Cloud, unterwegs in die Karibik. Drei Menschen – nun ja, zweieinhalb – erzählen abwechselnd:

Selma, ehemalige Sportreporterin, eigentlich auf diesem Schiff, um Abstand zu gewinnen. Bis sie merkt, dass sie etwas sehen und hören kann, das die anderen nicht sehen und hören. Und dass das kein neues Problem ist. Sie kennt es. Sie hat es nur ihr halbes Leben lang erfolgreich ignoriert. (Über das Thema »offensichtliche Dinge konsequent ignorieren« weiß ich inzwischen ja einiges.)

Henri, Erster Offizier, überzeugter Skeptiker, dem das Übernatürliche herzlich egal ist, weil sein eigenes Leben schon kompliziert genug ist. Eine bröckelnde Ehe, die wachsende Distanz zu seinen Kindern, eine alte Schuld. Henri ist der Boden unter all dem Zauber – der Mann, der nicht an Geister glaubt und genau deshalb gebraucht wird.

Kito, ein junger Mann aus Malawi, der nicht mehr lebt und trotzdem ein größeres Herz hat als die meisten Lebenden an Bord. Begleitet von eben jenem Mentor, der ihm beibringt, was Verantwortung heißt – auf dieser Seite wie auf der anderen.

Es geht um eine zarte, ehrliche Liebesgeschichte. Um eine Frau, die endlich aufhört, sich selbst zu belügen. Um Abschiede, die wehtun, und um die Frage, was bleibt, wenn alles andere vergeht. Und ja – um Geister auf einem Großsegler vor der Kulisse einer Fußball-WM. Diese Kombination gibt es, soweit ich weiß, kein zweites Mal.

Und die fünfte Wahrheit?

Der Titel verrät euch, dass es vier Wahrheiten gibt, mit denen man rechnen kann. Die fünfte ist die, die man am liebsten übersehen würde. Welche das ist, erfahrt ihr im Buch – ich habe schließlich zwölf Jahre gebraucht, um meine eigene anzuerkennen.

So lange müsst ihr nicht warten.

Denn um auf den Anfang zurückzukommen: Manche Dinge verraten einen nicht. Eine Insel klebt an keinem korrupten Verband. Das Meer hängt an keinem Posten. Und ein gutes Buch will nichts von euch – außer ein paar schöne Stunden, weit weg vom Rasen, draußen auf hoher See.

Die WM könnt ihr getrost den Funktionären überlassen. Kommt lieber an Bord.