Carin Müller bloggt ...

So läuft es mit dem Buchblogger

So läuft es mit dem Buchblogger

Epic Fail an der Gender-Front schon zu Beginn: Die Überschrift ist nämlich komplett irreführend, da die allermeisten Buchblogger Frauen sind. Insofern noch einmal: So läuft es mit der Buchbloggerin!

Ich persönlich habe in all den Jahren vorwiegend gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht und möchte die Zusammenarbeit mit »meinen« Bloggerinnen nicht mehr missen. Einige von ihnen sind mir inzwischen zu echten Freundinnen geworden und freuen sich aufrichtig mit mir über Erfolge und trösten bei Flops. Umgekehrt unterstütze ich die Blogs gerne bei Gewinnspielen und teile auch mal Beiträge, die nichts mit mir selbst zu tun haben. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit, doch in vielen Fällen knirscht es gewaltig im Getriebe.

Der Blogger – das unbekannte Wesen

Viele Neuautoren hören den Begriff »Buchblog« vielleicht zum ersten Mal und kratzen sich nun einigermaßen verzweifelt den Kopf. »Braucht man das oder kann das weg?« Ich persönlich finde, man braucht »das« unbedingt, gerade als noch unbekanntes Fischlein im großen Haifischbecken. Buchblogger sind die perfekten Multiplikatoren, können die Bekanntheit von Autor und Werk steigern und geben auch mal wertvolle Hinweise.

Was Buchblogger jedoch nicht sind: Seelenlose Dienstleister, die auf Zuruf Rezensionen raushauen (natürlich nur gute) und alles stehen und liegen lassen, nur um dem grandiosen Debütanten einen guten Start auf dem Buchmarkt zu bieten. Die überwiegende Mehrzahl an BloggerInnen betreiben ihre Blogs aus Leidenschaft und in ihrer Freizeit. Sie bekommen kein Geld (übrigens auch von den Verlagen nicht!), sondern bestenfalls ein Dankeschön. Und das auch nicht immer.

So wundert es nicht, dass viele dieser Buchenthusiasten frustriert sind oder sogar aufgeben. Eigentlich wäre das noch ein weiterer Punkt für meinen Artikel Die 5 krassesten Anfängerfehler von SP-Autoren gewesen, doch die Beziehungen zwischen Bloggern und Autoren sind derart komplex, dass sie einen eigenen Beitrag verdienen.

Monika Schulze

Süchtig nach Büchern

Daher überlasse ich an dieser Stelle auch Monika Schulze das Wort, die seit sieben Jahren sehr erfolgreich ihren Blog Süchtig nach Büchern führt und gerade auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Skoutz-Award für den besten Buchblog ausgezeichnet wurde.

Liebe Moni, du bist unter all den vielen großartigen Buchbloggerinnen eine echte Ausnahmeerscheinung – weil du zusätzlich zu deiner »normalen« Blogarbeit auch noch unermüdlich Aktionen für uns Autoren entwickelst und durchführst. Dazu möchte ich später noch kommen. Magst du dich und deinen Blog »Süchtig nach Büchern« zunächst kurz vorstellen?

Vielen Dank für das liebe Kompliment (ich werd tatsächlich etwas rot hier :D). Also ich heiße Monika, bin 36 Jahre alt und bin neben meinem Job als Erzieherin noch Buchbloggerin mit Leib und Seele. Gelesen habe ich immer schon gerne und sehr viel, weswegen meine Familie immer schon meinte, ich sei »süchtig nach Büchern«. Leider habe ich aber hier in meinem näheren Umfeld keine Gleichgesinnten, deswegen war ich in Facebook auf der Suche nach Leute, die genauso gerne lesen, wie ich und sich mit mir austauschen wollen. Dadurch bin ich auf die ersten Buchblogs gestoßen und war total fasziniert. Sofort war mir klar: Das möchte ich auch: Lesen und den Leuten von meinen Leseeindrücken erzählen, diese irgendwo festhalten und präsentieren. Gesagt getan: So wurde im Februar 2012 mein Buchblog »Süchtig nach Büchern« geboren und ist seitdem aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Irgendwann kamen dann auch die ersten Anfragen von Autoren, die mich wirklich umgehauen haben: Da haben MIR tatsächlich Autoren ihre Bücher angeboten, um sie zu lesen und meine Meinung dazu zu sagen. Ich war total baff und aus dieser Freude heraus hat sich dann ein kleines Faible für Selfpublisher und allgemein für die Unterstützung von Autoren entwickelt.

Mit meinem Artikel spreche ich ja in erster Linie Debütanten an, die gerade dabei sind, ihren ersten Roman zu veröffentlichen. In der Regel haben diese Kollegen noch kein großes Netzwerk und schon gar keine üppige Fanbase. Was würdest du ihnen raten – nach welchen Kriterien sollen sie mögliche Blogger auswählen und wie sollte die »Erstansprache« idealerweise aussehen?

Viele raten ja, dass man sich Blogger mit möglichst großer Reichweite suchen soll, aber ich persönlich finde das Quatsch. Wenn mich jemand fragt, sag ich immer, die Chemie muss stimmen. Natürlich kann man das anfangs noch nicht wissen, aber was man als Debütautor auf jeden Fall machen kann: Sich die Blogs genau ansehen, Rezensionen lesen, auf den Über-mich-Seiten stöbern und den Schreibstil des Bloggers kennenlernen. So hat man schon ein ziemlich gutes Bild, ob derjenige, z.B. überhaupt das Genre liest, das man ihm anbieten möchte und ob einem die Art der Rezensionen zusagt (da gibt es nämlich sehr große Unterschiede). Mag man die Präsentation der Bücher und gefallen einem die Beiträge, die der Blogger sonst noch so schreibt? Hat man dabei ein gutes Gefühl, dann sollte man es wagen, und den Blogger anschreiben.

Wichtig dabei ist: Keine Copy & Paste Nachrichten verschicken. Am besten man macht sich beim Stöbern schon Notizen über die einzelnen Blogs, was einem gut gefällt, was einem sofort ins Auge gesprungen ist etc. Das kann man dann gerne in der Mail verwenden, was oftmals als Eisbrecher dient. Blogger wollen sich auch besonders fühlen und wissen, warum der Autor ausgerechnet ihn ausgesucht hat. Das zeigt auch, dass sich der Autor mit dem Blog beschäftigt hat, was ihm gleich einen dicken Pluspunkt einbringt. Zudem sollte man den Blogbetreiber immer mit Namen ansprechen. Diesen findet man ganz einfach im Impressum, das für jeden Blogger Pflicht ist und deswegen vorhanden sein sollte. Mit einer netten, persönlichen Email kommt man auf jeden Fall schon einmal näher an den Blogger heran.

In diversen Büchergruppen auf Facebook lese ich immer wieder mit Staunen von den diversen Problemen, die es zwischen Bloggern und Autoren offensichtlich regelmäßig gibt. Scheinbar klatschen da die unterschiedlichsten Erwartungen aufeinander. Wie sieht für dich ein gesundes Miteinander aus?

Die wichtigsten Punkte sind für mich auf jeden Fall gegenseitiger Respekt und Wertschätzung. Man sollte sich immer auch in die Lage des anderen hineinversetzen und nichts als selbstverständlich ansehen. Kommunikation ist dabei das A und O in der Zusammenarbeit: Ehrlich miteinander umgehen und Erwartungen vorher abklären hilft auf jeden Fall Enttäuschungen vorzubeugen.

Was motiviert dich zusätzlich? Warum tust du dir dieses zeitraubende Hobby neben Job und Familie überhaupt an?

Einfach, weil es irrsinnig Spaß macht. Ich liebe es, mich mit Büchern zu beschäftigen und Ideen und Aktionen auszutüfteln. Dabei motiviert es mich natürlich auch ungemein, wenn so eine Aktion gut ankommt oder sich die Autoren über die Unterstützung freuen und sich mit viel Engagement beteiligen.

Du belässt es ja nicht einfach beim Schreiben von Rezensionen, nein du organisierst regelmäßig und im großen Stil die unterschiedlichsten Aktionen für Autoren. Magst du ein paar davon kurz vorstellen?

Früher habe ich vor allem Blogtouren organisiert, wobei ich mittlerweile eher davon abrate, weil sie meiner Meinung nach nicht mehr so gerne verfolgt werden. Dagegen versuche ich andere Aktionen zu organisieren, die zum Buch passen z.B. eine Halloween-Party zum Vampirbuch, eine Tränensuche (sprich Schnitzeljagd) zu »Novembers Tränen« von Mina Teichert oder eine Weihnachtsfeier mit Rezepten, Geschenk- und Basteltipps und einem witzigen Geschenkeraten zu einem Weihnachtsroman. Es sollte eben auch immer zum Buch passen und damit etwas aus der Masse hervorstechen.

Außerdem veranstalte ich z.B. das Buch-Speeddating, bei dem 24 Autoren im 30-Minuten-Rhythmus in einer Facebook-Veranstaltung Fragen rund um ihr Buch beantworten oder vermittle Blogger und Rezensenten. Gemeinsam mit einer anderen Bloggerin habe ich eine Bloggerbörse gegründet, bei der Blogger ihre Aktionen vorstellen und Autoren sich quasi darauf bewerben können. Und auch eine Buchpatenschaft haben wir schon ins Leben gerufen, bei der ein Blogger sich 3 Monate lang ganz besonders um ein Buch kümmert, Beiträge des Autors teilt oder sich gemeinsam mit diesem Werbeaktionen überlegt.

Dürfen dich auch Neulinge für solche Aktionen kontaktieren oder machst du die nur für deine Lieblingsautoren?

Natürlich habe ich Autoren, mit denen ich schon jahrelang zusammenarbeite und die deswegen immer Vorrang bei mir haben, allerdings lerne ich auch gerne neue Autoren und ihre Bücher kennen. Deshalb darf sich jeder bei mir melden. Solange es in meinen Zeitplan passt, helfe ich immer gerne. Allerdings mache ich keine »Hauruck-Aktionen«. Das heißt, man sollte mich frühzeitig anschreiben, um genug Zeit für die Planung zu haben. So etwas kann gut 2 – 3 Monate dauern, wenn z.B. Blogger vorher das Buch gelesen haben sollten.

Hast du aus Blogger-Sicht noch einen ultimativen Tipp für Jungautoren? Egal was?

Wie bereits auch schon oben gesagt: Fragt die Blogger unbedingt rechtzeitig an. Viele sind bereits über Monate ausgebucht und es wird immer schwieriger, Blogger zu finden, die noch Zeit haben. Also falls ihr gerne mit Bloggern zusammenarbeiten wollt, plant das frühzeitig mit ein. Und erwartet euch von der Zusammenarbeit nicht sofort einen Anstieg der Verkaufszahlen. Dabei geht es nämlich eher „ums gesehen“ werden und um Vernetzung.

Vielen Dank, dass du dir Zeit für mich genommen hast!

Ich danke DIR ganz herzlich für die interessanten Fragen und dass ich etwas über meine Arbeit erzählen durfte.

Süchtig nach Büchern

Moni auf einen Blick:

Website: https://suechtignachbuechern.de/
Facebook: https://www.facebook.com/Suechtig-nach-Buechern-285568718156672/
Instagram: https://www.instagram.com/suechtignachbuechern/