Einsam, zweisam – Chaos?

2.3.2026
Autorinnenleben, CoWorking, Der literarische Saloon, einsam, gemeinsam schreiben, Gemeinschaftsprojekt, Kollaboration, Ordo Draconis, Podcast, Schreiballtag, Schreibprozess
Mein Romandebüt »Mopsküsse« (heute heißt es »Hugo’s Affairs – Wie war das mit zauberhaften Anfängen?«) habe ich einst mit meiner Freundin Micha geschrieben. Im Gegensatz zu mir hatte sie 2005 wenigstens rudimentäre Ahnung davon, wie man ein Romanprojekt angehen könnte, schließlich hatte sie in den USA studiert und war dort auf »creative writing« gestoßen. Wir haben also intensiv geplottet, die ersten Kapitel geschrieben, uns einen Agenten gesucht (erfolgreich), dann weiter geschrieben und weitergeschrieben und weitergeschrieben und überarbeitet und überarbeitet und überarbeitet und 2006 einen Verlagsvertrag bei Goldmann unterschrieben. Dann hat es noch einmal drei Jahre gedauert, bis das Buch 2009 erschienen ist. Drei Jahre!
Und während der eigentliche Schreibprozess durchaus spaßig war, knirschte es ansonsten auf zwischenmenschlicher Ebene, weil wir eben recht unterschiedlich waren und sind und ... Kürzen wir es ab: Unsere Freundschaft ist an diesem Buch beinahe zerbrochen!
Von da an wollte ich nie wieder mit jemandem zusammenarbeiten. Jedenfalls nicht an einem Roman.
Die einsame Autorin
Es folgten dann die ersten Solo-Schreibprojekte – und auch, wenn ich jetzt allein mein Ding machen konnte (oder jedenfalls vermeintlich, denn so ganz stimmt das ja doch nicht, aber dazu gleich mehr), war es zunächst längst nicht so freudvoll und schön, wie ich es mir vorgestellt hatte. So ein Sparringspartner ist nämlich schon was Feines. Auch wenn man sich mal in die Wolle kriegt.
Doch mit der Zeit wuchs auch die Routine. Romaneschreiben ist schließlich nur ein kleiner Teil Talent, ein etwas größerer Einfallsreichtum, aber vor allem Handwerk. Das saß irgendwann, auch wenn es bei mir ziemlich lang dauerte, bis ich »meine« Stimme gefunden hatte. Also genau den Ton und die Art, wie ich meine Geschichten erzählen möchte.
Total einsam war ich in der Zeit aber auch nicht, denn es gibt immer viele Menschen, die mitreden wollen/dürfen/sollen. Bei Verlagsprojekten sind es die zuständigen Lektor*innen und ein Team an Leuten, die entscheiden, wie der Titel lautet, wie das Cover aussieht und wie und ob man Marketingmaßnahmen plant. Aber auch als Selfpublisherin ist man nicht alleine auf der grünen Schreiberweide. Jedenfalls dann nicht, wenn man Dinge wie Lektorat und Coverdesign ebenfalls auslagert (was ich persönlich für extrem empfehlenswert halte).
Und dann gibt es auch noch die werte Leserschaft. Sobald ein Buch erschienen ist, gehört es nämlich allen – und jeder hat eine Meinung dazu. Also im Idealfall, denn dann wurde es auch gekauft. Und wenn es richtig gut läuft, behalten diese wunderbaren Leute ihre Meinung auch nicht für sich, sondern teilen sie mit der Welt in Form von Rezensionen. Die können ein sensibles Schreiberherz gehörig aus dem Tritt bringen – auch die begeisterten Bewertungen! Denn es ist erstaunlich, dass manche Menschen ganz andere Bücher lesen, als man eigentlich geschrieben hat.
Teamplayer
Mein Dogma, nie wieder gemeinsam an einem Roman zu schreiben, hielt lange – konkret bis 2022. Davor habe ich aber kleinere kollaborative Ausflüge gewagt: Kurzgeschichten in Anthologien beispielsweise. Außerdem war meine innere Charlotte Taylor kurze Zeit Teil des »Millionaires Club«-Zirkels, in dem die Autorinnen eigenständige Geschichten über die natürlich rasend attraktiven Mitglieder des Millionaires Clubs geschrieben haben, die nur ganz lose miteinander verwoben waren. Das alles bedurfte nur minimaler Abstimmung, aber die gemeinsamen Werbebemühungen haben schon einen Unterschied gemacht. Diese Kurzromane fielen jedoch noch in meine Findungsphase hinein und schließlich meiner Erkenntnis zum Opfer, dass ich einfach nicht wirklich auf hotte »Rich Guy«-Liebesromane stehe. Ian, Derek und Dan mag ich trotzdem sehr.
Mit einigem Neid habe in den folgenden Jahren jedoch gesehen, wie erfolgreich es sein kann, wenn sich Autor*innen-Teams bilden und gemeinsam Reihen schreiben. Also keine lockeren Konstrukte wie die Millionäre, sondern eine gemeinsam konzipierte und geplante Reihe. Ich wurde auch einige Male gefragt, ob ich bei so einem Vorhaben mitmachen will, aber ich habe immer abgelehnt. Weil ich entweder schlicht keine Zeit aber vor allem Schiss vor der gemeinschaftlichen Verpflichtung hatte. Und vor den unterschiedlichen Befindlichkeiten, die garantiert nicht immer harmonisch im Einklang schwingen.
Doch dann kam Appletree Murders
In 2022 habe ich dann meine Bedenken über Bord geworfen. Christian und ich kamen in unserem Podcast »Der literarische Saloon« auf die abwegige Schnapsidee, dass wir doch gemeinsam quasi live vor unserer Zuhörerschaft einen Roman plotten und schreiben könnten. Anfangs hat das niemand so richtig ernst genommen – am wenigsten wie selbst –, doch dann war »Appletree Murders – Fudge, Vermächtnis und Verderben« irgendwann fertig und wir haben es unter dem gemeinsamen Pseudonym »C.C. Ravenmiller« veröffentlicht. Der Nachname ist übrigens ein Kofferwort aus Raabe und Müller. Die beiden Initialen stehen für unsere Vornamen. Logisch, oder?
Dass dieser Quatsch funktionieren könnte, war irgendwie nicht eingeplant gewesen. Doch nicht nur war die gemeinschaftliche Arbeit am Manuskript praktisch schmerzlos, das Ding wurde und wird sogar mit einiger Begeisterung gelesen. Obwohl es dem uns beiden (aber vor allem mir) bislang völlig fremden Nischen-Genre »Paranormal Cosy Crime« zuzuordnen ist! Verrückt. Total verrückt.
Jetzt hatten wir schon mehr oder weniger versehentlich ein neues Genre und einen neuen Namen aufgetan – sollten wir es dabei belassen? Natürlich nicht! Gerade schreiben wir gemeinsam am zweiten Band, der »Appletree Murders – Fehde, Frevel und Frequenzen« heißen wird und vermutlich im September 2026 erscheint.
Und dann kamen noch die Drachen! Ordo Draconis, die Gemeinschaftsserie mit Lilly Labord und Kay Noa. Dazu habe ich schon reichlich geschrieben – zuletzt in »Wasser, Wandel, Weltrettung« – da spare ich mir jetzt inhaltliche Details. Die Zusammenarbeit war durchaus die erwartete Herausforderung. Kein Wunder, wenn vier meinungsstarke und versierte Autor*innen unter einen Hut zu bringen sind. Natürlich rappelte es einige Male recht lautstark im Gebälk, aber das Ergebnis spricht (hoffentlich) für sich.
Fazit
Die Erkenntnis, dass ich am liebsten als Solistin agiere, verwundert wohl niemanden. Mich natürlich auch nicht. Aber trotzdem schließe ich weitere Zusammenarbeiten an Gemeinschaftsprojekten in Zukunft nicht aus. Denn erstaunlicherweise habe ich (obwohl ich es doch eigentlich immer am besten weiß), unglaublich viel von Christian und den Kolleginnen gelernt. Jeder hat eine total andere Arbeitsweise und schätzt gewisse Dinge völlig unterschiedlich ein. Das hat mir nicht immer gefallen, aber mit etwas Abstand erkenne ich, wie bereichernd es war und ist. Dafür bin ich unglaublich dankbar.
Übrigens haben Christian und ich vor ein paar Wochen auch eine Podcast-Folge zu diesem Thema aufgenommen: »Solo, Duo oder im Quartett?«. Hör gerne mal rein.